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Die neue Welt · 1936-08-28 · Heft 589 (28.8.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 589 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 580 voä 28. August 1Ö36 DIE NEUE WELT Seite 3 Heues Wiener Konservatorium (27. Sdinljitir) Musikvereinegebäude Unterricht vom erstell Anfang bis zur letzten Ausbildung (Staatsprüfung) durch erstklassige, vom fctadtschulrat zur Kenntnis genommene Lehrkräfte / Theorie, Gesang, Klavier und all« Orehesterinstrumente / Opern-, Schauspiel- und pirigentenrchuie / tlgene Kindertbtellung (für sechspla zwölfjährige Schüler). Anmeldungen ab 1. September Im Musikverelnsgeoäude. Daselbst AuskUnlte und Prospekte jederzeit. tootkensfuegd Weil die Opposition erstickt wurde bedrückende Nachrichten kommen jetzt aus Palästina. Es ist sonderbar, die Buhe der Qaluth festzustellen. Ein Abgesandter der Zionistischen Exekutive sagte auf einem Meeting in Warschau: „Ich bin mit der Haltung der Qaluth nicht zufrieden. Alle zionistischen Verbände müssen gegen England prötestieren." Der offizielle Zionismus hat immer versucht, die Opposition zu ersticken. Darum sieht sie sich jetzt geradezu verpflichtet, die Proteste der Gallith aufzustacheln." „Npuvelle Presse Juive" (Geneve, 1936). Ein historisches Verbrechen »Die Juden sind in das Land gekommen im Vertrauen auf die Recht e, die man ihnen gab und auf den Schutz, den ihnen die Mandatarmacht zugesichert hat. Wenn Ihr nun nicht fähig seid, Leben, Eigentum und' Ehre derjenigen zu schützen, die Eurem Worte vertrauten, so gebt das offen zu; wir werden dann wissen, daß alle diese Versprechungen und Verpflichtungen wert-, los waren. Wollt Ihr Euch dem Obersten Arabischen Ausschuß gänzlich ergeben und die jüdische Einwanderung einstellen, so habt den Mut, dieses historische yerbrechen offen zu begehen." Aus einem Offenen Briefe Dizegoffs (August 1936). Eine Naturmach? „Wir können uns nicht — und wenn wir's tausendmal selber wollten — losreißen von den Wurzeln unseres Seins. Der Wille zum Leben bäumt sich auf gegen die Vernichtung. Dreitausend Jahre Weltgeschichte haben es bewiesen, daß es unmöglich ist, äio jüdische Volksseele zu vernichten. Dreitausend Jahre sind wir Juden geblieben, weil wir nicht anders konnten, und heute noch sind wir Juden und müssen Juden sein, weil es uns übergewaltig im Judentum festhält, weil Jude zu sein eine Naturmaoht, ein Element in uns ist, eine Quelle unseres Lebens, weil das Judentum in unseren Herzen wohnti wie Gott in unserem Herzen wohnt, wie Elternliebe und Vaterlandsliebe in unserem Herzen wohnen, urwüchsig, ureingeboren .,ff Cäsar;S.eligmann „Warum'sind wir Juden?" (Hamburg 1898.) Ein Rechtsstaat! ,J)ie deutschen Juden werden ■ planmäßig vernichtet, daran ist nicht mehr zu zweifeln. Vorsichtige, ältere Juden sagten vor zwei Jahren: „Wir leben doch in einem Rechtsstaat!' Jetzt glaubt das niemand mehr. Es ist erwiesen, daß das nationalsozialistische Interesse über dem Gesetz steht und daß es Gesetze macht. Recht ist inzwischen geworden, was- ,dem deutschen Volke nützt'; auch das Bösartigste, auch das Infamste." Heinrich Mann „Es kommt der Tag" (Europa-Verlag, Zürich). Großbritannien und die zivilisierte Welt ,£)ie zivilisierte Welt hat das Recht des jüdischen Volkes auf Rückkehr in seine historische Heimat anerkannt; das Großbritannien anvertraute Mandat ist der Ausdruck dieser Anerkennung. Das jüdische Volk nimmt den Kampf auf gegen die Versuche, das Mandat zu brecJien und seine feierlich anerkannten Röchle zu vernichten" Alis einem Aufruf der Zionisten Polens, August 1936. Die arabische Offensive Die von Jamal Husseini geführte inoffizielle ar ab is che .Diele g ation ist von London nicht direkt nach Jerusalem zurückgekehrt, sondern hat sich, wie es heißtt nach Rom begeben, um dort für die Sache der arabischen Nationalisten zu wirken. J.