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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-12-03 · 11-12 (3.12.1925) · p. Seite 212

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
11-12 (3.12.1925)
Article
Chanukah
Date
1925-12-03
Page
Seite 212 (sequence 1)
Language
German
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212 Bayerische -Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11/12 Chanukah -Alle Feste in Jsruel sind mehr oderminder Familienfeste, aber wenige haben sich so in die jüdischen Häuser und-Familien einzureihen vermocht, wie das Chanukahfest. Hebräische Lieder und Gebete'sind der Erinnerung an die Mäkabäerepoche gewidmet und erheben ganz besonders unsere Jugend über die irdischen Niederungen. Kleine Lichter inahnen uns an die Zeit, in welcher unser Volk niedergetretensein Heiligstes der- Roheit seiner Gegner preisgegeben und es selbst zu zermürbt und gedrückt war, um wider den Stachel zu löten. Do war es ein einfacher Mann aus dem Volke, -ein Abkomme des Priesterstandes, der alte Matathia, der mit seinen Söhnen zu Moddin den Plan faßte, den schweren Kampf gegen die Feinde seines Gottes und seines Nation aufzunehmcn. In der Hütte -eines einsamen Dörfchens im Gebirge, in der kleinen Familie, wurde der Plan zur Empörung gegen' die Unterdrücker gefaßt, hier erhob sich die Fahne, um welche sich das Volk-zu feiner Befreiung scharte. In den Höhen und Felslöchern des Gebirges hatten sich Judas Söhne verkrochen,' um von hier aus als streitbare Helden, dem Ruf ihres Führers folgend, den Kämpf mit der Übermacht auszunehmen. Der alte-Heldengreis weihte seine Sohne und Kampfgenossen züm bittern und todesmutigen Ringen, dessen Erfolg uns die Geschichte berichtet. Solch bescheidenen Kämpfern -ziemt es auch, daß- - ihnen die Nachwelt keine auflodernden Freudenfeuer als Erinnerung widmet, sondern daß man ihr Andenken bei bescheidenem Lichtschein im trauten Familienzirkel feiert, daß man am heimischen Familienherd unsrer tapferen Ahnen gedenkt. -Wie einst im Vergdorfe sich die Begeisterung der Söhne des alten Helden an dem herabgebrannten Lebensdochte des Vaters entzündete, so möge auch unsere Hoffnung gestärkt und unsere Begeisterung erwärmt werden, wenn wir das Denkmal, das uns die Lichtlein versinnbildlichen, betrachten. Den Anfeindungen, welchen wir in unserer Zeit wieder ganz besonders ausgesetzt sind, können wir nur Stand halten, wenn wir den alten Makabäergeist in uns wachhalten, wenn wir dis Standarte unseres alten Glaubens nicht der Hand entfallen lassen. Nicht wie andere Völker in großen Freudenfeiern, in prächtiger Illumination begehen wir unsere Feier; bescheiden stellen wir unsere kleinen Lichter an die Fensterrahmen. In ihrem Anblick lassen wir die Vergangenheit des israelitischen Volkes an unserem Auge vorüberziehen, wir sehen die Kämpfe Israels durch die Jahrtausende hindurch, wir sehen aber auch das Licht der Wahrheit, unsere innere Freiheit, die in unserer Thora wurzelt. Die Religion Israels ist keine Religion im landläufigen Sinne aller Völker, sie ist eine Verfassung für das öffentliche, wie für das Familien- und Privatleben. Diese Verfassung war unser Begleiter durch alle Länder, sie war unser Leitstern, unsere Stütze in guten und bösen Tagen; sie war stets das Ideal jedes einzelnen unter uns. Wollen wir dies Ideal auch ferner Hochhalten. Die kleinen Chanukahlichter seien das Symbol hierfür. Amitai. Staatstninifter a. D. Dr. Schweyer über den Nationalsozialismus So schwer es ist, über gegenwärtige,-politische Bewegungen und Strömungen zu einem.klaren, abschließenden Urteil zu kommen, so notwendig ist dies doch, nicht aus historischen Gründen, sondern aus den praktischen Gründen politischer Stellungnahme. In . einem Buche „Politische Eeheimverbände H unternimmt es Dr. Schweyer, der frühere bayerische Innenminister, innerhalb, des größeren Rahmens eines'Buches, in dem er Tun und Treiben, Grundsätze und Ziele einer größeren Zahl von Geheimoerbänden . und Geheimbewegungen schildert, eine grundsätzliche Beurteilung der nationalsozialistischen Bewegung zu geben. Interessant wird die Stellungnahme Dr. Schweyers sowohl durch den Umstand, daß er als bayerischer Innenminister zur Blütezeit der nationalsozialistischen Bewegung wie kein anderer in der Lage war, Einblicke in diese Bewegung zu bekommen, als auch dadurch, daß er als ein auf die Wahrung bayerischer Jnchrestey w hohem Maße bedachter Mann zu einem völlig ablehnend eich Standpunkt gegenüber der nationalsozialistischen Bewegung'kvckmt. Dr. Schweyer bezeichnet die nationalsozialistische Partei als die Partei der inneren Widersprüche. (Daran ist.sie ja auch wohl zusammengebrochen!) Das wirtschaftliche ' Programm der Partei enthalte manche Forderungen, die durchaus marxistischen Charakter hätten. Tatsächlich seien viele Elemente, die in der Rätezeit als.Vertreter der kommunistischen Ideen sich betätigt, nunmehr zur Fahne des Nationalsozialismus übergegangen, ohne i Politische.GeheimverbändI. -Blicke. in die Vergangenheit/und! Gegenwart' des' Geheimbuudwesens..Von Dr!. Franz Schweyer,. daß man die Überzeugung oder auch nur den Eindruck gewinnen könnte, daß diese Menschen eine innere Umwandlung ihrer Gesinnung erfahren hätten. Der Nationalsozialismus sei wie der Sozialismus eine durchaus zentralistisch eingestellte Bewegung, der für die Selbständigkeit und Hoheitsrechte der Länder nichts übrig habe. Bride hätten in Bayern durchaus antibayerische Politik , getrieben. Das Vorgehen der Nationalsozialisten während der wenigen Stunden ihrer Münchener Herrschaft (November 1923!) habe keinen wesentlichen Unterschied von den Methoden der Räterepublik gezeigt. Die Nationalsozialistische Arbeiterpartei behauptet eine stristliche Partei zu sein und sei höchst unangenehm berührt, wenn man diese Behauptung nicht, gelten lassen wolle. Schweyer verweist daraus, daß Adolf Hitler selbst aus einer der in Österreich vor wenigen Jahrzehnten eifrig betriebenen Los-von-Rom- Bewegung nahestehenden Umgebung stammt. Zum Christentum gehöre aber auch der Katholizismus, und diese Form des Christentums stehe bei den Nationalsozialisten schlecht im Kurse. Die stürmische Agitation der Nationalsozialisten im Herbste 1923 gegen die kacholische Kirche, insbesondere gegen Kardinal v. Faulhaber, sei wohl kaum ein Ausdruck besonderer Wertschätzung des Katholizismus gewesen. Mit dem alten Taschenspielerkunststück, daß man nicht den religiösen Katholizismus, sondern nur den politischen Katholizismus treffen wolle, komme man nicht länger durch. Der Verfasser des „Volksbücher vom Hitler" bebetrachte. ..die. „schwarze Internationale" als eine der „Hauptfeind e des deutschen Volkes" und als ihre Vertreter das Zentrum und die Bayerische Volkspartei. Das Christentum werde von "dieser Bewegung wirklich zu Unrecht im Munde gefühxt. Bfi

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