Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1887
- Date
- 1887-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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wurden eingeliefert, über welche das Lehrercollegium folgendes Urtheil abgegeben hat: Pie zuerst eingegangene Arbeit mit dem Motto: 01 ׳fap 1ua׳cs60avrsg IrctaxoTCetv -ösöv to5c laoT&v ßtot)? 05Bsv twsyovzai l^apapTEtv (Jos. c. Apionem II 16) zeugt von rühmlichem Fleisse und ernster Hingabe an den Gegenstand. In geschmackvoller Sprache und mit besonnenem Urtheil werden die wichtigsten religionsphilosophischen Anschauungen des Josephus besprochen, doch ist eine das Thema erschöpfende Darstellung nicht gegeben worden. Besonderes Lob verdient die klare Disposition, die nur selten durch nicht am rechten Orte stehende Ausführungen gestört wird. Verstösse gegen geschiehtliehe Wahrheit sind nicht immer vermieden, und selten ist der Verfasser in die Tiefe der in Frage kommenden philosophischen und historischen Probleme eingedrungen, um sie aus der eigentümlichen Mischbildung der Zeit und dem zwiespältigen Charakter des Josephus zu lösen* Trotz dieser Schwächen ist die Abhandlung im Verhaltniss zu früheren Bearbeitungen des Themas als eine verdienstliche Arbeit anzuerkennen und daher des ausgesetzten Preises für nicht unwerth vom Lehrercollegium erachtet worden. Die zweite Arbeit mit dem Motto: 0? plv *paoXoxaxov fjpüiv xov vopoaMrqv IXotSopYjoav, tcI) 8e vqq ap£xr\<z rcakat pev 6 fteöc exeivov öe papxuc 0 )(povo? eupyjxat YefsviQp^voc (c. Ap. II 40) verdient noch grössere Anerkennung wegen des ausserordentliehen Fleisses, der auf die Bewältiguug eines viel grösseren Materials verwendet worden ist. Das Ganze aber entbehrt der formellen Vollendung, die auch wissenschaftlichen Arbeiten nicht fehlen sollte. Stilistische Nachlässigkeiten treten oft und störend hervor; die Stoffvertheilung ist eine äusserst mangelhafte, und dem zweiten Theile geht eine planvolle Ordnung gänzlich ab. Im Gegensatz zu früheren einseitigen und schiefen Beurtheilungen des Josephus hat ihn Verfasser vom rechten Standpunkte aus beurtheilt und dadurch manches Missverständnis beseitigt, doch fehlt es auch nicht an irrigen, grundlosen Behauptungen, zu denen insbesondere eine übermässig apologetische Tendenz den Verfasser verleitet hat. — Beide Arbeiten weisen einen entschiedenen Fortschritt in Rücksicht auf frühere Behandlungen des gleichen Themas auf, bedürfen aber einer gründlichen Umarbeitung, falls ihre Verfasser sie zu veröffentlichen gedenken. Da ihre Vorzüge und Fehler sich ungefähr die Wage halten, hat das Lehrercollegium beschlossen, den Preis beiden Bewerbern zuzuerkennen. Die Eröffnung der mit den angeführten Sprüchen versehenen Couverts ergab, dass der Verfasser der ersten Arbeit stud. phil. Adolf Posnanski aus Raciazek in Russland, der Verfasser der zweiten Arbeit stud. phil. Abraham Lewinsky aus Loslau in Oberschlesien war. Am '13. Februar beging das Seminar die Gedenkfeier für den verewigten Director Dr. Z. Frankel. Die Gedächtnissrede hielt Dr. M. Guttmann. Am 17. März war Dr. L. Zunz, der um die Wissenschaft des Judenthums hochverdiente Gelehrte, in Berlin gestorben. Dr. C. Seligmann widmete ihm in seiner am 20. März in der Seminar- Synagoge gehaltenen Predigt Worte der Dankbarkeit und Verehrung. Am 20. März fand im Anschluss an den Sabbath-Morgengottesdienst die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers in üblicher Weise stätt.