Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 10 (6.11.1925)
- Article
- Jubiläum der Gemeinde Rothenburg
- Date
- 1925-11-06
- Page
- Seite 199 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 199 Aus dem Verbände. Jubiläum der Gemeinde Rothenburg. Die Jubiläumsfeier fand unter Teilnahme zahlreicher auswärtiger Gäste, wie vorgesehen, Samstag, den 31. Oktober, statt. Entsprechend ihrem religiösen Charakter bildete der Festgottesdienst in der Synagoge, zu dem Herr Distriktsrabbiner Dr. Hanover aus Würzburg erschienen war, den Höhepunkt der festlichen Veranstaltung. In großangelegter Predigt wurde der Geistliche aus historischem Boden des großen historischen Momentes gerecht und verstand es, die Gemeinde in eine ernstfeierliche und weihevolle Stimmung zu versetzen. Der Redner hatte den Text aus Psalm 118, Vers 17—21 gewählt: „Ich sterbe nicht, nein ich lebe, und erzähle die Taten Jahs. Züchtigen mag mich Iah, aber dem Tode gibt er mich nicht hin. Öffnet mir die Pforten des Heils, ich will durch sie eintreten, Iah preisen. Dies ist die Pforte des Ewigen, Gerechte treten da ein." Am Abend des Jubeltages versammelte sich die gesamte Kultusgemeinde Rothenburgs zu einer weltlichen Feier, die einen schönen Verlauf nahm. Der 1. Vorstand der Kultusgemeinde, Herr Theodor Mann, begrüßte die Erschienenen, insbesondere die greise Witwe Heymann, deren sel. Gatte der erste Jude war, der sich im Jahre 1870 wieder in Rothenburg niederließ. Hierauf feierte er in äußerst herzl. Worten die Verdienste des Herrn Lehrer Hofmann. Als Zeichen der Anerkennung wurde dem Jubilar schon tagszuvor ein wertvolles Ehrengeschenk der Gemeinde, zu dem sich zahlreiche Geschenke materieller und ideeller Art ehern. Schüler gesellten, überreicht. Herr Distriktsrabbiner Dr. Hanover gab in Vertretung des erkrankten Delegierten, Ratmitglieds Eduard Sonder aus Kitzingen, den Glückwünschen des Verbands Bayer. Israelitischer Gemeinden beredten Ausdruck. Im Namen des israelitischen Lehrervereins in Bayern gratulierte Hauptlehrer Strauß aus Uffenheim Gemeinde und Lehrer und überreichte dem Nestor des Bruderver-, eins als äußeres Zeichen des Dankes für geleistete Vereinsdienste einen blumengeschmückten Fruchtkorb. Zum Schluß sprach der Jubilar selbst in längeren Ausführungen, wobei er seines langjährigen Mitarbeiters in der Gemeinde, des Ehrenvorsitzenden Karl Wimpfheimer dankend gedachte. Die Reden waren umrahmt von musikalischen Darbietungen und Jubiläumsgedichten, die in vollendeter Weise von ehem. Schülerinnen zum Vortrag gebracht wurden. Bei dieser Gelegenheit erwies sich Herr Josef Wimpfheimer als begabter Lokal- und Festdichter. Erst in später Mitternachtsstunde endete das in allen seinen Teilen wohlgelungene Ehrenfest der Gemeinde Rothenburg und hinterließ bei allen Teilnehmern einen bleibenden und nachhaltigen Eindruck. — Zu ihrem Jubiläum gingen der Gemeinde Rothenburg eine Reihe von Glückwunschchreiben zu, von denen wir die folgenden zum Abdruck bringen. kalhol. Stadpfarramt Rothenburg o. T. Das ergebenst unterfertigte katholische Stadtpfarramt Rothenburg o. T. freut sich, der israelitischen Kultusgemeinde Rothenburg o. T. zum Jubeltage ihres halbhundertjährigen Bestehens die besten Glückwünsche aussprechen zu können. Was das Pfarramt besonders freut, ist, daß es am heutigen Tage Hinweisen kann auf das schöne Verhältnis, das von jeher in diesen 50 Jahren zwischen der katholischen Gemeinde Rothenburg o. T. und ihren Seelsorgern einerseits und der israelitischen Kultusgemeinde anderseits bestanden hat. Es fei der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß niemals eine Zeit kommen wird, wo dieses schöne Einvernehmen getrübt werden wird. Ganz besonders sei auch der israelitischen Kultusgemeinde gratuliert zu dem Umstande, daß sie in der Person des Herrn Hauptlehrers Moses Hofmann einen solchen vorbildlichen Jugenderzieher und Kultusdiener gehabt hat. In vorzüglicher Hochachtung! Albert, Stadtpfarrer. Ev.