Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 653 (5.5.1937)
- Date
- 1937-05-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 653 vom 5. Mal 193? Aus Hi'fler*Deufsdiland Weitere „Maßnahmen" Aus Berlin wird berichtet: Das deutsche Judentum steht unter dem Eindruck der jüngsten beunruhigenden Meldungen, wonach die nationalsozialistischen Behörden beabsichtigen, die Zionistische Organisation in Deutschland, den Centrai-Verein der Juden in Deutschland sowie den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten aufzulösen. Diese Maßnahmen würden die Vernichtung des jüdischen sozialen Lebens in Deutschland bedeuten. Die nationalsozialistische Presse eröffnete in den letzten Tagen eine heftige antijüdische Kampagne mit der Forderung nach neuerlichen strengen Maßnahmen gegen, die Juden. Die Zeitungen berichten, daß solche Maßnahmen bereits in allernächster Zukunft zu gewärtigen sind. Die Münchner Ausgabe des „Völkischen Beobachters" stellt fest, daß „es höchste Zeit sei. wieder etwas in der Judenfrage zu unternehmen". Der ,.S. A.-Mann". das Offizielle Organ der S. A., übertrifft mit seinen Ausführungen alle anderen an Heftigkeit. Er beginnt mit einem scharfen Angriff gegen den Bürgermeister von New York, F i o r e 11 o H. La Guardia und fragt: „Warum schreit La Guardia so sehr? Warum demonstrieren Prostituierte und Verbrecher gegen Deutschland? Ist es wegen ihrer Solidarität mit den Juden? Haben wir wirklich die Juden so schlecht behandelt? Haben wir wirklich in Deutschland alles getan, was notwendig war, um die Spuren der jüdischen Ueberflutung von unserem Land zu bannen?" Ausländische Beobachter in Berlin sind der Ansicht, daß die jetzige antijüdische Kampagne gegen die Juden darauf .abzielt, die Juden aus Handel und Industrie restlos zu verdrängen und alle jüdischen Organisationen,- mit Ausnahme derer, die rein religiösen Charakter tragen, aufzulösen. Aus Polen Der Parteirat der Nationaldemokraten faßte eine Resolution, daß in Polen eine nationale Konsolidierung unter Ausschluß der Juden Platz greifen müsse. Weiter wird festgestellt, daß die jüdische Bevölkerung das Hauptzentrum der k o m m u n i s t i s ch e n Tätigkeit ist. Die Juden sind eben die Quelle alles Uebels in Polen. Die überschüssige Bevölkerung der polnischen Dörfer wird aufgefordert, in die Städte zu ziehen und von Handel und Handwerk Besitz zu ergreifen. Zum Schluß wird gefordert, daß im Hinblick auf die wachsenden Kriegsgefahren den fremden Elementen, vor allem den J u d e n, sämtliche politischen Rechte genommen werden. * Der Verband der jüdischen Teilnehmer an den- Kämpfen um die Unabhängigkeit Polens teilt mit: Neu renoviert! Restaurant „Zum Braten11 Ii, Negerlegasse 2 / Tel A-42-110-2 "HJO streng orthodox H2>D Reichhaltige Menüs S —.90 bis S 2.30 Gute Küche / Billigste Preise Zu der Erklärung des Stabschefs des Lagers der „Nationalen Einigung", Oberst Kowalewski, über Ausschaltung der Juden aus dem Lager stellt der Verband fest, daß er seinen Beitritt zu dem Lager nicht angemeldet und seit der Veröffentlichung der Ideologischen Deklaration keinerlei Verhandlungen mit dem Leiter dieses Lagers geführt hat. Zwecks Stellungnahme zu der Erklärung ist für den 2. Mai eine Vollversammlung der Hauptleitung des Verbandes einberufen worden. * Die polnischen Fleischerverbände haben den zuständigen Ministerien eine Denkschrift überreicht, in der ein