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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-08-18 · 7 (18.8.1925) · p. Seite 113

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
7 (18.8.1925)
Article
Religiöse Erziehung
Date
1925-08-18
Page
Seite 113 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindez«itung 113 Religiöse Erziehung. Am letzten Sabbath vor dem 9. Aw und den folgenden bis kurz vor dem Neujahrsfeste wird in den Gotteshäusern als Haftara immer je ein Kapitel aus dem Buche I e s a i a s zum Vortrag gebracht. Wohl kein Prophet hat es so verstanden wie er, seine warnende Stimme gegen die Gottlosigkeit, gegen die Zügellosigkeit des Volkes ertönen zu lassen. Er geißelt die verdorbene Hofluft der Herrscherkreise wie nicht minder die schrankenlose Wohlluft der unteren Massen; nichts entgeht seinem tiefen Blick. Die Sprache, welche sich in seinen Anklagen kund gibt, war in eine Form gekleidet, wie sie nur wenigen zu eigen war. Nicht allzuviele Geister späterer Jahrhunderte haben tieferes Verständnis für diesen Propheten empfunden und von diesen ist es ganz besonders der Franzose Victor Hugo, welcher in einer seiner Abhandlungen zeigt, wie richtig er die Schriften dieses GeifteShelden zu würdigen versteht. Hugo sagt: „IesaiaS erscheint über der Menschheit, wie das Grollen eines immerwährenden Donners. Er ist der große Vorwurf. Sein Stil, eine Art nächtlichen Gewölks, erhellt sich plötzlich durch Lichter, welche die ganze Tiefe des schwarzen Gedankens wie mit Purpur überziehen und ausrufen lassen: es blitzt. IesaiaS tritt Körper an Körper dem Bösen entgegen, das in der Zivilisation dem Guten den Rang streitig macht. Er ruft Stillschweigen zu dem Lärmen der Karossen, den Festen, den Triumphzügen. Das Gewoge seiner Prophetie ergießt sich über die ganze Natur.... Er steht auf der Schwelle der Zivilisation und weigert sich hineinzutreten. Es tönt wie eine Stimme aus der Wüste zu den Menschenmassen, die für die Sandfteppen, für das Gestrüpp und den Wüstenwind die Stelle der Städte in Anspruch nimmt, weil es ungerecht ist, weil der Tyrann und der Sklave, der Ehrgeiz und die Schande überall sind, wo sich feste Mauern finden, weil da das Böse wohnt, das dem Menschen eingefleischt, weil in der Wüste nur das Tier, in der Stadt das Ungeheuer wohnt. Was IesaiaS seiner Zeit vorwirft — den Götzendienst, die Ausschweifung, die Unwissenheit — besteht noch heute. IesaiaS ist der ewige Zeitgenosse der Laster, die sich zu Dienern, und der Verbrechen, die sich zu Königen aufwerfen." Derselbe Prophet, dessen Drohungen und Strafreden in die Herzen des Volkes so tief eingedrungen, hat es auch verstanden, richtige Worte des Trostes zu finden. Er versucht wieder Balsam in die Wunden zu träufeln. In den Trostkapiteln versteht er das ewig Bittere wieder zu versüßen, in herzerfrischenden Ergüssen das schwere Leid wieder durch eine Botschaft des Trostes zu bannen. Als Geleitboten dient ihm ein Ideal, das ihm vorschwebt, es ist die „religiöse E r z i e h u n g". Sein Standpunkt gipfelt in den Worten: ]vs owan; Verkünderin ZionS. Er mahnt, diese Gefährten im Leben des Volkes einzubürgern, in die Herzen der Großen und Kleinen einzuhämmern. Wie muß aber diese Gefährtin, diese "v "p beschaffen sein? Hören wir, was ein hervorragender Gelehrter in einer treffenden Abhandlung hierüber sagt: „Die religiöse Erziehung muß ideal angelegt