Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 615 (9.12.1936)
- Date
- 1936-12-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 615, vofft 9. Dezember 1936 ois^pfi ywfx Jite.3 tootkmttifyd Chanuklca „Lichtsymbolik ist dem Judentum altehrwürdige Tradition. Kein Fest ohne das besondere Licht. Kein Sabbat ohne den Kerzenschein, der Freude bedeutet. Und selbst am Jahrestage trauernden Gedenkens ruft der Lichtschein des Jahr zeitlichtes die Gedanken auf zu dem Wissen: ,J3in Licht Gottes, ist des Menschen Seele." Das eigentliche Lichtfest aber ist Chanukka." Rabb. Dr. Schönberger, Berlin 1936. Juden lesen und lernen „Die Liebe zu dem Buch, die gerade an dem C ha nukkafest durch das Wohlgefallen an den Makkabäer büchern so sichtbar zutage tritt, und die dadurch noch deutlicher wird, daß wir uns zu diesem Freudenfest mit Büchern beschenken, ist eine echt jüdische Eigenschaft. Ein rechter Jude hat auch ein rechtes Bücherherz. Er lebt mit den Büchern. Schon der vierjährige Knabe wird zu dem Buch der Bücher geführt, und sein ganzes Leben ist von einem ganzen Meer von Buchstaben umflutet. Nie wird der Jude aufhören zu lesen und das Gelesene zu durchdenken! bis daß es ganz sein Eigen ist; wir nennen das sehr bezeichnend Lernen. Seit zweitausend Jahren lesen und lernen wir und haben nie genug. So kommt es, daß wir zwei getrennte Leben führen: das Dasein, das voll Sorgen, Mühe, Not und Arbeit ist, und das schönere größere, tiefere Dasein, das Leben mit den Büchern." Karl Escher, 1936. Gläubige lugend „Weil der Chaluz Jude ist in ganzer Existenz, kann er echte jüdische Glaubensfigur sein." J. Maybaum, „Neue Jugend und alter Glaube", 1936. Die bewährten Stinkbomben „Die Vorführung des Films „Land der Verheißung" fand im vollbesetzten Teatro Comedia in Santiago (Chile) in Anwesenheit des englischen Botschafters, des rumänischen Gesandten und der Vertreter der Behörden statt. Dr. A. Mischbaschan (Jerusalem), der Vertreter der Zionistischen Organisation, hielt vorher eine Ansprache, die auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck hinterließ. Bevor der Film lief, kam es zu einer kurzen Störung, da auf der Galerie anwesende junge Araber einige Stinkbomben Warfen, was ziemliche Unruhe auslöste," Heinz Gotthilf, Santiago de Chile, 1936. An Interessenten wird DIE NEUE WELT . probeweise einen Monat lang gratis versendet. : Bekanntgabe von Adressen an die Adm. d. Bl. Zum Fall Frankfurter „Die Auffassung, ein Staat könne mit gewissen seiner Untertanen nach eigenem Gritdünken verfahren, ist außerhalb dem nationalsozialistischen Rechtsbereich noch nicht gänzlich durchgedrungen... Bei uns wird niemand von Staats oder gar einer Partei wegen gerichtet. Auch unter dem Urteil, das David Frankfurter Ende näclister Woche entgegenzunehmen hat, werden die Worte stehen, die uns Schweizern mehr wie nur Formel sind: Von Rechts — und von nichts anderem — wegen. Kein Fall aber wie dieser bringt dem Schweizer Bürger und der öffentlichen Meinung unseres Landes die Pflicht dem Gewissen näher, die Unabhängigkeit der Rechtsprechung, das Höchste im Staat, mit allen Mitteln zu gewährleisten." J. B. Rusch, „Nationalzeitung", Basel, 1936. Audi zum Prozeß Frankfurter „Wir Nationalsozialisten werden in diesen Tagen den Prozeß mit der gleichen inneren Bewegung verfolgen, mit der wir schon so manche Verhandlung gegen