Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 4 (9.5.1925)
- Article
- Geselliger Abend
- Date
- 1925-05-09
- Page
- Seite 71 (sequence 1)
- Language
- German
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 71 Nr. 4 Sefelliger ttbend. Am Abend des zweiten Verhandlungstages waren die Mitglieder der Tagung und des Rates mit ihren Angehörigen von der Kultusgemeinde Würzburg zu einem geselligen Abend im großen Saale des Hotels „Reichshof" geladen. . In bester Stimmung folgte man der Aufforderung K.R. Braunschweigers, an der behaglichen Tafel Platz zu nehmen. Nicht ebenso genau.wurde seiner scherzhaften Bedingung' entsprochen, daß im ganzen nicht mehr als zwei Reden gehalten werden dürften. Offenbar hatte er die Vermutung, es möchte den Mitgliedern der Versammlung in den beiden Beratungstagen bereits genug in dieser Richtung geboten worden sein. Darum hatte man auch für das leibliche Wohl der Gäste auf das beste gesorgt. Würzburger Mädels, Töchter von Gemeindemitgliedern, kredenzten Boxbeutel. Die jungen Damen waren in unterfränkische Tracht gekleidet, an der besonders die schwarze Haube mit den langherabwallenden breiten schwarzen Bändern auffiel, die wir oft fälschlich für eine Eigenart der Elsässer-Tracht halten. Es ist wohl glaublich, daß die Trägerinnen nicht bloß wegen der angenehmen Gabe, die sie überreichten, freundlich angesehen wurden. Herr Herrmann Engel, der 2. Vorstand der Kultusgemeinde Würzburg, hielt die Begrüßungsansprache. Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. S i l b e r f ch m i d t war es, der den Dank der Versammlung für die aufmerksamen Gastgeber zum Ausdruck brachte.. Man hörte aus: seinen Worten die. aufrichtige Freude klingen, die er darüber empfand, wieder einmal in Würzburg, seiner Vaterstadt, weilenzu können. Und als er. in seine Erinnerung zurückgrifs und Gestalten aus seiner Jugendzeit auftauchen ließ, ging ein Gefühl der -Verbundenheit von dem Redner aus die Zuhörer aus, jenes Gefühl, das wir immer nur dann habenwenn hinter den Worten wirklich Erlebtes und Gefühltes steht, das auf uns überschwingt. In launiger Weise toastete Dr. Elias Straus auf die Damen-und Dr. Sin au ers unverwüstlicher Humor kam in einem von ihm verfaßten Scherzgedicht zur besten Geltung. Verlesen wurden dann weiterhin die zum Teil in launigen Versen abgesaßten Glückwunschschreiben und Telegramme der am Erscheinen verhinderten Herren KR. Meier Bechmann-Fürth, KR. Sigmund Fränkel-München, Meier Königshöser-Fürth, Fritz Levy- Aschaffenburg, Prof. Dr. Rheinstrom-München, Ludwig Rosenzweig- Nürnberg, Elias Stahl-Neustadt, Hauptlehrer Wahler-Hörstein und Geheimrat Dr. Werner-Bamberg. Oberstlandesgorichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt brachte den Dank der Versammlung für die freundlichen Grüße und ihr Bedauern zum Ausdruck, diese wertvollen Mitarbeiter bei der diesjährigen Tagung entbehren zu müssen. Ins Reich des Schönen führten musikalische Darbietungen von Herren und Damen der Würzburger Gesellschaft. Immer wieder gerne hört man Paul Hermanns herrliche Stimme, der Lieder von Schuhmann und Wolf sang. Die Herren Freudenthal, Bergmann und Saalheimer brachten ein Trio von Samberger in sehr ansprechender Weise zum Vortrag. Ilse Gotthelf erfreute durch Lieder von Benatzki. Sig Sanders am Klavier leitete zu leichtbeschwingter Geselligkeit hinüber, die dann in ihr ureigenstes Gebiet, den Tanz, einmündete. Als man sich spät am Abend oder besser früh am Morgen trennte, war man sich bewußt, einem Feste beigewohnt zu haben, das alle Teilnehmer in angenehmer und dankbarer Stimmung zurückließ. Dieser Dank gebührt in erster Linie Kommerzienrat Braunschweiger und R.A. Dr. Rosenthal, die die großen Lasten der Vorbereitung auf sich genommen hatten, er gebührt aber auch allen anderen, die sich um das Gelingen des Festes mühten. Und er gebührt nicht nur für jenen Abend, sondern für den harmonischen Verlaus der ganzen Würzburger Tagung überhaupt, die von den dort an der Spitze des religiösen und gemeindlichen Lebens stehenden Herren in unermüdlicher Arbeit betreut worden ist. Freudig empfand man die Freundschaft und Wärme, die in so reichem Maße entgegengebracht