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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-03-10 · 2 (10.3.1925) · p. Seite 20

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
2 (10.3.1925)
Article
Das israelitische Siechenheim für Bayern
Date
1925-03-10
Page
Seite 20 (sequence 2)
Language
German
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20 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 geeigneter Bauplatz in Krumbach-Hürben erworben werden. Hierzu würden die Mittel der Stiftung ungefähr ausreichen, wenn im übrigen die Finanzierung des Baus und der Unterhaltung vom Landesverband übernommen würden. Jedenfalls erwächst dem Verband bei Beratung dieser zur Debatte stehenden Frage eine der wichtigsten Aufgaben für das soziale Hilfswerk in Bayern, da wohl in einigen größeren Gemeinden des Landes Altersversorgungsanftalten vorhanden sind, während für die Unterbringung von siechen und kranken alten Personen so gut wie keine Unterbringungsmöglichkeit vorhanden ist. So ist es gekommen, daß seit Jahren zahlreiche sieche Israeliten in nichtjüdischen Anstalten untergebracht werden mußten, ohne daß für ihre religiösen Belange irgendwie Sorge getragen werden konnte. Zu obigem Thema erhalten wir noch folgende Zuschrift: Schaffung eines jüdischen Siechenheims in Bayerns. Auf der Tagesordnung der Würzburger Verbandstagung finde ich unter Ziff. 6 des 3. Tages obige Worte. Ich halte diesen Gegenstand wohl für das Wichtigste, was der Verband derzeit leisten könnte und sollte. Praktische Erfahrung in den letzten 25 Jahren berechtigen mich zu diesem Ausspruche. Wir in München z. B., haben für Sieche keine jüdischen Anstalten, nur die Krankenhäuser und ein an ein solches angeschloffenes Spital. Letzteres schließt bei allem noch so anerkennenswerten Entgegenkommen der Leitung rituelle Verpflegung so ziemlich aus, ein Umstand, der gerade bei den Leuten, die wir da unterbringen müffen, oft eine schwere Gewiffenöbedrängnis und Erhöhung ihres Leidens bildet. Auch die Leitung der Krankenhäuser kommt uns stets in der liebenswürdigsten Weise entgegen; aber die Überfüllung dieser Häuser machte gerade in den letzten Jahren oft Wegnahme von Siechen nötig, ohne die Möglichkeit anderweitiger geeigneter Unterbringung. Ausreichende Hauspflege ist aber auch bei Wohlhabenden (wieviele sind dres noch?) meist ausgeschloffen. Wie in München, so wird der Mangel eines SiechenheimS aber wohl anderwärts noch mehr empfunden werden. Deshalb sei der Tagung im Sinne von Psalm 41, Vers 2 zugerufen: Heil Euch, wenn Ihr Verständnis habt für die Bedürfniffe unserer Siechen! Rechtsanwalt Iustizrat Leo O p p e n h e i m e r. Nus der Semeinde Vortrag Dr. Baeck. Die am 3. und 4. März angekündigten Vorträge von Rabbiner Dr. Baeck-Berlin mußten leider infolge Verhinderung des Herrn Vortragenden ausfallen. Die Vorträge werden zu einem späteren Termine, der noch bekanntgegeben wird, stattfinden. Vortrag Prof. Dr. Goldstein-Darmstadt. Am 18. und 19. März wird Prof. Dr. Goldstein-Darmstadt im Rahmen der gemeindlichen Lehrkurse sprechen über „Buddhismus und Judentum" und „Ehrfurcht als Forderung des Judentums". Es steht zu erwarten, daß die Ausführungen dieses Redners und Schriffftellers von Ruf, Herausgebers der demnächst erscheinenden bedeutsamen Zeitschrift „Der Morgen" dem stärksten Interesse begegnen werden. Kartenooroerkauf