Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 11-12 (3.12.1925)
- Article
- Reubeni, Fürst der Juden [Rezension]
- Date
- 1925-12-03
- Page
- Seite 222 (sequence 2)
- Language
- German
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222 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11/12 der Renaissance in Italien, das qualvolle Schicksal der Marannen in ihrer inneren Motivierung kann sie nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieser Räubeni letzten Endes nichts anderes ist als das künstliche Produkt einer ruhenden Seele des 20. Jahrhunderts. Den jüdischen historischen Roman hat uns Brod damit nicht gegeben, wohl aber ein in seiner Art interessantes Buch, das äußere Kenntnisse vermittelt und durch den Widerspruch, den es durch seine innere Anklage hervorruft, zum mindesten indirekt anregend wirkt. E. Politische Geheimverbände. Blicke in die Vergangenheit und Gegenwart des Geheimbundwesens. Von Dr. iur. Dr. oec. publ. Franz Schweyer, Staatsrat, Staatsminister a. D. in München. Lex.-8°. (VIII und 230 S.) Freiburg in Br. 1925. Herder. Geb. in Leinw. M. 6.50. In diesem Buche schildert der frühere bayerische Innenminister Tun und Treiben, Grundsätze und Ziele einer größeren Zahl von Geheimverbänden und Geheimbewegungen, die entweder unmittelbar in die Geschicke der Völker eingegriffen oder wenigstens die politische Denkweise ihrer Zeit stärker beeinflußt haben. Von den Freimaurern bis zu den nationalpolitischen Verbänden der Gegenwart werden die wichtigsten weltanschaulichen, sozialen, revolutionären und nationalen Geheimbestrebungen in den Kreis der Darstellung einbezogen. Der Verfasser läßt zunächst lediglich die geschichtlichen Tatsachen sprechen, die er mehrfach durch eigene Erlebnisse und Erfahrungen zu ergänzen weiß. Diese Tatsachen reden eine deutliche Sprache. Sie zeigen, wie wenig das Geheimbundwesen genützt, welch unermeßlichen Schaden es aber nur zu oft in der Welt angerichtet hat. Der Verfasser kommt dann auch aus geschichtlichen Gründen und allgemeinen staatspolitischen Erwägungen zu einer grundsätzlichen Ablehnung des Geheimbundgedankens, den er vor allem auch mit dem Staatsgedanken und der Staatsautoriiät für unvereinbar erachtet. Die in gleichem Maße von einer hohen sittlichen Auffassung, einem starken staatspolitischen Verantwortungsgefühl und einem warmen vaterländischen Empfinden getragenen Darlegungen und Gedankengänge wirken wie ein Mahnruf an die kurzsichtigen Stürmer und Dränger unserer Zeit, den Sinn für die Wirklichkeit nicht zu verlieren und verdienen deshalb die größte Beachtung. Berlin ohne Juden. Roman von Arthur Landsberger. Verlag Paul Streyemann, Hannover. Die Idee, die in diesem Buche durchgeführt ist, ist nicht neu. Schon vorher hat es B e t t a u e r versucht, in einem Buche „Die Stadt ohne Juden", die Folgen einer Vertreibung der Juden aus Wien zu schildern. Ein Ähnliches gibt nun Landsberger für die Reichshauptstadt. — Die antisemitische Gesinnung gewisser Berliner Kreise wird von einem gewissenlosen Bolschewisten ausgenützt, um dem Kommunismus in Deutschland den Boden zu bereiten. Und so vereinigten die extremsten Parteien, die äußerste Rechte und die äußerste Linke zu einem „Nationalverband der ausgebauten Klassen" unter der gemeinsamen Devise: Vertreibung der Juden, die an allem schuld sind. Mit Laune und Witz schildert Landsberger die Folgeerscheinungen, die sich aus der Vertreibung der Juden ergeben. Das judenreine Berlin wird zum Dorf. Logisch und einleuchtend, keineswegs konstruiert, ergibt sich die Verödung der einst so