wurde. An die in Würzburg verlebten Tage werden die Gäste stets in bester Erinnerung zurückdenken. Aus der Gemeinde. Der durch Beschluß des Vorstands und der Gemeindevertretung vom 13. November 1924 als Rabbinatsstellvertreter und Religionslehrer gewählte Horr Dr. Elk hat sein Amt in unserer Gemeinde am 1. April d. I. angetreten. Herr Dr. Elk stammt aus Frankfurt a. M. Seine akademischen Studien hat er in Gießen, seine rabbinischen in Breslau abgeschlossen. Gemeindliche Lehrkurse. Im Vortragszyklus von Dr. Max Mayer über neuhebräische Poesie finden noch folgende Vorträge statt: Samstag, 2. Mai: „Das Naturerlebnis in der neuhebräischen Poesie", Samstag, 9. Mai: „Religiöse Romantik in der neuhebräischen Poesie", Samstag, 16. Mai: „Der Titanismus in der neuhebräischen Poesie". Beginn abends 9 Uhr. Der 2. Elternabend veranstaltet von der Israelitischen Kultusgemeinde München, mit dem Thema „Was erwartet das Elternhaus vom Religionsunterricht?" findet Mittwoch, den 13. Mai d. I. abends 8 Uhr im Bibliotheksaal der Kultusgemeinde, Herzog Maxstr. 7/II, statt. Hierbei werden Eltern das Wort ergreifen. Es ist Gelegenheit zu ausgiebiger Aussprache gegeben. Auf vorstehende Veranstaltung gestatten wir uns insbesondere die Eltern schulpflichtiger Kinder aufmerksam zu machen und bitten um möglichst zahlreichen Besuch. Vorstand und Rabbinat der Israel. Kultusgemeinde München. Johanna Kahn. gest. 6. April (12. Nissan) 1923. „Aus einer anderen Zeit ragte sie noch in unsere Zeit herüber", sagte Rabbiner Dr. Baerwald in der Gedächtnisrede bei der Beerdigung von Frau Johanna Kohn. Geboren am 18. März 1841, entstammend dem Hause Billmann, hielt sie die Tradition, die sie aus dieser Zeit, aus dem Elternhause mitbrachte, hoch, ohne den Modernen gegenüber unduldsam zu sein. Schon früh erkannte sie die im Judentum liegenden sozialen Ideen. Als ihre Mutter 1873 ein Opfer ihrer Liebestätigkeit an Verstorbenen wurde, trat sie an ihre Stelle im Frauenverein, alsbald auch in der Frauenchewra. 36 Jahre lang war sie Vorsteherin des Frauenvereins, mehrere Jahrzehnte Leiterin der Frauenchewra, in seltener Geistes- und Körperfrische bis zum letzten Tage ihres Lebens tätig. Zur 50. Wiederkehr des Tages, an dem sie einer Verstorbenen den letzten Liebesdienst gewidmet, verlieh ihr die Chewra Kadischa der Männer die Ehrenmitgliedschaft. Sie war auch Mitgründerin und 2. Vorsteherin des Jsr. Vereins f. Ferienkolonien, Mitschöpferin des Ferienheims in Krumbach und im Kuratorium des Schwesternheims. Zahllos war aber auch die Zahl der Hilfsbedürftigen außerhalb der Vereine, deren sie sich mit der ihr eigenen Tatkraft, für sich selbst anspruchslos, fürsorgend annahm. Beim Leichenbegäng-. nisse sprachen neben Dr. Baerwald Oberlandesgerichtsrat Dr. A. Neumeyer, der die Verewigte als eine der besten Frauen der Gemeinde rühmte, R.-A. Justizrat Leo Oppenheimer für die obigen Vereine. „Möge das ewige Feuer"', so schloß letzterer anklingend an 3. B. M. 6, V. 6 seine Ansprache, „das die Verewigte auf ihrem Altar der Menschen- und Nächstenliebe entzündete, nie erlöschen, sich ausbreiten zum Segen ihrer Familie, der Gemeinde und der ganzen Menschheit und zum dauernden Gedenken an die. Verstorbene! — Leopold Roller. Es ist immer etwas Erschütterndes, wenn ein Mensch vorzeitig und aus vollem Schaffen heraus vom Tode ereilt wird; noch unerträglicher scheint uns der Verlust, wenn dieses Schaffen selbstlos in den Dienst der Allgemeinheit gestellt war. Einen solchen Verlust hat die Kultusgemeinde München erlitten. Wenige Tage vor dem Pesiachfest starb nach 26 jährigem Wirken in der Gemeinde einer ihrer verdientesten Beamten, Herr Leopold Rotter, erster Vorbeter und Religionslehrer des Vereins Ohel Jakob. Ein oft gebrauchtes und oft mißbrauchtes Wort ynx sp“ cy min TiaVn hat in ihm feine Verkörperung gefunden. Leopold Rotter genoß das Glück, sich schon in jungen Jahren in den Jeschiwohs seiner ungarischen Heimat die Schätze jüdischen Schrifttums zu eigen zu machen. Zum Manne gereift und nach Deutschland gekommen, hat er sein Wissen bis zu ganz seltenem Umfang vertieft und verbreitert. Mit dieser Gabe des Lernens verknüpfte sich die Gabe des Lehrens. .Denn er