Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1936-11-24 · Heft 611 (24.11.1936) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 611 (24.11.1936)
Date
1936-11-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2712150-2712236--6162-2719877
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2 DIE NEUE WEIA Nr. 611 vom 24. November 1936 äfmmm M Billige und ■ bequeme IWeihnacntssonderfahrt J\ POLEN „„i (ZERNOWITZI . Abfahrt: aa. a^m^f^J^T ■ ,,C*trnowitzer AHg«m«in«ft laltoftft" | Anmeldungen a u * * « » . Jj» im Kfltriwo ■ m^Ma* •"»«"O«■«i. *of irttwwmr. s«, U-M>*mv, * ^mmmmmmmmmmikmmmmmmm^ die Schrift Emil Ludwigs der Sache frankfurter und dem Judentum keineflNutfefigebrachthat Die hysterische und aufdringliche Art, mit der hier ein psychologisch und kriminell heikler Fall behandelt wurde, kann nicht sympathisch wirken, insbesondere bei einem Mann, der sein Lebeiilahf dem Judentum fernstand (was er durch seinen Austritt aus der jüdischen Gemeinschaft dokumentierte) und erst seit der Hakenkreuzherrschaft in Deutschland eine jüdische Schicksalsverbundenheit empfindet. Assimilantentum, plötzlich in seiner ganzen Kraßheit enthüllt, führt naturnotwendig m extremem Hinausstellen jüdischen Gemeinschaftsbewußtseins und damit zu Uebertreibung und Ueberb e t o n u n g. also zu nichts Gutem. Herr Emil Ludwig-Cohn hätte besser getan, dem Berliner Propagandaministerium (das ohnehin die schweizerische öffentliche Meinung und das Gericht in Chur unter Druck zu setzen versucht) nicht auch noch etwas in die Hände zu spielen, das — für das Gerichtsverfahren wertlos — bei geschickter Verwendung sachliches Material gegebenenfalls zu entwerten geeignet ist Man weiß ja, warum das deutsche Reichspropagandaministerium verhindern will, daß auf dem Prozeß Frankfurter das Schicksal der Juden im nationalsozialistischen Deutschland vor der Welt aufgerollt werde. So wie die Verbreitung des Falsifikats der „Protokolle der Weisen von Zion" dem Zweck dient, eine internationale jüdische Verschwörung an die Wand zu malen und die schändlichen antijüdischen Maßnahmen zu rechtfertigen, so Söll bei Gelegenheit des Davoser Mordprozesses die Fiktion, daß das Judentum sich zur Rettung des Attentäters Frankfurter zusammengetan habe, in die Menge geworfen und^ein eventueller Freigpruph. von vorneherein verfemt werden. Wenn nun ein Emil Ludwig, ohnehin schon mit keinemguten politischen Leumund gekrönt, Frankfurter mit bestrittenen Wahrheitsmitteln helfen will, so läuft sogar die gerechteste Sache Gefahr, diskreditiert zu werden. Der Fall Frankfurter darf nicht durch eine ungeschickte, hysterische, von unberufener Seite geführte Propaganda zu etwas gemacht werden, was er nicht ist: zu einem Schicksallsfall in der jüdischen Geschichte. Er ist ein Sonderfall, allerdings ein das jüdische Herz bedrückender. Und er ist ein typischer Fall unseres Galuthdaseins. Sein Ausgang wird an dem Weg, den wir zu gehen .haben, nichts ändern. Das Gericht wird sprechen und. wir werden den Spruch hinnehmen. o. r. lieber die Tyrannen Aus London: Bei der dritten Gedenkveranstaltung der Jüdisch-historischen Gesellschaft (Jewish Historical Society) für den verstorbenen jüdischen Historiker und Politiker Luden Wolf sprach der englische Publizist und frühere Chefredakteur der „Times", Wickham Steed, vor mehr als 1000 Zuhörern über den „W e r t d e r F r e iheit". Er führte unter anderem aus: „Wenn Menschen sich einreden lassen, daß sie allein das Monopol der absoluten Wahrheit besitzen, so werden diese Menschen in ihrem