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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-04-14 · 3 (14.4.1925) · p. 33

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
3 (14.4.1925)
Article
Inhalt
Date
1925-04-14
Page
33 (sequence 1)
Language
German
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Israelitische Gememöezeitung Rachcichtenblatt öer Israelitischen Rultusgememüe in München unü ües Verbanües Bayerischer Israelitischer Gemeinüen unü ües Verbanües Bayerischer Israelitischer Gemeinüen Erscheint am ersten Samstag seüen Monats. Verlag: L. Heller/ München, Sezugspreis sürüie nicht üurch öie Isr. kultusgemeinüe München eingewie- Herzog Marstraste4, Kernsprecher 55o?9, Postscheckkonto Nr.5987 München, senen Bezieher: Mk.4.— für Üas Jahr. Anzeigenpreis: Oie 4gesp.«ur»- Schristleitung: Sr. Lugen Schmiüt, Rechtsanwalt in München, Karlstraste 6. "Zeile 40 pfg.Hamilienanzeigen,Stellengesuche unü ähnliche Angebote 1$ pfg. ipzf München/14- April Kr. 5 Inhalt: Die 3. Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden zn Würzburg — Die Eröffnung der Universität in Jerusalem — Das Sagen der Peffach-Haggadah — Josef als Ernährungsdiktator — Aus der Gemeinde — Aus dem Verbände — Vereine — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes. Personalnachrichten — Kalendarium Alle Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde München sowie die Herren Delegierten des Verbandes Bayerischer Israelitischer Kultusgemeinden erhalten die Bayerische Israelitische GemeindezeiLung dauernd gratis zugestellt. Sollte in einem einzelnen Falle die Zusendung unterblieben sein oder die Adressierung nicht stimmen, so bitten wir, dies dem Verlag sofort zu melden. — Wer nach Vorstehendem nicht zum Grattsempfang berechtigt ist, kann die Gemeindezeitung gegen eine Gebühr von Mk. 4.— für das Jahr beim Verlag abonnieren. Verlag B. Heller, München, Herzog Marftraße 4 Bei der Geburt des Menschen bestimmt Gott, ob er stark oder schwach sein wird, klug oder dumm, reich oder arm, aber nicht, ob fromm oder böse. Talmud, Nidda 16, 7. Die 3. lagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Semeinden zu Würzburg (15.—17. Marz 1925) Es ist eigentümlich, welch' ein Zauber von manchen Städten auögeht. Wie sich in den Bauten, Denkmälern und Anlagen eine bestimmte Geistesrichtung widerspiegelt, wie sich die Bewohnerin ihrem äußeren Gehaben, in ihren Gefühlen und in ihren Handlungen als Kinder dieses Geistes erweisen, wie die umgebende Landschaft dazu komponiert zu sein scheint, und sich so aus der Harmonie von Natur, Kunst und Leben der einheitliche Charakter einer Stadt ergibt. Der Grundzug der Seele Würzburgs ist die Heiterkeit. Ob wir nun auf die Feste Marienburg hinaufsehen, die trotzig zwar, aber von grünen Weinbergen umkränzt daliegt, ob wir von einer der Mainbrücken aus den behaglich dahinfließenden Fluten nachschauen, ob wir auf dem wetten Residenzplatze stehend, den mastigen, jedoch fein gegliederten Bau der Residenz auf uns wirken lasten, den die Sonne mit ihrem Glanz übergießt, ^ob wir auf behaglichem Abendspaziergang durch die Stadt in einer Herberge landen, die den Geist eines vergangenen, ruhigeren Jahrhunderts in ihren Räumen festgehalten hat, überall haben wir den Eindruck einer lebensfrohen Heiterkeit. Gewisse Ähnlichkeiten mit Salzburg, der Stadt Mozarts, sind unabweisbar und man ist geneigt diesen Grundzug der Heiterkeit näher als den einer mozartischen, eben einer bei aller Tiefe leichtbeschwingten Heiterkeit zu bezeichnen. Es ist ein Beweis für das feine Stilgefühl Zilcher's, des Münchner, nunmehr in Würzburg als Direktor der Musikschule weilenden Künstlers, daß er hier Mozartfefte veranstaltet hat, bei denen in den Gemächern der Residenz Kammermusik erklang und Sänger von den Balkonen aus dem im Hofgarten lauschenden Publikum mozartische Lieder boten. Kein Zweifel, daß der Charakter des Ortes auch auf dort abgehaltene Tagungen einwirken muß. Und so war es auch. Die nunmehr zum dritten Male ftattfindende Tagung des Verbandes stand von vornherein unter einem günstigen Zeichen. Wie durch die Schneeschauer der Märztage doch hin und wieder die Sonne drang und bewies, daß sie hinter allen grauen Wolkenschleiern in unverminderter Stärke lebte, so stand auch hinter der großen Maste von Anträgen, Begründungen und Entwürfen, die der Tagung diesmal Vorlagen, der hoffnungsfrohe Wille zur Gestaltung. Zahlreich waren die Vertreter aus allen Landesteilen erschienen. Wer bereit war, Menschen zu beobachten und ihre Verschiedenheiten auf sich einströmen zu lassen, mochte erstaunt sein, welch' reiche Mannigfaltigkeit an Charakterzügen, an Fähigkeiten, an Anschauungen, überhaupt in der Art sich zum Leben zu stellen, man in diesem Kreise vorfand. Da war der emsige Gelehrte neben dem großzügigen Kaufmann, hier ein kluger Diplomatenkopf, dort die straffen Züge des ehemaligen Offiziers, gesammelte und beherrschte Männlichkeit neben unruhiger Bewegtheit. Und manches Antlitz, über das Alter und Einsicht einen Schimmer von Güte gebreitet hatten. Sie alle fanden sich in gemeinsamer Arbeit. S.

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