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Die neue Welt · 1937-01-12 · Heft 622 (12.1.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 622 (12.1.1937)
Date
1937-01-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag* den MS* Jänner l*S7 n* idtugßmq Nr* 622 DIENEUE L titl. Universi AtötsbibUothek Wie«» ULI REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dina* 40.—; Rumänien monatlich Lei 60.—,- vierteljährig Lei 160.—; Deutschland monatlich Mark vierteljährig Mark 3.—; Inlgaricn monaüich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lira 5.—. vierteljährig Lire 14.—5 Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Franca 4.60. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktiok u. Verwaltung: IX, Vniversitäfsstr. 8» 1et. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Sorge um semitische Wustensöhne In Palästina wurden während der arabischen Unruhen fast 100 Menschen getötet; friedliche, arbeitsame Menschen; Kinder und Greise, Mütter und Gelehrte,. Krankenpflegerinnen, Polizisten und Soldaten. Die Mörder waren sogenannte „Aufständische", organisierte Banden unter Leitung von Notabein, unter geistiger Führung des Mufti und eines aus arabischen Hetzern zusammengesetzten Komitees. Heute steht das jüdische, zionistische Palästina — das Angriffsobjekt der arabischen Mordbanden — vor der Königlichen Kommission, um seine großartigen Leistungen zu rechtfertigen und sich quasi zu entschuldigen, daß es auf der Welt ist. Indessen boykottieren die Araber die Kommission; schmollen und trotzen; sind beleidigt; spielen die Gekränkten und Zükurzgekommenen. Und Lord Peel streckt seine Hände bittend nach den Führern der Mordbanditen au3, lädt sie höflich ein, entschuldigt sich, daß er auf der Welt ist. , . Und noch etwas: Während das Hubermansche Symphonieorchester unter der Leitung von Toscanini die Klassiker der Musik aufführt, putzen die Araber ihre Gewehre und fertigen-neue Bomben an .. . : Das nationalsozialistische Deutschland ist um das Seelenheil der palästinensischen Araber besorgt. Kaum war das Hakenkreuz zur Macht gekommen, reisteder Reichsinnenminister Dr. Frick nach Jerusalem, um dort nicht etwa die Grabeskirche oder gar die Klagemauer zu besichtigen, sondern urn dem Mufti einen Scheck auf eine hohe Pfundsumme zu überreichen. Kurze Zeit später war bereits Hitlers „Mein Kampf" in den Auslagen der Jerusaiemer Buchhandlungen zu sehen und wiederum kurze Zeit später deutsche Gewehre in den Händen der arabischen Wegelagerer. Im Hafen von Haifa, luden deutsche Soldaten nazistisches Propagandamaterial aus, und die alte deut-. sehe Kolonie Sarona (beiTel-Aviv), die von den Juden, lebt, ließ es sich nicht nehmen, . gelegentlich eines der vielen Hitler-Feste die Hakenkreuzfahne zu hissen und „Juda verrecke!" zu gröhlen. •* Die armen arabischen Banditen! Die armen Beduinen! Die armen semitischen Wüstensöhne! Ihrer nehmen sich die nazistischen Bärenhäuter an. Sie werden moralisch, finanziell und kriegstechnisch von ihren germanischen Freunden ausgerüstet — gegen Juda, den Erzfeind. Es tut nichts zur Sache, daß unter dem Einfluß der Hetze die Spannung zwischen den Mohammedanern und Christen im Nahen Orient wächst. Nicht nur in Palästina gibt es zwischen Mohammedanern und Christen Zwistigkeiten. Auch in Syrien gährt es. Dort rufen sogar die arabischen Moslems, zum Boykott gegen die christlichen . Araber auf und gegen die anderen christlichen Bewohner. Und Lord Peel denkt darüber nach, was für. Bonbons er den Arabern hinwerfen soll. Seit ein paar Jahren treibt sich der Bruder des Führer-Stellvertreters Rudolf Heß in Nordafrika herum. Auch dort kann man in den Basaren, in den kleinen stickigen Häusern der marokkanischen Araber deutsches Geld, deutsche Revolver und deutsche Propagandaschriften finden. Berlin