moralischen, rassischen oder politischen Fanatismus zu Tyrannen. Sie kommen sich stark vor, in Wirklichkeit aber sind sie schwach; denn sie flüchten vor den Relativitäten des Lebens, vor der Pflicht zu kritischem Denken und vor der persönlichen Verantwortung in ein rotes, schwarzes oder braunes Hemd." Wickham Steed zitierte die Nazi-Schriftsteller Dr. Dietrich und Dr. Otto Köllreutter, welche „Volksdenken" hoch über individuelles Denken stellen. Diese beiden würdigen Exponenten des Hitlerismus, sagte Wickham Steed, sehen offenbar in dem Getue einer Schafs- oder S c h w e i n e h e r d e ein erstrebenswertes Menschheitsideal — sofern nur bissige Schäferhunde oder (wie man in Deutschland sagt) „Schweinehunde" unter der Leitung eines obersten Schaf- oder Schweinehirten dafür sorgen, daß die Herde eben Herde bleibt. Der Weg menschlichen Fortschritts führt aber nicht zu Herdentum. Die Menschheit hat sich von der Herdenbarbarei zu ihrem heutigen Niveau der Aufgeklärtheit emporgearbeitet; ihre Gesetzeslehrer waren Männer wie Moses und Solon, Die Kommission an der Arbeit Aus Jerusalem: Die Untersuchungskommission hielt am 18. November ihre erste öffentliche Sitzung ab. Anwesend waren 20 Vertreter der Presse sowie Vertreter der Zionistischen Organisationen. Araber waren nicht erschienen. Die Sitzung begann mit der SSeugenaussage von Mills, dem Leiter des Einwanderungsdepartements der Regierung, die gleich anfangs vom Vorsitzenden Lord Peel mit der Bemerkung unterbrochen wurde, daß das Zahlenverhältnis jüdischer Einwanderer aus den verschiedenen Ländern während der letzten, fünfzehn Jahre gewissermaßen die Geschichte Europas in dieser Zeit beleuchte. Mr. Mills stellte fest, daß die Gesamtbevttlkerung Palästinas im Sommer 1936 1,336.000 betrug, davon 940.000 Araber und 370.000 Juden. An dieser Stelle warf Lord Peel ein: „Also fast das Doppelte der Ziffer von 1922." Mills sagte, daß die Anzahl der arabischen Einwanderer aus Trans Jordanien und dem H a u r a n nur mutmaßlich sei, da die Araber aus dem Hauran nie an denjenigen Stellen die Palästina-Grenze passieren, an denen Paßkontrolle-Posten stationiert sind. Jede dieser Einwanderungswellen läßt eine gewisse Anzahl von Menschen in Palästina zurück. Zur Methode Ubergehend, laut welcher die Aufnahmefähigkeit Palästinas jeweilig festgestellt wird, erklärte Mills, daß seine Schätzungen den Bedürfnissen nach Arbeitern in den Jahren der größten Prosperität nicht entsprochen hätten, da er gleichzeitig die Möglichkeit von schlechteren Jahren in Erwägung habe ziehen müssen. Gleichzeitig gab Mr. Mills zu, daß, falls die Wirtschaftsexpansion weiter andauern sollte, eine Arbeiterreserve notwendig sein werde. (TVÖBEL-UMNTER für Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnvladukt 23 be» Lerchenfelderstraße Telephon? A-21-5-31 ■OIHMMHHanBMMHaHMMHBMMHHHMHHaMaaMHaHaHaaH^ Auf eine Frage des Vorsitzenden stellte Mr. Mills fest, daß die Jewish Agency mit dem Einwanderungs- Departement der Regierung bei der Ermittlung von der Anzahl der vorhandenen Arbeltsplätze kooperiert habe. An der Feststellung der Zahl der arabischen Arbeltslosen jedoch hätten sich die Araber nicht beteiligt. Es sei nicht leicht, die Arbeitslosigkeit unter den Arabern zu schätzen, doch sei anzunehmen, daß sie ganz MinimaI sei, angesichts des massenhaften Zustromes von Arabern, aus den Nachbarländern, die alle Beschäftigung finden. Mr. Mills erklärte ferner, daß die Einwandererkategorien sehr vorsichtig kontoliiert werden; insbesondere beziehe sich das auf die Kapitalistenkategorie. Was