Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 618 (24.12.1936)
- Date
- 1936-12-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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r fette 2 DIE NEUE WELT Nr. 618 vom 24. Dezember 1936 IjÄ-SS SONDBMRfilSi „«. POLEN un* CZf RNO WITZ Abfahrt: S. Jänner 193? mit der „Cstrnowitxer Allgemeinen Zeltuno" Anmeldungen" «UMchltefillcn löl Reisebüro ^„MABUNBRUcKr, t, not« nturnntr. ae, ft-M*2*86/87 2u haben. Und das Gericht in Chur verurteilte ihn zu achtzehn Jahren Zuchthaus. Aber einen Prozeß gegendenNationalsozialismus gab es diesmal nicht. Das Gericht fürchtete jede Komplikation. Vielleicht hat es recht gehabt. Aber, aber . . . vier Jahre Gefängnis . . . triumphaler Freispruch . . . achtzehn Jahre Kerker ... ungleiches Maß, wie man zu sagen pflegt! Dr. Julius Becker (Genf, „Nouvelle Presse Juive"). Nah und fern der Erfüllung Die katholische Zeitschrift „Die Erf ü 11 ung", das Organ des „Pauluswerkes" in Wien, widmet ihr Novemberheft 1936 der ..Verkündigung der wahren Lehre", der Predigt der wahren Menschenliebe. Autoren nichtjüdischer Herkunft, bedeutende katholische Persönlichkeiten und ein bekenntnistreuer Protestant, Priester und Laien, insbesondere der verantwortliche Schriftleiter Johannes Oesterreicher, nehmen Stellung zum Antisemitismus. Sie verdammen ihn und seine Thesen von christlicher Warte aus — „nicht einer Liebedienerei gegenüber den Juden, wohl aber dem Mitgefühl mit ihrem heutigen Leid und der Sorge um ihr ferneres Schicksal.." Die Autoren geben dem Gedanken Raum, daß heute „der Haß gegen das Volk Israel zu einem Haß gegen das Alte und dann auch gegen das Neue Testament, zu einer Feindschaft gegen Christus und einer Verfolgung Seiner Kirche führt". In einer Reihe von Aufsätzen wird vor dieser Gefahr, die in den Mantel des Antisemitismus gekleidet ist, gewarnt. Aber immer wieder wird bezeugt, daß man die Befreiung Israels von seinem Leid, seinem Verlassensein, seinem Verfolgtwerderi erwarte, daß Israels Geschick nicht ein bis in die Ewigkeit reichendes sei, sondern daß es geändert werden könne — durch die Gnade Gottes. An Israel wird von Gott so gehandelt, wie an ihm gehandelt wird. „Die Anteilnahme an Israels Geschick", schreibt Olga Lau-Tugemann (Wien) in einer Darlegung des göttlichen Handelns an Israel, „ist zutiefst beschlossen in dem gläubigen Wissen, daß Gottes Reich auf Erden, Seine Kirche, nicht vollendet werden kann ohne dieses Volk." Jacques Maritain (Paris) erkennt den Antisemitismus als ein pathologisches Phänomen, das eine krankhafte Veränderung des christlichen Bewußtseins sichtbar werden läßt: „... Es ist für den Christen keine kleine Sache, die .Rasse' zu [ hassen oder zu verachten, aus der-sein Gott und die unbefleckte Mutter seines Gottes hervorgegangen sind. Deshalb verkehrt sich der bittere Eifer des Antisemitismus am Ende immer in einen bitteren Geifer gegen das Christentum selbst." Erwin Reisner (Wien) geht bei der Betrachtung über den Antisemitismus zu den letzten Wurzeln des Gegensatzes zwischen Judentum und Christentum zurück, das für ihn bedeutet: Altes und Neues Testament, altes und neues Israel, Moses und Christus, Gesetz und Evangelium. Dem Autor geht es darum, einen Trennungstrich zu ziehen zwischen dem neuen Israel, dem Volk des Evangeliums, und dem alten Israel, dem Volk des Gesetzes, und unter diesem Gesichtspunkt die Juden nicht als Masse zu beurteilen und zu behandeln, sondern „als ein Volk von lauter Personen", im Gegensatz zum Antisemiten, der die Juden als Masse beurteile und daher zu Fehlschlüssen komme. Auf diesem. Weg gelangt Erwin