Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 112)
- Language
- German
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VI Einen anderen schmerzlichen Verlust erlitt das Seminar in dem Hintritt eines seiner Hörer. Israel Gestetner, geboren zu Raab in Ungarn im Jahre 1848, trat im Jahre 1868 in das Seminar ein. Durch seinen biedern, ehrenwerthen Charakter, verbunden mit ungeheuchelter Frömmigkeit, regem Fleisse und lebendiger Wissbegierde, erwarb er sich bald die Achtung und Zuneigung seiner Lehrer, die Liebe seiner Collegen, die Werthschätzung Aller, die ihn kannten. Yon einer Ferienreise in die Heimath im Herbste d. J. zurückgekehrt, brachte er ein Unwohlsein mit, das von ihm wenig beachtet, sich zu einem abdominalen Typhus entwickelte, der ihn im 25. Lebensjahre am 2. Tage des Chanukafestes (16. December) dahinraffte und das Fest seinen Lehrern und Collegen in tiefe Trauer umwandelte. Das ehrenvolle Leichenbegängniss zeigte deutlich, wie viele Freunde er sich in der hiesigen Stadt erworben und welche Achtung man ihm von den verschiedensten Seiten entgegentrug. Das Seminar betrauert ihn tief. Friede seiner Asche! In diesem Jahr wurde zur Erlangung des Lehmann’sehen Prämienpreises folgende Preisaufgabe gestellt: Die Theologie des Bachja Ihn Pakuda. Es lief eine Arbeit ein, der der Preis zuerkannt wurde. Der dieser Arbeit beigegebene versiegelte Zettel wird bei der am 27. Januar stattfindenden Feier eröffnet und der Name verlesen werden. — Der Autor der preisgekrönten Arbeit des vorigen Jahres ist, wie der am 27. Januar 1873 eröffnete Zettel ergab, Dr. N. Porges aus Prosnitz. Die Preisschrift zeichnete sich durch gründliche und selbstständige Prüfung der Quellen aus, ferner durch den gewonnenen grammatischen und lexikalischen Standpunkt der Exegeten der in der Preisaufgabe gedachten Schule. Wiewohl in der umfangreichen Arbeitmanches Einzelne hier und da einer anderenFassungwünschenswerth schien, so konnte dieses den Werth des Ganzen nicht beeinträchtigen. Das Seminar beging am 27. Januar die statutenmässige Gedächtnissfeier des Stifters der Anstalt, des Königlichen Commerzienrathes Jonas Fränkel.