Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 1 (27.2.1925)
- Article
- Mahnwort einer Frau
- Date
- 1925-02-27
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 unter allen Umständen ist. Wir können die Augen nicht davor verschließen, daß auch Mitbürger aus unseren Kreisen an solchen Auswüchsen teilnehmen und sich nicht die Zurückhaltung auferlegen, die heute jedem Deutschen Pflicht sein sollte. Darum rufen wir unseren Glaubensgenossen zu: Laßt uns nicht vergessen, was war! Zeigt euch groß, ihr Juden, indem ihr euch frei macht von diesen Auswüchsen! Ihr sollt und dürft froh sein, aber bleibt in den Grenzen der Schönheit und in allem, was über das bürgerliche Maß der Kleidung und Gesellschaftsform hinausgcht, denkt daran, daß es von je eine Stärke der Juden war, niemals der sozialen Not zu vergessen. Sagt nicht: Die anderen machen es gerade so! Das soll und darf für uns kein Maßstab sein, denn wir müssen es besser machen als die anderen, wo wir auch können und wir müssen uns auszeichnen, indem wir die inneren Werte zu immer tieferer Ausbildung bringen, indem wir zeigen, daß wir durch hohes geistiges Streben, durch starkes soziales Empfinden, durch Pflichterfüllung und Arbeitsfreudigkeit uns neben unseren christlichen Mitbürgern auszeichnen können. Darin liegt unser Wert und unsere Stärke! Das zeigt allen! und das wird eine innere Freude und Fröhlichheit in euch auslösen, die erhaben ist über Üppigkeit und Ungebundenheit. Und so wende ich mich letzten Endes an euch, ihr Frauen, als die Trägerinnen des feinen Geschmacks und der guten Sitte, als die Hüterinnen vornehmer Familientradition, damit jede sich frage, ob sie selbst nicht die zulässige Grenze überschritten habe, und damit auch für die jüdische Frau das Wort Goethes Geltung behalte: „Willst Du genau erfahren, was sich ziemt, So frage nur bei edlen Frauen an!" 5lus der Semeinde Gemeindliche Lehrkurse. Am 3. und 4. März wird Rabbiner Dr. Baeck-Berlin zwei Vorträge im Rahmen der gemeindlichen Lehrkurse über das Thema „Zeiten und Menschen" halten. Für den 18. und 19. März ist Prof. D r. G o l d st e i n - Darmstadt gewonnen worden, der am 18. März über „Buddhismus und Judsntum", am 19. März über „Ehrfurcht als Forderung des Judentums" sprechen Sämtliche Vorträge finden im Konzertsaal des Hotels Bayerischer Hof statt. Es steht zu erwarten, daß die Vortragsabende der beiden Redner, deren tiefe, fesselnde Ausführungen im vergangenen Jahr und aus der letzten Zeit noch in lebendigster Erinnerung ihres großen Zuhörerkreises stehen, stark besucht werden. Der Kartenvoroerkauf beginnt am 25. Februar 1925 auf der Gemeindekanzlei. Der Eintrittspreis für je 2 Vorträge beträgt 2 Mark, für Angehörige der Jugendvereine 1 Mark. Der Vortragszyklus des Herrn Dr. Meyer über „Neuhebräische Poesie" findet nunmehr Samstag, den 14., 21. und 28. März, 4., 11. und 18. April im Bibliotheksaal der Gemeinde statt. Zu dem 6 Abende umfassenden Zyklus ist Kenntnis der hebräischen Sprache nicht erforderlich. Eintrittskarten zu 3 Mk. und 1 Mk. sind ebenfalls ab 25. Februar auf der Gemeindekanzlei zu haben. Ende März findet ein Vortrag des Privatdozenten D r. Franz Stadler-Zürich über „Judentum und Kunst" mit Lichtbildern statt. Zeit und Ort des Vortrags wird noch bekannt gegeben. Heinrich Schalit veranstaltet am 7. März, abends 8 Uhr, im Museumssaale einen