sorgt für die semitischen Wüatensöhne (wenn sie seinen Zwecken dienstbar sind!).,Die letzten Gemetzel sind eine Folge der Heß-Hetze. Auch General Franco, für den auch in gewissen Kreisen Oesterreichs enthusiastisch geschwärmt wird, hat von Berlin die Möglichkeit erhalten, den spanischen Bürgerkrieg zu entfessein. Es entstand die sonderbare These, daß General Franco jnit seinen marokkanischen Eingeborenen die Freiheit Spaniens wie sein Pendant in Deutschland mit den Japanern zusammen die Kultur Europas schützen wolle. Jetzt ist nicht nur Spanien, sondern auch Spanisch-Marokko ein Brandherd geworden. Man spricht von einer Marokko-Krise wie seinerzeit von a Wozu BalfOur-Deklaration und Mandat verpflichten Die Aussagen der jüdischen Persönlichkeiten vor der Königlichen Kommission nehmen ihren Fortgang. Wenn man die Bemerkungen und Zwischenfragen der Kommissionsmitglleder auf ihren psychologischen Gehalt prüft, gelangt man zweifellos zur Erkenntnis, daß auf ein besonderes Verständnis oder gar Wohlwollen der Londoner Herren'nicht zu rechnen ist. Die lang» Dauer der' Einvernahmen ist imstande, müde und nervös zu machen, aber das ist wohl nicht der Grund für unangenehme Interpretationen, für Bandglossen, die bisweilen ironisierend ItBnten. Es ist noch nicht der Augenblick gekommen, die Aussagen und Erwiderungen kritisch zu beleuchten oder [gar Schlüsse aus ihnen zu ziehen. Das bleibt einem späteren Zeitpunkt vorbehalten. Hieute jedoch kann min aus gewissen Andeutungen erkennen, daß die Mitglieder der Kommission mit einer großen Portion Vorefagenommenheit nach Palästina gekommen sind. Eine politische Offensive größten Stils muß einsetzen, wenn man auch nur in geringem Maß die unfreundlichen Absichten der Peel-Kommission paraly« sieren will. i Anklage gegen Tel* Aviv Ueberaus interessant gestaltete sich die Einvernahme des Tel-Aviier Bürgermeisters Israel Rokach, der in öffentlichejir »itzung aussagte. Seine Ausführungen "betrafen vor allemj die Finanzlage der Stadt Tel-Aviv. Rokach griff die lalästiha-Regierung an, weil sie der Stajfc Tel-Aviv unzureichende Subventionen gewähre, was dr Entwicklung der Stadt hinderlich sei. Der Bürgermeiper unterstrich die Tatsache, daß Tel- Aviv für die kass.o der Palästina-Regierung große Summen aufbriigc. Hiezu bemjrkte <as Mitglied der Kommission, Professor Reginald C o pif 1 a;n d, die Bürger Tel-Avivs hätten sich übe» .nichts. r,u beklagen, da sie sich anscheinend allerI^Annehilichlteitenv erfreuten. (.!),■ Sir "Harold MorrisTelgte d^ weshialb' dehn die Stadt* Tel:AVtv trotz L-es Budgets von einer halben Million Pfund 'pgierungsWchüsse fordere. Auch die anderen Mitglieder der Konmission sprachen sich gegen die Forderung von Bürgermeister Rokach aus. Hiebei wurde sogar von einem Koihriissiohsmitglied die!Auffassung vertreten, Tel-Aviv ^>Ue" mehr Geld haben,' um Kinotheater bauen zu können. Im Verlaufe der w<uWn Vernehmung führte Bürgermeister Rokach aisA daß die Stadt, Tel-Aviv 90 Prozent ihrer Ausgaben lurch Steuereinnahmen decke; trotzdem habe die gabeposten des Budgets, dei lei striche vorgenommen. Die Isgielung habe bisher noch nicht die Etats der Stadtv •walttng von 1934/35 und 1935/36 genehmigt, obgleic kommissär im Prinzip die der iuständige Distrikts- Ifcats gebilligt habe. Das Komrnissionsmitf :ed mond fragte Bürgermeister Aviv ein Defizit habe. tokach, ob die Stadt Tel- I rgermeister Rokach ereiner Tanger-Krise. Alles Agenten, Lieferanten, treiben ihr Unwesen an spanischen und französisch sorgt um die semitischen VUtensöhne. Und die hohe Politik? Man berät in Lond Nichteinmischungsklausel zwischen aber triumphiert welch sonderbare sittliche 1 rwirrung — für aufrichlerung an jedem Aus- 250.pfund übersteige, Ab- Laurie Harnist gespannt. Deutsche F >pagandisteri, Offiziere Grenze zwischen dem