Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 2 (8.2.1926)
- Article
- Vorbestrechung zur Schaffung einer Reichsorganisation der deutschen Juden in München
- Date
- 1926-02-08
- Page
- Seite 38 (sequence 1)
- Language
- German
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38 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 Vorbesprechung zur Schaffung einer Reichsorganisation der deutschen Juden in München. Sonntag, den 3. Januar 1926 fand auf Einladung des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes und des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden im Sitzungssaal der Israelitischen Kultusgemeinde München die von uns bereits gemeldete Versammlung von Vertretern des D.J.G.B. und der deutschen Landesverbände statt, in der die Schaffung eines Reichsverbandes der deutschen Juden besprochen werden sollte. Die bedeutenderen Landesorganisationen waren fast vollzählig durch ihre führenden Männer vertreten, um in gemeinschaftlicher Arbeit eine Grundlage zu finden, auf der eine alle> deutschen Juden umassende Spitzenorganisation des deutschen Judentums aufgebaut werden könnte. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund (D.J.G.B.) hatte seine stellvertretenden Vorsitzenden, Prof. Dr. Sobernheim und Justizrat Dr. Salomon (Berlin) sowie Justizrat Dr. Goldfeld (Breslau) entsandt. Der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden war durch seinen Vorsitzenden, Kammergerichtsrat Dr. Wolfs (Berlin) sowie durch Justizrat Lilienthal und Dr. Jsmar Freund (Berlin) vertreten. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der für den folgenden Tag seinen Rat zu einer Sitzung zusammenberufen hatte, hatte mit seiner Vertretung beauftragt den Präsidenten des Rats Oberlandesgerichtsrat Dr. Reumeyer (München), den Vorsitzenden der Tagung Prof. Dr. Silberschmidt, Rat am Obersten Landesgericht München, ferner die Mitglieder des Rats Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg), Justizrat, Dr. Hammel (Schweinfurt), Kommerzienrat Albert Joseph (Landau), den Vorsitzenden des Verbandes der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz, Ludwig Rosenzweig (Nürnberg), Rabbiner Dr. Stein (Schweinfurt), Rabbiner Dr. Hanover (Würzburg), Oberlehrer Dingfelder (München) und den Verbandssyndikus Rechtsanwalt Flaschner (München). Vom Oberrat der Israeliten in Baden waren Prof. Dr. Stein (Karlsruhe) und Rechtsanwalt Dr. Pfälzer (Weinheim), vom Israelitischen Oberrat in Württemberg Regierungsrat Dr. Nördlinger (Stuttgart) erschienen. Der Anhaltische Landesverband war durch Staatsrat a. D. Dr. Cohn (Dessau) und die Gemeinde Hamburg durch die Herren Rechtsanwalt David, Alfred Levi und Dr. N. M. Nathan vertreten. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer begrüßte namens des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und der Kultusgemeinde München die Erschienenen und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Versammlung, einer Einladung des Bayerischen Verbandes folgend, München als Ort der Tagung gewählt habe. Seit seinem Bestehen habe der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden die Schaffung einer Reichsorganisation zu seinen vornehmsten Aufgaben gerechnet, er würde es als eine besondere Auszeichnung betrachten, wenn der erste Schritt aus dem Wege zum Reichsverband in München gegangen würde. Auf seinen Vorschlag wurde Kammergerichtsrat Dr. Wolfs (Berlin) mit der Leitung der Verhandlungen betraut, der mit der Übernahme des Vorsitzes auf die große Bedeutung hinwies, die die gegenwärtige Versammlung für die Zukunft des deutschen Judentums habe, und der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Verhandlungen zu einem glücklichen Ende geführt werden möchten. Nach einem eingehenden und überaus eindrucksvollen Referat Dr. Freunds, der nach einem geschichtlichem