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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-09-10 · 8 (10.9.1925) · p. Seite 162

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
8 (10.9.1925)
Article
Tätigkeitsbericht des Wohlfahrtsamtes der israel. Kultusgemeinde München für das 1. Halbjahr 1925
Date
1925-09-10
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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162 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 8 im April 301 im Mi 321 im Juni 448 zusammen 1070 (327 Personen) Hausbesuche wurden in 35 Fällen gemacht. Die Sprechstundenberatungen sollen, wie gesagt, nach Möglichkeit — soweit es sich nicht um Beratung in ganz persönlichen Lebensnöten handelt — zur wirtschaftlichen Wiederselbständigmachung der „Unwirtschaftlichen" führen, sei dies nun durch Berufsberatung, Stellenvermittlung oder eventl. Hilfe zur Gründung einer Existenz. Durch die schlechte Wirtschaftslage, die sich auswirkt in der Lage des Arbeitsmarktes, ist dies jetzt natürlich sehr erschwert. Die vom Wohlfahrtsamt unterhaltene Stellenvermittlung ist heroorgegangen aus den von den beiden Logen und dem jüdischen Frauenbund hierfür eingerichteten Sprechstunden. Die Vertreter dieser Organisationen halten auch jetzt noch gemeinsam mit der Abteilung 6 des Wohlfahrtsamtes Sprechstunden für die Stellenvermittlung. Die Kosten für Annoncen usw. werden ebenfalls heute noch von den Logen und dem Frauenbund getragen. Die Verbindung der Stellenvermittlung mit dem Wohlfahrtsamt bringt es mit sich, daß oft Stellen für nicht ganz vollwertige Kräfte zu besorgen sind. Trotzdem ist die Unterbringungsziffer, verglichen mit der anderer Stellennachweise, recht günstig. Von April bis Juni bekamen 20 Prozent der gemeldeten Arbeitnehmer durch unseren Arbeitsnachweis Stellen und 22 Prozent der gemeldeten Vakanzen wurden durch unsere Vermittlung erledigt. Abteilung C. Die Kinder- und Jugendfürsorge umfaßt alle hilfsbedürftigen Jugendlichen von der Geburt an bis zum 18. Le-, bensjahr. Es gilt die Fürsorge und ständige Überwachung des Säuglings, die Unterbringung von kranken Kindern in Heilanstalten, eoent. Krankenhäusern und von erholungsbedürftigen in Kinderheimen auf dem Lande. Besonders wichtig ist hier die ständige Zusammenarbeit mit unseren Ärzten. Ferner wird die Fürsorge für die jugendlichen Schützlinge durchzuführen versucht durch die Hausbesuche, in denen festgestellt wird, ob die Kinder bei Eltern und Pflegeeltern in guten Händen sind und erforderlichenfalls durch dauernde Pflegschaften; durch Fühlungnahme mit den Schulen, durch Unterbringung im hiesigen Kinderheim, sowie in auswärti¬ 118 74 62 210 gen Heimen (Waisenhäusern, Lehrlingsheimen, Haushaltungsschulen): weiterhin durch rechtzeitige und geeignete Vermittlung von Lehrstellen für die Schulentlassenen und durch Zusammenarbeit mit dem städt. Jugendamt, mit Berufsvormund und Jugendgericht. Um ein ungefähres Bild zu geben, wie in den Monaten April bis Juni die obengenannten Aufgaben durchgeführt wurden, seien die hauptsächlichsten Zahlen aufgeführt. Die Zahl der befürsorgten Jugendlichen betrug Hausbesuche wurden gemacht sonstige Gänge (an das Jugendamt, Bezirkswohlfahrtsamt, zu Klassenlehrern, Ärzten usw.) die Gesamtfrequenz der Sprechstunden war Unterbringungen in Sanatorien und Krankenhäusern Unterbringungen in jüdische Kinderheime, insbesondere das in der Baaderstraße 14 „ Unterbringungen in auswärtige Heime (Eßlingen, Köln) die Stadt München übernahm Unterhaltskosten für 7 „ Krankenhauskosten für 5 „ Die Arbeit der offenen Jugendfürsorge wird gemeinsam mit dem Verein Israel. Jugendhilfe E. V. geleistet. Der Jugendfürsorgeausschuß dieses Vereins hält regelmäßige Sitzungen mit der Jugendfürsorgerin ab, in denen sämtliche Fälle behandelt werden. Die Fürsorgetätigkeit der Abteilungen B und C