Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 594 (16.9.1936)
- Date
- 1936-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Rosch^aschanah-Nummer Preis 20 Groschen Mfftwodi/ den 16» September 19 186 **• lahrgang Nr* 594 V* b* b* Zeitung vom Verleger versendet exp6dl6 par l'fiditenr" Titl V»iversim shiÜiothek Wien, i. REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; BumänJen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire) 6.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweis und dfe übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung : IX, üniversitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag ORBIS S POLEN Abfahrt: Jeden zweiten Sonntag Anmeldungen: Poln. Reisebüro „O R BIS" l. KHrntnerstraDe 41, R-ai-5.78 Oesterreichisches Verkehrs-Biiro I. Friedrichstrane 7, b.97-500, i. Graben 20, u.29.0.35 Jom ha-§akaron Von Rabbiner Dr. Josef Babad (Klagenfurt) Das jüdische Neujahrsfest trägt auch die Bezeichnung Jom ha-Sikaron, Tag der Erinnerung, das will besagen: Der jüdische Mensch soll durch „Sich- Erinnern" Rückschau halten über sein Tun im abgelaufenen Jahre. Der Schofarton ist nur das akustische Signal für dieses „In-sich-Gehen" und „Gedenken". Es ist die Prüfung unseres Gewissens, ob wir stets so gehandelt, wie wir gewollt,-ob wir unsere jüdische Pflicht unserem Gott, unserem Volk und überhaupt unserem Mitmenschen gegenüber voll und ganz erfüllt haben. Daher pocht jedes wahrhaft jüdische Hera beim Bekenntnis vor Awinu Malkenu, da . man »ich seiner menschlichen Schwächen bewußt wird und zur Entschuldigung nur den Satz betont: „Unser Vater, unser-König, bedenke, daß wir nur Staub und Asche sind." .So wollen wir uns selber erziehen, unser jüdisches Schicksal als etwas Höheres anzusehen, denn unentwegt ringt die jüdische Volksseele nach höheren ethischen und sozialen Werten, nach gemeinsamem und gemeinschaftlichem Wollen, und die Vereinigung all dieser edlen Regungen verr dichtet sich zu jenem religiösen Akkord, der in den bewegten dichterischen Ergüssen der „Pajtanim", unserer weihevollen Rosch-Haschana-Liturgie, seinen Niederschlag findet. Das graue gemeinsame Erlebnis von Gegenwart und Vergangenheit schweißt die vielbewegten und zerklüfteten -Herzen zu einem einheitlichen lebendigen „Sich- Erinnern" und „Sich-Sehnen" nach dem Gleichgewicht des jüdischen Seins, wie es einst so herrlich bestand und wie es als Zukunftserlösung heiß erstrebt wird, zusammen. Ist doch durch den Mund des Propheten verkündet worden: „Also spricht der Ewige: Ich gedenke deiner unverwüstlichen jugendlichen Treue, da du Mir gefolgt bist durch die Wüste (der Diaspora), durch unbekanntes, undankbares Landl" (Jer. II, 2.) Diese göttliche Zusage als messianische Hoffnung setzt der inneren Zerklüftung einen Wall entgegen; der Jude fühlt, daß die Erfüllung und Vollendung seines Geschicks nahe ist. Solches Sich-Besinnen erhöht sein Zusammengehörigkeitsgefühl. Es gilt, die Reihen enger zu schließen, um den Gefahren besser Trotz zu bieten: „Gehe heim, mein Volk, begib dich in deine eigenen Hallen und verschließe die Tür hinter dir; zieh dich für diese gefährliche Zeitspanne zurück, bis vorüber ist der Sturm." (Jes. XXVI, 20.) Weise die Entwurzelten und Fahnenflüchtigen von dir, schließe dich ab und beschränke dein Beten, dein Tun, deine Energie auf den Wiederaufbau deines eigenen Heims. Die aber treulos an dir handeln und sich weigern, „die Sorgen ihrer Mitbrüder zu teilen, als ob sie nicht ihresgleichen wären, sie sollen nicht teilnehmen an