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Die neue Welt · 1936-08-04 · Heft 582 (4.8.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 582 (4.8.1936)
Date
1936-08-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag, den 4« Angin! 1916 DIE NE IIb t9* Jahrgang * ***** Nr. 582 V.b.k. Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp£die par I'^ditear" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel«. Jährig Dinar 40.—; Bnmänicn monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—. vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—a Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60. vierteljährig Schweizer Francs 4.60. j Mit B bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitätsstn 8, Tel.A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag ORBIS POLEN Abfahrt: Jeden Sonntag Anmeldungen: Poin. Reisebüro „ORBIS" I. Kärntnerstrane 41, R-im-78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro l. Frledrlchstraoe 7, B.«7.soo, l. Graben 20, U-m o-ji Die Aufgaben der Kommission , Schwere Besorgnisse wegen der Einwanderung Pal cor meldet aus Jerusalem: Als Sekretär der Kgl. Kommission wird J. M. Martin vom Kolonialamt fungieren. Die Befugnisse der Kommission sind wie folgt: Feststellung der Grundursachen der im April ausgebrochenen Unruhen; Untersuchung über die Weise, in der das Palästina-Man da t durchgeführt wird, sowohl vom Standpunkt der Verpflichtungen des Mandatars gegenüber den Arabern, als. auch' vom Standpunkt seiner Verpflichtungen gegenüber den Juden; Festeilung,- ob vom Standpunkt einer richtigen Interpretierung der Vorschriften des Mandats Araber oder Juden Grund zu berechtigten Beschwerden haben über die Weise, i^dÄDi4da"s Mandat früher durchgeführt wurde oder gegenwärtig''durchgeführt wird;' und, falls :die Kommission die' Berechtigung solcher Beschwerden anerkennt, E m p f eh 1 u n g e n für deren Beseitigung ' und, die Verhinderung deren. ^Wiieder^ehr. Der "-Zeitpü'nktde'r "Abreise-der Kommission nach Palästina kann noch nicht angegeben werden; es besteht jedoch nicht die Absicht, sie ihre Arbeit'im Lahde beginnen zu lassen, bevor die Ordnung Wiederhergestellt ist. : . Was eine Sistierung der jüdischen Einwanderung für die Dauer der Arbeit der Kommission, von der die Rede' gewesen ist, anbetrifft, so könne der Kolonien-» nünis.ter. nichts zu seiner Erklärung vom 22. Juli hinzufügen, und zwar daß die Regierung keine di;e;s-. bezüglichen Beschlüsse gefaßt habe und sich durch keinerlei Gewaltakte oder Drohungen beeinflussen lassen werde. <" ' Hiezu; meldet J. T. A.« aus London: : - Gleichzeitig . mit der- Mitteilung über die Zusammensetzung der Kgl. Untersuchungskommission für Palästina in der Sitzung des Unterhauses am 29. Juli abends machte1 der 'Kolonienminister Ormsby-Gore zu der Frage einer zeitweiligen Einstellung der . jüdischen Einwanderung nach Palästina - unbestimmte und ausweichende Erklärungen. An die Erklärung des Ministers schloß 'sich eine kurze Aussprache, die ihm Gelegenheit bot, seine bei der letzten großen Palästina-Debatte gemachte Feststellung zu wiederholen, daß in der Palästina-Frage die ■ Entscheidung „rechtzeitig. nach wesentlichen. Gesichts.punk*ten und unbeeinflußt durch G'e"wäl't.t'ätig•keit', getroffen werden würden. '; Im: Verlauf der Aussprache beantwortete Ormsby- : Göre die Frage des Abg. Colonel Josiah Wedgwood, welche . Schritte in Palästina unternommen worden seien, um das, die t e"r r o r i s t 'i s c h e n Aktionen leitende Komitee . in ..Jerusalem zu unterdrücken und seine Mitglieder'^ deportieren': ' - ' -Ormsby-Gore erklärte, es sei Sache des High sCpm- ■ missioner,, im Lichte seiner Kenntnis der lokalen Verhältnisse zu entscheiden, welche Personen wegen einer mit den. gegenwärtigen.' Unruhen in Zusammenhang stehenden' Tätigkeit Beschränkungen (!) unterworfen werden sollen. Ueber den Eindruck, den die Ankündigung der Zusammensetzung der Kgl. Kommission und die Erklärungen, die .Ormsby-Gore abgegeben hat, in zionistisch e n Kreisen gemacht haben, äußerte sich der Leiter der Informationsabteilung des politischen Departements . der Exekutive der Jewish Agency, Rev. M. L. P e r 1zweig,'dahin, daß es verfrüht wäre, eine abschließende Meinung zum Ausdruck zu bringen, doch sei die Antwort, die Ormsby-Gore, in der den kritischen Punkt darstellenden Frage einer etwaigen vorübergehenden Einstellung, der Einwanderung erteilt habe, weit davon entfernt, endgültig e Beruhigung auszulösen. Vom jüdisdten Weltkongreß . Aus Genf wird gemeldet: Dr. Stephen S. Wise wird in der Eröffnungssitzung des Kongresses, präsi-' dteren, die am 8. August, 21 Uhr, im Bätiment.Elec-. toral stattfindet. Am 7. August, nachmittags, wird ejn Pr esse -Empfang für die internationale und {Jüdische Fresse yom Exekutivkomitee; veranstaltet. Berlin meldet: „Jüdisch-marxistisch Unmittelbar nach den Demonstrationen österreichischer Hakenkreuzler aüf dem Wiener Heldenplatz, wo die Olympiafeier stattfand, wurde ein amtlicher Bericht ausgegeben, der den wesentlichen Sachverhalt feststellte. Alle Zeugen der Vorfälle, darunter die Korrespondenten der ausländischen Presse, konnten die Parolen der unentwegten Gruppe hören, die sich nicht mit den lächerlichen Phrasen und Liedern der Anschlußenthusiasten begnügten, sondern in beliebter Manier der Weisheit letzten Schluß von sich gab: „Juda verrecke! Hinaus mit den Juden!" Der Abscheu vor diesem Mob — denn Oesterreicher deutschchristlicher Gesinnung und kultureller Verantwortung hatten nichts mit den Maulexzessen zu tun — brach sich allenthalben Bahn. Die Wiener Presse und die gesamte Auslandspresse verurteilten die Schändung des Olympischen Gedankens durch die Wiener Anhänger der Berliner Olympia-Arrangeure in eindeutiger Weise. Und doch nicht die g e s a m t e.. Der „Heimatschütze r", das Blatt des österreichischen Heimatschutzes, schreibt: „Die Olympiafeier wurde zum Anlaß einer politischen Kundgebung gemaqhfoVzu der die politischen Häftlinge, die vor kaum einer' Woche amnestiert worden sind, aus ganz Oesterreich nach Wien dirigiertwurden", und' schließt mit der kategorischen Feststellung: „Der österreichische Nation also z i a 1 ismu s xrii w ü r d ig. und. ü nf äh i g, fern ab in u n s erem V a t e r 1 a n d eine* Rolle zu spielen." Das „Neuigk eits-Weltblatt" erklärt: „Bagatellisiert können solche Demonstrationen nicht werden,, weil sie, sichtlich planmäßig vorbereitet, nach einheitlichem Kommando. geführt wurden." Und die „Oe. Z. am Abend" weiß zu melden:; , ■ „Insgesamt wurden im Zusammenhang mit den Pemonstrationen am Mittwochabend bei 150 Personen verhaftet, unter ihnen auch der frühere Hauptschriftleiter der- „Potz" Franz Schattenfroh, der, wie erinnerlich, schon mehrmals im Anhaltelager in Wollersdorf interniert war und bei seiner, letzten Freilassung das Gelöbnis abgelegt hatte, sich von der politischen Betätigung fernzuhalten. In der Wohnung Schattenfrohs wurde noch in der Mittwochnacht eine Hausdurchsuchung vorgenommen, bei der schwerbelastendes Material, darunter auch ein bis ins Detail ausgearbeiteter Plan für die Durchführung der Demonstration, ge« funden wurde. : - Auf Grund des Ereignisses dieser Hausdurchsuchung wurden noch, verschiedene Anhaltungen durchgeführt und bekannte nationalsozialistische Parteigänger zur Polizei überstellt, die zweifellos an der Demonstration teilgenommen haben und als Unterführer der einzelnen Gruppen fungierten, während des Verlaufes der . Demonstrationen aber nicht angehalten werden, konnten." Selbstverständlich haben die ausländischen Blätter und Nachrichtenbüros in gleichem Sinne berichtet. So die „Prager Presse": „Die Polizei hatte Weisung erhalten, nicht einzuschreiten. Erst ■ als die Demonstrationen so wild wurden, daß sie. sich gegen den Bundespräsidenten und die Regierung richteten, wurde eingeschritten." Ferner die „NeueZür c her Zeitung": „Schon vor der Ankunft der Fackeln waren,auf der Ringstraße in der Nähe des Heidenplatzes Böller abgebrannt und Papierdrachen mit dem Hakenkreuz aufgezogen worden. Die ersten eigentlichen. Demonstrationen richteten sich gegen die'Abordnung des jüdischen Sportklubs. Hakoah, der mit Pfuirufen empfangen wurde. Die Zahl der Verhaftungen wjrd mit 150 bis 200 