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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-04-14 · 3 (14.4.1925) · p. Seite 44

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
3 (14.4.1925)
Article
Würzburg
Date
1925-04-14
Page
Seite 44 (sequence 2)
Language
German
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44 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 sind doch wohl recht beachtenswert. Die Gemeindeverbände der anderen deutschen Staaten werden nicht umhin können, dem Vorbild Bayerns zu folgen. Obwohl das Lehrerseminar Würzburg auch vom jüdidschen Religionslehrer grundsätzlich die volle Bildung des Volksschullehrers fordert (und dies auch für den Talmud-Thoralehrer als Ideal erachtet) ist im Seminar auch die Ausbildung von pädagogisch- und profan qualifizierten Religionslehrern ohne staatliche Volksschullehrerbefähigung vorgesehen. Die volle pädagogische und im wesentlichen die Profanbildung haben auch diese Religionslehrerkandidaten zu absolvieren, nur die Ablegung der staatlichen Volksschullehrerprüfung, zu welcher sie manchmal lediglich wegen des Fehlens formaler Voraussetzungen nicht zugelassen werden können, soll ihnen freigestellt werden. Dafür wird aber als Kompensation ein um so höheres Maß an jüdischer Ausbildung gefordert. Das Seminar beabsichtigt hierdurch Lehrkräfte für die vielen in den Großstädten Deutschlands vorhandenen Talmud- Toralehranstalten bereit zu stellen, die ein über den bisherigen Rahmen der öffentlichen Schulen hinausgehendes Maß jüdischen Wissens vermitteln. Das Seminar hofft damit einem vorhandenen Notstand abzuhelfen. Studien- und Arbeilsförderungs-Verein für Israeliten in Bayern e. TS. Die Notlage der studierenden Jugend, eine der traurigsten Erscheinungen der Nachkriegszeit, macht sich auch in den Kreisen der jüdischen Studierenden mit besonderer Härte geltend. Unser Verein ist berufen, hier helfend einzugreifen: er verfolgt die Aufgabe, durch Gewährung von Stipendien an Studierende der sämtlichen bayerischen Hochschulen, des weiteren auch durch Verleihung von Ermunterungspreisen an jüdische Handwerkslehrlinge zur Hebung der kulturellen Lage der Glaubensgenossen des engeren Vaterlandes beizutragen. Das Vermögen des Vereins ist indes mit der Inflation verschwunden und die Spenden, die früher von Gönnern zuflossen, haben aufgehört: wir sind ausschließlich auf die Beiträge unserer Mitglieder angewiesen. Nunmehr nach Verteilung der Stipendien für das Wintersemester sind unsere Mittel erschöpft und im kommenden Sommersemester müßten wir, wohl zum erstenmal seit dem fast 100 jährigen Bestehen unseres Vereins, die Stipendienverteilung aussetzen, falls es nicht gelingt, neue Mitglieder zu werben. In dieser Lage wenden wir uns zunächst an die Kreise, welche selbst die Hochschule besucht haben. Die Erinnerung, was ein Stipendium für einen Studierenden bedeutet, wie es auf Monate Sorgen bannt, mitunter erst die Vollendung des Studiums ermöglicht, sei es, daß solche Erinnerung sich an einstige Studiengenossen, sei es, daß sie sich an die eigene Person knüpft, wird unserer Bitte Verständnis und bestimmt Gehör schaffen. Wir bitten, unserem Verein als Mitglied beizutreten und hiemit sein weiteres Wirken zu ermöglichen zum Besten unserer jüdischen Jugend, zum Besten ihrer Zukunft'. (Postscheckkonto Dr. Wilmersdoerffer, München 6640). Der Vorstand: Rabbiner Dr. L. B a e r w a l d, 1. Vorsitzender. Justizrat Leo Oppenheimer, 2. Vorsitzender. Dr. W. K i tz i n g e r, Schriftführer. Dr. E. Wilmersdoerffer, Kassier. Justizrat Dr. Blumenstein. Justizrat Mosbacher. Kommerzienrat Stern. Perfonalnachrichken. Am 30. März konnte Frau M. N u ß b a u m, die Gattin des 1. Vorstands der Israelitischen Kultusgemeinde Ingolstadt und Mutter des hiesigen Rechtsanwalts und Stadtrats in geistiger und körperlicher Frische das Fest ihres 70. Geburtstages begehen. Wir wünschen Frau M. Nußbaum noch einen langen glücklichen Lebensabend. . „ Vereine. Über die Tätigkeit der Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes. Im Juni 1911 wurde die hiesige Ortsgruppe des jüd. Frauenbundes gegründet, um auch in München die Ziele des Bundes erreichen zu helfen, d. h., um den Zusammenschluß innerhalb der