vollständiges Verbot des Schächtens gefordert wird. In der Denkschrift wird erklärt, daß die hinteren Teile der Schlachttiere von den jüdischen Fleischern tief unter dem Preis verkauft werden, wodurch das nicht jüdische Fleischergewerbe geschädigt wird. Eine Abordnung der christlichen Fleischer wird sich demnächst an die Abgeordnete Frau P r y s t o r, die Urheberin des jetzigen Tierschlachtungsgesetzes, mit dem Ersuchen wenden, im Sejm das vö 11 ige Ve rbo t der Schechita zu beantragen. * An der WarschauerHandelshochschule aind neuerdings judenfeindliche Ausschreitungen ausgebrochen. Der Rektor, der einschreiten wollte, wurde mit einem Hagel von faulen Eiern überschüttet. Das jüdische Ortssekretariat wurde verwüstet. * Die üblichen Aufmärsche und Ausflüge der jüdischen Schuljugend anläßlich des Lag b'omer wurden aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Ein jüdisches Symphonieorchester in Warschau Aus Warschau: In Warschau wurde ein Symphonieorchester jüdischer Musiker gegründet, die früher an der Warschauer Oper, im Philharmonischen Orchester oder beim polnischen Rundfunk beschäftigt waren, ihre Stellungen aber infolge der judenfeindlichen Strömung verloren haben. Das Orchester steht unter der Leitung von Jakob Bard, einem jungen Dirigenten, der seine Ausbildung an der Kgl. Musikakademie in Brüssel genoß. Es umfaßt fünfzig Musiker von Rang. Ein Probekonzert vor Vertretern der Presse wurde mit großem Beifall aufgenommen. Das erste öffentliche Konzert findet demnächst statt. Friedhofsschändung in Sinaia Aus Bukarest: In Sinaia unternahmen dieser Tage einige hundert neuausgehobene Rekruten einen Sturm auf den jüdischen Friedhof, schändeten Gräber und zerstörten zahlreiche Grabsteine. Sinaia ist der Sommersitz der rumänischen Könige und der bekannteste Kurort Rumäniens. KINDERPENSION ,AUSTRIA' OLGA KADISCH BAD VÖSIAU, SCHUBERTPLATZ 3 TELEPHON 141 Erstklassige Verpflegung, pädagogische Leitung, individuelle, liebevolle Behandlung, beste Erfolge bei schlecht essenden Kindern. Hofmeister, Kindergärtnerin, Lehrerin im Hause. Musik. Sport. Kein Massenbetrieb. Ganzjährig Jüdischer Sport Der Tag der jüdischen Jugend. Der üsterrreichische Makkabikreis hat die Leichtathletiksektion des Sportklubs Hakoah damit betraut, heuer den ,,T a g d e r j ü d i s c h e n Jugend" zur Durchführung zu bringen. Als Termin wurde der 6. Juni gewählt. An diesem Tag werden nach langer Zeit wieder die besten deutschen Makkabisportler ihre Kräfte mit ihren Brüdern aus Oesterreich, der Tschechoslowakei, Ungarn und Polen messen. Sämtliche Zweige des Makkabisports werden bei diesem Fest mit ihren besten Kräften mitwirken. Die Tu r n e r werden große Massenfreiübungen veranstalten und eine Sonderriege stellen, im Fußball wird noch eine besondere Attraktion vorbereitet. Im Handball wird mit dem Vivo A. C. aus Budapest verhandelt. Weiters werden Sondervorführungen in Hockey, Boxen, Ringen und Tennis stattfinden. Da auch spezielle Mittelschülerbewerbe stattfinden, will der Sportklub Hakoah allen jüdischen Mittelschülern Wiens, die das dreizehnte Lebensjahr bereits überschritten haben, Gelegenheit zum Training geben. Hiemit sind alle jüdischen Mittelschüler, aber auch alle Mitglieder der Jüdischen Jugendbünde herzlichst eingeladen, an dem für sie eingerichteten Spezlaltraining teilzunehmen. Dieses Training findet jeden Sonntag ab 10 Uhr vormittags auf dem