Meuchelmörder unserer Kameraden erlebt haben.,. In Chur wird wieder einmal das Risiko des politischen, Mörders bestimmt werdeny ebenso wie einst bestimmt wurde, durch die Urteile, mit denen die Meuchelmörder mancher unserer Kameraden mehr freigesprochen als verurteilt wurden." „Nationalsozialistische Korrespondenz", Berlin 1936. Einwanderungsfrage vor der Königl. Kommission Mosdie Shettok über HadisdWü Aus Jerusalem wird berichtet: Die am 30. November abgebrochene Vernehmung des Leiters des Politischen Departements der Jewish Agehcy, Mosche Shertok, durch die Kgl. Kommission wurde am 1. Dezember fortgesetzt. Shertok setzte an Hand von Zahlen und Daten auseinander, daß jetzt in Palästina eine außerordentliche Knappheit an Arbeitskräften herrsche. Shertok ging sodann zur Besprechung der Funktion der Hachschara (Berufserziehung für Palästina) über und schilderte deren ganzes System: Die tiefe innere Umwandlung des Juden, der sich für ein neues Leben in Palästina entschließt — sagte Shertok — beginne bereits im Auswanderungsland. Die chaluzische Bewegung der jüdischen Jugend in der ganzen Welt zählt 250.000 Mitglieder, 24.000 junge Männer und Frauen machen in 365 Hachschara-Zentren, die in 24 Ländern eingerichtet sind, die Hachschara durch. Das Hachschara-System wird von der Jewish Agehcy in einem hohen Mäße gefördert. Direkt steuert die Jewish Agency iährlich 10.000 Pfund für die Hachschara bei, weitere Beträge fließen aus Mitteln lokaler Organisationen zu. Dr. Senator referierte sodann Uber die mittelständische jüdische Einwanderung, die nicht auf Rechnung der Schedule vor sich geht. Die „Illegalen" Aus ergänzenden Mitteilungen über die Aussagen, die der Leiter des politischen Departements der Jewish Agency, Mosche Shertok, am Montag vor der Kgl. Kommisaion gemacht hat, geht hervor, daß die Aeußerungen Shertoks Uber die Stellungnahme der Jewish Agency zur sogenannten illegalen Einwanderung sich nicht auf diese Einwanderung als solche, sondern auf die Mithilfe bei der Ausfindigmachung der illegal Eingewanderten bezogen. An dieser Ausforschung, so erklärte Shertok, könne die Agency, obwohl sie die illegale Einwanderung bedaure und versucht habe, öffentlich vor ihr zu warnen, nicht aktiv mitwirken, denn kein Jude könne Informationen Uber solche Einwanderer geben und dadurch veranlassen, daß sie deportiert und wieder den drückenden Verhältnissen ausgesetzt werden, denen sie entronnen sind. UMUM WEGH UB HD Hinter de Deutschen Volkstheater Jeden Samstag, Sonntag Feiertag — Kapelle i r» \y r*> ri rr* Konzeit / Tanz / Stimmungsmusik I O Y GEIGER Beginn 8 Uhr abd$. Bürgerliche Preise -nnnmBBnni Verteilung der Zertifikate Als nächster Zeuge erschien Dr. Werner Senator vor der Kommission. Er schilderte die Arbeit des Einwanderungsdepartements, legte die Grundsätze für die Verteilung der Zertifikate dar und ging besonders ausführlich auf die Lage der Juden in den Ländern der Diaspora einerseits sowie auf das Bedürfnis Palästinas nach neuen Einwanderern andererseits ein. Mit Genugtuung stellte Dr. Senator fest, daß sich die Einwanderer, insbesondere die aus dem Jemen und dem übrigen Orient, sehr schnell akklimatisieren. Dr. Senator gab einen Einblick in den Gesundhe itsdienst für die Einwanderer und schilderte die Einrichtung der Chaluz-Heime. Erst nach einer gründlichen medizinischen Untersuchung iverde der