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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-03-10 · 2 (10.3.1925) · p. Seite 18

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
2 (10.3.1925)
Article
Sittlichkeit als Grundforderung des Judentums
Date
1925-03-10
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 der Wille zur Freiheit und der Wille zum Leben. Das Leben zu wählen und zu gestalten, das ist die Forderung, die daS Judentum an den Menschen richtet. Das Leben des Menschen steht so nicht unter der Schicksalsbestimmung, die über ihn verhängt ist, sondern unter der Entscheidung, die er selbst trifft. Sein Ziel ist ihm gegeben, zu dem seine Freiheit ihn hinführt. Er vermag, wenn er von iHtn sich abgewendet hatte, umzukehren, um jetzt den Weg zu gehn, auf dem er Gott findet. Er kann sich versöhnen, sich reinigen. Seine Tat, die sittliche Tat ist es, die die Versöhnung schafft. Nicht das Wunder und nicht ein Sakrament bringt sie, sondeon die Freiheit, die in ihn gelegt ist. Und in der Versöhnung schafft sich der Mensch dann die neue Freiheit und damit die neue Verantwortung; sie wird zum Wege, zur neuen Aufgabe. Wie dem einzelnen ist dieses Ziel der Menschheit gesetzt. Ihr Ziel ist die Erfüllung des Guten auf Erden, die Verwirklichung besten, worin allein die Menschheit ihr Leben findet, ihr Leben erwählt. Über ihr steht das unendliche sittliche Gebot, mahnend und fordernd. Die Zukunft wird damit zur Aufgabe. Der Sinn der Geschichte ist, daß das Gute mehr und mehr sein Dasein besitze. Nur in ihm hat sie ihr Bestehendes und Dauerndes; nur das lebt weiter, was durch sittliche Tat leben will. In dieser Gewißheit liegt der Glaube des Judentums an die Zukunft. Im Judentum sind die Gedanken oft mannigfaltige Wege gegangen. Aber in diesem Einen sind sie immer übereingekommen und zu diesem hat die Entwicklung immer bestimmter hingeführt, daß Frömmigkeit und Gottesfurcht sich auf die sittliche Tat gründen, daß der Mensch Gott findet, nur wenn er weiß, daß Gott in der Erfüllung des Guten ihm den Inhalt seines Lebens gegeben hat. Leo Baeck. Oie Wahlen zum preußischen Landesverband jüdischer Semeinden Es liegen nunmehr folgende Wahlresultate vor: Liberale 69 Sitze Konservative 12 „ Jüdische Volkspartei 31 „ Paole Zion 2 „ Mittelpartei 6 „ Centralvereinsliste 4 „ * insgesamt 124 Sitze Die Resultate in den einzelnen Wahlkreisen ergaben: Ost- und Westpreußen: 3 Liberale, 1 Jüdische Volkspartei; Großberlin: 28 Liberale, 3 Konservative, 16 Jüdische Volkspartei, 1 Paole Zion, 5 Religiöse Mittelpartei; Brandenburg, Pommern, Grenzmark: 5 Einheitsliste, (4 Liberale, 1 Jüdische Volkspartei); Breslau: 6 Liberale, 2 Konservative, 2 Jüdische Volkspartei; Schlesien: 5 Vereinigte Liberale und Konservative, 1 Jüdische Volkspartei; 4 Sachsen: 1 Liberale, 1 Jüdische Volkspartei; Hannover: 5 Einheitsliste, (2 Liberale, je 1 Konservative, Jüdische Volkspartei und Mittelpartei); Schleswig-Holstein: 1 Centralvereinsliste, 1 Jüdische Volkspartei; J Westfalen: 4 Liberale, 1 Vereinigte Konservative und Jüdische Volkspartei; Frankfurt (Main): 6 Liberale, 4 Vereinigte Konservative und Jüdische Volkspartei; Hessen-Nassau: 3 Centralvereinsliste, 1 Jüdische Volkspartei; Köln: 4 Liberale, 3 Vereinigte Konservative und Jüdische Volkspartei; Rheinprovinz: 7 Liberale, 3 Vereinigte Konservative und Jüdische Volkspartei; Landeslifte: 1 Paole Zion. Die auf der Zentralvereinslifte gewählten Kandidaten gehören teils der liberalen, teils der konservativen Partei an. Trotz eines mit großer Energie geführten, nicht ganz ohne häßliche Auswüchse verlaufenen Wahlkampfes, ist die Wahlbeteiligung an manchen Orten eine im Vergleich zu den politischen Wahlen geringe gewesen. Es haben abgestimmt in: Großberlin: 36,7 % der Wahlberechtigten Frankfurt (Main): 34,9 „ „ „ Köln: 42,2 „ „ „ Breslau: 59,3 „ Schlesien: 77,9 „ „ „ Sachsen: 72 „ „ „ Schleswig-Holstein: 64,5 „ „ „ Westfalen: 73,6 „ „ „ Hessen-Nassau: 66,5 „ „ „ Rheinprovinz: 64,6 „ tt // vie 3. lagung des Verbandes israelitischer Semeinden vayerns Von Oberstlandesgerichtsrat Zum 3. Male ist die Tagung des Verbands israelitischer Gemeinden Bayerns einberufen worden, vom 15. bis 17. Mär^ 1925 wird sie in Würzburg sich versammeln. Am 20. und 21. April 1920 hatte in Nürnberg, im Herzen Bayerns, die verfassunggebende Versammlung ftattgefunden; ihre Aufgabe war es -in der Hauptsache gewesen, die vorläufige Verfassung des Verbandes zu schaffen. Diese Aufgabe ist glücklich gelöst und zugleich ist die wirtschaftliche Sicherung unserer Rabbiner, Lehrer und sonstigen Beamten in die Wege geleitet worden. Die 2. Tagung, die vom 29. bis 31. Oktober 1922 in München stattfand, gipfelte in der machtvollen Kundgebung des Verban- Prof. Dr. S i l b e r s ch m i d t. des für Judentum und Staat; stellte aber im übrigen wichtige Zielpunkte für die Lösung der sozialen Aufgaben des Verbands auf, unternahm die Ausgestaltung der Rabbinatsbezirke und genehmigte, neben sonstigen Beschlüssen, die vom Verband ausgestellten Richtlinien in den Besoldungsfragen. Nunmehr ergeht der Ruf zum 3. Male: auf zur schönen Frankenftadt Würzburg. Dort haben Juden schon vor 800 Jahren Grundbesitz erworben und erwerben dürfen. Im Jahre 1119 hat, wre H. Geheimrat Prof. Dr. Eduard Rosenthal, ein Sohn der Stadt und Gemeinde Würzburg, in seiner Erftlingsschrift nachwies, sogar das Stift Neu-Münster 2 Hofstätten und etn

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