jüdischen Frauenwelt zu fördern und die wirtschaftliche und soziale Lage jüdischer Frauen und Mädchen zu heben. In die praktische Arbeit traten wir am 26. Oktober 1911 ein mit der Eröffnung einer Beratungsstelle für hilfesuchende Frauen und Mädchen. Bei stetig wechselndem Zuspruch fand die Sprechstunde in dieser Beratungsstelle zunächst einmal wöchentlich statt. Aus dieser Einrichtung erwuchs im Dezember 1913 die Stellen- und Arbeitsvermittlung, die täglich mit Ausnahme von Samstag und Sonntag geöffnet war und sofort eine Fülle von Arbeit vorfand. Viele kamen zu uns, um Rat zu holen, in den meisten Fällen aber sollten wir Arbeit verschiedenster Art für unsere Schützlinge vermitteln. Die Zahl unserer Mitglieder wuchs ständig und allmählich fanden wir Freunde auch in Kreisen, die uns zuerst fern gestanden waren. Wie notwendig diese Zusammenfassung jüdischer Frauen durch die Ortsgruppe war, zeigte sich, als bei Kriegsbeginn sämtliche Münchner Frauenvereinigungen sich zu planmäßiger gemeinsamer Hilfsarbeit zusammenschlossen. Schon zu der ersten Sitzung, die bereits am 2. August 1914 stattfand, wurde eine Vertreterin unserer Ortsgruppe zugezogen, und so konnte unsere Organisation 'genau wie alle andersgläubigen Frauenverbände sich in den Dienst der Kriegshilfe stellen. 4 Damen aus unserem Vorstand wurden sofort an leitende Stellen in die verschiedenen städtischen Wohlfahrtsausschüsse gerufen, zahlreiche andere Mitglieder fanden als Helferinnen in diesen Ausschüssen Arbeit, andere stellten sich als Kriegspflegerinnen zur Verfügung, wieder andere erklärten sich bereit, die Speisung armer Schulkinder, die die Ortsgruppe gemeinsam mit dem Verein Frauenhilfe einrichtete, durch regelmäßige Beiträge zu ermöglichen. Wichtig für unsere ganze künftige Arbeit war der Kontakt mit allen Behörden und mit den andersgläubigen Frauenverbänden, der damals geschaffen wurde und der heute noch besteht. Als einer der ersten Münchener Frauenvereine hatte. unsere Ortsgruppe bei Kriegsbeginn beschlossen. Näh- und Strickarbeit gegen Bezahlung abzugeben. Die München-Loge stellte uns in dankenswerter Weise ihre Räume zur Verfügung. So konnten wir eine große Nähstube eröffnen, die vom Dezember 1914 ab direkte Aufträge des Kriegsbekleidungsamtes erhielt. Die Ortsgruppe beschäftigte zeitweise 398 Näherinnen und 240 Strickerinnen. Diese Frauen waren nur zum geringeren Teil unbemittelte Glaubensgenossinnen, zum größeren Teil waren sie andersgläubige Kriegerfrauen, die der Nähstube durch die Wohlfahrtsausschüsse zugewiesen wurden. Zirka 25 ungelernte Arbeiterinnen, meist iüdische Flüchtlinge aus Polen, haben damals in der Nähstube das Näben und Stricken so gut erlernt, daß sie auch in der Zukunft ihr Brot damit verdienen konnten. Neben dieser großen Nähstube wurde bei Kriegsbeginn eine zweite Näbstube, von einem unserer Vorstandsmitglieder errichtet und auf Kosten der betreffenden Dame und ihres Gatten ein balbes Jahr lang unterhalten. Dort wurden von ehrenamtlichen Helferinnen große Mengen von Wäschestücken angefertigt und als wertvolle Liebesgaben ins Feld gesandt. Nach dem Krieg war natürlich eine vollkommene Umstellung unserer Arbeit nötiq. Zunächst galt es. den Arbeitsnachweis neu zu beleben, der während des Krieges als überflüssig vernachlässigt worden war. Während wir bis zum Jahre 1923 nur für Frauen und Mädchen Arbeit vermittelt hatten, entschlossen wir uns um diese Zeit, die Arbeitsvermittlung auch für Männer zu übernehmen und zwar gemeinsam mit der Gemeindepflegerin und je einem Delegierten der beiden diesigen Logen. Wir könnten unsere Aufgabe unaleich besser erfüllen, wenn die diesigen jüdischen Firmen sich entschließen würden, dem Wohlfahrtsamt der Gemeinde, in dem unsere Sprechstunden stattfinden, regelmäßig ihre Vakanzen bekannt zu geben. Im Jahre 1922 wurden durch die Ortsgruppe Lehrkurse für jüdische Frauen und Mädchen eingerichtet, in denen Gelegenheit geboten ist, die Anfertigung von Häkel- und Strickarbeit, sowie von allen sonstigen Handarbeiten zu erlernen, sei es zum eigenen Gebrauch, sei es zum Gelderwerb. In einem Abendkurs wird das Anfertigen und Abändern von Hüten, sowie von Kleidern und Wäsche gelehrt.

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