sein; sie muß die reine Selbstlosigkeit zum Ausgangs- und das Erhabene, Ewige zum Zielpunkt haben. Die religiöse Erziehung darf nie alö Mittel zu anderen Zwecken, sondern sie muß stets als Selbstzweck aufgefaßt werden. So wie Gott in seinem einheitlichen, unzersetzbaren Wesen den scheidenden Gedanken von Ursache und Wirkung, Mittel und Zweck nicht zuläßt, so muß auch die Erziehung, die den Menschen zur GotteSerkenntnis erheben, die ihn mit der Macht des Ewigen emportragen soll über den Moment, ja über Tod und Gruft — diese Erziehung, sie muß da sein um ihrer selbst willen, fordern und gewähren, erfreuen, beglücken — alles durch sich selbst." Die jüdische und religiöse Erziehung muß dafür sorgen, daß die Kinder nicht nur mit den Worten, sondern auch mit dem Geiste unserer Schriften vertraut werden. Die „Verkünderin Zions" verlangt, daß wir die Jugend so erziehen, daß sie durchlebt ist mit jener gläubigen Innigkeit, welche in allen Lebenslagen den richtigen Trost gewährt, den der Prophet so trefflich schildert. Amitai. 5lus dem Reiche Vorarbeiten für die Schaffung eines Reichsverbandes jüdischer Gemeinden. Berlin (J.T.A.). Wie der J.T.A.-Vertreter erfährt, wird der Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden gleich in der ersten Zeit als eine seiner vornehmsten Aufgaben die Frage der Schaffung eines deutschen Reichsverbandes prüfen und zu diesem Zweck mit dem Bayerischen Landesverband, der Württembergifchen Israelitischen Oberkirchenbehörde, der Badischen Jüdischen Landessynode, dem Sächsischen Landesverband jüdischer Gemeinden und den kleineren Verbänden Fühlung nehmen. Die Zusammenfassung ist umso dringlicher, als voraussichtlich vom Reich Mittel für die Versorgung der Gemeinden zur Verfügung gestellt werden. Ob diese Organisation in Form eines Dachverbandes beschlossen werden wird, steht noch nicht fest. Vertretung des Rabbiner- und Lehrerstandes im Engeren Rat des Preußischen Landesverbandes. Berlin (J.T.A.). Der Engere Rat des Preußischen Landesver-. bandes jüdischer Gemeinden hat beschlossen, zu jeder seiner Sitzungen je einen Vertreter des Rabbinerstandes und einen Vertreter des Lehrerstandes zuzuziehen mit Rücksicht auf die Bedeutung dieser Berufe und im Hinblick darauf, daß der Landesverband sich in besonders großem Umfange mit den Fragen der geistlichen und unterrichtlichen Versorgung der preußisch-jüdischen Gemeinden befassen wird. Ein Vertreter der Zentralwohlfahrtsstelle beim Reichspräsidenten, Berlin (J.T.A.). Am 2. Juli empfing der Herr Reichspräfk. dent v. Hindenburg eine Abordnung der Liga der freien Wohlfahrtspflege. Der Abordnung gehörten ein Vertreter der evangelischen und der katholischen Wohlfahrtspflege, sowie der Vorsitzende der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Herr Enge» Caspary, an. Tagung der Württembergischen Landesverfammlung. Berlin (J.T.A.). In Stuttgart fand, wie die „Jüdifch-liberaw Zeitung" mitteilt, die zweite Tagung der Landesversammlung statt. Der Präsident des Oberrates, Regierungsrat Dr. Nördlinger, berichtete über die Arbeit unter der neuen Verfassung. Rabbiner Dr. Straßburger- Ulm dankte dem Oberrat für die für die Weiterbildung der Rabbiner und Oberlehrer geleistete Arbeit, alsdann wurde die Frage der Konfessionsschule eingehend erörtert. Die Schulfrage wurde einer Kommission übergeben. Es wurde be-

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