Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 7 (18.8.1925)
- Article
- Palästina [Nachricht]
- Date
- 1925-08-18
- Page
- Seite 147 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 147 vücherschau. Palästina. Unter diesem Titel erscheint ein Bilderwerk, das 300 bisher unveröffentlichte Bilder des Landes zusammenstellt. Das Vorwort ist von Sven Hedin geschrieben, ein ausführlich beschreibender Text gibt die notwendigen Erläuterungen. Vorherbestellungen nimmt die Ewer-Buchhandlung entgegen. ..Jud Süß" von Lion Feuchtwanger. Es dürfte sich in München mancher an des Verfassers gleichnamiges Drama erinnern, das vor Jahren im Schauspielhaus zur Ausführung gelangte, und nun auf den Gedanken kommen, der Roman sei weiter nichts als dessen Episierung, eine Ausführung ins breitere Detail. Dem ist aber nicht so. Der Stoff ist selbstverständlich der gleiche, aber er ist im Roman umfassender und wurzelhaster angepackt. Die Hauptfigur erfährt in sich den Kampf von Tradition und dem mit ihr verbundenen Ideal auf der einen Seite gegen selbsterworbene vergangenheitslose Machtfülle in neuer widerstrebender Umgebung, die daher erst recht zur Fortführung entinnerlichten Tuns reizt. Damit verbindet sich im Tieferen das Problem der Wirkung von Vererbung und Milieu. Es ist eine Stärke des Buches, daß das Problem als solches nie heransgestellt wird, sondern immer ganz in der Historie aufgeht selbst dann, wenn dem Jud Süß Oppenheimer die Problemstellung klar wird durch die Mitteilung, daß sein Vater christlichen Adels war. Das alles geht in einem großen Rahmen von Personen und Geschehnissen vor sich, die offenbar in genauer Kenntnis von Wesen und Art der Zeit beschrieben sind. Gleich der Anfang führt mitten in diese hinein durch die Schilderung all dessen, was auf des römischen Reichs württembergischen Landstraßen einherzieht. Wie hier schon Kontraste gegeneinandergestellt werden, so auch im weiteren Verlauf. Dadurch wird eine scharfe Beleuchtung, eine genaue und nach allen Seiten gerechte Verteilung von Licht und Schatten erziel^ an der dem Verfasser anscheinend sehr viel gelegen ist, denn einzelne markante Züge der Hauptpersonen werden wiederholt eingehend vor Augen geführt. Aus Obigem ergibt sich, daß das Buch durchaus kein hohes Lied auf das Judentum wird. Und doch sind die packendsten Stellen die, in denen die mystische Kraft des Kabbalisten und die todesbereite Seelengröße der weltfern gehüteten Tochter des Jud Süß die robust-unbedenkliche Vitalität des Feldmarschalls und Landesvaters in verlegen-demütiges Unterlegenheitsgefühl wandeln, und ferner das Ende, an dem der emanzipierte Halbjude seine Erlösung findet im Aufgehen und Aufgenommensein in der Glaubens- und Stammesgemeinschaft. Dr. M. L. Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege 1924/25. Nach zwölfjähriger Pause ist soeben das von allen an dem jüdischen Leben in Deutschland Interessierten mit Ungeduld erwartete „Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege", jenes in weiten Kreisen unter dem Namen „Statistisches Jahrbuch" bekannte Nachschlagewerk in 22. Auflage erschienen. Der bisherige Herausgeber, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, hat sich diesmal mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden zur Herausgabe vereinigt. Die Bearbeitung ist dem Bureau für Statistik übertragen worden, dessen Leiter, Herr Dr. Jacob Segall, für das Werk verantwortlich zeichnet. Auch diesmal hat der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, Berlin XV. 35, Steglitzerstr. 9, Postscheckkonto Nr. 924, an den alle Zuschriften zu richten sind, den Verlag übernommen. Von diesem ist das Buch zum Preise von M. 5.