deiner großen Zukunft". (Maimonides, Mischne Thora, Teschuwa III.) „Sich-Erlnnern" heißt Kraft schöpfen aus dem Born jüdischen Geschehens. Sikaron ist der unversiegbare Quell jüdischer Gläubigkeit und Zuversicht. Heute bedarf das jüdische Volk mehr denn je eines Jom ha-Sikaron, des Tages der Erinnerung. Es vergißt rasch, was es eben bitter erlebt hat... Das Sikaron für seine Stellung zur Umwelt ist trügerisch. Er erinnert sich nicht mehr der prophetischen Weissagung, daß gerade in der Rückkehr des jüdischen Volkes zu normalem Sein in seiner historischen Heimat die Grundlage für Freiheit und Menschlichkeit gegeben ist. (Jes. II und XI.) Der SichronTherua, das Gedenken, daß der Posaunenschall verursacht, soll sich jedoch nicht auf Rosch-Haschana beshränken, sondern hinüberklingen in die Werktage des Jahres. Wie einst der Schofar den Anbruch des Jobel-Jahres, so kündet auch AUS PALASTINA Generalleutnant Dill Aus London: Der neue Oberbefehlshaber der britischen Truppen in Palästina, Generalleutnant Dill, hat am Dienstag, 8. September, die Reise aus London nach Palästina angetreten. Am 9. September begab er sich in Marseille an Bord des britischen Zerstörers „Douglas". — Generalleutnant J. G. Dill, ein hervorragender Stratege der englischen Armee, steht im 55. Lebensjahr und stammt aus Irland. In die Armee trat er 1901 ein. Während der ganzen Dauer des Weltkrieges leistete er in Frankreich Dienst. Nachher war er Kommandant einer Infanterie-Brigade in dem englischen Haupt-Truppenlager Aldersho, Instruktor an der Reichs-Wehr-Akademie, Generalstabsol'fizier in Indien und Kommandant der Generalstabs-Schule. Die Verschiffung der Truppen der ersten Division nach Palästina wird mit 7 Transportschiffen durchgeführt, deren erstes am Samstag den Hafen von Southampton verläßt. Am 22. September werden sämtliche Truppen unterwegs sein. Die Verstärkungen bestehen aus drei Infanteriebrigaden der ersten Division, sowie aus verschiedenen Pionier- und Nachrichtenabteilungen. > Wieder zwei jüdische Tote Aus Jerusalem: Am Freitag morgen wurden in einem Orangenhain südlich von Ramleh zwei jüdische Arbeiter erschossen aufgefunden. Sie wurden das Opfer eines nächtlichen Feuerüberfalls auf Empfindliche erlöst die blitzschnelle, glatte, scharf-scharfe die Plantage seitens arabischer Schützen. Damit erhöht sich die Zahl der jüdischen Toten seit Beginn der Unruhen auf 87. Wie später festgestellt wurde, waren bei der Erschießung der zwei jüdischen Arbeiter auch Lockspitzel am Werke. Die im Orangenhain arbeitenden Juden wurden von draußen, jenseits des Zauns, mit Namen angerufen. Sie glaubten, daß Bekannte sie sprechen wollen und kamen an den Zaun heran, woraufhin sich ein Kugelregen über sie ergoß und sie auf der Stelle getötet wurden. Offenbar waren ehemalige a r a b ische Plantagenarbeiter, die die jüdischen Arbeiter kannten, mit im Komplott. * Am Donnerstag, 9 Uhr abends, eröffneten arabische Schützen einen heftigen Angriff auf die jüdische Sied- Allen Freunden und lieben Gästen wünscht alles Gute zu den Feiertagen CAF6 Jenny Gesund 9., Porzellangasse 39 lungr Ness Ziona, der die ganze Nacht andauerte. Die jüdische Wachmannschaft erwiderte das Feuer und hielt die Angreifer in Schach. Einzelheiten über Verluste fehlen poch; Die Terroristen heben Steuern ein Der Führer der arabischen Rebellen, der Syrer Fauzi Bey el Kaukadyi, stattete Jerusalem einen geheimen Besuch ab und beriet dort mit den arabischen Führern. Er versicherte ihnen, daß er in der Lage sei, die britischen Truppen lange