Einwanderer der seinem körperlichen Zustand entsprechenden Arbeit zugeführt. Wirkliche EiiiolmifI der Haut ist die schnelle, sanft-scharfe Lord Peel fragte, ob die Jewish Agency selbst die Verantwortung für die Zuteilung der Zertifikate trage oder ob es irgendeine Verständigung zwischen ihr und den verschiedenen jüdischen Parteien über den Zuteilungsschlüssel gebe. Auf diese Fragen antwortete Mosche Shertok. Er erklärte, das Reservoir der jüdischen Einwanderung nach Palästina bestehe mit Ausnahme der. Mitglieder der Agudas Jisroel aus Zionisten. Für die Zuteilung der Zertifikate trage mit Ausnahme weniger Fälle die Jewish Agency die volle Verantwortung. Die Einschränkungen der Einwanderung Am Mittwoch, den 2. Dezember, hat die Kgl. Kommission wieder eine öffentliche Sitzung abgehalten. In ihr regte der Vorsitzende der Kommission, Lord Peel, an, daß die Jewish Agency schriftlich ein kurzes Verzeichnis ihrer Beschwerdepunkte auf dem Gebiet der Einwanderung einreichen möge, damit die Kommission sich auf das Wesentlichste konzentrieren könne. Im Verlauf seiner Bekundungen wies Dr. Senator darauf hin, daß sich in den letzten drei Jahren. die Zahl der eingewanderten „Kapitalisten" auf 14.500, die der „Angehörigen" auf 29.000 belief. In diesem Zusammenhang erhob Dr. Senator insbesondere die Forderung nach Ausgabe einer vermehrten Zahl von Zertifikaten für die Jugend-Alija aus Deutschland während der nächsten zwei Jahre. Berechtigten Grund zur Beschwerde gegen die Palästina-Verwaltung, so erklärte Dr. Senator weiter, bilde die Einschränkung der Einwanderung von Brüdern und Schwestern unter 18 Jahren und von Eltern unter 55 Jahren. Dadurch sei der Jischuw genötigt, erhebliche Summen zur Bestreitung des Unterhalts dieser Angehörigen außer Landes zu senden. Weiter beschwerte Dr. Senator sich darüber, aaii über 35 Jahre alte Arbeiter zur Einwanderung auf Grund der Labour-Schedule nicht zugelassen werden. Als nächster Zeuge würde der Beamte des Politischen Departements der.Jewish Agency, Eliahu Epstein, vernommen. Er berichtete über die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Hau ran. Als Lord Peel bemerkte, er möchte wissen, was für ein Zusammenhang zwischen den Angelegenheiten des H a u r a n und denjenigen Palästinas bestehe, wies Epstein darauf hin, daß aus dem Hauran 20.000 bis 25.000 illegale Einwanderer gekommen sind und daß auch Trans- Jl&M&Vüftdfc ifn Ttfm Nach dem „Heinrich VIII." brachte man im Bereich der literarischen Filmproduktion zwei Männern Vertrauen entgegen: dem Regisseur Korda und dem Schauspieler Laughton. Vertrauen bedeutet hier so viel wie unbegrenzter Kredit. Dies war eine der äußeren Ursachen, weshalb Korda sich entschloß, in der Gestaltung „privater" menschlicher Schicksale weiterzugehen, und schließlich bei Rembrandt landen mußte, dem wohl niemand die Möglichkeit absprechen wird, Modell zu sein für eine —. interessante Filmgestalt. Aber es begab sich, daß eben dieser Rembrandt, der vielbeschriebene und analysierte Maler, das faszinierende Genie aus der holländischen Barockepoche, filmisch gar nicht das ist, was den nach Stoff und Fabel lechzenden Filmregisseuren als Ideal vorschweben sollte; selbst night in der Fassung des Dichters Zuckmayer, der zweifellos bemüht war, allem Basalen auszuweichen und sogar etwas wie eine Tragödie abrollen zu lassen, * Packende