*T.-A>-$feldung aus Jerusalem, August 1936. Die Juden Deutschlands „Wenn so viele Juden in Deutschland sich als Deutsche bezeichneten, so meinten sie damit zunächst häufig, daß 3\e gute Bürger des Deutschen Reiches, Patrioten seien. Das können (und sollen sogar) aber auch die nationalen Minderheiten in ihren Staaten sein. Sie meinten aber auch, daß sie tief in die deutsche Kultur eingedrungen seien, daß deutsche Bildung ihre natürliche geistige Nahrung darstelle. Darin unterschieden sie sich allerdings von allen anderen nationalen Minderheiten, denen gerade die Eigenkultur wichtigstes Kampfobjekt ist." . Dr. Paul Schiern ann „Minderheitenbewegung und Judenfrage", Billige Spramerreisen nach Polen finden nach wie vor an jedem gönntag statt. Es empfiehlt sich, schon »jetzt Plätze für die Reisen nach polen und Czernowitz jpu den Jom-Towim zu reservieren, Nähere Auskünfte "bei Dr. S. Tocker (Reisebüro „In die Welt-"), EX., Uecütensteüwtrjiße 2, Tel, E Aktuelle Fragen* Sicherheit und Sicherung Erinnerungen an den Luserner ZfonistenkongreR Im Zusammenhang mit den gegenwärtigen arabischen Terrorakten, denen die Juden Palästinas fast hilflos gegenüberstehen, ist es am Platz, an die Reden zu erinnern, welche zwei Führer der J ü d e n s t a ä t spartei auf dem Luzerner Zionistenkongreß (August 1935) gehalten haben. Beide Reden betrafen die Sicherheit und Sicherung des Jischuws: Meir Grossmann * „In einer Frage herrscht in diesem Saale sicherlich keine Meinungsverschiedenheit: das ist die Frage der Sicherheit in Palästina. Die ganze Welt befindet sich heute am Vorabend großer Ereignisse. Ich richte von dieser Stelle aus an die Exekutive die Anfrage, ob wir politisch, strategisch und ökonomisch für diese Lage gerüstet sind. Ich behaupte, daß keine der vorerwähnten Voraussetzungen zutrifft und wir im Falle j eines Ereignisses vollkommen schutzlos dastehen. Unsere Lebensmittelvorräte reichen keine drei Monate, die -Bevölkerung wird vollkommen desorganisiert den Ereignissen gegenüberstehen. Wir sind kein Teil der bewaffneten Macht und haben mit England keinerlei Schutzübereinkommen. Ich benütze diese Kongreßtribüne — so wie wir es im Jahre 1929 getan haben — und fordere die jüdische und zionistische Oeffentlichkeit auf, diesem Zustand der Völligen Schutzloslgkeit in politischer* strategischer und wirtschaftlicher Hinsicht ihr Augenmerk zuzuwenden. Wir sind umringt von arabischen Staaten, umgeben von bewaffneten Mächten, die mit den modernsten technischen Kriegsmaterialien, wie Flugzeugen und Giftgasen, ausgerüstet sind, während wir über keinerlei Schutzmittel, seien es Gasmasken, seien es andere Verteidigungsmittel, verfügen. Ich bin überzeugt, daß die Zionistische Exekutive an all dies nicht gedacht hat, daß dies ein ganz gewaltiges Problem für die 360.000 Juden in Palästina darstellt." Robert Strickers „Bei allen Gelegenheiten preisen wir den Aufschwung, den dieses einst als arm und unfruchtbar verschriene Land Palästina dank unserer Arbeit genommen hat. Wir haben ein Recht, auf diesen