erstreckt sich, da das Wohlfahrtsamt der Münchener Gemeinde zugleich Wohlfahrtsstelle des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden ist, auf das ganze Land. Es ist wünschenswert, daß hier die Organisation — besonders auf dem Gebiet der Jugendfürsorge — ausgebaut werde — im Sinn des auf der Würzburger Tagung von dem Verbandssyndikus Herrn Rechtsanwalt Flaschner gehaltenen Referats, das in der gleichen Nummer dieser Zeitung abgedruckt ist. Das Landeswohlfahrtsamt kann, wie hier ausgeführt wird, nur dann seinen besonderen Aufgaben gerecht werden, wenn lokale Zentralen die Verbindung zwischen dem Publikum und dem Landeswohlfahrtsamt Herstellen, und wenn die Gemeindemitglieder dort finden, was sie eben nur an einer lokalen Stelle finden können: warme persönliche Anteilnahme und unmittelbare Hilfe. 11 Kinder Streifzüge durch das fränkische Saalelal. Eine kulturhistorische Plauderei von Jul. Straus, Volksschulleherer in Weftheim. Die neue Saaletal-Bahn nach Bad Kissingen erschließt eine reizende Gegend dem allgemeinen Verkehr. Man kommt vorüber an bescheidenen Dörfchen, alten Stadtmauern und Trümmern, durch herrliche Wälder, üppige Wiesen und gesegnete Ackerfluren. Von den letzten Höhenzügen der Rhön, die der fränkischen Saale gar oft den Weg streitig machen, grüßen Schlösser, Burgen und Burgruinen. Da türmt sich hoch auf der Sodenberg, ehemals ein Vulkan, der aber längst erloschen ist. Dafür duftet in seinem Walde der Waldmeister. Wie einst im Mai, wo der junge Ritter Götz von Berlichingen bei seinen Verwandten auf der Sodenburg weilte. Vom stolzen Schloß Saateck aus überschauten einst die Fuldaer Fürstäbte ihr kleines Reich. Mühselig arbeiteten unten die kleinen Bauern, kletterten die Winzer die sonnenbeschienenen Hänge ihrer Weinberge empor. Mühselig geduckt schleppte auf der Landstraße der fuldaische Schutzjude sein Warenbündel ins nächste Dorf. Sein faltenreiches Gesicht zeigt bekümmerte Gedanken. Warum auch nicht? Hatten doch vor wenigen Wochen erst wieder, im Januar 1582, die Räte der Städte Hammelburg, Brückenau, Fulda und Geisa den Fürstabt „um Abschaffung der Juden oft untertänig und hochflehentlich" gebeten. Hatten die Dränger diesesmal Erfolg, wo der Fürst im Roten Schloß zu Hammelburg weilte und sie ihr Gesuch erneut Vorbringen wollten?... Wehmütig tönt in solchen Zeiten der Kümmernis das Flehen aus der alten dumpfen Synagoge: Schäumer Iifroel! Hüter Israels, behüte den Rest von Israel, laß nicht untergehen Israel, das da rufet: Schma Iifroel!.... Der Traum zerrinnt. Die Fürftäbte von Fulda ruhen in ihrer Gruft. An manchem Hammelburger Gebäude ist noch ihr Wappen. Wir gehen in die Iudengasse, sie läßt nur noch ahnen, wo das Villenviertel der Vorfahren gestanden. Der Zug führt uns weiter und bald grüßt die Ruine Trimberg. Wie ein stummer Beschützer blickt sie hinab auf daö kleine Dörfchen Trimberg, das sich am Hang hinaufzieht. Anspruchslose Häuschen, eingebettet im sommerlichen Grün der Sträucher und Blumen; ihr Schatten, schwebt im silbergänzenden Wasser der vorüberziehenden Saale. Ein Bild für Maler. Vor unseren Augen aber träumt langsam ein längst entschwundenes Bild herauf; aus dem frühen Mittelaller, damals als Walter von der Vogelweide seine unsterblichen Lieder sang. Ein strahlender Sommermorgen. Blauer Himmel, Sonnenschein. Der Wiesengrund ein Blumengarten. Das Dorf wie auSgeftorben. Sonntag ist's. Langsam stapft der Dorfwächter durch die hügelige Gasse und wenn er zuweilen, bedächtig umherschauend, stehen bleibt, und den wuchtigen Spieß auf den Boden aufstößt, dann schrecken genäschige Stare von den Johannisbeeren auf, springt ein Kettenhund mit heiserem Bellen aus seiner Hütte. Auf der Wiese spielen jüdische Kinder, schwarzlockige und blonde. Die Buben haben ein neues Spiel gelernt. Sie werfen

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