Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 11-12 (3.12.1925)
- Article
- Von der Landes- zur Reichsorganisation
- Date
- 1925-12-03
- Page
- Seite 217 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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217 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 ij 12 Aus dem Reich Von der Landeszur Reichsorganisation. Unter, dieser Überschrift erscheinen in der Jüdisch-Liberalen Zeitung vom 20. 11. 1925 eine Reihe von Aufsätzen vom Kammergerichtsrat Leo Wolfs, Präsident des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, Professor, Dr. Nathan Klein, Vorsitzender des Oberrats der Israeliten Badens, Staatsrat a. D., Justizrat Dr. Cohn, Vorsitzender des Landesverbandes der anhaltischen. israelitischen Kultusgemeinden, Rechtsanwalt Paul Salinger, Vorsitzender des Landesverbandes der israelitischen Religionsgemeinden Sachsens. Sämtliche Aufsätze sprechen sich übereinstimmend im Sinne der baldigen Errichtung einer Reichsorganisation der deutschen Juden aus. Es steht somit zu erwarten, daß in nicht allzulanger Zeit eine Reichsorganisatiön der deutschen Juden zustande kommen wird. Schwierigkeiten im Preußischen Landtag für die Bewilligung der Subvention für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden. Das „Hamburger Familienblatt" brachte letzte Woche die Meldung, daß das Preußische Abgeordnetenhaus die Subvention für den Landesverband jüdischer Gemeinden gestrichen habe. Die Korrespondenz Jta verbreitet nunmehr folgende berichtigende Meldung: Der Preußische Landtag hat in seiner Sitzung vom 13. November bei der zweiten Beratung des Haushalts des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die für die Synagogengemeinden vom Hauptausschuß beantragten Bewilligungen abgelehnt. Da bekanntermaßen die zweite Lesung niemals irgendwie entscheidend ins Gewicht fällt und ausschlaggebend immer erst das Resultat der dritten Abstimmung ist, haben wir, um Mißdeutungen keinen Raum zu geben, bisher davon abgesehen, eine doch nur vorläufige Abstimmung zur Kenntnis der Öffentlichkeit zu bringen. Nachdem nunmehr die 'Angelegenheit durch einen Teil der Presse mitgeteilt und zum Gegenstand von Erörterungen gemacht worden ist, möchten wir über die Vorgänge das Folgende bekanntgeben: Das negative Ergebnis der zweiten Abstimmung hat keineswegs die Bedeutung, daß etwa die Mehrheit des Landtags sich endgültig gegen die Bewilligung der in den Etat eingestellten Positionen für die preußisch-jüdischen Synagogengemeinden festgelegt hat. Ursache des negativen Ausfalls der zweiten Abstimmung ist viel eher die Tatsache, daß der mit den Stimmen von fünf Parteien (Sozialdemokraten, Zentrum, Deutsche Volkspartei, Demokraten, Wirtschaftspartei) im Hauptausfchuß angenommene Antrag, für Zwecke der geistlichen Versorgung leistungsünfähiger Synagogengemeinden 510 000 M. in den Etat einzustellen — ein Antrag, für den sich auch der Kultusminister Dr. Becker im Prinzip aussprach — später als Folge mancherlei Bestrebungen und auf ausdrücklichen Wunsch der Regierungsvertreter, insbesondere auch des Finanzministers Höpker (Aschhoff) selbst, vom Unterausschuß insofern abgeändert wurde, als die Position verkleinert und in zwei Teile geteilt worden ist: 200 000 Mark für die Rabbinerposition und 250 000 Mark für die Unterrichtsposition. Obwohl der Hauptausschuß dem Beschlüsse des Unterausschusses nachträglich beigetreten war, fanden sich im Plenum nicht mehr alle Parteien bereit, für die also abgeänderte Position zu stimmen. Nur Zentrum, Demokraten und Wirtschaftspartei stimmten für den Antrag. Die Entscheidung hängt nunmehr von der dritten Lesung des Etats ab, deren Beginn für den 9. Dezember in Aussicht genommen ist. — In einem „Journalistenpolitik" überschriebenen Leitartikel wendet sich das „Jüdische Wochenblatt" gegen die Berichterstattung des „Hamburger Familienblattes", das den Beschluß als „eine empfindliche Schlappe für die bisherige Leitung des Verbandes" hinzustellen beliebt und führt unter anderem aus: „Daß die Verblendung aber soweit geht, als ersten Eindruck von der angeblichen Streichung der Staatssubvention nicht die Besorgnis über die Gefahr, die außerordentliche und dringende Gefahr für das preußische Judentum zu Worte kommen zu lassen, sondern den hämischen Triumph über die Niederlage jüdisch-politischer Gegner — dies ist ein trauriges Symptom für Journalisten — Politik wie sie nicht sein soll". ' : •f •;:v.