Hakoah-Sportplatz in der Krieau statt. Jüdische Jungen und Mädchen, die daran teilnehmen, werden gebeten, sich ebendort bei Herrn Dr. Topf zu melden. _ —v. Te. Dank der jüdischen Blinden an ihre sehenden Mitmenschen. Bei der am 20. April 1. J. abgehaltenen Generalversammlung des ,,H ilfsvereinesderjüdischenBllnden" wurde die großeFreigiebigkelt und Hilfsbereitschaft der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs hervorgehoben. Indem wir auf diesem Wege der jüdischen Bevölkerung für alle, den Blinden erwiesenen Wohltaten den herzlichsten Dank aussprechen, bitten wir, sich auch weiterhin der notleidenden jüdischen Blinden wohlwollend zu erinnern. „Hilfsverein derjüdischen Blinde n", Wien, IL, Rembrandtstraße 18, Telephon A-47-2-77, Postsparkassenkonto A 133.213. Trauerandacht für Rabbiner Mayersohn sei. And. Letzten Sonntag fand im Bethaus „Machsike Hadath" ein Hesp e d nach dem verstorbenen und als großen Talmudgelehrten und Rosch-Bez-Din Rabbiner Mayer söhn statt. Die Räume waren bis aufs letzte Plätzchen dicht besetzt. Nachdem Oberkantor Fränkel in rührender Welse seine kantoralen Funktionen erledigt hatte, bestieg der Rosch-Bez-Din aus Jaroslau, Rabbiner D i 11 e r, die Kanzel, um den so jäh verstorbenen Kollegen und Freund einen würdigen Nachruf zu halten. Mit der Rezitierung des ,,El- Mole" durch Oberkantor Fränkel schloß die sehr eindrucksvolle Trauerandacht. elegant, modern, tadellos passend u. besonders preiswert FrUhjahrs-Slipper oder Ansug TABORSTR.48 iiiiiiiimiiiiiiiiiiiiuiii 0SEF LEITMANN vorm. Paul Planer A. B., Wien 11, PraterstraBe 17, Telephon R-47-5-10 Elektromaterlal / Radioapparate / Beleuchtungskörper / Dauerbrandöfen / Gasapparate / Sprechmaschinen / Elektrokosmetik / Elektroapparate / Glühbirnen in allen Stärken stets lagernd / Befugte Radio-Reparaturwerkstätte / Günstige Tauschgelegenheit Bequemes Tci Izahlungssystem Touristik- und Skiklub „Hakoah", Wien, I., Wiesingerstraße 11. Tel. R-25-0-10. Klubabend jeden Freitag. Feiertag ausgenommen, von 21 bis 23 Uhr. — Tourenprogramm für 9. Mai 1937: a) W i n d i s c h h ü t t e: Zusammenkunft 9 Uhr. Straßenbahn D. Nußdorf er Platz; Führer: Plautus; b) Schneeberg (Skitour), Führer: Schwarz. Die Macht der Gewohnheit hindert uns oft, Neues zu versuchen. Wer einmal das köstliche dunkle Wiener Simonsbrot versucht hat, läßt es nie mehr in seinem Hause ausgehen. Magen-, Darm-, Nieren-, Leber- und Gallenkranke nehmen gern früh nüchtern ein Glas natürliches „Franz- Josef'-Bitterwasser, da es, frei von unangenehmen Empfindungen, raschest abführt und den Stoffwechsel nachhaltig anregt. Es wird ärztlich bestens empfohlen. 33 Die Freude an schönen weißen Zähnen ist oft größer als die Sorge um ihre Gesunderhaltung. Erhalten Sie sicM beides: Schöne und gesunde Zähne, indeYh Sie morgens und abends die bekannte Qualitäts-Zahnpaste Chlorodont benutzen. Wählen Sie Chlorodont schäumend oder nichtschäumend nach Ihrem persönlichen Geschmack. E Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben! Sind wir heute noch im glücklichen Besitze schöner und gesunder Zähne, so kann schon in kurzer Zeit die gefürchtete Zahn-Caries ihr Vernichtungswerk beginnen. Darum heißt es, rechtzeitig vorbeugen durch tägliche Mund- und Zahpflege mit ODOL-Mundwasser und ODOL-Zahnpasta. ODOL-Mundwasser dringt in die verborgensten Winkel der Mundhöhle ein, desinfiziert diese und verschafft