Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1924 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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…/2720904-2721047--016-2726401- Visual Library
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Die Untersuchungen über den ״Begriff des Lebens“1) haben gezeigt, dag die Erkenntnis der biologischen Tatsachen nicht eine bloge Sammlung des Tatsachenmaterials bedeutet, sondern dag ihre Deutung unter dem maggebenden Einflug der Gesichtspunkte erfolgt, von denen die Methode der Untersuchung getragen ist. Das will nicht sagen, dag der Tatbestand nicht objektiv wiedergegeben werde, sondern dag Erkenntnis eben mehr als bloge Sammlung der Tat- Sachen, dag sie ihre Verknüpfung unter Gesichtspunkten ist, die der Geist an die Tatsachen heranbringt. So ergaben sich die drei Deutungsweisen des organischen Werdens im Darwinismus, im Lamarckismus und im Bergson'schen Evolutionismus. Der Darwinismus sucht in der naturwissenschaftlichen Methode der Physik auch das Leben und seine Entwicklung als m e c h a - n i s c h e n Prozeg zu erklären; der Lamarckismus geht von dem psychologischen Prinzip des Willens und der aktiven Anpassung des Organismus an seine Lebensbedingungen aus; Bergson, sucht aus der Intuition in das schöpferische Leben der Seele auch das Leben der organischen Natur als unberechenbares Schaffen des Elan vital zu erschliegen. Wenn wir nun die Untersuchungen auf das Gebiet des Geistes ausdehnen, so ist es auch hier unser Bestreben, zu zeigen, wie die nämlichen Tatsachen des Geisteslebens zu verschiedener Deutung gelangen, je nach der Methode, in welcher die Erkenntnis des Geisteslebens unternommen wird. Auch hier wollen wir drei verschiedene Richtungen der Erkenntnis des Geistes in ihrer methodologischen Verschiedenheit und dadurch bedingten Verschiedenheit des Sinnes, den die Tatsachen des Geisteslebens erhalten, darstellen. Diese drei Richtungen stehen zu den drei Methoden der Biologie selbst in höchst bedeutsamen Beziehungen, so dag die Einheit der philosophischen Gesichtspunkte, unter denen die einheitliche Erkenntnis der organischen Natur und des aus ihr hervorgehenden Menschen, seines seelischen und geistigen Lebens, also Leben, Seele und Wert stehen, deutlich werden soll. Es sind die drei Richtungen des naturax) Mechanismus und Idealismus. I. Der Begriff des Lebens. Beilage zum Jahresbericht 1920.