Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1912 (1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die schlesische ]udenheit vor und nach dem Edikt vom 11. März 1812. Ein doppeltes Fest feierte am 27. Januar 1912 das preussische Vaterland: den Geburtstag unseres kaiserlichen und königlichen Herrn und den Tag, an dem vor zweihundert Jahren der grosse Friedrich das Licht der Welt erblickte. In der Geschichte unserer engeren Heimat bezeichnet der Regierungsantritt des grössten Hohenzollernkönigs einen entscheidenden Wendepunkt. Als er geboren ward, war Schlesien noch als Nebenland des böhmischen Königreiches dem habsburgischen Kaiserhause untertan. Einen schmerzensreichen Leidensweg hatte unsere Glaubensgemeinschaft während des ersten Jahrhunderts nach 1712 durch Nacht zum Licht zurückzulegen. Damals galt für die Behandlung der Juden noch das in weiten Kreisen beliebte Prohibitivsystem1). Danach konnten nur einige besonders reiche Leute das Recht dauernden Aufenthalts gewinnen und wurden mit rücksichtsloser Strenge alle ferngehalten, die angeblich für das gemeine Wohl, in Wahrheit aber für den wirklichen oder vermeintlichen Vorteil der Zünfte und Gilden nicht von besonderem Nutzen waren2). Schon ein Jahr ג) Vgl. meine Geschichte des Landrabbinats in Schlesien, S.-A., S. IS f. 2) Viele Städte besassen das für schweres Geld erkaufte Vorrecht, Juden überhaupt nicht zu dulden, nämlich: seit dem 30. April 1389 Görlitz, 30. Januar 1455 Breslau, 26. Juli 1457 Schweidnitz, seit 1468 Neisse, 1492 angeblich Glatz, seit dem 16 Oktober 1500 Troppau, 1. Juli 1510 Ratibor, Mai 1514 Frankenstein, 5. April 1539 Falkenberg, 17 Juli 1543 Leobschütz, seit 1559 ViQgnitz, 27. August 1563 Oberglogau, 16 September 1563 Kosel, 8. November 1563 Ratibor, 15. November 1564 Neustadt i. Oberschi. Hiernach ist die Aufzählung in meiner Geschichte des Landrabbinats in Schlesien, S. 1, Anm. 2, zu ergänzen und zu berichtigen. Eine Konsignation aller die Abschaffung der Juden betreffenden Erlasse enthält dann das 1680 angelegte Aktenstück F. Breslau II 8 f. des Breslauer Staatsarchivs. Darin finden sich Verfügungen aus den Jahren 1538, vom