Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-04-14 · 3 (14.4.1925) · p. Seite 43

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
3 (14.4.1925)
Article
Vortrag Prof. Dr. Goldstein-Darmstadt [Nachricht]
Date
1925-04-14
Page
Seite 43 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2727810-2727811-2727814--00130-2728583
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 43 durch ihre glänzende rhetorische Form wie durch ihren die tiefsten Probleme der Religionen und der Religiosität behandelnden Inhalt in gleicher Weise anziehend waren. Wir werden auf sie noch eingehend zurückkommen. Konzerk Heinrich Schalst. Das Schassen unsres begabten einheimischen Komponisten Heinrich Schalit hat hier in seiner zweiten Heimat München stets die ernste Würdigung der Fachkreise gefunden und Künstler wie Paul Bender, Ossip Gabrilowitsch, Anna Langenhan-Hirzelebenso der Münchener Tonkünstlerverein sind wiederholt mit Wärme für ihn eingetreten. Schalit ist als Musiker kein Revolu-r tionär, denn in erster Linie gilt ihm Schönheit und Klarheit der Linie als oberstes Grundprinzip und was er schreibt, entspringt einer nach innen schauenden Persönlichkeit. Auf diese Weise ist er auch zu einer Ausdrucksform gelangt, die man als einen neuen Zweig musikalischer Lyrik ansprechen darf. Die in seinem jüngsten Kompositionsabend erstmalig zu Gehör gebrachten religiösen Ge-> sänge und Seelenlieder nach Gedichten Jehuda Ha-Levis erschließen ein bisher fast gänzlich brach liegendes Gebiet: die Erweckung wertvoller jüdischer Poesie durch eine mit ihrem Wesen sich verbindende stilechte Vertonung. Diese konnte ihren Ausgangspunkt nur in unsren synagogalen Motiven, ihrem alttestamentarischen Gepräge nehmen und in der Identifizierung mit dem Dichter zu entsprechender Auswirkung gelangen. Schalit hat es trefflich verstanden, Stimmung zu schaffen und festzuhalten und auf den Pfeilern alter Harmonik und Psalmodie ein neues Gebäude aufzuführen. Auf dem von ihm beschrittenen Wege wird es ihm sicherlich gelingen, bleibende Werte zu produzieren, besonders wenn er durch das Interesse der maßgebenden Kreise gefördert wird. Auch die von ihm in kultiviertem Gewände und musikalischer Satzkunst präsentierten jüdischen Volkslieder bedeuten zweifellos eine Bereicherung dieses Genres und verdienen weitgehende Verbreitung. Ein Choralvorspiel, das vielleicht nicht ganz die Größe des dem Komponisten vorschwebenden Gedankens erreicht, ein hübsch gearbeitetes Intermezzo für Klavier und eine Reihe weltlicher Lieder vervollständigten das nach" jeder Richtung interessante Programm. Es würde zu weit führen, Einzelheiten aus den verschiedenen Gruppen hervorzuheben oder auf besondere typische Merkmale und Schönheiten hinzuweisen, vor allem sei der hervorragenden Mitwirkung des "Herrn Kammersänger Julius Gieß und seiner ebenbürttgen Partnerin Else Buschhoff mit rückhaltloser Anerkennung gedacht. Die von großer Hingabe erfüllten stimmlichen und vortraglichen Leistungen beider Künstler verhalfen dem Komponisten, der wiederholt mit den Solisten den Dank der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft entgegennehmen durfte, zu einem starken, unbestrittenen Erfolg. Julius Schweitzer. Jakob Frankel. Am 21. März hat Herr Jakob F r ä n k e l seinen 70. Geburtstag gefeiert. Durch feine vielseitige und fruchtbare Tätigkeit für jüdische Interessen ist er eine bekannte Persönlichkeit innerhalb der Münchener Gemeinde und darüber hinaus geworden. Als Mitglied der Tagung des Landesverbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden hat er in ungebrochener Frische an den in Würzburg vor kurzem stattgefundenen Beratungen teilgenommen. Eine rege Tätigkeit entfaltete Fränkel im Vorstande des Ohel-Jakob-Vereins, sowie im Vorstande der zionistischen Ortsgruppe München. Auch in der Gesamtgemeinde war er als Mitglied mehrerer Ausschüsse tätig. Sein menschlich sympathisches Wesen brachte ihm, unberührt von Anschauungsgegensätzen allenthalben Freunde. Wir wünschen dem Jubilar noch eine lange segensreiche Tätigkeit. Nachruf. Kurz vor Redaktionsschluß erhalten wir die schmerzliche Nachricht, daß Frau Johanna Ko hn-Billmann, die langjährige Vorsitzende des Israel. Frauenvereins, die auf caritativem Gebiet jahrzehntelang richtungggebend gearbeitet hat, im 85. Lebensjahr plötzlich verschieden ist. Ein weiterer schwerer Verlust ist durch das Hinscheiden des Herrn Kantors und Lehrers