reinen Atem. ODOL-Zahnpasta verhütet Zahnbelag und macht die Zähne blendend weiß. ODOL L 83 und ODOL-Zahnpasta werden erzeugt nach den von der W. V. der Zahnärzte Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der Zahnärztlichen und Pharmakognostischen Institute der Universität Wien. Austritte aus dem Judentum Franz Morvai, Cafetier, geb. 23. September 1886 Wien, verh., I., Opernring 3. — Hedwig Gertrud Fux geb. Gieseler, Schauspielerin, geb. 17. August 1887 Leipzig, verh., VI., Bienengasse 3. — Kurt Kraus, Techniker, geb. 28. Dezember 1915 Berlin, ledig, XVI., Thaliastraße 79. — Dr. Paul Manelski, Rechtsanwalt, geb. 11. Juni 1906 Wien, ledig, IX., Porzellangasse 22. — Henriette Amigo geb. Sperling, Haushalt, geb. 13. Juli 1894 Wien, verh., III., Boerhavegasse 9. — Alfonso Amigo, Ing., geb. 9. Februar 1891 Wien, verh., III., Boerhavegasse 9. — Franz Schönmann, Mechaniker, geb. 26. Juni 1911 Wien, ledig, II., Große Mohrengasse 38. — Franz Sachs, Kleidermachergehilfe, geb. 30. November 1914 Wien, ledig, II., Alliiertenstraße 10. — Dr. Lili Holländer, Privatlehrerin, geb. 26. April 1904 Wien, ledig, XVII., Dornbacherstraße 54. — Leo Heinz Tauber, Setzer, geb. 3. September 1910 Wien, ledig, IX., Servitengasse 22; — Erich Egon Kolb, Architekt, geb. 10. März 1910 Wien, ledig, V., Margaretenstraße Nr. 78. — Anny Weiß, Schülerin, geb. 6. Jänner 1923 Wien, ledig, VII., Westbahnstraße 16. — Otto Hugo Kraus, Versicherungsbeamter, geb. 26. Februar 1906 Lienz, verh., VI., Mariahilfterstraße 113. — Lucia Kraus geb. Berg, geb 3. Oktober 1907 M.-Ostrau, verh., VI., Mariahilferstraße 113. — Stephanie Weininger, kaufm. Angestellte, geb. 9. Jänner 1911 Wien, ledig, XII., Atzgersdorferstraße Nr. 81. — Alice Götzl, Studentin, geb. 9. Oktober 1914 Wien, ledig, IX., Liechtensteinstraße 45. — Alexander Benedik, Kutscher, geb. 18. April 1900 Wien, verh., XX., Karajangasse 19, Tür 5. — Ludwig Kohn, Handelsangestellter, geb. 21. Juni 1877 Pocin, verh., XVIII., Schumanngasse 14. — Michael Otto Deutach, Drogistengehilfe, geb. 26. August 1914 Wien, ledig, X., Quellenstraße 58. — Elisabeth Schachter geb. Tappler, Haushalt, geb. 4. Aug. 1901 Wien, ger. gesch., XII., Ulmenhof 3, Tür 6. — Aranka Fischer, Privatbeamte, geb. 8. Mai 1904 Budapest, ledig, XII., Rechte Wienzeile 245. — Stephan Ausländer, Tischlergehilfe, geb. 16. August 1912 Wien, ledig, XIII., Linzerstraße 299. — Josef Jaul, Handelsangestellter, geb. 17. Februar 1912 Wien, ledig, XVII., Wattgasse 74. — Jakob Waldmann, Reisender, geb. 7. Juni 1890 Monasterzyska, verh., II,, Franzensbrückenstraße 19. — Sophie Waldmann geb. Blau, geb. 17. Februar 1891 Wien, verh., II., Franzensbrückenstraße 19. — Margarete Brüll, geb. 23. Februar 1911 Wien, ledig, Hollabrunn. — Ignaz Rieger, Privat, geb. 5. Juli 1851 Szered, verw., VII., Burggasse 86. — Karl Mayer, Maschinenschlosser, geb. 14. April 1911 Wien, ledig, XI., Herbortgasse 25. -\]ffj Bestrenommier le Küche yys REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UNO 2.6C ,-CHWIiUU lh|, ü U A L ll,Hammer-Purgstall.Gasse 3 (nächst Salitojbtötke) •TeU-41-0-25 WOCHENsKALENDER FÜR DAS JAHR 5697 Mai 1VD~I"N?8nn Ijar-Siwan Freitag 7 26 Sabbateingang 7*15 Samstag 8 27 Sabbatausgang 8*05 Sonntag 9 28 Montag 10 29 Dienstag 11 1 vnn Mittwoch 12 2 Donnerstag 13 3 Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, beide Wiwii ■ I&, Uuiver8itat*atraße «—8*