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Die neue Welt · 1937-04-09 · Heft 646 (9.4.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 646 (9.4.1937)
Date
1937-04-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 646 vom 9. April 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 Um das Schicksal des Jüdischen Nationalheims Die Gerüchte über die zu erwartenden Vorschläge der Kgl. Kommission bezüglich der Zukunft Palästinas nehmen kein Ende. Nicht nur die palästinensische (jüdische und arabische) Presse verzeichnet alle Phasen der Gerüchte- und Projcktemacherei; auch die führenden englischen Zeitungen haben ihre Zurückhaltung bezüglich der Entscheidung über die Orientpläne der Regierung aufgegeben und deuten die Richtlinien an, die für die britischen Entschlüsse maßgebend sein werden. Obwohl die letzten Meldungen besagten, daß vor Abschluß des Kommissionsberichtes Mutmaßungen über die Lösung des jüdisch-arabischen Palästina-Problems nicht am Platze sind, kommen Nachrichten aus London, die dem Inhalt des Gutachtens der Kgl. Kommission vorzugreifen scheinen. Unter allen Blätterstimmen, die aus England zur Zeit vorliegen, ist die der rechtskonservativen „M o r n i n g Post" am bemerkenswertesten, da dieses Blatt als Organ des Premierministers Baldwin gilt. Die „Morning Post" vom 5. April schreibt: Ein endgültiger Beschluß bezüglich der Teilung Palästinas seitens der Kgl. Kommission wurde noch nicht angenommen, wenn aber bis Juni keine faktischen Aenderungen der Sachlage vorkommen sollten, dann werden die Empfehlungen der Kgl. Kommission in Kraft treten. Diese Empfehlungen bewegen sich in folgender Richtung: Das Palästina-Mandat wird in der jetzigen Form liquidiert und wird gegen ein anderes internationales Abkommen ausgetauscht, das sich auf folgende Grundlagen stützen soll: 1. Ein Teil Palästinas wird in ein jüdisches Dominion verwandelt, das ein Bestandteil des Biitischen Imperiums werden soll. 2. Der zweite Teil Palästinas wird in einen arabischen Staat verwandelt, der nach dem Vorbild des Irak aufzubauen und möglicherweise der Souveränität des Emir Abdullah von Transjordanien zu unterstellen ist. 3. Haifa wird internationalisiert. 4. Jerusalem, Bethlehem und andere heilige Orte werden unter ein britisches Völkerbundmandat zu stellen sein. (Danach würde es sich nicht um eine Zweiteilung, sondern um eine Dreiteilung Palästinas handeln. Anm. d. Red.) Nach den Empfehlungen der Kgl. Kommission sollen die englischen Truppen weiterhin in Palästina verbleiben, aber den Juden sei die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung innerhalb ihres Dominions zu übertragen. Das jüdische Dominion ebenso wie der arabische Staat sollen eine selbständige Repräsentanz im Völkerbund erhalten. Das jüdische Dominion und der arabische Staat Bollen die Eisenbahnen, den Telegraphendienst und andere öffentliche Unternehmungen gemeinsam verwalten, weil deren Teilung schwierig sein würde. „Morning Post" erklärt weiter, die Frage der Grenzziehung zwischen dem jüdischen Dominion werde noch erwogen; es könne aber angenommen werden, daß das Gebiet, das den Juden zugeteilt werden solle, im allgemeinen der Landesabschnitt sein werde, auf den die jüdische Bevölkerung sich bereits konzentriert habe: Die Küstenebene, die von Haifa nach Ghaza verläuft und im Norden vom Galiläischen Mit dem SdaeüseE in der Hand! Wir stehen vor den Wahlen zum 20. Zionistenkongreß. Wiedenini werden die zionistischen Gruppen gerufen, um das Schicksal der Bewegung in schwerer Zeit zu bestimmen. Und wiederum besteht die Gefahr, daß die Zionistische Organisation und ihre leitenden Institutionen als Machtinstrument in den Händen einer Partei verbleiben, welche nicht die nationale Einigkeit, sondern den Klassenkampf als die Grundlage ihrer Weltanschauung betrachtet und das jüdische Palästina wirtschaftlich und politisch absolut beherrschen will. Haß und hilflose Erbitterung können diesen traurigen Zustand nicht ändern. Nicht dadurch, daß man dio Schuld auf andero wirft und noch weniger dadurch, daß man vom Schlachtfeld entläuft, kann man mit einem Zustand Schluß machen, welcher den Zionismus, dio jüdische Volksbewegung, in schwere Gefahr bringt. Wenn der zionistische Bürger tatsächlichen Einfluß auf den nächsten Kongreß ausüben will, muß er rechtzeitig zum Wahlkampf