Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 11-12 (3.12.1925)
- Article
- Zum 25jährigen Bestehen des israelitischen Schwesternheims in München
- Date
- 1925-12-03
- Page
- Seite 221 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nx. .11/12 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 221 Jahre 9 neue Lehrschwestern einzustellen, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. So darf das Israelitische Schwesternheim, getragen von der Dankbarkeit, und Verehrung weiter Kreise, vertrauensvoll in das zweite Vierteljahrhundert seines gesegneten Daseins eintreten. Klara Oppenheimer. 30 Jahre Licaria. Am 7. 11. 1925 konnte die Verbindung im K. C. Licaria die 30. Wiederkehr ihres Gründungstages feiern. Die Feier wurde auf dem Heim der Verbindung ahgehalten. Erschienen waren für die Kultusgemeinde, den Zentralverein und die Gesellschaft Concordia S. A. Weil, für die Münchener Loge Dr. Mars ch ü tz, welche die Glückwünsche der genannten Körperschaften überbrachten. Justizrat Dr. Heilbronner hielt die Festrede, in der er daraus hinwies, daß ungeachtet der Schwere der Zeiten, die Verbindung unbeirrt ihren Kampf um die Gleichberechtigung der deutschen Juden geführt hätte. Mit Stolz blicke sie aus Männer wie D r. Haas, den ehemaligen Staatsminister und Md. R., Dr. Holländer, Direktor des Zentralvereins, Dr. Löwenstein, Vorsitzender des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und viele andere, die, aus der Verbindung hervorgegangen, auf kleineren und kleinsten Posten weiterarbeiteten. Hoffnungsvoll gehe die Verbindung nunmehr in ihr viertes Dezennium hinüber, in dem sie wie bisher ihrem hohen Ziele nachstreben werde. Eine gemütliche Kneipe vereinigte noch längere Zeit die Erschienenen. Israelitische Jugendhilfe. Am 20. Oktober fand die Mitgliederversammlung des Vereins Israelitische Jugendhilfe e. V. statt. Der Kassabericht für 1924, abschließend in Einnahmen und Ausgaben mit rund M. 19 000.—, wurde genehmigt. Dem mündlich vorgetragenen Bericht des Vorstandes war folgendes zu entnehmen: In unserer Fürsorge stehen alle Kinder und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahre, die irgend wie gefährdet find oder sonst eines Rates oder einer Hilfe bedürfen. Im Jahre 1924 haben wir 25 Kindern einen Erholungsaufenthalt verschafft, in . 31 Fällen Erziehungsbeiträge (Schulgeld usw.) geleistet, 16 Kinder haben wir in Anstalten untergebracht. Mit dem Städtischen Jugendamt, mit dem Jugendgericht stehen wir in ständiger Verbindung. Einige Ärzte standen uns in aufopfernder Weise zur Verfügung, so oft wir an sie herantraten. So behandelt Herr Dr. Kaumheimer seit langen Jahren sämtliche Zöglings unseres Kinderheims, Herr Dr. Heinrich Feuchtwanger sämtliche Kinder zahnärztlich. Herr Geheimrat Oppenheimer und Herr Hofrat Dörnberger standen uns ebenso jederzeit zur Seite. Durch tatkräftige Unterstützung des Nervenarztes Herrn Dr. Eliasberg, dem das Gebiet der Heilpädagogik besonders vertraut ist, hoffen wir nunmehr auch in manchen uns oft trostlos erscheinenden Fällen helfen zu können. All den Herren Ärzten sind wir zu ganz besonderem Dank verpflichtet. In engster Verbindung mit der offenen Jugendfürsorge steht unser Kinderheim. Eine Kleinkinderabteilung für etwa 10 Kinder im Alter von 2 bis 7 Jahren,, eine Abteilung für etwa 12 Knaben von 8 bis 14 Jahren— so ist unser Kinderheim an der Baaderstraße aufgebaut. Einzelne Mädchen von 10 bis 14 Jahren gehören meistens auch noch zu unseren Schützlingen. — Doch die Räume sind absolut-ungenügend. Ein eigenes Heim zum Alleinbewohnen mit., einem Garten, das