Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 1 (1.1.1926)
- Article
- Die Staatssubvention für leistungsschwache Synagogengemeinden bewilligt
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 13 Der Preußische Landesverband hatte dem Hauptausschuß des Landtages den Antrag unterbreitet: „Für Zwecke der geistlichen Versorgung leistungsunfähiger Synagogengemeinden unter Ausschluß einer rechtlichen Verpflichtung des Staates 510 000 Mark" als Kapitel 123a in den Haushalt des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung einzustellen. Es war gelungen, für diesen Antrag die Unterschriften der Demokraten, des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Sozialdemokraten, ferner die Zustimmung auch der Wirtschaftspartei zu erlangen. Tatsächlich wurde mit den Stimmen dieser fünf Parteien der Antrag vom Hauptausschuß in feiner Sitzung vom 1. September d. I. angenommen. Mit den übrigen über die Regierungsvorlage hinausgehenden Bewilligungen wurde er an den Unterausschuß überwiesen, der noch einmal über alle diese Anträge zu beraten hat. Während im Hauptausschuß lediglich der Kultusminister Becker selbst eine, und zwar uneingeschränkt wohlwollende Erklärung abgegeben hatte, machten sich nunmehr gewisse Bestrebungen geltend, die darauf abzielten, eine Teilung der Position in deren zwei, und zwar: eine solche für Rabbiner, deren Witwen und Hinterbliebenen und eine solche für den Religionsunterricht zu erwirken. Infolge des nachdrücklichen Eintretens der Regierungsvertreter, insbesondere auch des Finanzministers selbst, wurde vom Unterausschuß diese Teilung beschlossen, und für die Rabbinerposition ein Betrag von 200 000 Mark, für die Unterrichtsposition ein solcher von 250 000 Mark eingesetzt, nachdem der Finanzminister gegen eine höhere Bewilligung sich ausgesprochen hatte. In der Sitzung vom 13. November hatte das Plenum bei der zweiten Lesung des Kultusetats dazu Stellung zu nehmen. Wenn hier die Anträge des Hauptausschusses abgelehnt worden sind, so ist dies darauf zurückzuführen, daß die Sozialdemokratische Fraktion den Anträgen in der nunmehr vorliegenden Form ihre Zustimmung versagte, und nachdem diese Partei ausfiel, auch die Volkspartei nicht für die Anträge stimmte. Sofort nach der zweiten Lesung setzten natürlich die Bemühungen ein, diesen unheilvollen Beschluß zur Aufhebung zu bringen. Leider wurden diese Bemühungen wiederholt durch die sensationellen Veröffentlichungen eines jüdischen Blattes gestört. Schließlich gelang es jedoch, die Sozialdemokratische Partei davon zu überzeugen, daß es bei ihrer grundsätzlichen Einstellung für die Trennung von Kirche und Staat eine Ungerechtigkeit wäre, zwar die Subvention der Kirchen nicht verhindern zu können, die jüdischen Gemeinden aber durch die Ablehnung einer solchen zu vernichten. 5lus dem Verbände. Tagung des Landesverbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Die ordentliche Tagung des Landesverbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden für das Iahr 1926 findet voraussichtlich am 28. Februar und 1. März in Augsburg statt. 5lus der Gemeinde. Lehrkurse der Kultusgemeinde. Das erste Halbsemefter der Lehrkurse ist Mitte Dezember zu Ende gegangen. Der Besuch der Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften war bis zum Schluß rege. Es hat sich deutlich gezeigt, daß die Ausgestaltung der Kurse einem Bedürfnis der Gemeinde entgegenkam. Am 15. Februar hat Geheimrat von Zwiedineck- Südenhorft, Profeffor an der hiesigen Universität, im Rahmen der Lehrkurse vor einem größeren Publikum im Bäuerischen Hof über das Thema „Gesellschaft und Nation im Ostjudentum" gesprochen. Wir kommen an anderer Stelle auf diese bedeutungsvolle Rede zurück. Am 12. und 15. Januar wird Rabbiner Dr. Baeck zwei Vorträge über das Thema „Mensch und Welt" im Vortragssaale der Museumsgesellschaft bzw. des Bäuerischen Hofes halten. (Siehe Beilage.) Wir sind sicher, daß die Vorträge von Dr. Baeck auch in diesem Jahre das Interesse aller geistig eingestellten Kreise