-lulh. Skadkpfarramt St. Jakob Rothenburg o.T. Die israelitische Kultusgemeinde darf das Fest ihres 50 jährigen Bestehens festlich begehen. Unter den Gratulanten dieses Tages soll auch die evang. Gemeinde nicht fehlen. Mit dankbarer Freude denken wir daran, wie Glieder Ihrer Gemeinde immer wieder unsere Liebestätigkeit in unserer Gemeinde in wertvollster Weise unterstützt und gefördert haben. Das soll nie vergessen werden. Möge das gute Verhältnis zwischen den Gemeinden immer erhalten bleiben. Unser Glückwunsch gilt auch dem ehrwürdigen Lehrer Ihrer Gemeinde, der nun ein halbes Jahrhundert hindurch mit großer Treue seine wichtige Arbeit in Ihrer Gemeinde getan hat. Wir wünschen ihm von Herzen noch einen recht schönen gesegneten Lebensabend. Möge auch an ihm sich das alte Psalmwort erfüllen: „Die Lehrer werden viel mit Segen geschmückt." Mit vorzüglicher Hochachtung! Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden Wir danken Ihnen herzlich für die freundliche Einladung, die Sie uns zu der am Samstag, den 31. d. M. stattfindenden Feier, anläßlich des 50 jährigen Bestehens Ihrer Gemeinde und des Goldenen Amtsjubiläums des Herrn Lehrer Hofmann, haben zugehen lassen. Wir werden der Einladung gerne Folgen leisten und zu der Feier einen Vertreter abordnen, dessen Namen wir Ihnen noch bekanntgeben werden. Gleichzeitig gestatten wir uns, Ihnen zu der Doppelfeier unsere herzlichsten Glückwünsche heute schon zu übermitteln und bitten Sie, unsere Wünsche auch Ihrem langjährigen geistigen Führer zum Ausdruck zu bringen. Die Geschichte der Juden in Rothenburg ist ein getreues Spiegelbild der Geschichte der Juden in Deutschland überhaupt, und wie in Rothenburg aus jahrhundertelanger Not wieder ein blühendes, jüdisches Gemeinwesen erstanden ist. das sich durch alle Fährlichkeiten der Zeit zu behaupten, wußte, so hat sich auch das deutsche Judentum und insbesondere die Judenheit in Bayern zu neuem Leben zusammengeschlossen. Wir erhoffen aus diesem Zusammenschluß, der besonders wirksam in unserem Verbände zum Ausdruck gekommen ist, die weitere Erstarkung unserer Gemeinschaft und erhoffen für Ihre Gemeinde, die ein eifriges und wertvolles Mitglied unseres Verbandes darstellt, ein immer fortschreitendes Gedeihen zum Segen ihrer Mitglieder und zur Ehre des bayerischen Judentums. Mit vorzüglichster Hochachtung und dem Ausdruck wärmster persönlicher Anteilnahme an Ihrem Feste Dr. N e u m e y e r. Altenstädt a. Iller. Zu einem wahren Kidusch haschem gestaltete sich die am Sonntag, dem 25. Oktober, vorm. 9.30 Uhr stattgehabte Enthüllungsfeier des Ehrenmals für israelitische Kriegsopfer in der hiesigen Synagoge. Die weiten Räume des großen Gotteshauses vermochten kaum die vielen Teilnehmer zu fassen. Es waren erschienen die beiden Ortsgeistlichen, der Gemeinderat mit dem Bürgermeister und der Krieger- und Veteranenverein mit seinem Vorstände. Die Feier wurde verschönt durch religiöse Stimmung erweckende Darbietungen der hiesigen Kapelle Koch und eines von Hauptlehrer Rose geleiteten dreistimmigen Männerchores, der die liturgischen Gesänge, besonders Psalm 128, wohlklingend zum Vortrag brachte. Andächtig und unverwandten Blickes lauschten die nach Hunderten zählenden Anwesenden der von Religiosität und Vaterlandsliebe durchwehten Gedächtnisrede, gehalten von Herrn Hauptlehrer Rose. Er dankte den christlichen Teilnehmern für ihr so zahlreiches Erscheinen; damit hätten sie sich aufs neue zu dem von jeher hier waltenden Geiste der Toleranz bekannt, so daß die schlimmen Erscheinungen der Nachkriegszeit als überwunden zu betrachten seien. Es wurde der Nachweis erbracht, daß opferbereiter Heldenmut von jeher dem jüdischen Glaubensvolke eigen ist und durch entsprechende Bibelstellen erhärtet. In atemloser Stille