Leopold R o t t e r zu verzeichnen, der über 25 Jahre in der israelitischen Religionsgesellschaft Ohel Jakob tätig war. Wir werden auf das Wirken der beiden Dahingeschiedenen noch zurückkommen. Am 27. März hat Herr Großhändler Louis Mayer in München das Zeitliche gesegnet. Der Dahingeschiedene hat mehr als 6 Jahre als Mitglied der Münchener Gemeindevertretung zum Wohle der Gemeinde gewirkt und durch seinen klugen Rat wie auch durch seine Tatkraft wertvolle Dienste geleistet. Auch nach seinem Ausscheiden aus der Verwaltung hat er durch seine Güte und Wohltätigkeit sich allgemeiner Verehrung und Wertschätzung erfreut. Sein Andenken wird stets in Ehren gehalten werden. Wohlfahrtsamt. Die Inhaber von Geschäften werden gebeten, Vakanzen bei uns anzumelden. Jüdischer Arbeitsnachweis, Herzog Maxstr. 7. Tel. 53 401. Bibliothek und Lesehalle. (Coßmann Werner-Bibliothek.) Bibliothek und Lesehalle im Bibliotheksaal der Gemeinde sind geöffnet: Montag, Dienstag und Donnerstag von 5—7 Uhr, Freitag von 2—4 Uhr, Sonntag von 10—12 Uhr. Zu diesen Zeiten können unter den im Bibliotheksaal ersichtlichen Bedingungen Bücher entliehen werden. 5lus dem Verbände. Bund gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns. Der Bund gesetzestreuer jüdischer Kultusgemeinden Bayerns versendet nächster Tage an seine Mitgliedsgemeinden und an seine Einzelmitglieder die schriftliche Bitte um Einzahlung des Mitgliedsbeitrages. Seit dem Jahre 1922 sind Beiträge nicht erhoben worden. Die Ziele, welche sich der Bund in Bayern gesteckt hat und deren Erreichung den kleineren und mittleren Kultusgemeinden unmittelbar zugute kommen sollen, bringen der jüdischen Allgemeinheit mittelbar Segen, da die Hebung des jüdischen Niveaus gerade auf den kleinen Plätzen, was einer näheren Auseinandersetzung und Begründung nicht bedarf, mehr wie je Aufgabe der jüdischen Gesamtheit ist. Jeder Jude kann dem Bunde beitreten. Je größer die Anzahl der Mitglieder ist, je größer die Beiträge und je rascher sie bezahlt werden, desto ausgiebiger können die Leistungen des Bundes fein. Kassier ist Herr Max Neuburger, Haßfurt. Zahlungen werden am besten an die Bezirkssparkasse Haßfurt zugunsten des Kontos des Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Bayerns gerichtet. (Postscheckkonto Nr. 7168 Nürnberg.) Würzburg. An der israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg ist mit dem Schuljahre die Schlußprüfung unter Vorsitz des Oberregierungsrates Blaß zu Ende gegangen. Sämtliche Prüflinge haben bestanden. Ein Teil der Absolventen hat bereits Anstellungen in jüdischen Schulen der Großstädte angenommen, ein anderer Teil besucht noch im nächsten Jahre die Jeschibakurse der Anstal-, die ausschließlich der jüdischen Fortbildung gewidmet sind. Lehrziel des Fortbildungskurses sind Talmud mit Rischaunim, Tnach mit Kommentaren und jüdische Kulturgeschichte in entsprechender Vertiefung. Die Teilnehmer sollen so weit gefördert werden, daß sie in der Lage sind, neben gründlicher Kenntnis des Tnach, Talmud mit Tossafoth selbständig zu lernen und zu unterrichten, ein Lehrziel, das mit den Absolventen im Vorjahre in der Tat bereits erreicht wurde. Für das neue Schuljahr, beginnend am 24. April 1925, liegen Anmeldungen zu sämtlichen Klassen vor. Obwohl infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse der Vorjahre der Zugang zu den Präparandien ein derart schwacher war, daß von dort ein Übertritt in die unterste Seminarklasse Heuer nicht erfolgen kann, liegen für den 1. Seminarkurs bereits zahlreiche Anmeldungen vor. Es handelt sich um junge Leute, die mit Erfolg 6 Klassen eines Gymnasiums oder einer Realschule besucht haben. Ebenso liegen Aufnahmegesuche in den obersten Seminarkurs von Abiturienten neunklassiger Mittelschulen, teilweise auch von solchen mit schon begonnenem Hochschulstudium vor. Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich eben völlig umgestellt und der Berus des jüdischen Lehrers ist heute aussichtsreich geworden. Insbesondere in Bayern ist dank dem Wirken des Verbandes bayer. Jsr. Gemeinden die materielle Lage des jüdischen Lehrers eine gesicherte geworden und die volle Cingruppierung in die Klassen 7—9 der Reichsbesoldungsordnung ausgesprochen. Mit gutem Gewissen kann also heute die Wahl des jüdischen Lehrerberufes empfohlen werden. Anfangsgehälter von M. 200.— bis 250.—, Endgehälter von 4—500 M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.