Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 1 (1.1.1926)
- Article
- Das jüdische Lied
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 9 viermaligen Wiederholung beginnen läßt, gerade deshalb, von einem seiner Zeitgenossen recht schlecht beurteilt wird.) Wieweit Lieder aus dem Osten mit der Musik ihrer Umgebung verwachsen sind, können wir, die wir doch zumeist mit deutscher Musik erzogen sind, nicht ohne weiteres beurteilen. Sicherlich, das bestätigen auch Kenner der ost-europäischen Musik, ist es dort nicht viel anders als bei uns, d. h. auch dort ist die jüdische Volksliedmusik wenig selbstständig. (Selbstverständlich scheiden Iargonlieder bei dieser Betrachtung völlig aus; wir beschäftigen uns hier nur mit dem jüdischen Lied im engeren Sinn; kenntlich daran, daß es durch eine Weise auf einen alten, hebräischen Text dargestellt ist!) Nun können wir, die wir nur spärlich östliche Musik hören (Donkosaken), bei ostjüdischen Weisen überhaupt nicht mehr kritisch vorgehen. Wenn wir uns mit solchen Liedern beschäftigen wollen, und ich werde mich zu zeigen bemühen, daß sich eine solche Beschäftigung wohl lohnt, dann müssen wir ausschließlich genießend an diese Lieder Herangehen. Wir müssen uns in die tiefe, mystische Stimmung der fremden Weisen versenken und wenn wir einen vielleicht vorhandenen Widerstand gegen die ungewohnte Art und Tonart überwunden haben werden, dann werden wir sehen, daß sich ein unerschöpflicher Born wahrhaft religiöser Musik vor uns aufgetan hat. Ich setze einfach die Anfänge einiger Weisen hierher: Mis mor le do wid a do■- noi ro= $=^=^^^^--^-==^=^'=2=3^== i lo ech sor. Bi nos de sdiejar=bi=ze - ni . . Die Melodie selbst ist gleichfalls östlichen Ursprungs und ist die einzige mir bekannte, die mit einer deutsch-jüdischen Weise Ähnlichkeit hat; nämlich mit der bekannten mm smsr -Weise: mm rrmtrz Manchmal findet man Lieder, die an äußerlichen Dingen zeigen, daß sie schon sehr alt sind und die vermuten lassen, daß hinter ihnen noch ein Restchen altjüdischer Musik stecke. So z. B. folgende blV'b m cv -Weise: Jom seh le jis =ro - el o roh we^sim choh o - roh we - sim - choh schab=bas me nu » choh Die Melodie bewegt sich in der äolischen (hypodorischen) Tonart. Die Strophen werden in derselben Weise wie d-er obenstehende Kehrreim gesungen, bloß in der dritten (;mm ) erscheint ein langes Rezitativ, von dem ich glaube, daß es sich an eine gregorianische Weise anlehnt. Kid - dasch - =■ to berach=to o^so mi=kol jomim x ohne Taktangabe. -f—T-f-f—i— be sehe - sches, be sehe - sches ki- Einer: »To ras a do - noi db5=s=t= S=Si=tir£=*=i Schreiben al-le: Zochakimkuffom: Alle: »te - mirnoh, te=mimoh, te - rni-rnoh . Die erste der zwei Weisen könnte man „Gigue" nennen, weil sie formal ein wenig nach einer „süßen Gigue von Bach" klang. Ob jedoch ein Tanzsatz, und wenn er gleich von Bach ist, jemals eine solche Kraft und Innigkeit besitzen kann? Es Handelt sich Hier um eine Weise zum Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte / nichts fehlet mir." — Der zweiten liegt gleichfalls eine Stelle aus dem Psalmen zugrunde.') ~)lß]TT97 8—9: :*=*= zugute i li - so me le ches o lo mim bo mo=zu a =gumim. —äl~——»—ä—'ä - —0—J~—•—E—tJ—^ bo mo zu a gu=mim hasch=ke u wit - cho usw. wie oben. Solche Lieder, deren es allerdings nur sehr wenige gibt, sind auch für die vergleichende Musikwissenschaft von Wert. A n m.: Alle hier angeführten und noch ungefähr sechzig weitere Lieder sind in einem von der Esragruppe München herausgegebenen Jüdischen Liederbuch vereinigt, das demnächst erscheinen wird. HAUS DER QUALITÄTSSTOFFE <1 1 MÜNCHEN KARLSPLATZ 5 N. STARK & Cil NÜRNBERG LUITPOLDSTRASSE 11