Reisner zur Ablehnung sowohl des Rassenantisemitismus wie des „konfessionell begründeten Antisemitismus" („Man kann einen Juden nicht bekehren, wenn man ihn in das Ghetto, einsperrt...) und fordert vom Christen, daß er dem Juden „das Verfehlte seines Standpunktes" klarmache. Auch die anderen Autoren des Heftes hoffen, daß die Juden (allerdings auch die Christen) eine Wandlung ihrer Herzen erfahren, daß andererseits „die Söhne Abrahams, Isaaks und Jakobs . .. nie, selbst in ihrer tiefsten Erniedrigung, als gänzlich un-, verbesserlich betrachtet werden..." Kurzum: Die Juden sind in der Betrachtung der Aufsätze der „Erfüllung" Menschen, deren man sich nicht... schämen darf. Und der Zentralpunkt aller Ausführungen, am deutlichsten von P. Silvester M. Bräito 0. P. (Olmütz) ausgedrückt: .... „Der Kampf, der heute gegen die Juden geführt wird, ist im tiefsten ein Kampf gegen die Kirche, die ohne das Volk Israel, ohne das Volk, das durch Jahrhunderte dem Messias den Weg bereitet hat, nicht erfüllt ist." Mit großem Mut, mit tiefgehender Liebe wird vieles behandelt, das uns Juden am Herzen liegt. Vorurteile zu beseitigen, die Schäden des Rassenantisemitismus aufzuspüren, Gerechtigkeit walten zu lassen — all das. wird in der „Erfüllung" versucht. Man ist — inmitten des Hasses gegen das Judentum und inmitten des Lügenbrandes, der auch von christlicher Seite in letzter Zeit geschürt wird — erstaunt, so viel Verständnis und Anteilnahme zu finden. Worte absoluter, der religiösen Verpflichtung lediger Liebe allerdings scheinen darin nicht auf. Wie nicht anders möglich, ist der Blick aufs Judentum mit der Verpflichtung des „Pauluswerkes" verknüpft. Wie nicht anders möglich, streben alle Aufsätze dahin, die Juden zum Christentum, in den Schoß der Kirche zu führen — als letzten, einzigen und schicksalhaften Weg des Judentums in der Auffassung der christlichen Tradition. Allerdings muß man sagen, daß die Geschichte der christlichen Menschheitsgestaltung dem Juden nicht viel Anreiz bietet, sogar wenn man von dem absieht, was im Zeichen des Kreuzes während des barbarischen Mittelfliters der Judenheit angetan wurde. Was beispielsweise ich ablehne, ist die Anschauung des aprioristischen- Vorrangs der christlichen Lehre vor dem Mosaismus, die Konstruktion eines Christentums, das an sich immer und überall, sozusagen nach dem Willen der höchsten Macht, über dem Judentum stehe. Der Weg des Wortes Christi bis zur heutigen christlichen Glaubenslehre und Glaubensübung erscheint mir nicht beweiskräftig für die — absolute Wahrheit. Diese mag vielleicht von großen christlichen Heroen als solche empfunden werden, als unantastbar, unwiderlegbar, für alle Ewigkeiten bestimmt. 1900 Jahre sind keine Ewigkeit. Sie sprechen auch nicht gegen uns. Wir sind lebendige Zeugen einer Prophetie, die durch nichts bisher abgelöst wurde. Und darum wollen wir, Träger des Namens Israel, uns dem Glauben hingeben, daß keine Menschenseele, aber auch keine, die absolute Wahrheit finden oder ihr gar dienen kann. Der Religionsprozeß ist noch nicht am Ende. Mir scheint er — außerhalb des Judentums — erst am Anfang zu sein, und darum von der letzten Erfüllung noch sehr, weit entfernt. Hier steht also Glauben gegen Glauben, nicht Wissen gegen Wissen. o. r. SHIRLEY TEMPLE in $tidfy ahoi! (DAS MATROSEN-HERZPINKERL) BURG-, IMPERIAL-, STAFA-, YOTIVPARK-KIHO ab 25. Dezember Christliche Stimmen In New York wurde eine große Konferenz führender amerikanischer Christen (American Christian' Conference) abgehalten, die zwei Resolutionen annahm. In der einen wird gegen die Judenverfolgungen im nationalsozialistischen