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Die neue Welt · 1936-10-23 · Heft 602 (23.10.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 602 (23.10.1936)
Date
1936-10-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 20 Groschen Freilag, den »3. Oktober 193« ME III 10* Jahrgang Nr* 602 V. b* b* Zeitung vom Verleger veraendet „Journal expedle par rediteur" 186 Titl. Universitätsbibliothek ~1T bliothek ■ Wien, I. I B^H — Jb ■ REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig 8 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rnmänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 80.—, viertel jährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion u. Verwaltung : IX, Universitäisstr. 8, Jet. A-20-2-73 — Erscheint Dienstag a, Freitag Präsident der U.S.A. Roosevell sagt: „ich bewandere das großartige jüdische Aufbauwerk in Palästina!" Präsident der „Union" Dr. Oppenheim sagt: „Palästina ist ein Bluff!" K/oUki4U Zionistische Liste! billige Reisen nach POLEN tt Abfahre: Jeden zweiten Sonntag Anmeldungen: PoSn. Reisebüro „ORBIS I. Kärntnerstrane 41, R-si.5-78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro l. Friedrichstraoe 7. B-sr-soo, i. Graben 20, ü.m-o.35 Das Attentat in Tele Aviv ' Zu dem von uns in unserer Ausgabe vom 20. Okto ber gemeldeten Mordattentat berichtet die J. T. A.: Aus Jerusalem: Der Feuerüberfall durch zwei unerkannt entkommene Zyklisten auf' einen vorbeifahren den arabischen Wagen im Norden von Tel-Aviv, wobei ein Araber lebensgefährlich (nicht tödlich; ^vte iirtümUch gemeldet wurde) und einer leicht verletzt wurde, hat'- die politische Unruhe in Palästina gesteigert. V. . Der Oberste Arabische Ausschußhaf . sich . sofort des Falles bemächtigt und nützt ihn zu einer Fr dpa-' ganda gegen das jüdische Palästina aus. Ohne daß auch nur die Spur eines Beweises vorhanden ist, daß die Attentäter Juden waren, - nimmt der Ausschuß diese Version als gegeben an..Er sandte, einen Protest an den High Oommisslo'ner Sir Arthur Wauchope, in welchem ausgeführt wird, daß die Araber sich an das Abkommen betreffend Abbruch des Terrors halten, die Juden aber nicht. Der Ausschuß sandte auch Protesttelegramme an das Colonial Office in London und an die großen englischen Zeitungen und veröffentlichte ferner einen Aufruf an die arabische Bevölkerung, in welchem diese aufgefordert wird, kaltes Blut zu bewahren und es der Regierung zu überlassen, die Schuldigen ausfindig zu machen und zu bestrafen. Ebenso wie der Stadtrat haben auch die jüdische Gemeinde Tel-Avivs, die jüdische Arbeiterorganisation (Histadruth) und die Zionistische Organisation Aufrufe an die jüdische Bevölkerung veröffentlicht, in welchen die Schüsse in Tel-Aviv als eine Provokation gegen den Jischuw bezeichnet werden. Im Zusammenhang mit dem Attentat hat die Polizei 15 jüdische junge Leute, Mitglieder des revisionistischen Brit Trumpeldor, verhaftet, davon 8 in Petach Tikwa und 7 in Tel-Aviv. Außerdem wurden in den Betar-Klubs in Tel-Aviv, Petach Tikwa und Noss Ziona Haussuchungen durchgeführt. Der palästinensische Brit Trumpeldor veröffentlichte eine Protestresolution gegen diese Haussuchungen und Verhaftungen. In Tel-Aviv wurden auch etwa 80 Kommunisten verhaftet, die Hälfte von ihnen aber nach dem, ersten Verhör freigelassen. Unter der arabischen Bevölkerung in Jaffa wird in Zusammenhang mit dem Vorfall in Tel-Aviv. eine scharfe antijüdische Agitation geführt. Ein von Tel-Aviv nach Petach Tikwa fahrender jüdischer Autobus wurde aus dem Hinterhalt beschossen, kein Passagier wurde getroffen. Zwischen Jaffa und Tel-Aviv wurde ein alter Jude durch Araber mit Steinen beworfen und leicht verletzt. Pie Eröffnungsfeier der Ersten Jüdischen Handelsschule in Wien wird am 26. ds„ 8 Uhr abends, im großen Festsaal des „Bayrischen Hof stattfinden. Eintrittskarten in der Schulkanzlei oder bei der Kassa erhälilich. _. Keine Benützung des Jaffaer Hafens Aus Jerusalem meldet Palcor: Die jüdische Handelskammer für Jaf f a und Tel- Aviv hat in ihrer kürzlich abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung einstimmig beschlossen, daß die Juden nicht in den Jaffaer Hafen zurückkehren werden, solange die Bedingungen nicht grundlegend geändert sind. Es wurde unterstrichen, daß der Beschluß keinen Boykott von Jaffa bedeutet, daß die jüdische Bevölkerung aber nicht gewillt ist, auch weiter auf einen Hafen angewiesen zu sein, der in den Händen gewalttätiger Elemente liegt. Ferner wurde ein Beschluß gefaßt, in dem der Ausbau des Hafens in Tel-Aviv, gefordert wird. Max Nordau: Der Zionist und der Assimilant Ein aktuelles Gespräch „Sobald Sie sich zum Zionismus bekennen, geben Sie damit stillschweigend, ja sogar ausdrücklich zu, daß Sie in Ihrem Land ein Fremdling sind und daß Sie nichts sehjilicher wünschen, als es je eher, je lieber zu verlassen, um Ihr wahres Vaterland, Palästina, zu erreichen. Ist dem aber so, dann wäre es