Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 10 (6.11.1925)
- Article
- Ein jüdisches Lehrhaus
- Date
- 1925-11-06
- Page
- Seite 189 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 189 Namen schon entsprechende Einrichtungen. Auch wir in München besitzen schon etwas Ähnliches: die Lehrkurse der Gemeinde. Es gilt hier nur, das schon Vorhandene auszubauen und auf eine breitere Grundlage zu stellen, nach einem bestimmten System den mannigfachen ideellen und praktischen Bedürfniffen entgegenzukommen. In Vortragsreihen sollen die einzelnen Probleme des jüdischen Wissens in ausführlicher und zusammenhängender Weife dargestellt werden. Daneben aber muss es Arbeitsgemeinschaften geben, die es jedem einzelnen möglich machen, durch eigene Mitarbeit in den Stoff einzudringen. Welche Bedeutung hat es z. B., um auf die Veranstaltungen dieses Winters hinzuweisen, wenn Väter und Mütter, Ärzte und Lehrer sich zusammentun, um sich in gemeinsamer Arbeit über das Wertvollste, was wir besitzen, über die Seele unserer Kinder, auszusprechen? Das ist ja eine der Aufgaben eines Lehrhauses, Schule und Haus auch in jüdischer Hinsicht einander näher zu bringen. Wie bisher, sollen auch fernerhin Einzelvorträge spezielle Fragen in abgeschlossener Form behandeln, haben wir dadurch doch die Möglichkeit, über die örtlichen Grenzen hinaus die geistigen Führer des deutschen Judentums hier bei uns zu sammeln. Eine jüdische Ausbildung ohne Berücksichtigung der hebräischen Sprache ist undenkbar. Unser religiöses Fühlen und Denken beruht auf Bibel und Gebetbuch. Ein tieferes Verständnis der Bibel und der Gebete aber ist nur in der Ursprache möglich. Ihr jüdischen Mütter, könnt ihr denn überhaupt mit euern Kindern beten? Wie steht ihr vor euch selber, wie steht ihr vor euern Kindern da? Unsere Gemeindeverwaltung hat die Größe der Aufgabe erkannt. Sie geht daran, die Lehrkurse zu einem jüdischen Lehrhaus auszugestalten; das Programm für die Winterkurse zeugt davon. Im November-Dezember sollen sechswöchentliche Kurse ftattfinden; ein zweites Halbsemester wird im Februar-März folgen. Freilich, alle Mühe der Verwaltung, alle Arbeit derer, die in den Kursen jüdisches Wissen und Denken verbreiten wollen, hat nur dann Erfolg, wenn ihr Bemühen einen Widerhall im Herzen der Gemeindemitglieder findet, wenn ein jeder einen brennenden Schmerz im Herzen spürt bei dem Gedanken, dass das geistige Erbe unserer Väter nutzlos zugrunde gehen soll, wenn ein jeder sich selbst und unsrer Zukunft gegenüber die Verantwortung fühlt, sich dieses Erbe wieder zu erringen, um es rein und unversehrt der kommenden Generation zu überliefern. Lehrkurse der kullusgemeinde (November-Dezember 1925.) Im November-Dezember d. I. finden Vortragszyklen, Arbeitsgemeinschaften Einzelvorträge und hebräische Kurse statt. Die Vortragszyklen und Arbeitsgemeinschaften umfassen sechs Abende, je einen in der Woche. Die Vorträge und Referate hängen zusammen, doch bildet jeder einzelne wieder ein abgeschlossenes Ganzes für sich. A. Vortragszyklen. I. Die Poesie der Bibel (Dr. Max Mayer). 1. Die Naturpoesie: Die werdende Welt. Die Welt um uns. 3. Die Poesie der geschichtlichen Darstellung. 4. Der Stil der Propheten. 5 Die religiöse Lyrik. 6. Die Weisheitsdichtung. Beginn: Samstag, den 14. November, abends 8 Uhr. II. Geistige Strömungen im modernen Judentum und ihre Hauptvertreter (Dr. Erich Fromm). 1. Der Eintritt der Juden in die europäische Kultur (Mendelssohn und sein Kreis). 2. Die Preisgabe der Religion (Heine, Lassalle). 3. Der Kampf um eine neue religiöse Form (Geiger, Holdheim). 4. Die Bejahung der alten Form (S. R. Hirsch, Bamberger). 5. Das Vordringen der nationalen Idee (Herzl, Buber). 6. Das Judentum als Vernunftwahrheit (Hermann Cohen). Beginn: Donnerstag, den 12. November, abends 8.30 Uhr. 6. Arbeitsgemeinschaften. I. Die Gedankenwelt der Propheten (Lesen und Besprechen ausgewählter Abschnitte, Dr. Max Elk). 1. Das Offenbarungsgeheimnis. 2. Mensch und Gott. 3. Das sittliche Leben. 4. Nationalismus und Universalismus. 5. Der Messias. 6. Israels Berufung. Beginn: Montag den 9. November, abends 8.30 Uhr. II. Der jugendliche Mensch im Entwicklungsalter (Dr. Ernst Ehrentreu). 1. Moderne Strömungen in der Pädagogik. 2. Die Eigenart der jugendlichen Psyche. 3. Die Stellung des Jugendlichen in der Familie. 4. Seine Stellung in der Schule. 5. Seine Stellung im gleichaltrigen Kreis. 6. Die religiöse Entwicklung des Jugendlichen. Beginn: Mitwoch, den 11. November, abends 8.30 Uhr. C. Einzelvorträge. Im November-Dezember werden Vorträge bekannter Perfön-, lichkeiten des jüdischen und des allgemein-wissenschaftlichen Lebens stattfinden, die noch im einzelnen bekanntgegeben werden. D. Hebräische Kurse. I. Einführung in das Hebräische (Dr. Hermann Klugmann). Beginn: Dienstag, den 10. November, abends 8 Uhr. II. Lektüre biblischer Texte (für Fortgeschrittene, Dr. Max Mayer). Zeit nach Vereinbarung, Besprechung: Samstag, den 14. November, abends 8 Uhr. Die Vorträge und Kurse finden alle, sofern nichts Gegenteiliges bekanntgegeben wird, im Bibliothekssaal der Gemeinde statt. Die Karten dazu sind auf der Gemeindekanzlei erhältlich sowie an den beiden ersten Abenden der jeweiligen Veranstaltung im Saale selbst; die Karte für den einen Vortragszyklus kostet M. 3.—, für die Teilnahme an einer Arbeitsgemeinschaft sowie für die hebräischen Kurse M. 2.— (für Jugendliche die Hälfte). Der erste Abend einer jeden Veranstatlung ist für jedermann frei. HAUS DER QUALITÄTSSTOFFE D S MÜNCHEN £ KARLSPLATZ 5 N. STARK & Cil <i NÜRNBERG J LUITPOLDSTRASSE 11 h