Kompositionsabend, dessen Programm zusammengestellt ist aus eigenen Kompositionen, die zum Vortrag gelangen durch die Konzertsängerin Else Buschhoff, durch Kammersänger Julius Gleß und durch den Komponisten selbst. In ernstem Ringen mit künstlerischen Problemen gelangte Schalit zu einer Stilform, deren teilweise motivische Bildungen eine unverkennbare klangliche Beziehung offenbaren zu Motiven unsres althergebrachten fynagogalen Gesanges. Solche Motive bergen auch die jüdischen Volkslieder, die Schalit mit gefühls- und sinngemäßer Harmonik ungemein stimmungsvoll bearbeitet hat. Gelangen diese, sowie zwei religiöse Gesänge nach Dichtungen von Jehuda Ha-Levi und zwei Klavierpiecen erstmalig zum Vortrag, so sind auch in der Vortragsfolge u. a. noch vertreten die schon früher gehörten Seelenlieder desselben jüdischen Dichters mit ihrer fesselnden, musikalisch-charakteristischen Ausdeutung. Welch einen tiefen Eindruck letztere hervorzurufen imstande sind, davon legt beredtes Zeugnis ab folgende Besprechung des bekannten Kritikers Adolf Weißmann: „Gibt es echte neue Lyrik? Paul Bender, von dem poetischen Michael Raucheisen begleitet, band einen Strauß davon zusammen: Seelenlieder Heinrich Schalits, auf Texte des spanisch-jüdischen Dichters Jehuda Halevi, in Kirchentonarten von wahrhaft orientalischer Farbe und doch modern, frei von leerem Pathos und doch voll innerer Weihe und verhaltener Glut." Diese neuzeitliche, im Emporblühen begriffene jüdische Kunst, sollte im vorliegenden Falle durch zahlreichen Besuch der genannten musikalischen Veranstaltung gefördert werden. München, 11. Februar. E. Kirchner. Eoßmann Werner Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde München. Die Bibliothek ist hervorgegangen aus einer ursprünglichen gemeindlichen Lehrer- und Schülerbibliothek. Durch den reichen Nachlaß des sei. Rabbiners Prof. Dr. Coßmann Werner wurde die Bibliothek zu einem wissenschaftlichen Institut umgestaltet. Mit zwei weiteren in der Gemeinde bestehenden Bibliotheken vereinigt und durch mehrere größere Bücherstiftungen von Gemeindemitgliedern bereichert, zählt die Bibliothek zur Zeit über 5000 Bände hauptsächlich in deutscher und hebräischer Sprache. Die Bibliothek ist geöffnet Sonntag 10—12, Montag, Dienstag und Donnerstag 5—7 und Freilag 2—4 Uhr. Mit der Bibliothek ist ein Lesezimmer verbunden, in dem jüdische Zeitungen und Zeitschriften in deutscher und hebräischer Sprache aufliegen. Elternabend. Am 15. Februar fand im dichtgefüllten Vibliotheksaal der Kultusgemeinde der erste Elternabend statt, zu welchem Rabbinat und Vorstand eingeladen hatten. Oberlehrer Dingfelder sprach über das Thema: „Was erwartet der Religionsunterricht von der Mitarbeit des Elternhauses?" Hierüber wird an dieser Stelle noch ausführlicher berichtet werden. An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache. In kurzem wird ein 2. Elternabend stattfinden mit dem Thema: „Was erwarten die Eltern vom Religionsunterricht?" Die nähere' Ankündigung wird voraussichtlich in der nächsten Nummer dieses Blattes erfolgen. Zur Beachtung. Es wurde festgestellt, daß durch den Sturm der letzten Woche zahlreiche Beschädigungen an den Grabdenkmälern vorgekommen sind. Für die Angehörigen wird es sich empfehlen, sich von der Ordnungsmäßigkeit der einzelnen Anlagen zu überzeugen, damit weiterer Schaden vermieden wird.