die Kategorie der Handwerker mit 500, bzw. 250 Pfund betreffe, so habe er persönlich jeden Einzelfall im Hinblick auf die Aufnahmefähigkeit des Landes erwogen. Die Zahl der genehmigten Anwärter in dieser Kategorie sei sehr klein gewesen. Auch die Kategorie der Angehörigen werde genau auf die Wahrheit der Personalienangaben geprüft; Angehörige bildeten 60 Prozent der Gesamteinwanderung im Jahre 1935. Das Kommissionsmitglied Sir L. Hammond bemerkte dazu, daß die Anzahl der Angehörigen das Thermometer der Prosperität eines Landes darstelle. Sonntag Nachmittag frei halten! Ferner legte Mills dar, daß 60 Prozent der Arbeiterzertifikate an ledige Personen ausgegeben werden, so daß im Durchschnitt zwei Personen auf Grund jedes Zertifikats in Land kämen; dasselbe gelte auch für die Kapitalistenzertifikate. Mr. Mills erklärte in Beantwortung einer Frage, daß ihm kein einziger Fall eines auf Grund eines Zertifikates Eingewanderten bekannt sei, der der Bevölkerung zur Last gefallen wäre. Auf die Bemerkungen von Sir L. Hammond und Sir Horace Rumbold, daß der Prozentsatz der Einwanderer, die aufs Land gingen, klein sei, erwiderte Mills, daß die Zionisten bemüht seien, Juden auf dem Lande anzusiedeln. In letzter Zeit sei die Anzahl der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter gestiegen, was teilweise auf den arabischen Streik zurückzuführen sei. Die Einwanderungsbestimmungen sind für Juden und Nichtjuden die gleichen. Mills erwähnte die Mitarbeit britischer Paßbeamten und der Palästina-Aemter von Schanghai bis New York. (Lord Peel: „Das heißt der ganzen Welt!") Der nächste Zeuge war Oberst H e r o n, Leiter des Gesündheits-Departements' der Regierung. Er legte Nachdruck auf den gut organisierten Gesundheitsöffentliche Gesundheit ausgebe, seien die Juden in der Lag«, für eine viel kleinere Bevölkerung 318.000 Pfund au verausgaben. Aus diesem Grunde besitzen die Juden ein vollständig ausgebildetes Gesundheitswesen, während die Leistungen der Regierung auf diesem Gebiete bei den Arabern, insbesondere in den Dörfern, viel zu wünschen übrig ließen. Heron wies auf den hohen Prozentsatz der K i n d e rsterblichkeit bei den Arabern hinj bei Juden sei der Prozentsatz dank ihrer ausgezeichneten Mutter- und Kindschutzeinrichtungen sehr niedrig. Die Sterblichkeit habe sich verringert, die Geburtenzahl erhöht, inabesondere bei den Mohammedanern. ihre philosophischen Lehrer Männer wie SokrateB und j dienst der Juden, der sowohl von der jüdischen Be- Plato, ihre moralischen Lehrer Männer wie die jüdischen Propheten und Jesus Christus; beeinflußt wurde das heutige Denken durch die voraussetzungslose und furchtlos« Forschungsarbeit eines Darwin, einer Frau Curie und eines Einstein, völkerung Palästinas wie auch von Juden im Auslande unterstützt werde, während die Araber auf den beschränkten Gesundheitsdienst der Regierung und der religiösen und philanthropischen Institutionen angewiesen »eleu. Während die Regierung 180.000 Pfund jährlich für Die halbstündige Aussage des Obersten Heron hat in den jüdischen Kreisen Jerusalems den Eindruck ausgesprochen antijUdlsoher Einstellung geweckt, während die Darlegungen des Einwanderungskommissärs Mills als mehr oder minder unparteiisch empfunden wurden, obwohl er Über die illegale Einwanderung von Arabern sehr leicht hinwegging. Die Kgl.