Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 8 (10.9.1925)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1925-09-10
- Page
- 153 (sequence 1)
- Language
- German
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Nachrichtenblatt üer Israelitischen KultuSgemeinüe in München unü ües Verbanües Bayerischer Israelitischer Gemeinöen Vagerische IsraelMsche GememöezeLtung Erscheint am Anfang seüen Monats. — Verlag: L. Heller, München, LezugspreisfürüienichtüurchüieIsr.kultuSgemeinüeMüncheneingewie- Herzog Marstrahe 4, Kernsprecher 5zop-, Postscheckkonto Nr. ZpS/München. senen Bezieher: Mk.4 — für üas Zahr. Anzeigenpreis: Sie 4gesp.nun- Schristleitung: Or. Lugen Bchmiüt, Rechtsanwalt in München, Karlstraße 6. Zeile 40 pfg./§ami1ienanzeigen,Btellengesuche unü ähnliche Angebote ispsg. München^ 10. September Kr. S Inhalt: Motto — Tischri-Monat — Der jüdische Kalender — Jüdische Wohlfahrtspflege in Bayern — Aus dem Verbände — Aus der Gemeinde — Streifzüge durch das fränkische Saaletal — Bücherschau — Vereine — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes — Bekanntmachungen der Gemeinde — Personalnachrichten — Kalendarium Alle Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde München, sämtliche Lehrer und Gemeindevorsteher, sowie die Delegierten des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden erhalten die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung dauernd gratrs zugestellt. Sollte in einem einzelnen Falle die Zusendung unterblieben sein oder die Adressierung nicht stimmen, so bitten wir, dies dem Verlag sofort zu melden. — Wer nach Vorstehendem nicht zum Gratisempfang berechtigt ist, kann die Gemeindezeitung gegen eine Gebühr von Mk. 4.— für das Jahr beim Verlag abonnieren. Verlag B. Heller, München, Herzog Maxstraße 4 Die Andacht des Gebetes ist der Wille der Religion. Cohen, Religion d. Vernunft 471. ver lischri-Monat. Von Distriktsrabbiner Dr. „Der Trieb des Menschen ist böse von seiner Jugend an" (Gen. 8. 21). „Die Seele, die Du mir gegeben hast, ist rein" (tägliches Morgengebet). In diesen beiden Sätzen, dem biblischen Worte und der bekannten Stelle unseres Morgengebetes, ist die ganze Gegensätzlichkeit der menschlichen Natur zum Ausdruck gebracht. Der sittliche Inhalt des menschlichen Lebens besteht ja eigentlich nur in einem ständigen Ringen um diese Reinheit und Lauterkeit der Seele, die vom Kampfe des Lebens draußen wie vom Triebleben des Menschen fortgesetzt bedroht wird. Es gibt Menschen, in denen nichts von dem bösen Triebe zu leben scheint, von denen uns — sei es nun Naturanlage oder auch Ergebnis schweren seelischen Kampfes und dann errungenen Sieges — nur die reine Seele in der ganzen Erhabenheit ihres Adels entgegenftrahlt. Diese in schönstem Sinne einseitigen Naturen sind selten und wie eine Gottesgnade erscheint es uns, wenn wir ihnen auf unserem Lebenswege begegnen; und doch ist die gegensätzliche Natur, die sich nur von dem bösen Triebe beherrschen läßt, noch seltener. Es gibt kaum ein menschliches Wesen, in dem nicht ein Funke der „Seele des lebendigen Gottes" lebte. Wir anderen aber schweben und schwanken, steigen auf und steigen nieder, ringen und kämpfen nicht mehr und nicht weniger als unser ganzes Leben hindurch. H a n 0 v e r (Würzburg). In dieser Arena schwerster Kämpfe wird der religiöse Geist des Judentums unser Mithelfer und ruft mit der Erneuerung des Jahres auf zu einer Erneuerung des Lebens in sittlichreligiösem Sinne. Mag uns unser Triebleben noch so tief, bis zu Boden gedemütigt haben, immer führt den Suchenden die Jakobsleiter von dunkler Erde zur lichten Höhe des Himmels Gott entgegen. In ehrfürchtiger Scheu beugen wir das Haupt vor der Erhabenheit religiösen Schaffens, das es verstanden hat, diesen schlichten, aber tiefen religiösen Gedanken durch Brauch und Gebet, wie überhaupt den ganzen Geist, den er den Tagen des Tischri-MonatS eingehaucht hat, so tief im Seelenleben zu verankern, daß kein Denkender, kein religiös oder auch nur ästhetisch Empfindender sich der gedanklichen Tiefe, der Weihe und Schönheit der Tischri-Tage entziehen kann. Wie das Jahr immer wieder neu beginnt und uns mit neuen Hoffnungen erfüllt, ob auch das vergangene stoch so viele Wünsche unerfüllt ließ, so soll und kann jeder Einzelne mit dem neuen Jahre sein Leben neu beginnen und e6 versuchen mit frischer sittlicher Kraft das Ziel zu erreichen, von dem er sich in der Dunstatmvsphäre sittlicher Niederung immer weiter entfernt hat. Um indes diese Kraft zu erneuern, darf eö bei der Gefühlswelt des Rausch Haschono sein Bewenden nicht haben. Der Versöhnungstag muß erscheinen und unerbittlich die schwerste sittliche Tat vom Menschen fordern: rücksichtslose Offenheit und Ehrlichkeit gegenüber sich selber; darin besteht die ganze Sühne, aber auch die Bedenket der Nrinen zum Jahreswechsel! Slückwunsch-Ndlösung siede Seite 165