auf der Gemeindekanzlei. Eintrittspreis für beide Vorträge 2 Mk., für Angehörige der Jugendvereine 1 Mk. Die Veranstaltung findet im Konzertsaal des Hotels Bayerischer Hof statt. Beginn abends 8 Uhr. Gemeindliche Lehrkurse. Wir machen nochmals aufmerksam auf den Vortragszyklus des Herrn Dr. Mayer über „Neuhebräische Poesie". Dieser findet am 14., 21. und 28. März, 4., 11. und 18. April im Bibliotheksaal der Gemeinde statt. Kenntnis der hebräischen Sprache ist nicht erforderlich. Eintrittskarten zu 3 Mk. und 1 Mk. sind auf der Gemeindekanzlei erhältlich. Beginn jeweils 8 Uhr abends. Bibliothek und Lesehalle. (Coßmann Werner-Bibliothek.) Bibliothek und Lesehalle im Vibliotheksaal der Gemeinde sind geöffnet: Montag, Dienstag und Donnerstag von 5—7 Uhr, Freitag von 2—4 Uhr, Sonntag von 10—12 Uhr. Zu diesen Zeiten können unter den im Bibliotheksaal ersichtlichen Bedingungen Bücher entliehen werden. vücherschau. Die Lehren des Judentums. 4. Teil: Gott. Herausg. v. Verband der Deutschen Juden. Berlin 1924. 184 S. Der Verband d. D. I. setzt seine so empfehlenswerte Veröffentlichung mit diesem Bande fort. Wie in den früheren Teilen, die die Grundlagen der jüdischen Ethik, sowie die sittlichen Pflichten des einzelnen und der Gesamtheit behandeln, ist auch hier die Darstellung angewandt, daß in den einzelnen Abschnitten des Buches trefflich ausgewählte Belegstellen zu dem betreffenden Thema aus Bibel und Talmud von mittelalterlichen und neueren, sowie von christlichen Schriftstellern geboten sind. Der Leser kann sich so ein selbständiges Urteil bilden. Die Abschnitte dieses Bandes behandeln folgende Themen: Inbegriff von Sittlichkeit, Liebe, Gerechtigkeit und Heiligkeit, Einheit und geistiges Wesen Gottes, Universalismus, Verhältnis Gottes zum Menschen, der Menschen zu Gott, Erwählung der jüdischen Gemeinschaft. Jedes Kapitel enthält eine kurze, sachkundige Einleitung (von Baeck, Rosenseld, Elbogen, Holzmann, Loewenthal, Wiener). Die „Lehren", die der Verband sehr preiswert zum Verkauf bringt, sollten niemandem, der sich in unsere Religion und Sittenlehre vertiefen will, fehlen. -M. Vereine, Jüdischer Gesangverein. Der „Jüdische Gesangverein München e. V." konnte im Dezember 1924 auf sein 4 jähriges Bestehen zurückblicken. Unter der Leitung seines Dirigenten Josef Ziegler und in zielbewußter Arbeit hat sich der Verein eine gefestigte Stellung in der Gemeinde erworben. Veranstaltungen im Jahre 1924 waren die Ausführung von Mendelsohns „Elias" im Odeon, Simchasthora- und Purimveranstaltungen im Bayerischen Hof bezw. Cherubinpalast, Aufführung des „Judas Maccabaeus" von Händel mit dem Konzertvereinsorchester als Chanukka-Feier in der Tonhalle, sowie Mitwirkung bei der Gefallenen-Ehrung der Kultusgemeinde und des Bundes jüdischer Frontsoldaten. Als nächste Veranstaltung plant der Verein eine Purim-Feier in Gemeinschaft mit dem jüdischen Jugendverein am Mittwoch, den 18. März im Schwabinger Bräu. Die besondere Aufmerksamkeit möchten wir auf das am Samstag, den 4. April stattfindende Synagogen-Konzert lenken. In dieser im Gegensatz zu anderen Städten für München neuartigen Veranstaltung soll die Entwicklung des Synagogengesanges vom 16. Jahrhundert (Rosst) bis zur Gegenwart zur Vorführung gebracht werden. Näheres im Inserat in der heutigen Nummer.

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