blühenden Stadt. In einer denkwürdigen Reichstagssitzung wird die Rückberufung der Juden beschlossen, womit diese für Juden und Deutsche in gleicher Weise verhängnisvolle Episode zu einem glücklichen Abschluß gebracht ist. — Vereine. Elias von Mendelssohn. Konzert des jüdischen Gesangvereins am Sonntag, 6. Dezember, im Odeon, nachmittags 4 Uhr. Dirigent: Jos. Ziegler. Dr. Larys Hirschberg schreibt: Der Librettist des Elias, Pfarrer Jul. Schubring in Dessau, ein Jugendfreund Mendelsohns, hat den Text aus den verschiedensten Bibelstellen gewählt — Jeremias, Könige, David, Hiob. Mendelsohn hat die Musik dazu aus innerstem jüdischen Empfinden heraus komponiert. Er hat dieses Allerlei zu einer bedeutsamen Einheit verschmolzen; wie er das dramatische Element in den Vordergrund gestellt, ist ein Beweis seines ästhetischen Empfindens. Gegen die seitherige Gewohnheit das Oratorium mit Ouvertüre und Chor beginnen zu lassen, setzt Mendelsohn mit einem urgewaltigen Prolog des Helden ein; in dem Werk ist eine Fülle edelster Melodik und feinster Technik. Die packende und fremdartige Wildheit der Baals-Szenen, der gewaltige Aufbau der Regenperiode, die von den Schaudern der Gottesnähe erfüllte Zwiesprache mit dem Engel, der Chor des Erdbebens, — musikalische Schönheiten, die dem Werk bei der ersten Aufführung 1846 in Birmingham zu überragendem Erfolg verhalfen, ein Erfolg, der ihm immer treu bleiben wird. — Wir haben das Konzert auf 4 Uhr nachmittags gelegt, um auch der Geschäftswelt Gelegenheit zum Besuch zu geben. Nach Schluß abends 7 Uhr gesellige Zusammenkunft im „Bauerngirgl", 1. Stock. Karten im Vorverkauf: Ewerbuchhandlung, Gemeindekanzlei, Orljansky, Neuhauserstraße 29. Gesellschaft für jüdische Familienforfchung. Am 12. November wurde die Ortsgruppe München der Gesellschaft für jüdische F amili en f o rs ch ung gegründet. Die Familienforschung bei den Juden ist als notwendig anerkannt, weshalb auch bekannte Persönlichkeiten bereits Mitglieder der Ortsgruppe München geworden find. Vorläufig können auch außerhalb Münchens wohnende Interessenten der Ortsgruppe mit den gleichen Rechten beitreten. Es wird bei genügender Beteiligung eine Landesgruppe Bayern gegründet. Alle Mitglieder erhalten die von der Gesellschaft herausgegebenen, sehr lehrreichen Aufsätze enthaltenden Mitteilungen kostenlos. Anmeldungen erbeten an Herrn Eduard Schöpflich, München, Perusastraße 2. AMTLICHER ANZEIGER Hummer 11/12 Beilage der Bayrischen Israelitischen Berneindezeitung 3. Dezember 1925 vekanntmachungen des Verbandes Bekanntmachung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Betreff: Errichtung eines Bayerischen Israelitischen Landesheims für dauernd Kranke und Sieche. Die Bemühungen des Verbandes um die Errichtung eines Bayerischen Israelitischen Landesheims für Sieche sind vorläufig zum Abschluß gebracht. Das Landesheim ist einstweilen an die Israelitische Kranken- und Pfründnerhausstiftung Würzburg, Gerbrunnerstraße, angegliedert worden. Es vermag zunächst etwa 25 Personen aufzunehmen und soll nach Bedarf vergrößert werden. Aufnahme finden dauernd kranke und sieche Personen beiderlei Geschlechts, die nicht mit einer ansteckenden Krankheit, insbesondere mit offener Tuberkulose, behaftet sind. Ausgeschlossen sind Geisteskranke, Blinde und Taubstumme. Gesuche um Aufnahme sind unter Beifügung eines ärztlichen Zeugnisses beim Wohlfahrtsamt des Verbandes München, Herzog- Max-Straße 7/0, einzureichen. Das Gesuch hat genaue Angaben über Alter, Geburtsort, Staatsangehörigkeit, Art und Dauer der Erkrankung zu enthalten.