Deutschland protestiert, in der zweiten wird Palästina als das natürliche Zufluchtsland der Juden bezeichnet und Großbritannien aufgefordert, der jüdischen Einwanderung < und Siedlung in Palästina keinerlei Hindernisse in den Weg zu legen, sondern die von ihm auf < Grund des Mandats übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen und auch Transjordanien in dieser Hinsicht als Teil Palästinas wiederherzustellen. UetfsmH tckstem - Semnem^ Ansprachen hielten u. a. der Stadtrichter von New York und frühere Präsident des Klubs katholischer junger Männer in Amerika, Carroll H a y e s, Bischof Francic J. McConnell, der Präsident des Pro-Palästina-Vorbandesin Amerika Ch. E. Russell, der Präsident der amerikanischen Arbeitergewerkschaften Will. Green, der New- Yorker Senator Royal S. C'opeland. Sämtliche Redner erklärten, daß der Verband Pro-Palästina in Amerika als eine Organisation von Nichtjuden das Recht der Juden auf Errichtung Ihres Nationalheims in Palästina voll anerkennen und des Glaubens sind, daß ein solches Werk dem Weltfrleden und dem Fortschritt der Menschheit dienen wird. Die Redner gaben gleich-' zeitig ihrem Abscheu über die Verfolgung der Juden in Deutschland Ausdruck. Ferner wurde ein Telegramm an die Regierung in London gesandt, in welchem die Erfüllung des Palästina-Mandats dem Geist und dem Buchstaben gemäß gefordert wird. Vom britischen Ministerpräsidenten Baldwin ist bereits die Zusicherung eingetroffen, daß Großbritannien entschlossen sei, seinen international übernommenen Verpflichtungen mit Bezug auf Palästina nachzukommen. Der Innenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, Harold L. I c k e s, sandte an die Konferenz eine Botschaft: „Es Ist erfrischend, zu sehen, wie führende Persönlichkeiten einer großen religiösen Gemeinschaft zusammengehen mit einem Volk älteren Glaubens in der Verwirklichung eines Ideals, dessen1 erfolgreiches Gelingen viel zum Frieden und zum Glück der Menschheit beitragen würde: des Ideais eines Jüdischen Nationalhelms in Palästina. Das Experiment in Paläi stina, wenn auch noch behindert durch Mangel an zureichenden Mitteln und noch mehr durch Drohungen und gelegentliche Aufstände jener, die seine Bedeutung nicht verstehen wollen, ragt in unsere Welt hinein als ein großes Friedens unternehmen nicht zu bezwingender Geister. Es ist eine Bewegung, wert, von treuen Christen ermutigt zu werden." * Der Wiener Katholikenführer Pater Bartholomäus Fiala hielt im „Bund Jüdischer Frontsoldaten" einen Vortrag über „Christentum und Judentum als Einklang", in welchem er u. a. hervorhob: „Zwischen Judentum und Christentum gibt es keinerlei feindliche Gegensätze, denn das Judentum ist der Vorbereiter des Christentums. Die beiden Religionen liegen auf einer einzigen Linie, wobei das Alte Testament die Wurzel des Neuen ist. Die heiligen Bücher der Juden büden die Grundlage des Christentums und in unseren Gebeten spielen die Psalmen der Juden eine besondere Rolle." Bei einer Chanuka-Feicrin Manchester, an der über 3000 Kinder teilnahmen, hielt der Bürgermeister der Stadt, J. Toole, eine Ansprache, in der er erklärte, den jüdischen Kindern von Manchester brauche um ihre Zukunft in diesem Lande nicht bange zu sein. Ihr werdet, sagte der Bürgermeister, Schwierigkeiten zu überwinden haben, weil ihr als Juden und Jüdinnen geboren seid, niemals aber werdet ihr solchen Schwierigkeiten begegnen, wie die Angehörigen eures Volkes in anderen Ländern. Als ich meinen Lebenslauf begann, standen mir nicht solche Möglichkeiten offen wie euch heute. Wenn ich jetzt trotz dieser bescheidenen Anfänge als erster Bürger einer