Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 604 (30.10.1936)
- Date
- 1936-10-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 604 vom 30. Oktober 1936 DIE NEUE WELT Seite 7 Aus Polen Aus Warschau wird uns berichtet: Unterrichtsminister Swientoslawski veröffentlicht durch die amtliche Nachrichtenagentur ,,Jiskra" eine Erklärung, in welcher er die letzten antijüdiachen Ausschreitungen an den Warschauer und Lemberger Hochschulen auf das schärfste verurteilt. Der Minister stellt fest, daß bei diesen Ausschreitungen von den nationalistischen Bxzedenten jüdisch© HochschUler durch Messerstiche verletzt wurden. Das seien Zustände, die nicht länger geduldet werden könnten. Er* werde mit allen ihm zur Verfügung steheiiäen Mitteln gegen derartige Erscheinungen vorgehen. Wie aus Lemberg gemeldet wird, haben die Stude'ntenunruhen dort einen sehr blutigen Charakter getragen. Die Unruhen begannen am Polytechnikum, wo der Student Szustkiewicz während einer Vorlesung des Prof. B a r t e 1 diesen unterbrach und als „Jude nfreund" anrempelte. Das Disziplinargericht beschloß die Relegierung des Szustkiewicz. Die nationaldemokrati-, «etien Studenten demonstrierten dagegen in den Hörsälen. Prof. Kaparowski ersuchte seine jüdischen Hörer, zu ihrer eigenen Sicherheit den Saal zu verlassen. Als diese der Aufforderung gehorchten, fielen die Nationaldemokraten mit Messern und cisenbeschlagenen Stöcken über sie her. Fast alle Juden erhielten Verletzungen. Schwerverletzt ins Spital gebracht wurden Aba Margolis-Pekert, Goldenberg, Pelech, Schechter und Leibel. Aehnliches spielte sich an der Hauptuniversität ab. Die meisten jüdischen Studenten, die sich in dem Universitätsgebäude einfanden, wurden mit Messern und Schlagwerkzeugen übel zugerichtet. Zwanzig Juden erhielten blutige Wunden, fünf von ihnen wurden in bedenklichem Zustand in das Krankenhaus gebracht. Der polnische Student Antony Granowicz, der sich der Juden annahm, erhielt ebenfalls tiefe Stichwunden. Nationaldemokratische Studenten begaben sich von der Universität in die Sapieha-Gassc und schlugen in allen jüdischen Geschäftsläden die 'Auslagefenster ein. Im, Hospital wurden am Körper des jüdischen Studenten Trester mehr als zwanzig Stichwunden gezählt. Der Zustand des jüdischen Studenten Kreftel, der fast dreißig Stichwunden erhielt, ist lebensgefährlich. In der Akademicka-Gasse wurden "mehrere jüdische Passanten überfallen und blutig geschlagen. Nationaldemokratische Studenten begaben sich in die Privatwohnung von Prof. Bartel und schlugen alle Fenster ein. Auf dem Wege dahin mißhandelten sie die 'jüdischen Passanten Dr. Naftali Landau und Sperling. ^Universität und Polytechnikum wurden geschlossen. . ■ Im .Warschauer Hauptbahnhof haben Huligans Jüdische Passagiere überfallen, einigen von ihnen wurden die Bärte ausgerissen. Dem Kaufmann Ghaim Fuchs wurde der Bart angezündet. Das Warschauer Gericht verurteilte den Bauern Jusef Pitlewski, -der während der antijüdischen Pogromexzesse in.Karczew den Juden Goldfarb ermordete, zu fünf Jahren Gefängnis. In Minsk-Mazowieck, wo vor einigen Monaten Wochen; hindurch ein blutiger antijüdischer Terror herrschte und die jüdische Bevölkerung sich in den Wohnungen verbarrikadierte und hungerte, hat sich nun der junge Aron Gelbard, der infolge der ausgestandenen Schrecken wahnsinnig geworden war, s riaängt. Der jüdische Lehrer Dembus, der während der Pogrömperiode mehrmals schwer mißhandelt wurde und seither der Melancholie verfiel, hat sich vor einen fahrenden Zug geworfen und wurde zermalmt. Kein Axierpara£raph im Statut der neuen polnischen , Staatsorganisation Aus Warschau: Die Gerüchte, daß Juden von der neuen polnischen Staatsorganisation, die unter dem Namen ,;Lagor der staatlichen Aktion" durch Oberst Adam Koc gebildet wird, ausgeschlossen sein sollen, haben sich bis jetzt nicht