Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 2 (10.3.1925)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1925-03-10
- Page
- 17 (sequence 1)
- Language
- German
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Nachrichtenblatt öer Israelitischer Kultnsgemeinüe in München unö ües Verbanües Vaperlschre Israelitischer Gemeinüen Vageiüsche Iscaelitlsche GememöeZeitung Erscheint am ersten Äamstag jeöen Monats. Verlag: V. Heller/ München/ r-rzugspreis für öie nicht öurch öie Isr. kultusgemeinöe München eingewie- Herzog Marstraste4/ Zernsprecher 540??, Postscheckkonto Nr.;5>S7 München. lenen Sezieher: Mk.4.— für öas Zahr. Anzeigenpreis: Oie 4gesp.i»i»- Ächristleitung: Or. Eugen Ochmiüt, Rechtsanwalt in München/ Karlstraste 6. ieile 40 Pfg./Zamilienanzeigen/Vtellengesuche unö ähnliche Angebote 19 pfg. 192,5 München^ 1 o. Närz 1925 Kr. L Inhalt: Sittlichkeit als Grundforderung des Judentums — Die Wahlen z-m preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden — Die 3. Tagung des Verbandes israelitischer Gemeinden Bayerns — Die sozialen Aufgaben des Verbandes — Das israelitische Siechenheim für Bayern — Aus der Gemeinde — Bücherschau — Vereine — Amtlicher Anzeiger: Bekanntnmchungen des Verbandes, Bekanntmachungen der Gemeinde, Kalendarium Was die Lehre Israel befiehlt, hat nur den Zweck, unter Menschen gegenseitige Liebe und Frieden aufrecht zu erhalten. Buch der Frommen § 956. Sittlichkeit als Srundtorderung des Judentums Herr Rabbiner Dr. Baeck, der leider zu den angekündigten Vorträgen nicht erscheinen konnte, hat uns freundlicher Weise vorliegenden Aufsatz zur Verfügung gestellt, der die Einleitung zu einem Kapitel des I. Bandes der „Lehren des Judentums" (vergl. Bücherschau), enthält. Im Judentum ist die sittliche Forderung ein Grundsätzliches, ein Tragendes der Religion. Die Ethik ist hier zur Religion nicht hinzugefügt, sondern ein Wesentliches in ihr. Ohne sie gibt eS hier keinen Glauben an die Bedeutung des Lebens noch an das, was über das Leben hinausgeht. Das Neue, das der Glaube Israels der Welt gebracht hat, wurzelt in diesem bestimmten ethischen Charakter, der ihm eigen ist. Der Monotheismus Israels ist der ethische Monotheismus. Die Einheit Gottes ist erkannt worden, weil die göttliche Heiligkeit -erkannt worden ist. Der eine Gott, den die Propheten verkündet haben, ist der eine, nicht etwa weil er allein das ist, was die Götter der Heiden zusammen sind, sondern er ist der eine, weil er anders als sie ist, weil das eine Gute in ihm seine Wirklichkeit und Gewißheit hat. Neben dem' einen sittlichen Gott können keine anderen Götter sein, weil die eine Sittlichkeit nichts andres neben sich duldet. Der einig-einzige Gott und der heilige Gott, das bedeutet hier das gleiche. Der eine Gott verkündet dem Menschen, was das eine Gute ist: Gerechtigkeit und Liebe zu üben. Darin liegt der Unterschied zwischen ihm und den vielen Göttern. Der Glaube an den einen Gott ist so aus der Unteilbarkeit der Gewiffensforderung hervorgewachsen. Der Satz: „Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig" und der andre Satz: „Du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mtt deiner ganzen Kraft" gehören unlösbar zusammen. Mit all dem, was in uns ist und was uns gegeben, können wir nur dem einen Gotte dienen, und nur der eine Gott kann es gebieten, daß das ganze Herz, die ganze Seele und die ganze Kraft des Menschen sich ihm hingeben. In der sittlichen Einheit seiner Seele wurde dem israelitischen Menschen die Einheit Gottes bewußt. Gott erkennen bedeutet hier nicht, sein Wesen verstehen, ,ondern sein Walten begreifen, den Weg d-es Rechten sehen und gehn, den Gott gewiesen hat, den einen Weg, der für alle die oerschiedenen, mannigfaltigen Menschen der gleiche ist. Die Wege Gottes sind die Wege, die der Mensch suchen soll. Auf ihnen kann er sich Gott zuwenden, Gott anhangen. Erft durch die Treue gegen Gottes Gebot, gegen die sittliche Forderung, die von ihm dem Menschen gestellt ist, tritt -er vor den einen Gott hin, um ihm zu dienen. Je mehr wir wahre sittliche Menschen sein wollen, desto näher sind wir Gott, desto näher ist er ..nS. Wir können ihn immer finden, wenn unser ganzes Herz sich seinem Gebote zukehrt. Hierdurch gewinnt das Leben des Menschen seinen Sinn. In ihm ist ein Wirkliches: das Gute. Und dieses Gute, dieses Sittliche vermag der Mensch zu schassen, er vermag e6 zu verwirklichen. Darin bildet er sein Leben, -er wird ein Schöpfer des Guten, das Ebenbild des einen Gottes. So viel des Guten gibt es auf Erden, wie Menschen Gutes tun, Gutes ins Dasein rufen. Das Leben ist von Gott dem Menschen gegeben, und er selbst soll es gestalten und bereiten. Dadurch, daß er oas Rechte übt, „erwählt er das Leben", wird er der Schöpfer seines Daseins. In der sittlichen Tat wird damit der Mensch deö Könnens, daö in ihm ist, bewußt, in ihr kann und soll er sich entscheiden, in ihr erfährt er um seine Freiheit. Das Gute und das Böse ist vor ihn hingeftellt, damit er wähle. Auch die Freiheit ist eine sittliche Aufgabe, die Gott in das Menschenleben hineingelegt hat, damit sie erfüllt werde. Der Wille zum Guten ist