großen Stadt vor euch stehe, so sage ich euch, daß ihr die wundervollen Möglichkeiten erfassen müßt, die euch geboten sind. Ich habe mit zehn Jahren zu arbeiten begonnen, lief durch die Straßen und versuchte, Zeitungen zu verkaufen, mit zwölf Jahren habe ich in einer Gießerei gearbeitet. Ich möchte, daß ihr, die ihr in dieser großen Stadt lebt, nicht nur gute Bürger, sondern die besten Bürger der Stadt werdet. Vernmdite Nachrichten aus Palästina Aus Jerusalem: Die hebräische Presse protestiert aufs energischeste gegen die Weglassung gewisser Gesetze, die von größter Wichtigkeit für das jüdische Nationalheim sind, aus der soeben veröffentlichten Palästina-Gesetzsammlung. So fehlt in dem Band z. B. das 1920 erlassene Gesetz, wodurch die drei offiziellen Sprachen Palästinas anerkannt wurden, sowie das A b k o'm m e n zwischen England und den Vereinigten Staaten, mit welchem letztere da» Mandat anerkannten. .. M * ■ Illegale Einwanderung von Hauranern „Haaretz" bringt die Meldung, wonach die Regierung ihre sämtlichen Abteilungen instruiert haben soll, keine Hauraner bei öffentlichen Arbeiten zu beschäftigen und für die Abschiebung von Hauranern über die Landesgrenzen Sorge zu tragen. Diese Maßnahme soll angesichts der Aufrollung der Frage der illegalen Einwanderung von Hauranern vor der Königlichen Kommission beschlosesn worden sein. * Anläßlich der mohammedanischen Feiertage sind die arabischen Zeitungen heute in vergrößertem Format erschienen. Sie enthalten besonders scharfe Artikel, in denen gegen.Juden und gegen England agitiert wird, sowie Aufrufe vom Mufti und von Fauzi Kawakji zur Fortsetzung des Kampfes. * Mohammedanische Chauffeure verteilen in der Jcrusalemer Altstadt Flugblätter, in denen Hassan Dajani, der Leiter des arabischen Chauffeurverbandes und zugleich der „Nationalen Omnibus-Gesellschaft", angegriffen und als A g e n t einer ausländischen Regierung bezeichnet wird. Die Chauffeure rufen erneut zu einem Boykott der Nationalen Omnibus-Gesellschaft, die christlichen Arabern gehört, auf, mit der Begründung, daß die Gesellschaft keine mohammedanischen Chauffeure anstelle. * Der Finanzbericht der Palästina-Regierung für das am 3i. Oktober 1936 abgeschlossene Halbjahr weist einen Ueberschuß von Gy^ Millionen Pfund auf, ein Rückgang von nur .14.195 Pfund gegenüber dem im April vor Beginn der Unruhen abgeschlossenen Halbjahr. * Das anhaltende stürmische Wetter im Lande hat Schaden verursacht, der auf eine halbe Million Kisten Orangen geschätzt wird,. * Die Versicherungsgesellschaften weigern sich, die Orangenpflanzungen in Palästina zu versichern, mit der Begründung, daß angesichts der bestehenden Unsicherheit und der unbefriedigenden Art der Untersuchungen in Zerstörungsfällen das Risiko allzu groß sei. Die judasdi? HilfspoKzeii bleibt Aus Jerusalem meldet Palcor unter dem 31. d.: Auf Intervention der zionistischen Exekutive hat die Palästina-Regierung die Verordnung bezüglich des Abbaues der jüdischen H i 1 f s p o 11 z o i ab 1. Jänner 1987 zurückgezogen. Die jüdischen Hilfspolizisten verbleiben daher auch nach diesem Termin in ihrem Dienst. Gleichzeitig hatte die Regierung verordnet, daß in den jüdischen Siedlungen die Waffen, mit welchen diese während der Unruhen beteilt wurden, den jüdischen Kolonisten verbleiben. Sensationelle ISiitliiilluiigen /Aandatsregierung erlaubt arabische Revolte I Dr. Weixmann übernimmt Zehntahrespian I und viele» Interessante mehr lesen Sie in JÜDISCHE REVUE vom 25. Dozember 1936 Preis 50 Groschen, bei Kolporteuren erhältlich, oder direkt von der Verwaltung, Wien XX, Wexstraße 14, au beziehen „BS*: NATION«