—, für jüdische Gemeinden und deren Beamte zum Vorzugspreis von M. 3.50 zu beziehen: Wiederverkäufer erhalten einen Rabatt von 33V» Proz. Man wolle die Bestellung mit der Zusendung des Betrages an das Postscheckkonto des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Berlin Nr. 924 verbinden. Die ein volles Jahr beanspruchende Bearbeitungszeit erklärt sich sowohl aus den überaus großen Veränderungen, die innerhalb aller jüdischen Organisationen Deutschlands in der ereignisreichen Zwischenzeit sich vollzogen haben, als auch aus den Bemühungen, ein möglichst lückenloses Material zu bieten. Das Buch zerfällt in 5 Teile. Teil I, der sich mit den in der üblichen Weise geographisch-, politisch geordneten Gemeinden befaßt, ist durch die neuen Angaben über die Synagogen, Friedhöfe und Quellbäder vervollständigt. Dieser Teil erscheint dennoch kürzer als bisher, nicht nur infolge des Verlustes größerer Landesgebiete, sondern auch weil er sich bezüglich der innerhalb der Gemeinden bestehenden freiwilligen Organisationen, Institute usw. auf den Hinweis auf die anderen späteren Teile des Buches beschränkt. Der II. Teil umfaßt die Schulen und sonstigen kulturellen Einrichtungen. Ganz besonderer Wert wurde auf die sorgfältigste Ausgestaltung des Teiles III gelegt, der die Wohlfahrtseinrichtungen behandelt. Dieser Teil ist, abweichend von der bisherigen Darstellungsweise, in tabellarischer Form gegeben. Im Teil TV sind die größeren religiösen jüdisch-politischen und kulturellen Organisationen in alphabetischer Reihenfolge angegeben. Vielen erwünscht werden die Verzeichnisse von Rabbiner-, Kantoren- und Lehrerverbänden sein. Der letzte Teil bringt eine Zusammenstellung der jüdischen in Deutschland erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften, sowie der jüdischen Verlage. In noch höherem Grade als ihre Vorgänger ist die vorliegende Auflage ein ehrendes Dokument jüdischen Gemeinsinnes, wie er sich im Gemeinde- und Wohlfahrtswesen und in seinen allgemeinen kulturellen Bestrebungen dokumentiert. Wie das Werk für jeden, der sich mit praktischen Fragen in jüdischen Einrichtungen und Persönlichkeiten zu beschäftigen hat, ein unentbehrliches Nachschlagewerk ist, so dürfte es sich auch für die wissenschaftliche Bearbeitung des in ihm enthaltenen nahezu erschöpfenden Materials als eine brauchbare Grundlage erweisen. Zur Geschichte der Juden in Bayern. Frl. Dr. Strauß macht darauf aufmerksam, daß die von chr zitierte Schrift von Dr. Paul Sundheimer: „Die jüdische Hochfinanz und der bayerische Staat im 18. Jahrhundert", verlegt bei Schanz, noch in erweiterter Form unter dem gleichen Titel 1923 als Dissertation der Münchener Universität eingereicht wurde. Die Dissertation hat dem an dieser Stelle seinerzeit erschienenen Aufsatz als hauptsächlichste Grundlage gedient. Vereine. Jüdischer Gesangverein. Vor 5 Jahren wurde durch einige sangesfreudige Herren, in erster Linie Herrn Oberkantor Kirschner, Kapellmeister Ziegler und Schreiber dieses, der jüdische Gesangverein gegründet. Die Gründung fiel insofern in eine für den Verein günstige Zeit, als durch den besonders in München grassierenden wütenden Antisemitismus den Juden der Aufenthalt in christlichen Vereinen vergällt wurde. Das Problem des Vereins war, Juden aller Richtungen zusammenzuschließen, zur Pflege des fynagogalen und weltlichen Gesangs. Eine große Schaar sangesfreudiger Damen und Herren traten als Mitglieder bei, so daß es möglich war, im Laufe der Jahre mit verschiedenen Konzerten im Odeon und in der Tonhalle an die Öffentlichkeit zu treten. Unter der hingebungsvollen Arbeit seines Dirigenten Herrn 'Kapellmeister Ziegler, gelang es dem Verein, seine Darbietungen auf eine ansehnliche Höhe zu bringen; der verhältnismäßig zahlreiche Besuch der Konzerte bewies auch, daß der Verein im jüdischen Geistesleben Münchens festen Fuß gefaßt hat. Neben den öffentlichen Konzerten wirkte der Verein in einer geselligen Veranstaltung der Concordia mit sehr gutem Erfolg mit; bei der Trauerfeier und Denkmalsenthüllung für die jüdischen Gefallenen errang sich der Verein die Anerkennung der Gemeindeverwaltung und der jüdischen Öffentlichkeit. Außerdem aber war eine besondere Leistung des Vereins, daß er an den hohen jüdischen Festtagen den Chor in der Hauptsynagoge unterstützte, in der Tonhalle den gesanglichen Teil durch seine Mitglieder durchsührte. Die Existenzberechtigung hat der Verein durch all diese Veranstaltungen in reichem Maße erwiesen. Auf immer weiterschreitender Bahn unternahm es der Verein, im April ein großes Synagogenkonzert zu veranstalten. Das Programm war zusammengestellt aus jüdischen Kompositionen von 1500 bis heute; Namen wie Sulzer, Naumburg, Lewandowski, Kirschner, Ziegler