rüsten. Dio katastrophale Politik der heutigen zionistischen Leitung, das von ihr geübte demoralisierende System der Hachschara und Zertifikatenwirtschaft, das veraltete Wahlrecht; dio parteiische Führung unserer Kolonisation, dio ungleiche Verteilung von Rechten und Pflichten im Zionismus — all das, wogegen wir jahrelang kämpfen, kann nur dann grundsätzlich beseitigt werden, wenn der zionistische Bürger endlich seino Passivität aufgibt. Wie auch immer in der Zukunft dio Wahlordnung zum Kongreß sein sollte —, heute ist der Schekel die einzige legitime Waffe in unserem inneren politischen Kampf. Dieser Wirklichkeit muß man in dio Augen sehen, den Schekel unter den Freunden verbreiten und schon jetzt den Wahlkampf vorbereiten. Alle Bemühungen des Gegners, den ^0. Kongreß zu beherrschen, können am wahren Willen der Zionisten zunichte werden! Die Herrschaft der Iüassenkämpfer kann nur dann zerbrochen Meer begrenzt wird. Innerhalb dieses Gebietes sollen die Juden völlige Selbstverwaltung und Unabhängigkeit erhalten. Sie würden sich eine neue Hauptstadt zu geben haben und allein die Verantwortung für den weiteren Aufbau des Landes zu tragen haben. Das Problem der jüdischen Siedlung werde von ihnen allein zu behandeln sein. Die Schwierigkeiten, die bei der Behandlung der jüdischen und der arabischen Minderheiten innerhalb der beiden Landesteile entstehen würden, könnten allmählich geregelt werden. * Es ist zu erwarten, meint ,,Morning Post", daß das Projekt der Kommission nicht allein in Großbritannien und Palästina, sondern in der ganzen Welt einen tiefen Eindruck machen werde. Die Kommission habe das Gefühl, daß kühne und konstruktive Vorschläge einem Kompromiß vorzuziehen seien, weil halbe Mittel und Kompromisse kein wirkliches Resultat bringen und bloß die bestehenden Spannungen im Lande verschärfen würden. Man müßte damit rechnen, daß die Weltöffentlichkeit dem Vorschlag der Kommission zustimmen werde, während die Juden zweifellos enttäuscht sein würden, weil bei Durchführung des Plans ihre Hoffnung auf die Er- Cuit passende HERRE WSflEIMHJBEN nach Mali in allen Preislagen FISCHER/ VIH, FELDGASSE 1 a.27-9-47 Spezial-Herrenwäsche-Erzeugung reichung des Zieles, ganz Palästina zum Jüdischen Nationalheim zu machen, zunichte wäre. Auch die Araber würden .>wahrscheinlich dem Plan zunächst feindlich gegenüberstehen, aber schließlich einsehen, daß gleichzeitig ein selbständiger arabischer Staat geschaffen und die arabische Aspiration teilweise realisiert wäre. Trotz der zu erwartenden Opposition schätzt das Blatt die Möglichkeiten der Verwirklichung der Empfehlungen optimistisch ein, zumal die Aussicht auf Mitgliedschaft im Völkerbund als entscheidender Vorteil für beide Staaten angesehen werden müßte. werden, wenn der nationalgesinnte Zionist seine Kraft ruhig, systematisch, entschlossen zum Ausdruck bringt. Die Revisionisten und ihre Sympathiker, welche den Schekel nicht kaufen, helfen nur dem Gegner. Sie spielen ein gefährliches und naives Spiel. Während sie stolz ihre Forderungen deklamieren, können die heutigen Machthaber wiederum den Kongreß erobern und alles wird beim alten bleiben. Die Zionistische Weltorganisation, der mächtigste politische und ökonomische Faktor im jüdischen Leben, besonders in Palästina, wird weiterhin im Machtbereich eines Volksteiles bleiben. Es ist die Pflicht der denkenden Zionisten, besonders der aktiven Judenstaatler, jeden Juden darüber aufzuklären, was heute Kongreßwahlen bedeuten, welche Intercsseu auf dem Spiele stehen und was jeder Zionist im gegenwärtigen, schweren Moment zu tun hat. Mit dem Schekel in der Hand und mit der zionistischen Wahrheit auf den Lippen gehen die Judenstaatler zu den Wahlen und zum Kongreß! Sic lassen sich nicht einschüchtern und nicht terrorisieren. Sie lassen sich nicht von separatistischen und defaitistischen Stimmungen beeinflussen, sie glauben an den gesunden Instinkt der zionistischen Massen. Der Judenstaatler denkt daran, daß nur tagtägliche unermüdliche und opfervolle Arbeit den Sieg bringt, und handelt danach. Judenstaatler! Ihr habt jetzt eine historische Mission zu erfüllen: die Wecker des zionistischen Gewissens, die Hüter des Herzischen Ideals und Herzischen Erbes — der Zionistischen Organisation —, die Kämpfer für die zionistische Demokratie zu sein. Glaubt an eure