ist unsere dringendste Forderung für die nächste Zukunft. Das Rentehaus, das wir an der Albanistraße besitzen, muß als finanzieller Grundstock für die Errichtung eines Eigenheims betrachtet werden. Die Mitgliederversammlung beschloß, ein geeignetes Objekt für ein Kinderheim baldmöglichst zu erwerben. Mögen uns alle, die für unsere armen Schutzbefohlenen ein warmes Herz haben, auch weiterhin tatkräftig zur Seite stehen, insbesondere auch bei der Griindung unseres eigenen Heims. Wärmestube der Gemeinde. Ab Montag, den 30. November ist wiederum, wie alljährlich, unter Leitung der Damen des Jüdischen Frauenbundes, die Wärmestube der Gemeinde geöffnet. Sie befindet sich im Raume der jüdischen Speiseanstalt, Klenzestraße 4. Besuchszeit von 3 bis halb 7 Uhr. Den Besuchern, denen die aufliegenden Zeitungen und Zeitschriften zur Verfügung stehen, wird auf Wunsch Tee verabreicht. bücherschau. Röubeni, Fürst der Juden. — Roman von Max Brod, Kurt Wolfs Verlag. Gebunden M. 8.—. Das 16. und 17. Jahrhundert ist die Zeit der messianischen Schwarmbewegung bei den Juden. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts tritt in Dalmatien ein angeblicher Messias auf. Ascher Lümmlein, um schon nach kurzer Zeit rühmlos unterzugehen, etwa 20 Jahre später erscheint ein geheimnisvoller jüdischer Fürst aus Arabien, David Röubeni, von der Sehnsucht seiner Glaubensgenossen zum Erlöser erklärt; durch ihn erweckt, glaubt Salomo Molcho der langerwartete Messias zu sein, bis schließlich im 17. Jahrhundert in der sabbatianischen Bewegung diese Sehnsucht zur letzten glühenden Flamme sich entfacht, um dann in bitterer Enttäuschung und unjüdischem Sektenwesen zu verglimmen. Die rätselvollste, wenn auch nicht die interessanteste dieser Gestalten ist David Röubeni, dessen historische Wirklichkeit lange Zeit überhaupt bestritten wurde. Ganz plötzlich taucht er in Italien auf, gibt sich als Abgesandter eines jüdischen Reiches in Arabien aus, der Bundesgenossen für einen Kampf gegen die Türkei sucht, wird vom Papst und vom König von Portugal empfangen, verschwindet von der Bildfläche, ohne sein Ziel erreicht zu haben. Durch sein Erscheinen erweckt er einen begeisterten Jünger, Diego Pires, Maranne, der zum Judentum zurückgekehrt, sich Salomo Molcho nennt und der in Zeichen und Wundern seine messianische Berufung erweist. In Rom treffen sich beide wieder und fassen den wahnwitzigen Plan, von Karl V. Unterstützung für ihren Erlösungsplan zu verlangen. Sie sprechen mit ihm auf dem Reichstag zu Regensburg und das Ende ist der Flammentod Molchos in Mantua, das langsame Vermodern Röubenis in den Kerkern der spanischen Inquisition. Eine Fülle von Ereignissen und zugleich von Geheimnissen, die nach einem Gestalter verlangen, der die geheimnisvollen Fäden ausdeckt, die die Ereignisse und die die Menschen aneinanderknüpfen; dabei fesselnd und reizend gerade durch das Dunkel, das über ihnen schwebt. Max Brod hat die Gestalt des Röubeni psychologisch zu deuten versucht als die eines Menschen, der durch Natur und Schicksal geprägt, das Geschick seines Volkes durch die Mittel dieser Welt wenden will, der Gott mit dem „bösen Trieb" dienen will, um das Heil zu erreichen. Das ist eine mögliche Deutung des historischen Fragments, aber eine Deutung, die allzusehr moderne, jüdische Gedankengänge in das 16. Jahrhundert hineingeheimnist. Die Dichtung, die Brod um den historischen Kern rankt, ist in ihrer näheren Zustandsschilderung vortrefflich, das alte Prag, die Welt I H A US DER QUALITÄTSSTOFFE I 0 .! MÜNCHEN f KARLS PLATZ 5 N. STARK &Cil i NÜRNBERG j LUITPOLDSTRASSE 11