Aufschwung stolz zu sein und uns seiner zu freuen. Aber haben wir heute schon ein Recht, in diesem Aufblühen eine Sicherung zu erblicken? Je sichtbarer das jüdische Palästina blüht, desto mehr politische Sicherung erfordert es, desto größer ist die Gefahr, daß man es uns nimmt. Das wirtschaftlich arme und politisch bedeutungslose Palästina hat uns jeder gegönnt. Das wirtschaftlich aufblühende und politisch immer bedeutsamer werdende Palästina erweckt den Neid und die Begierde der anderen." Auf derTagetordnung: „Die judischen Forderungen" Von Meir Grossmann (Tel-Aviv) Seit Monaten hört die Welt ohne Unterlaß ausschließlich von „arabischen Forderungen". Das komplizierte englisch-arabisch-jüdische Problem hat man auf einen stereotypen Satz reduziert, der drei scharf formulierte „Bedingungen für den Frieden Im Land" enthält: 1. Einstellung der jüdischen Einwanderung, 2. Verbot des Bodenkaufs, 3. Errichtung einer nationalen arabischen Regierung. POLEN Bekannt billige Reisen nach Abfahrten: 30. August, und 13. September 1936 Reseivlett Plätze ljkM».TAH«Swk für die Reisen zu JOlfl"1 I OWIIT1 Auskünfte: Dr. S.Tocker, Reisebüro „IN DIE WELT" (W.M. Rennet). Wien IX. Liechiensteinstr. 2, Nälie Scnottenring. '1 el. A-14-504 # Einst, während der früheren Unruhen, traten die Araber mit einer Menge Beschwerden und Wünsche hervor; erzählten von ökonomischen Leiden und moralischen Bedrückungen; versuchten nachzuweisen, daß all das Böse in ihrem Leben von den Juden stamme. Von Zeit zu Zeit hörte man etwas von blutigen Morden. Jetzt ist man brutal und frech geworden. Man ist zu einer hundertprozentigen Offensive geschritten, deren Ziele dramatisch, kurz, scharf formuliert werden. * Solange die Araber mit wirtschaftlichen Einwänden hervortraten, zogen sie immer den Kürzeren. Denn wir konnten ihre Einwände durch Fakten widerlegen. Die Wirklichkeit stand auf unserer Seite, die Wirklichkeit bezeugte die Nichtigkeit ihrer Beschwerden. Deswegen haben die Araber auf alle ihre früheren Argumente verzichtet und gehen jetzt auf die Pointe, die Hauptsache los. Sie haben den geistigen Zustand der Welt richtig eingeschätzt. Man schert sich nicht um Memoranden, man interessiert sich nicht für sachliche Beweise. Es macht einen viel stärkeren Eindruck, wenn man mit einem maximalistischen Programm heraustritt, das für sich selbst spricht. Zuerst berührt es einen eon- Heilamtalt Dr. Hatner für Rheumatismus, Gicht, Gelenks* und Nervenkrankheiten Ischiai-Schnellkur l,Schottenring17,Tel.A-17-0-66 derbar, dann gewöhnt man sich nach und nach daran und nimmt es schließlich ernst. So war es mit dem Kommunismus, so ist es mit dem Nazismus der Fall. Es geht darum, durch ein konzentriertes Geschrei der Welt einzureden, daß hier ein neues schweres Problem entstanden ist. „Arabische Forderungen in Palästina" erwecken in jedem Engländer den Eindruck, daß am Mittelmeer eine arabische Frage entstanden ist, die so rasch als möglich gelöst werden muß. Wieder einmal sind wir Juden in die Defensive zurückgestoßen worden. Eine arabische politische Offensive hat die Morde, Brandlegungen und den Terror im Lande begleitet. Man hat sich nicht verantwortet, sondern immer nur gefordert und gedroht. Wir aber, durch die äußere Lage gezwungen, haben immer nur erklärt, protestiert, uns verteidigt. Dazu noch die „Hawlaga", die Zurückhaltung. Während die Juden auf die Brutalitäten der Araber hinwiesen, haben die arabischen Wortführer immer nur