Wahrheit und die anderen werden an euch glauben! Auf zur Arbeit! Geht in dieser Zeit schwerster Gefahr für das jüdische Volk und unser Palästina mit dem Schekel zu den jüdischen Massen. Schekel-Arbeit legt das Fundament für große Taten. Kaufet und verbreitet den Schekel, damit endlich mit der unglücklichen Politik der letzten Jahre Schluß gemacht werden kann. Das Exekutivkomitee der Juden Staat sp a r t ei: Großmann, Stricker, Machower, Weinstein, Rosenblum» ludische Kulturfrage an Deutschland „Es ist ebenso absurd und entbehrt der realen Betrachtung der Dinge, wie sie nun einmal sind, wenn man meint, es könnte das Jüdische nur etwas zum Uebrigen. Hinzugefügtes sein und bleiben. Das, was wir brauchen, ist nicht die — falsche — Erkenntnis, daß man in diesem Leben als Jude 'leben kann, indem man dem kulturellen Dasein jüdische Motive aufklebt und die Schauspieler in Kaftane steckt. Der Kern der Frage liegt nicht im Oma» ment, im nachträglich angebrachten und wie Stuck auf' geklebten Magen Dawid! Die Frage heißt: Umwandlung des Menschen! Man muß die Menschen, die die kulturellen Dinge tragen und gestalten, zu vollen Juden machen. Das aber heißt heilte eben nicht mehr, zu Menschen „jüdischer Konfession", sondern zu Juden, die Angehörige des jüdischen Volkes sind." „Is. Familienblatt", Berlin. Das innere Licht „Religion ist ein Ringen um Gott, ist nicht ein sicheres Besitzen und seliges Versinken, sondern ein Hinundher gezogensein zwischen den Mächten der Höhe und den Dämonen der Tiefe, ein Hinundher gerissenwerden zwischen Vertrauen und Glauben und verzweifelndem Unglauben. Der Mensch, der sich religiös nennt, geht auf, einem sehr schmalen Grat zwischen dunklen Abgründen. Aber ihn führt das innere Licht, eine innere Notwendigkeit. Aus allen Zweifeln, aus allen Nöten hebt ihn dieses innere Bewußtsein.' Rabb. Dr. M. Elk .(Haifa). tialuth und Zionismus „Geht der Zionismus als Ideologie und Zielsetzung nicht von der Annahme und Forderung aus, daß er die Judenfrage von Grund aus und restlos lösen xoill, ganz gleich, wann damit zu beginnen und innerhalb welcher. Zeiträume es durchzuführen ihm die Welt - gestatten wird, so darf er sich nicht auf die zweitausendjährige Hoffnung und Sehnsucht des jüdischen Volkes berufen; so verdient er wohl die Unterstützung unser aller, nicht aber die heiße Inbrunst und das bedingungslose Opfer unserer. Besten. — Ist die Galuth ewig, so ist der Zionismus nicht heilig." Abraham Schwadron (Geschr. 1919).. Thora, nationales Spiegelbild „Die Thora, ihre Anschauungen, Gesetze und Rechte für das öffentliche und private Leben ist das klare Spiegelbild aller Tugenden des nationalen jüdischen Geistes... Wo es irgend tun allgemeine Dinge geht, läßt die Thora das nationale Gefühl sprechen. Daher ist es klar, daß eine allgemeine praktische Preisgabe der Thora, einen furchtbaren nationalen Niedergang bedeutet." Rabbi Kuk s. A.-.(Jerusalem).. Warum T „Die Frage, warum ich Jude bin,-verstehe ich so wenig, wie die Frage, warum ich der Sohn meines Vaters bleibe." Achad Haam. Verb« d* Sudenstaals%ioiri§ten Oesterreichs Sektion XIV/XV, Schanz&traße 33. Sonntag, den 11. d., 7 Uhr abends, Heimabend; Dienstag, den 13 d., Vortragsabend. Judenstaatsjugend. Dienstag, den 13. d., halb 9 Uhr abends, im Heim, H., Unt. Augartenstraße 38, Plenarversammlung. — Samstag, den 11. d., um 23 Uhr Nachtvorstellung im Helios-Kino, H., Taborstraße. Zur Aufführung gelangt „Das Tagebuch einer Geliebten" mit Hans Jaray, Lilly Darvas und Szöke Szakall in den Hauptrollen. Reichhaltiges Beiprogramm. Brith Hakanaim. Gdud Bamaaläh, XVHI., Semperstraßo 19. Samstag, den 10. d., Werbevortrag um 8 Uhr im Heim, XVHI., Semperstraße 19, im Hof links. Jüdische Jugendliche, erscheint zahlreich! * Das Leitungsmitglied, Herr Theodor Grubner, befindet sich auf einer Vortragsreise in der Provinz. Er wird Klagenfurt, Judenburg, Knittelfeld und Leoben besuchen. Zweck der Reise ist, die Schekel-Kampagne einzuleiten, respektive zu intensivieren, * Der Verband der Judenstaatszionisten gratuliert Herrn Dr. Paul Stryks und Frl. Lilly Schacht er zu ihrer Vermählung aufs herzlichste. « Die Judenstaatsjugend und Verband gratuliert ihren Mitgliedern Ch. Walter Adler und Ch. Hertha Widder, anläßlich ihrer Hochzeit aufs, herzlichste,

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