• Zentralnwhlfährtsstelle der Deutschen Juden: - Bost der Zentralwöh^lfahrksstelle' tzrMten'wir folgende Mitteilungen: . Die 5üdijcheGejahrdetenfürfarge (Arbeitsgemeinschaft-.-auch Zentkalwohlfährtsstelle; derdeutschen Juden. Jüdischer Frauenbund, Deutsch-Israelitischer Gemeindebund, Hilfsverein der deutschen Juden, Graßloge für Demschlynd U. C. B.. B., Zionistische Vereinigung für Deutschland)-hatte - eine Beratung für die gegenwärtigen Aufgaben' der jüdischen Jügenöwohlfährt, speziell 'auf (dem- Gebiete der Fürsorge für die gefährdete und verwahrloste, Jugend ( 7 (Für die einzelnen Fürsorgegebicre: Fürsorgeerziehung, Bahnhöfshilfe, Gefängnisfürsorge,/Geschlechtskrankenfürsorge, Psychopathenfürsorge, -wurden besondere: Kommisstonen gebildet, welche sich der' gegenwärtig 'dringenden Aufgaben annehmen, werden. Eine Umfrage, welche die Zentralwohlfahrtsstelle im Aufträge der Gefährdelenfürsorge veranstaltet hakte,' erbrachte den Beweis, wie gering vor allem' die Möglichkeiten bei -Unterbringung von obdachlosen und 'sittlich und sozial gefährdeten Frauen und Mädchen sind. Pas Ergebnis der Umfrage, das in der Arbeitsgemeinschaft behandelt wurde, hat die Notwendigkeit gezeigt, in allen größern jüdischen Gemeinden. Z u f l u ch t s h e i m e f ü r F r a u e n und Mädchen nach dem Vorbilde des Zufluchtsheimes des Wohlfahrtsamtes der Berliner Jüdischen Gemeinde zu errichten, (denn es ist zweifellos (ein großer, Notstand, wenn obdachlose Frauen und Mädchen in allgemeinen jüdischen (Durchwandererheimen, in- Hotels und interkonfessionellen Heimen ausgenommen werden müssen. . Die Errichtung von Zufluchtsheimen ist um so notwendiger, als im Laufe dieses .Winters, das sogenannte Bewahrungsgesetz im Reichstage zur'Verabschiedung gelängen wird, in des an Ausführung in erster Linie derartige Heime errichtetwerden müssen. Eine eingehende- Denkschnft, in welcher die Aufgaben und die Einrichtung eines solchen Zufluchtsheimes ( dargestellt ist, kann von der Geschäftsstelle Berlin C. 2, Rosenstraße 2/,, bezogen werden. Große Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübungen „Gesolei" TNai-Oktober 1926 in Düsseldorst Beteiligung der Deutschen Juden an der Ausstellung Gesolei. Wie schon aus dem Namen hervorgeht, gliedert sich die geplante große Ausstellung in Düsseldorf in drei Haupt'gebiete. 'Fü^ die Hauptabteilung „Ge" — Gesundheitspflege sind folgende große Gruppen vorgesehen:.. Eugenik und Vererbung, Die übertragbaren Krankheiten, Ernährting, Lust und -Klima, Siedlung und Wohnung, Arbeits-,und Eewerbehygiene, Krankenversorgung, und Krankenbehandlung, Der Mensch 'in seinen ' gesundheitlichen Beziehungen zu Tieremund Pflanzen. Fernerhin sind innerhalb dieser Abteilung „Ge" noch einige Sonderausstellungen in Aussicht genommen. Das Programm der zweiten Hauptabteilung „So" — S o z i die. Fürsorge umfaßt folgende große Gebiete: Familienfürsorge, Volksunsitten, Volkskrankheiten und Bolksgebrechen; Bildungs- und Erziehungsfürsorge, Wirtschaftliche - Fürsorge, Fürsorge durch Versicherung und verschiedene Sondergruppen. Die dritte Hauptabteilung: „Lei" — Leibe s ü bungen wirb eine Anschauung von dem modernen Sport und den modernen Lei-- besübungen geben und namentlich deren große Bedeutung sich die Gesundung des Volkes zeigen.. Innerhalb dieser großen - Ausstellung ist ein besonderer Pa v i l - lon für die freie Wohlfahrtspflege vorgesehen, in welchem die 5 großen Verbände, die in der „Liga der. freien Wohlfahrtspflege" zusammengeschlossen sind, sowie auch noch einige außerhalb der Liga stehende Organisationen der freien Wohlfahrtspflege ausstellen werden. In dieser.Sonderausstellung sollen die bedeutenden Leistungen und Aufgaben der freien Liebestätigkeit auf den verschiedenen Gebieten in die Erscheinung treten. ,An dem Liga-Pavillon ist die Z e n t r a l w o h l f a h r t s st e l l e beteiligt und zwar ist sie beauftragt, die charakteristischen Einrichtungen, Arbeitsgebiete und Arbeitsmethoden der Juden in der. Gesundheitsfürsorge, in der Erziehung und Gefährdetenfürforge, in der Altersfürsorge und der Fürsorge für besondere Berufe: und Notstände recht anschaulich zur Darstellung zu bringen. Es liegt im größten Interesse unserer jüdischen Wohlfahrtspflege, die sich ihr bietende einzigartige Gelegenheit wahrzunehmen und neben den anderen großen konfessionellen Organisationen, der Caritas und der Inneren Mission, ihre Leistungen hier, wirksam zeigen. . '