Ihrerseits sonderbar, sich darüber zu beschweren, daß man Ihnen Bürgerrechte verweigert oder in den Ländern, wo man sie- Ihnen großmütig gewährt hat, wieder entzieht. Sie rechtfertigen im voraus die Regierüngeh^die so weit ' gehen würden, Sieauqm^ 'Keinerlei päterljändisches. GefiLjil verknüpft sirul. Da Sie Zionist sind, können Sie nicht Patriot sein." „Ich möchte -bescheiden feststellen, daß es st et s nur J ud e.n gewesen sind, die uns M a ngel an Patriotismus vorwarfen." „Falsch: Und die Anti sein ite n?" „Stimmt: Die Antisemiten betrachten uns als Fremde — aber ebenso aucli S i ei Trotz aller Renegaten-Niedrigkeit, trotz des geräuschvoll zur Schau getragenen Patriotismus haben die Assimilanten doch niemals von den Antisemiten ein Zeugnis patriotischer Gesinnung zu erlangen vermocht. Von den Antisemiten abgesehen, ist es einem Nichtjuden noch niemals eingefallen, die Gefühle der Treue der Zionisten ihrer Heimat gegenüber in Verdacht zu bringen. Betrachten wir das berüchtigte Argument: W as ist denn Patriotismus? Es ist das Gefühl inniger Liebe zur Heimat, der Wunsch, ihr stets nützlich zu sein, der feste Entschluß, sie gegen ihre Feinde zu verteidigen und für sie, wenn es sein muß, das Lebeji hinzugeben. Der gesunde Patriotismus entspringt der Dankbarkeit gegen die Gemeinschaft, die uns Sicherheit des Lebens und des Eigentums verbürgt, die uns alle Wohltaten der Ordnung, des Rechts, der Gerechtigkeit, der Gesittung angedeihen läßt. Dieser w ahre Patriotismus, der die Gesundheit eines Landes ausmacht und der ein Land groß machen kann, ist dem zionistischen Juden nicht minder eigen als den besten Bürgern. Er ist erkenntlicher als irgend ein anderer Bürger für die Wohltaten, einer Staatsordnung, die ihm die Menschen- und Bürgerrechte sichert; in allen Kriegen der letzten Jahrhunderte war die Zähl der Juden, die ihre Vaterlandsliebe mit ihrem Blute besiegelt, höher als das Verhältnis der jüdischen zu der gesamten Bevölkerung. Man findet sie in den ersten Reihen überall, ido es gilt, für das Gemeinwohl sich zu opfern und die Bürgerpflichten anders als durch leere Worte zu erfüllen. Selbst in jenen Ländern, die ihre jüdischen Einwohner wie Parias behandeln, die ihnen die Menschen- und Bürgerrechte vorenthalten, sie kaum dulden und sie stets in brutalster und grausamster Form fühlen lassen, daß ihre Anwesenheit als ein ZJebel betrachtet wird und ihre Entfernung mit Freuden begrüßt werden würde — selbst in diesen Ländern, die kein Recht haben, von ihren Juden Liebe und patriotische Opferfreudigkeit zu fordern^ ist der Jude ein Musterbeispiel gewissenhafter Beobachtung der Gesetze und der Achtung vor den Behörden. Wir verschmähen die Mimikry der S k l a» v e n'.ühd' gebärden uns nicht, als ob wir aufgehört hätten, Juden zu sein. Wir unterscheiden scharf zwischen unserer Bürger-Eigenschaft und unserer ethnischen Individualität, und indem wir unsere Pflichten, alle unsere Pflichten gegenüber dem Vaterlande mit Freuden erfüllen, vergessen wir keinen Augenblick, daß wir Söhne eines viertausend Jahre alten Volkes mit einer Vergangenheit von erstaunlich tragischer Größe sind, und daß wir die feste Hoffnung haben, dessen historische Entwicklung einer glorreichen Zukunft entgegen fortschreiten zu sehen. Wir fühlen, daß wir die Pflicht, aber auch das unbedingte Recht haben, an der Vorbereitung jener Zukunft mitzuwirken, und wir gestatten nicht, daß uns aus unserer Treue zu unserem zerstreuten Volk ein Vorwurf gemacht wird." „Und wenn die Juden einen eigenen Staat haben werden?" „Gäbe es bereits ein jüdisches ^Land mit einer, eigenen Politik, dann könnte man einen theoretischen Gegensatz ausdenken zwischen den Interessen des jüdisdien Staates und denen des Vaterlandes der Zionismen. Theoretisch ist das möglich, praktisch wahrscheinlich nie: In diesem Falle müßte der Zionist entweder auf sein zionistisches Ideal verzichten oder aber sein Vaterland verlassen» um in der Tat seinen Wohnsitz im jüdischen Lande zu nehmen. Solange es keinen jüdischen Staat mit einer eigenen weltpolitischen Rolle gibt, die zwischen ihm und dem Vaterland einen Interessengegensatz heraufbeschwören könnte, ist der Zionist berechtigt, seine Farbe zu bekennen, seine Bestrebungen zu verkünden und an der Verwirklichung seines Ideals zu arbeiten." „Dem Zionisten schwebt eine nationale Zukunft des jüdischen Volkes vor. Er wird an jener Zukunft teilnehmen wollen. Er denkt also, früher oder später von dannen zu ziehen. Sein Aufenthalt im Vaterland ist somit nach seiner eigenen Auffassung ein bloß zeitweiliger. Folglich: ist er im Grunde ein Fremdling, ein zeitweiliger Gast im Vaterland, und er kann nicht jenes Vertrauen be- KOHLE KOKS ANTHRACIT Alleinige Lieferantin der „Asca", Bund judischer Frontsoldaten, Keren Kajemeth, der Jüdischen Kulturstelle BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 TEL. U 47-5—40

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