Marokko. Sie sind' be- und Paris, wie man die :erpretieren soll. Inie Gewalt, die man — die diplomatischen Verd Winkelzüge, ja, sogar tiger und natürlicher hält i zögerungen und Ausreden als die' ehrlichen Versuchern allgemeinen Frieden zu sichern. Die Sorge um die ser ischen Wüstensöhne hat in Palästina zu blutigem Ai uhr, in Marokko zu einer gefährlichen Situation gefi t. Es geht jetzt darum, wie lange die westlichen )emokratien sich diese nazistische Sorge gefallen Samstag, den 23. Jänner Hotel „Continental", Wie MIT AK AD isen werden. widerte, daß dies nur im Jahre. 1926 der Fall gewesen sei. Gemeinsamer Hafen für Tel»Aviv und laffat Einige Kommissionsmitglieder richteten Fragen an Bürgermeister Rokach, die das Problem eines Haf ens für Tel-Aviv betrafen. Bürgermeister Rokach gab zu, daß es das Beste sein würde, wenn Tel-Aviv und Jaffa einen gemeinsamen Hafen mit einem besonderen Zugang für Tel-Aviv haben würden. Der Hafen könnte mit Hilfe einer Anleihe gebaut werden, die die Prudential Assurance Company gewähren würde. Die Anleihe sollte aus den Gewinnen der Hafengebührenverwai» tung zurückgezahlt werden. Lord Peel mit den Mandats« besfimmungen unzufrieden Der Rechtsberater der Zionistischen Exekutive Leonard Stein wurde nochmals über die juristische Interpretation der Mandatebestimmungen vernommen. Zu Beginn der Sitzung gab der stellvertretende Vorsitzende, Sir Horace Rumbold, eine Erklärung dazu ab, daß er in einer der letzten Sitzungen von den Juden als einer „fremden Rasse" gesprochen habe. Diese Bemerkung hatte dem stellvertretenden Vorsitzenden scharfe Angriffe der gesamten jüdischen Presse eingebracht. Sir Horace klärte den Zwischenfall damit auf, daß er bloß von einer Fremdheit gegenüber den Arabern (!) gesprochen habe. Die Vernehmung Leonard Steins führte abermals zu Auseinandersetzungen mit dem Mitglied der Kommission Sir Harold Morris, der von dem Zeugen verlangte, daß er auf die Fragen mit J a oder Nein antworte. Leonard Stein lehnte ab, Hauptfragen in der verlangten Weise ohne entsprechende Erläuterung zu beantworten, und bat den Vorsitzenden Lord Peel, einzugreifen. Lord Peel, der nunmehr die Fragestellung fortsetzte, forderte den Zeugen zu einer Aeußerung über den Artikel 27 des Mandats auf, aus dem hervorgeht, daß eine Abänderung der Mandatsbestimmungen unter Zustimmung des Völkerbundrates möglich sei. Leonard Stein bestätigte dies und betonte, daß für eine Aenderung der Mandatsbestimmungen die Zustimmung auch der Vereinigten Staaten erforderlich wäre. Bei der Erklärung des Grundsatzes der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeit erklärte Stein, daß es eine weitere politische EiEnschränkung nicht gebe, wie etwa die Sicherung, daß die Araber in der Mehrheit bleiben; ein diesbezüglicher Standpunkt wäre ausdrücklich bei der Festsetzung des Mandats angemerkt worden. Die Verpflichtung, Selbstverwaltungseinrichtungen zu schaffen, habe mit einem Gesetzgebenden Rat nichts zu tun, dürfe übrigens keinesfells die Grundlagen des Jüdischen Nationalheims beeinträchtigen. VERBAND DER IUI NSTAATSZIO NISTEN 57, im Festsaale des Praterstraße Nr. 4 GESELLSC» FTSABEND Beginn der Akademie pi fllEUTANZ irRe halb 9 Uhr abends PROGRAMM: Hilda Dulitzkaia, Jüdische Lieder / Josef Baar, Simpüzissimus / Edmiind Helfer, Sieger im Jazzsänger-Wettbewerb, Besitzer des Goldenen Bandes / Marlin Müller, Jüdisches Kulturtheater / Lilly Halp«rn-Karl Sdiönbers, musikalische Vorträge / Halter« Quar* tatt, Jüdischer Gesangverein / Conference: Josef Baar / Musik: Opparmanni Symphonisches Tanzorchester Begiebeitrag S 1.50 ÄÄ0^"6^ «JM^cnes Kulturtheater, I, Kai / Buchhandels*?1- H. Taborstraße 20 a / Uhrmacher J. Hauben II, Taborstraße 39 / Sektion Prater, II. Erlafstraße 5 £iauDer"

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