- Kommission bekundete — wie aus der Fragestellung hervorging — großes Interesse für die Lage der Juden in der Diaspora, insbesondere in Polen. Einer Meldung der „Chadaschot Achronot" zufolge werden deshalb von jüdischer Seite besondere Denkschriften über diese Probleme der Kgl. Kommission unterbreitet werden. Kein Friede Die „Times" über Palästina Aus London: Die „Times" schreiben im Leitartikel: „Die Situation in Palästina hat sich nicht in dem Maße gebessert, als man noch vor einem Monat hoffte. Wohl haben die Terrorakte aufgehört und ist der Streik beendet worden, aber es gibt kein Anzeichen einer Annäherimg und Verständigung zwischen Arabern und Juden. Die Araber sind darangegangen, einen Boykott aller jüdischen Unternehmungen zu organisieren, und bereiten sich vor, die Juden aus dem Wirtschaftsleben zu verdrängen. Die Juden ihrerseits rüsten zur Gegenwehr. Tatsächlich^ scheinen beide Parteien den bisherigen Kon« fiikt nur als erste Etappe ihres Hampfes anzusehen. Kein Zeichen eines möglichen Kompromisses ist zu be* merken, und es ist möglich, daß sich der K ö n i g 1 i c h e n Kommission keine Möglichkeit bieten wird, eine Lösung zu finden, welche von beiden Seiten angenommen werden könnte." „In der Zwischenzeit hat die neue Regierung des Irak Oel ins Feuer der palästinensischen Unruhen gegossen. Unsere Verbündeten in Bagdad haben den Syrier Tauzi al Kaukdji und seine Bandenführer, welche einen Guerillakrieg gegen die englischen Truppen in Palästina geführt und die Juden überfallen hatten» ganz offiziell empfangen. Bankette und Empfänge sind ihnen zu Ehren veranstaltet worden und die ägyptische Presse berichtet, daß König Ghazi ihnen eine Audienz gewährt hat. Angesichts dieser verschiedenen Demonstrationen muß es befremden, wenn die Araber sich darüber beklagen, daß die Engländer der arabischen Mentalität und Psychologie nicht Rechnung tragen wollen." Drei Todesurteile hestättqt Aus Jerusalem: Das Appellationsgericht ver-* warf die Berufung von drei Arabern, die am 2. November wegen eines Ueberfalles auf englische Soldaten zum Tode verurteilt waren, und lehnte es ab, die Begnadigung zu empfehlen. Die Kosten der Palästina-Unrulien Aus London „Sunday Chroniole" schätzt die Kosten, die der englischen Mandatarmacht durch die jüngsten sechsmonatigen Unruhen in Palästina erwachsen sind, auf rund drei Millionen Pfund und teilt mit, daß die englisphe Regierung lediglich die Löhne derSoldaten, Matrosen und Flieger deckt, daß jedoch mit den Mobilisierungskosten, die den Hauptteil der obigen Summe ausmachen, die Palästina-Regierung belastet wer« den wird. '■ ■_ Verb« der Judensffaafszionisfen Oesfcrreidis Versammlungen: Ueber „Der Sinn der Kultuswahlen — Die Auswirkungen des zionistischen" Wahlsieges" sprechen: Dienstag, den 24. d. M.: X., Herndlgasse 23: Oberbaurat Robert Stricker. — XVDX, Semperstraße 19: Dr. Sal. Wolf. Mittwoch, den 25. d. M.: Hotel Stephanie, II., Taborstraße: Oberbaurat Stricker., Dr. Sal, Wolf. ' > Donnerstag, den 26. d. M.: XV.,. Schanzstraße 82: Josef Frankel. — XX., Staudingergasse 16t Dr. Salonion Wolf. — IL, ErlafStraße 5: Oberbaurat Stricker. ' . ' Beginn aller Versammlungen um halb 9 Uhr abends. Frauengruppo „Deborah". Mittwoch, den 25. d. M., halb 9 Uhr, abends im Helm, II., Erlafstraße 5, Vortrag. Gäste willkommen! Sektion P rat er, II., Erlafstraße 5. Freitag, den 27. d. M., 8 Uhr abends: Oneg Schabbat. Vortrag: Rabbiner Dr. M. Patron, A. Schwertflnger. — Samstag, den 28. il. M., halb 9 Uhr abends: Akademie mit Tanz. Regiebeitrag 1 S. Sektion Brlgittenau, XX., Staudingergasae 16, Mittwoch, den 25. d. M., 8 Uhr abends: Aus« schußsitzung. — Freitag, den 27. d. M., 8 Uhr abends! Oneg Schabbat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.