unserer Gemeinde finden werden. — Am Mittwoch, dem 2O. Januar, soll ein Ausspracheabend der pädagogischen Arbeitsgemeinschaft der Lehrkurse stattfinden (Bibliotheksaal, abends S^° Uhr). Die pädagogische Arbeitsgemeinschaft hat im vergangenen Halbsemester großen Zuspruch gefunden; die Aussprache zwischen Eltern und Lehrern war für alle Beteiligten anregend und hat den Wunsch entstehen lassen, solche Ausspracheabende zu einer regelmäßigen Einrichtung zu machen. Wir laden auch alle die Eltern dazu ein, die der Arbeitsgemeinschaft bisher fernblieben. Das Thema des nächsten Abends lautet: „Wie können wir unseren Kindern ein jüdisches Milieu in Schule und Haus schaffen?" Ein Lehrer sowohl als auch eine Mutter werden kurz referieren; im Anschluß daran soll eine allgemeine Aussprache stattfinden. — Ende Februar wird das zweite Winterhalbsemester der Lebrkurse mit regelmäßigen Vortragsreihen wieder eröffnet werden. Alexander Ansbacher, Rat am Oberlandesgericht München, wurde mit Wirkung vom 1. I. 26 zum Rat außer dem Stande am Obersten Landesgericht befördert. Herrn Amtsrichter Dr. Josef Schäler wurde Titel und Rang eines Oberamtsrichters verliehen. Heinrich S ch a l i t veranstaltet am 9. Januar 1926, abends 8 Uhr, im Herkulessaal einen Kompositionsabend unter Mitwirkung der Konzertsängerin Elfe Buschhoff und des Kammersängers Karl Erb. Zum Vortrag gelangen, außer einem Vorspiel und einer Sonate für Klavier durch den Komponisten Schalit, eine Reihe von Sopran- und Tenorliedern. Unter letzteren beansprucht die Uraufführung dreier hymnischer Gesänge von Jehuda Halevy unser ganz besonderes Interesse. Einmal wegen der klassischen Dichtungen — aus dem hebräischen Original ins Deutsche übertragen von Franz Rosenzweig — dieses mittelalterlichen spanisch-arabischen Dichterfürsten, von dem Heinrich Graetz sagt: „Jehuda Halevys Bedeutung als Dichter liegt in seinen national-religiösen Schöpfungen. Da, wo er aus der Tiefe seiner Dichterbrust schöpfte, wo sein ganzes Wesen in Begeisterung aufgeht, wo er Zion und ihre einstige und zukünftige Herrlichkeit besingt, wo er über ihre jetzige Knechtsgestalt fein Haupt verhüllt, da ist seine Dichtung Wahrheit, da ist nichts Gekünsteltes, nichts Gemachtes, alles ist tief empfunden." Dann aber auch zwingt uns Schalit in seinen Bann durch die kongeniale Vertonung der 3 Hymnen: „Sehnsucht", „Nachts" und „Im Heiligtum". Wie des Dichters Herz erfüllt ist von der großen Sehnsucht nach Gott: „Zu ihm, des wahren Lebens Quell, hintracht ich", von der Sehnsucht nach entschwundenen Herrlichkeiten: „Und selig hört das Lied ich der Lewiten, in ihrem Kreis, geschart nach Dienstes Graden", so entströmen aus des Tondichters tief und wahr empfindendem Herzen weitgespannte melodische Bogen, durchflutet von Sehnsuchtsgefühlen, die der Komponist durch orientalischen Einschlag zu eigenartig tönendem Ausdruck meisterhaft zu bringen versteht. Freilich erfordert die entsprechende Wiedergabe dieser schwärmerischen Lyrik einen Eesangskünstler von außergewöhnlicher Einfühlungsfähigkeit, einen Interpreten, dem die Gabe eignet, die Seele eines Kunstwerks so zu erfassen, daß sie, mitschwingend in seinem Vortrag, den Weg zu den Herzen der Hörer findet. Wir alle wissen, wie diese Voraussetzungen in reichem Maße gegeben sind bei Karl Erb, dem intelligenten, tiefschürfenden Vortragskünstler. Dieser sowohl wie Frau Buschhoff und der Komponist Schalit, sie bieten die Gewähr für einen anregenden, genußreichen Abend, für ein nicht gewöhnliches Kunsterlebnis, dem eine persönliche rege Anteilnahme, ein recht zahlreicher Besuch, insbesondere seitens der jüdischen Bevölkerung Münchens, von Herzen zu wünschen märe. München. E. Kirschner. Konzert des Iüdifchen Gesangvereins. Es gereicht dem Jüdischen Gesangverein zu besonderem Verdienst, daß er in der Pflege des großen Oratoriums einerseits eine künstlerische Sendung erfüllt, anderseits aber auch in der Lage sich befindet, dieser anspruchsvollen Aufgabe unter Führttng seines von hohen Idealen durchdrungenen Diri-