Überblick über die bisherigen Versuche zur Schaffung einer Reichsorganisation darlegte, wie überaus dringlich die alsbaldige Schaffung einer zur Vertretung der deutschen Juden gegenüber Reich und Öffentlichkeit befugten Körperschaft sei, die in gleicher Weise von den deutschen Juden wie vom Reich selbst verlangt werde, wurde in ausführlichen Darlegungen der Vertreter der verschiedenen Länder die Wege erörtert, auf denen das einmütig als notwendig erkannte Ziel erreicht werden könnte. Die rechtlichen und tatsächlichen Schwierigkeiten, die bis jetzt der Vereinigung sämtlicher jüdischer Gemeinden und Gemeindeverbände des Deutschen Reiches entgegenstanden, wurden einer eingehenden Erörterung unterzogen und geklärt, in vielen Punkten auch beseitigt. Mit Einstimmigkeit konnten die Verhandlungen mit der Resolution abgeschlossen werden, die wir unseren Lesern bereits im Wortlaut gebracht haben. Damit hat die Versammlung das Ergebnis gehabt, das eine erste Vorbesprechung überhaupt haben konnte. Der Beschluß der Versammlung bietet die Möglichkeit, alle Verbände und Gruppen, aber auch alle religiösen Richtungen des deutschen Judentums zusammenzufassen und zu einer einheitlichen Organisation zu vereinigen. Die Arbeiten können sofort in Angriff genommen werden. Sache der einzelnen Organisationen wird es nunmehr sein, ihre Vertreter möglichst umgehend zu dem in Aussicht genommenen Ausschuß zu entsenden, so daß der Wille der jüdischen Gesamtheit, sich eine einheitliche Vertretung zu schaffen, in kürzester Zeit verwirklicht werden kann. Deutsch-Israelitischer Gemeindebund. Im Anschluß an eine durch die Presse gegangene Notiz, wonach der Volkstrauertag für die. im Weltkrieg Gefallenen auf den 5. Sonntag vor Ostern (Reminiscere) festgesetzt worden ist, gestatten wir uns berichtigend hinzuzufügen, daß die Zustimmung von iüdischer Seite nur im allgemeinen erfolgt ist. Selbstverständlich ist für dieses Jahr mit Rücksicht auf das Purim-Fest ausdrücklich darauf hingewiesen worden, daß die Veranstaltung einer Gedenkfeier in den Synagogen am Sonntag, dem 28. Februar, nicht möglich ist. Es ist deshalb im Anschluß für die Festsetzung eines Volkstrauertages vereinbart worden, den jüdischen Gemeinden zu empfehlen, beim Sabbath-Gottesdienst am 27. Februar eine schlichte Gedenkfeier für die gefallenen Krieger unter Bezugnahme auf den Volkstrauertag abzuhalten. Eine entsprechende Notiz wird auch in den künftigen Publikationen des Ausschusses für die Festsetzung eines Volkstrauertages erfolgen. Es sei gestattet, den Wunsch auszusprechen, daß sämtliche jüdische Gemeinden unseres Vaterlandes dieser Vereinbarung Folge leisten. Bericht über die Sitzung des Kuratoriums der Israelitischen Gartenbaufchule zu Ahlem. Am 13. Dezember v. I. fand die Tagung des Kuratoriums der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem statt. Zunächst wurde eingehend die Anstalt mit ihren schönen und praktischen Einrichtungen besichtigt, darauf wurden die gärtnerischen Anlagen, die Gewächs- und Treibhäuser mit ihrer herrlichen Vlumentracht in Augenschein genommen. Besonders erregten das Entzücken der Gäste die Chrysanthemen-Neuheiten, für die die Anstalt auf der Chrysanthemenschau der Niedersächsischen Gartenbaugesellschaft den ersten Preis erhalten hatte. Alsdann fand die Sitzung selbst statt. Aus dem gedruckt vorliegenden Bericht sei folgendes erwähnt. Die Anstalt wurde im letzten Berichtsjahre von etwa 80 Zöglingen und zwar von 53 Lehrlingen und 27 Schülern besucht, unter den Lehrlingen befinden sich 40 Gärtnerlehrlinge, 6 Schneider, 3 Schuhmacher, 2 Klempner, 1 Elektrotechniker und 1 Bürolehrling. Der Gesundheitszustand war ein vorzüglicher, die Gewichtstabellen ließen eine ansehnliche Gewichtszunahme der Kinder erkennen. Der Fortbildungsschulunterricht in der gewerblichen Fachschule wurde