Bilder, gute Typen, viel Milieu, wattierte Spannung — all das zusammen brachte eine Impression vpn Holland und seinem größten Künstler zustande, insbesondere dureji den Umstand, daß jeder der intellektuellen Zuschauer selbst schon etwas mitbrachte: den Schauer vor dem Genie; den Respekt vor Rembrandt» Künstlertum und Rembrandts tragischem Lebensweg. Die Inspirationen des Spielbuches waren schwächer als Öle Phantasie des Publikums, das hier tiefer, gründlicher, andachtsvoller den Bereich Rembrandts beschritt als der fingerfertige Zuckmayer, der allen großen Leidenschaften seines Modells auswich und sich mit der Charakterstudie eines beliebigen berühmten Malers begnügte. * Tat er das? Begehen wir kein Unrecht an Zuckmayer und Korda? Wollen wir die Leistungen der beiden verkleinern und vielleicht sogar auch die des Schauspielers Charles Laughton, des Rembrandt-Darstellers? Die Sache liegt nicht so einfach. Es gab im Rembrandt-Film alles, worüber ein Regisseur, ein Schauspieler, em Spielbuchautor, ein Filmproduzent verfügt; darüber hinaus noch Mut, sehr viel Mut. Aber, aber... es zeigte sich, daß die Grenzen des Films dort aufhören, wo das Seelische, Transzendentale, Metaphysische, Unaussprechliche beginnt. Korda ist an dieser Grenze angelangt. Man weiß jetzt, wie weit man in der Gestaltung eines Menschenschicksals gehen kann — eben: bis hierher und nicht weiter. Laughton wendet alle Finessen des Schauspielers an, um das „Geheimnis" des Lebens eines Genies zu enthüllen. Vergebens. Der Film ist keine Bühnendichtung, das Kino kein Schauspielhaus. Man kann illusionieren, verführen, überreden. Ueberzeugen, in die Knie zwingen, kann man nicht. Daran sind nicht Korda, Laughton, . Zuckmayer schuld. Schuld daran ist die Branche: Film. * Der Höhepunkt des Films fällt mit Momenten zusammen, die ein jüdisches Auge zu angenehmen Betrachtungen leiten. Es gibt beispielsweise eine Szene, worin Rembrandt einen Straßenbettler zu sich ins Atelier vor die Staffelei nimmt und ihn durch die biblische Erzählung von König Saul und dem harfenspielenden David in Stimmung versetzt, um ihn zu malen: das berühmte Bild im Maurits-Haus. Die biblische Legendenstimmung ist hier so stark, daß man die Zwischentöne in Rembrandts Leben und Schaffen rauschen höV, den Weg versteht vom Alten zum Neuen Testament, die seelischen Beziehungen erkennt, die Rembrandt \.iit dem Judentum verbinden. Leider ist dieser Nährboden der Kunst Rembrandts im Film kaum gestrebt. Das Milieu der Joodenbreestraat, in der Rembrandt Viele .Jahre seines Lebens wohnte, hat Korda uns vorenthalten. Schade. Die historische Echtheit, um die er sich trotz aller Extempores Zuckmayers bemühte, hätte hier Gewinn bedeutet. * Trotz allem: ein bewundernswerter Film; ein Film abseits des Marktes; ein Film, der — wir wagen die Prognose — zu einem Sokrates-Film führen wird. Und schließlich erzieherisch wertvoll: Der kultivierte Filmfreund wird nach diesem Film den Nazikitsch richtiger einschätzen können. * Der alte Rembrandt, weise geworden in Leid und Erkenntnis, murmelt, eines seiner Altersselbstporträts malend, die Worte aus dem Kohelet: „Haweil ha'walim, ha'kol hawel"... Eitelkeit aller Eitelkeiten, alles ist eitel... all is vanity... Ein Trost, wenn es der Betrachtung über die Elemente gilt, die den Rembrandt-Filni seiner intellektuellen Herkunft wegen ausschließen. o. r.