hartnäckig die drei politischen Forderungen wiederholt. Die besseren Menschen der Gesellschaft haben Sympathien für uns gezeigt. Die kalten politischen Faktoren in. London aber haben sich vorgerechnet; Man muß mit der peinlichen Situation Schluß machen. Und wenn der Weg zur Ordnung und Ruhe in Palästina durch Nachgiebigkeit gegenüber den Arabern führt, so muß man diesen Weg „zeitweise" gehen. Unter solch einem Aspekt wurde die Königliche Kommission geboren, welche die Aufgabe hat, den Arabern auf halbem Wege entgegenzukommen. Di3 Projekte, welche jetzt in englischen Regierungskreisen diskutiert werden, sind ein direkter Ausfluß der Kampagne zugunsten der „arabischen Forderungen". Die „jüdischen Forderungen", welche als Gegengewicht hätten dienen sollen, sind inzwischen von der Oberfläche verschwunden, sie haben aufgehört, ein Faktor im Kampf zu sein. Die jüdischen Forderungen, welche einmal die Unterstützung der ganzen Welt hatten, haben ihre Stärke verloren, sie sind unklar, mit allem möglichen Unkraut bewachsen, und haben damit ihre Stoßkraft eingebüßt. Wir müssen aufs neue unsere Hauptforderungen erheben und darnach trachten, für sie die Sympathien der Welt zu gewinnen, hauptsächlich Englands. Die jüdischen Forderungen müssen jetzt wieder scharf und klar klingen. Unsere Absichten in Palästina dürfen nicht verborgen gehalten werden. Sie müssen vielmehr in ihrer überzeugenden Einfachheit erscheinen. 17 Millionen heimatlose Juden, verfolgt in der ganzen Welt, wollen in ihrem alten Heimatland einen jüdischen Staat errichten. 700.000 Araber, welche einen ungeheuren Bodenschatz besitzen, sind die Störer. Die Juden verlangen freie Einwanderung für alle ihre verfolgten und zerstreuten Brüder — eine Einwanderung, für die sie selbst sorgen. Die Juden verlangen Boden für ihre Siedler — jene Millionen Dunam Boden, welche tausend Jahre lang verwahrlost daliegen. Als Landreserve für die kommenden Geschlechter gibt es in Transjordanien und im Irak gewaltige Land-« strecken, welche in den Machtbereich der Araber gelangen können, wenn diese sie einmal benötigen sollten. Die Juden anerkennen das Mandat, die Araber wollen es zunichte machen. Der Zionismus erstrebt eine Kooperation mit dem britischen Imperium und ist für einen engen Kontakt mit dem Völkerbund. Die Juden verlangen in Palästina ein europäisches und kein arabisches Regime. Die Judenfrage ist eine Weltfrage und kann nur durch die Schaffung eines Staates reguliert werden* wie dies die Absicht des Mandats war. Die Angelegenheit „palästinensische Araber" ist eine lokale Frage des Vorderen Orients; der Zionismus ist eine Weltfrage. Wir sind gekommen, Palästina zu kolonisieren, und nicht dort unter einer arabischen Atmosphäre zu leben. Darum: Kein Parlament, keine arabische Regierung, keine Begrenzung der Einwanderung, keine Beschränkung des Bodenkaufes. Das, was in den letzten Monaten geschah, ist das beste Argument gegen ein arabisches Regime. Das Judentum verlangt von der Welt, sein Problem zu lösen, und verlangt von England, seine feierlichen Verpflichtungen zu erfüllen, d. h. ein Nationalheim, das allmählich ein Judenstaat werden soll; eine große Einwanderung, um eine jüdische Mehrheit im Lande möglnu* ausländische Hausbesitzer verwalten ihre 1 WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei | Dr. MAIR PAIS H§ Wien I, rrqny.Josefi.Kal 1, Tel. R.21-5-30 5 Erstklassige Referenzen

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