Zeit in Schach zu halten, wenn ihm genügend Geldmittel zur Verfügung gestellt werden würden. Da sich ihm in Palästina nicht genug Menschen zum Kampf bereit stellen, habe er Anstalten getroffen, Leute aus Syrien und dem Irak heranzuziehen. Aus dem Hauptquartier der arabischen Banden) wird mitgeteilt, daß den arabischen Städten und Dörfern, Steuern zur Erhaltung der Banden auferlegt werden. Die Steuer für Jaffa beträgt Pfund 30.000. Mit der; Sammlung wurde sofort begonnen. * Eine Bande bewaffneter Araber drang gestern nacht in eine Reihe arabischer Dörfer in der heute sein Neuiahrsklang die Erlösung des Bodens durch die altjüdische^Parole: Göoula Titnu Laarez, „Gewähret Erlösung dem Boden!", damit er nicht in fremde Hände falle. (We'Haarez lo Timacher li'Zmitut.) All das beinhaltet jüdisches „Sich-Erinnern", das sich der Volksnot bewußt wird und naturgemäß zu jenem unerschrockenen Judentum führen muß, dessen moralische Zu den hohen Feiertagen billige Sonderfahrten mit „Francopol" nach Polen und Czernowitz H'*",AMa,\rs.p..«b.,Mi, „Francopol", 111 Schwarzenbergplatz 7. Tel. U-16-4-90 „Cedok", I, Kärntnerstraße 32, Tel. R-23-4-88 a«rngronv VII, Mariahilferstraße 42, Tel. B-38-2-68 Sicherheit und geistige Kraft im Bewußtsein der Verbrüderung liegt. Der Jude muß sich darauf besinnen, daß Pflege der Tradition und damit Kenntnis des Hebräischen unerläßlich sind zum Judesein. Er sieht dann in der Wiedergeburt der heiligen Sprache in Erez Israel einen unwiderlegbaren Beweis der ewigen Lebenskraft seines Volkes. So wird Rosch-Haschana zum Tag des Gedenkens jüdischer Treue, jüdischer Ausdauer und jüdischer Zähigkeit. Es ist der Protest gegen Resignation und Verzweiflung. Freilich gibt es noch Menschen unter uns, die einmal im Jahre sich ihres Judentums „erinnern", ins Bethaus gehen und hier in den geheiligten Räumen 24 oder 48 Stunden das „Judesein" über sich ergehen lassen. Der Schofarton ist der Alarmruf, er geht jeden Juden an, welcher Richtung er auch angehören mag: Jude, erkenne dich, wach auf, werde unverdrossener Kämpfer im heißen Ringen um die jüdische Zukunft. ) Zionist das Herz und Gewissenlsraels. Nur ein wiedererbautes Zion kann Judennot heilen und Judenglück schaffen, kann das sichtbare Symbol unserer Einheit werden. Nach der Tradition wird die messianische Zeit durch vorausgehende Kämpfe der finsteren Mächte Gog u'Magog eingeleitet; es sind dies die „Geburtswehen des Messianismus". Unsere Zeit ist unheilschwanger, die Zahl der Feinde des zionistischen Messianismus ist groß, doch die „Geburtswehen" des Judenstaates künden sich bereits in einem gesunden, kräftigen Jischuw, in einem heldenhaften Fioniertum, an. Wir beten an diesen Festtagen: Mipne Chataenu Galinu me'Arzenu! „Wegen unserer Sünden sind wir von unserer Scholle vertrieben worden." Wir erinnern uns da, wieviel Schuld wir selbst an dem Verlust unserer nationalen Selbständigkeit tragen. Wir gedenken der Sünden und Fehler, die vor uns begangen wurden, auf daß wir sie unterlassen und den einzigen Weg des aufrechten Judentums beschreiten, der die Renaissance des jüdischen Volkes auf seiner Heimaterde zum Ziele hat. „Zion wird durch Gerechtigkeit erlöst werden!" (Jes. I, 27.) Die gerechte Sache des jüdischen Volkes wird siegen, wenn seine Söhne sich tagtäglich ihrer jüdishen Pflicht „erinnern" und unwandelbare Treue zu Erez Israel üben! Jederzeit bekannt billige Reisen nach Auskünfte: Dr. S. Tocker ReliebQre „IN DIE WELT" (W. M. Renner) Wl«n IX, Itafittnittlnstr. t, Nah« Sdiottanrins, Telephon A>1*>504 V