und darüber angegeben." Gleichzeitig mit der amtlichen Meldung haben, Wie gesägt, die Wiener Blätter in schärfster Weise die rohen. Exzesse der Nationalsozialisten verurteilt, bis auf' die „Wiener Neuesten Nachrichten", welche in ihrer Ausgabe vom 31. Juli zu den Ereignissen nichts anderes zu sagen hatten, als unter dem schmeichelhaften Titel „Ablehnung in Berlin" folgendes zu,.,;veröffentlichen: „Die Kundgebungen bei der Olympiafeier haben in Berlin, wo morgen die feierliche Eröffnung der Olympischen Spiele,erfolgt, Ablehnung gefunden. Das kommt in folgender Auslassung des Deut-* sehen Nachrichtenbüros und des deutschen Rundfunks zum Ausdruck": Und jetzt kommt wohl das Groteskeste, das ein „betont nationales" Hirn ersinnen kann. Die Berliner, Ablehnung, von der die Rede ist, kommt nämlich in nachstehendem Text (ausgegeben vom Goebbelsschen Deutschen Nachrichtenbüro und vom Goebbelsschen deutschen Rundfunk) zum Ausdruck: „Während der Feierlichkeiten anläßlich des Ein-« treffens des Olympischen Feuers in Wien und nach der Feier kam es in verschiedenen Gegenden Wiens zu Demonstrationen, die schließlich in einigen Fällen die Polizei zum Einschreiten zwangen. Die Demonstrationen trügen typisch marxistischen Charakter* Zur Tarnung wurden von den Anführern der Demon* stration, die schon nach ihrem Aussehen jüdisch-?, marxistischen Kreisen angehören dürften, auch nationalsozialistische Kampfrufe ausgestoßen, zweifellos, um nationalsozialistische Teile der Bevölkerung zur Beteiligung an der Demonstration aufzureizen, ein Versuch, der, soweit -sich übersehen läßt, fehlgeschlagen ist. Von den Demonstranten wurden ferner in großer Masse marxistische. . F1 u g b 1 ä tter zur Verteilung, gebracht,, die' ein« deutig den Charakter der Zwischenfälle bewiesen." B e r 1 i-n erklärt also, ohne österreicherseits dementiert zu werden, durch den offiziellen Mund des Propagandaministers Dr. Goebbels, daß „jüdischmarxistische Kreise" die Olympiafeier durch Demonstrationen gestört und durch Tarnung die Schuld auf die lammfrommen, kreuzbraven, nur auf die Ruh« in Oesterreich , bedachten Nationalsozialisten gewälzt haben. Wer die nationalsozialistische Mentalität kennt, den wird solch eine Verdrehung der Tatsachen nicht überraschen. Was wurde im Verlauf des deutschen Hakenkreuzregimes nicht alles getan, um die eigenen Sünden anderen aufzuhalsen! Wer kennt nicht .die Greuelmanöver des Dritten Reiches! Der Versuch Oesterreichs, mit dem deutschen Nachbar in Frieden zu leben, darf uns nicht blind machen. Die österreichische Regierung hat zugegriffen.: Das Organ der Vaterländischen Front, „Wiener Stadt- Stimmen", erklärt in einer Sonderausgabe vom 31. Juli: „Der olympische Gedanke, dem wir mit dem Herzen dienen wollten, ist durch die Bubenstreiche einer unbelehrbaren Gruppe anarchistischer Austro - Nazi herabgewürdigt worden. Diese Lausbüberei, die angesichts der Regierung, der Vertreter der auswärtigen Staaten, angesichts des Ehrenmales der für das Vaterland gefallenen österreichischen Helden, angesichts der vaterländischen Bevölkerung Wiens und angesichts so vieler Fremder, die in Wiens gastlichen Mauern weilen, begangen wurde, kann und darf nicht ungesühnt bleiben.'* Eine ernste und berechtigte Forderung. Nichts* destoweniger kann auf jüdischer Seite die Besorgnis nicht unterdrückt werden, daß —- wenn schon nichts anderes — die antijüdische Hetze als letzter Rest verbleiben könnte,' zumal in diesem Belang Organe der öffentlichen Ordnung leider allzu oft mehr Zurückhaltung üben, als der Auftrag ihnen geboten - hätte. Es ist der österreichischen Ruhe nicht gedient, wenn von allen nationalsozialistischen. Kampfrufen nur noch das „Juda, verrecke!" ungehindert durch die Straßen Wiens hallt. Das ist der Punkt, den wir aus der Auseinandersetzung des deutschchristlichen Oestereich mit den Austro-Nazi herausheben. Wenn trotz Friedensschluß und Amnestie noch immer Häkenkreuzdemonstrationen vorkommen, dann müßte man doch in den kompetenten Kreisen erkennen,, wessen Geistes, die Demonstranten sind;, dann müßte X

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