bestätigt. So meldet jetzt die national-radikale. antisemitische Zeitung „ABC", daß KREUZ« KINO J, Wollzeile 17 Telephon R-24-2-16 Vorstellungen; 4, Va8, %10 James Gagney, Patricia Gills und Allein Jenkins STAFA, VII Ma.riahilferstjraße 120 Telephon B-38-0-68 Wochentags: 9, 7, 9 Ulli Die Wüstenlegion CleucUtte Colbert SCH AFFE R VI, Mariahilf erstraöe 37 . Telephon B-20-20y Öeglnn: Vkk, Vs6, 'M, >to Fräulein Ulli Franziska Goal, Hans Jaray VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: h, %*, Die einer der Programmpunkte der neuen Formation ungefähr folgendermaßen lauten wird: „Wir wollen alle* unterschiedslos mobilisieren: Arbeiter, ßauern, Intellektuelle, Gewerbetreibende, Juden, Ukrainer, einen jeden, gleichgültig, ob er zu dieser oder jener Partei gehört." Unter dem Hinweis auf die Zulassung der Juden zu der neuen Staatsorganisation deutet das Blatt an, daß die radikalnationalistischen Kreise sich ihr wohl fernhalten dürften. Eine Aeußerung von maßgebender Stelle zu diesen Mitteilungen ist bisher noch nicht erfolgt. 67 Schiffe im Hafen von Tel-Avlv. Aus Tel-Aviv: Laut Bericht des Tel-Aviver Hafenkomitees haben in den fünf Monaten seit Bestehen der Anlegestelle am Strande von Tel-Aviv 6 7 S ch i f f e, davon 47 Dampfer und 20 Segler, dort angelegt, um Waren ab- und aufzuladen. Abgeladen wurden 16.994 Tonnen, aufgeladen 641 Tonnen Ware. Der Verkehr im Hafen steigt ständig. Die Baubeweguiig in Palästina Aus Jerusalem: Das Regiereungsamt für Statistik veröffentlicht Ziffern über die im ersten Halbjahr 1936 erteilten Baucrlaubnisse für Neubauten. Sie sind gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 36 Prozent gesunken. Am stärksten war der Rückgang im arabischen Jaffa, wc im ersten Halbjahr 1936 Erlaubnisse für 54.436 Quadratmeter Bodenfläche gegenüber 132.067 Quadratmeter Bodenfläche in der gleichen Zeit des Vorjahres erteilt worden sind. In Tel-Aviv sanken die Bauerlaubnisse von 237.023 Quadratmeter auf 139.126 Quadratmeter, in Haifa von 204.417 auf 134.091 Quadratmeter. Gestfegen sind in Jerusalem die für Bauten erteilten Erlaubnisse von 77.910 Quadratmeter Grundfläche auf 90.993 Quadratmeter. Im Juli trat in Haifa und Tel-Aviv eiine geringe Belebung ein, die die Ziffern des Monats Juni übersteigt. Touristen-Visa für Palästina. Aus London: Vom Colonial Office wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, daß die aus Berlin stammende Meldung, es seien den britischen Konsuln Instruktionen erteilt worden, keine Touristen- Visa für Palästina mehr auszugeben, in dieser Form nicht richtig ist. Das Colonial Offlee habe lediglich angeordnet, daß solchen Touristen, die eine V e r-* gnügungsreise nach Palästina in der Zeit der Unruhen unternehmen wollen, mit Rücksicht auf deren Sicherheit keine Einreise-Visa gegeben werden. Die Verordnung gilt nicht für Wirtschaftstouristen, denen jederzeit Visa gegeben werden. Wir bitten um Einsendung von Adressen, an die wir Probeexemplare versenden können Di e Verwaltung „DIE NEUE WELT' Claudctte Colbatt SclMirze Mäntel „ (auch blau oder braun) ganz j H K -Seide gefüttert . .. . ■; . S aW Trotteur-Müntel Kragen und Revers mit Fuchs- Ä ■ lamm oder Nutriette verbrämt, %L ganz K.-Seide gefüttert. , . S w * Schwarze Wintermäntel..,.. Alaskalamm-Schalkragen, K.-Seide gefüttert . . . . . . S *S Hode-Cape-Möiitel aus gutem Boucle mit Silber- _ . _ fuchslamm-Verbr.,K.-S..Mongol gefüttert und watteliert. . .5 Ele$. Boucle-Mäntel ganz K.-S.-Mongolgef. u. watt., jü mit Skunks-Capekragen . . Sr* » Wollstoff-Kleider irin Modefarben......S i*r Sämisch-Damenscnuhe ft, schwarz, blau oder braun mit fi festem Absatz ....... S U Seiden- und Wollstoffe: Z'50 3 in herrlichen Farbstellungen S Stietltmd »«er Boucle für Mäntel, 140 cm . . . . S Moos-Crepe 100 cm breit, reine Wolle . 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