Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 566 (5.6.1936)
- Date
- 1936-06-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag* den 5« Juni 1936 10* Jahrgang Nr« 566 v«. tn.fr« 185 Zeitung vom Verleger versende« „Journal expedlö par reditettr4« m' mver*tätsbibiioth R E V U HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGENi Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig ö 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich.Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich; Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.—: Deutschland monatlich Mark 1—, vierteljährig Marls 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 6.—, vlerteljährlff Lire 14.—.; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete, Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätssir. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag i*. Freitag ORBIS 5 POLEN 1 Abfahrt: 7. Juni r .. A ,n m e 1 d-u.n ,g" e n : it Reisebüro „ORBIS I. KHrntnerstraae 41, R*»:S>78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro l. Friedrichstraße 7, B.ar-soo, i. Graben 20, U-29-0-3S mammmmmmmmmmmmmmummsB^mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmM Situationshevidhi au§ Palästina Von unserem Dr. R.-Korrespöndenten! ' ' .;'.''.> i . ■ Jerusalem, Ende Mai 1936. In den allerletzten. Tagen ist ein Wandel in der Haltung der Regierung zu;verzeichnen. Sie hat sich zu: einer energischeren Politik gegenüber .den arabi-; sehen Hetzern entschlossen. Ich habe aus gut unterrichteter Quelle die Gründe dieser Aenderiung erfahren. Vor allem sind Instruktionen aus London eingetr^ffehj. welche ,,|i£tonen, ,<|ia^|^s nicht länger geduldet werden kann, daß sich das*Land'^eiterhih'im Zustand der Anarchie befinde und; das '•Frejstige der britischen Mandatsverwaltling^weiter; beeinträchtigt werde.: Ari- 'd^eraeits1 -JiaHen^ -auch-1 die^ -' führenden P o 1 i z'e if Ii'"äk^,iörn ä r e im Lande, insbesondere. der; 'Poßzeir chtef>ÄÖsfe"er.; Spy c e r, eingegriffen-; und eine Kursä d e ru n |r gefordert. Mister Spycer hat vom Hoch- .kömmis'sär'Sir" Waüchope in u-iJtima'tiver Form die; Ermächtigung, gefördert, .gegeh die arabischen Ruhö?tprer: energisch" und durchgreifend vorgehen zu dürfen, anderenfalls er genötigt wäre, seine Demission als Polizeichef zugeben.; Unter diesen Umständen hat' Sir Wauchope weitgehende Vollmachten erteilt., Auch in der Regierungsbeamtenschaft ist eine Wendung zu verzeichnen.. Die höheren Beamten, die bisher' den Standpunkt vertraten, daß man den Arabern unter allen Umständen Konzessionen machen müsse," sind nunmehr auch für schärfstes Vorgehen gegen die .Ruhestörer. Es bleibt abzuwarten, ob die Rfegierühg auf der neuen Linie bleiben wird. Die Lage im Lander ist ernst. Vor wenigen Tagen fand eine geschlossene Sitzung der Zionistischen Exekutive und der Vertreter aller zionistischen Parteien itl Jerusalem statt: Die Exekutive warnte vor allzu.großem Optimismus'. Sie, steht zwar in permanente^^ Kontakt mit Sir Wauchope und bedient sich ihm gegenüber mitunter der schroffsten Sprechweise. Die Resultate sind aber nicht immer die gewünschten. Wenn' Sir Wauchope sich zu einer Maßnahme entschließt, verzögert er ihre Durchführung, und vereitelt »dadurch den Erfolg. Das führt zu einem Anwachsen.* der'Anarchie im Lande. Der Schlüssel zur Lösungder Situation liegt' eben in London und dort werden nunmehr, die größten Anstrengungen gemacht. Einen: breiten Raum in den Beratungen nahm die wirtschaf tliche Lage ein. Ein Vertreter der allgemeinen Zionisten, Herr Suprans k y, berichtete über die- Rückwirkungen des arabischen Streiks auf die,jüdische Wirtschaft.. Die arabische Kundschaft verweigert unter allen möglichen Vorwänden die Begleichung ihrer Verpflichtungen an die jüdische Industrie, die ihrerseits,ihre, Verpflichtungen erfüllen mjuß. Man darf die jüdische Industrie in diesen schweren Tagen nicht' ihrem Schicksal überlassen. Ferner wurde auf die ungeheure Belastung der jüdischen Wirtschaft durch die jüdischen F.l ü\ch 11 i n g e ■ hingewiesen. Es wurde vorgesehlagen, von der Regierung die Deckung der durch dfe Unruhen verursachten Schäden und die Versorgung der jüdischen Flüchtlinge zu verlangen. Dem- IPersertepplche zu staunend billigen Nachsaisonpreisen Herrliche Qualitätsware zu jedem annehmbaren Preist PERSER- UND ORIENTTEPPICHE e.r.kanzah Ii PARKRING 12 llngans Weihburggass« Gar 4e nbau*0 &}e kt« l Was die Organisation verlangt Am 21. Mal ist in Genf die ordentliche Tagung der Ständigen Mandatskommission beim Völkerbund eröffnet worden. Dieser Mandatskommission, bzw. dem Generalsekretär des Völkerbundes hat die Zionistische Exekutive ein Memorandum übereicht, das einen genauen Bericht über die Lage und Entwicklung des Jüdischen Nationalheims für das Jahr 1935 darstellt. Dem Memorandum liegt ein vom 30. April datiertes Begleitschreiben, des Präsidenten Dr. Chaim Weizmann an den .Oberkommissär für Palästina bei. Das Schreiben nimmt in seinem letzten Teil bereits auf die gegenwärtigen Unruhen in Palästina Bezug und stellt im wesentlichen die Wünsche der Zionistischen Organisation in bezug auf einen ungestörten Aufbau eine» jüdischen Palästina dar, wobei es ernste Verwahrung gegen eine diesem Aufbau schädliche Politik einlegt. Das Schreiben beschäftigt sich zunächst mit der Lage der Landwirtschaft, Industrie, Einwanderung, des Kapitals und den Wirkungen des italienisch-abessinischen Konflikts. Es wird Gewicht auf eine gesunde Proportion zwischen Arbeiterbedarf und Zertifikatenzuweisung gelegt und vorgeschlagen, daß die strenge Reglementierung für die Zulassung von Angehörigen aufgehoben-werde. Die durch jüdische Anstrengungen in Palästina -geschaffenen ,. » ft-cagen ^ic 3hien attr^t: s*i mieten» und ffllafenlefben Sauetfirunn Möglichkeiten zur Aufnahme, einer größtmöglichen Uahl jüdischer Einwanderer müßten unbedingt ausgenützt werden. Es wäre wünschens w.er.ti das * Problem; ider illegalen -EmwahdereY.durch Legans ",' ■ ■■ .: .' '( . ■■ r- - P. , •r*p,1kf.t.i .. ,v., I>a$ ParFanaent wird äbqe!clah(v Das Begleitschreiben weist-:auf die Ankündigung des Plans der Sohaffurig eines Le-gi.s 1 ative Gouncil (Parlament) am 24. Dezember 1935 und-auf :die Erklärung der jüdischen Vertreter hin, . ■; daß sie. nicht imstande seien, sich an. dem geplanten Council zu beteiligen, da die Unverletzlichkeit der gegenüber erklärte der Arbeiterführer Berl L ocker, daß die Lösung in der Erhöhung der Beiträge de*, jüdischen Volkes der ganzen Welt für die zionistischen Fonds zu finden sei. Seine diesbezüglichen Anträge fanden bei den Versammelten keine Unterstützung. Der Misrachist Rabbi Berlin vertrat den Standpunkt, man müsse eine Annäherung an die Revisio- An Sonntagen - Sonderfahrten mit 11 FRÜHC0PQL" nach POLEN und Czernowitz Nächste Abfahrt: 7. Juni, Rückfahrt: 7. Juli „Francopol", III, Schwarzenbergplatz 7, Tel.U-16-4-90 „Ceclok", I. Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 Gerngroß, VII, Mariahilferstraße 42, Tel. B-38-2-68 nisten ■ und an die Agudah Jisroel suchen und berief sich darauf, daß auch Präsident Weizmann diesen Standpunkt vertrete. Auch die für den 23. Juni nach Jerusalem einberufene A. C.-Sitzung bildete einen Gegenstand der Diskussion. Vertreter des Misrachl und der Allgemeinen Zionisten forderten die Verlegung nach London, weil jetzt dort der politische Schwerpunkt liege. Demgegenüber machte die Exekutive und vor allem Herr Ussischkin, der Präsident des A. C, geltend, daß in dieser schweren Zeit' es unmöglich sei, die führenden Persönlichkeiten von Palästina abzuziehen. Es verdient bemerkt zu werden, daß auf der Sitzung auch das Problem der durch Nichtzionisten erweiterten Jewish Agency besprochen wurde. Der Sprecher der Exekutive Ben Gurion mußte zugeben, daß die gegen den Willen der Judenstaatler vorgenommene Einbeziehung nichtnationaler und nichtzionistischer Juden in die Leitung der Zionistischen Arbeit ein Fiasko geworden ist. Sie hat die Beziehung zwischen Nichtzionisten und Zionisten nicht verbessert, sondern verschlechtert. Die Nichtzionisten, insbesondere die amerikanischen und englischen, verlangen immer mehr Einfluß in der Jewish Agency, andererseits fallen sie in schwerster Zeit den Zionisten politisch in den Rücken und sind nicht geneigt, auch nun. die. minimalsten finanziellen 'Eky/Mimgw m swßita, Mandatsbestimmungen nicht hinreichend gewährleistet sei. Die positive Mandatsverpflidifung In dem folgenden Abschnitt wird Einspruch gegen das am 29. Jänner 1936 angekündigte Gesetz zur Einschränkung des freien Boden verkauf js erhoben. Die Jewish Agency habe darauf hingewiesen,, daß eine solche Maßnahme dem Mandat und dem Ma>c- Donald-Brief widersprechen würde. ImVGegensata zu Artikel 6 des Mandats, der die Palästina-Regierung zun Förderung geschlossener Absiedlung von Juden auf dem La.nde verpflichtet, enthalte die Erklärung ~ des High,; Commissioner keinerlei. Ankündigung positiver Schritte für die Förderung jüdischer' Kolonisation, sondern nur die einern-e g a t i v e n Maßnahme gegen den Erwerb von -Boden.durch Juden. Im MacDonald-Briet -sei--jene Verpflichtung als •„ppsitive^Mandatsyerpf 1 ichtung" bezeichnet worden. . :.. '' Landwirtschaft, Zollsystem/ öffentliche '""Arbeiten Das Schreiben verlangt die Inangriffnahme einer positiven LandentwicklungspoIi11 k■;;"'hauptsächlich durch Freigabe von Staätsländereien für "jüdische Kolonisation, welche bisher nur Sümpfe und Sahddunen, aber keine landschaftlichen Böden erhielt. Bezüglich der Hule-Konzession, die zu einem sehrhohen Preis erworben worden sei, werde erwartet, daß die Palästina- Begierung zur erfolgreichen Durchführung dieses Projektes beitragen und eine Revision der Bodehgesetzgebung in die Wege leiten werde. In den weiteren Abschnitten wird eine Aenderung des palästinensischen Zollsystems verlangt^ damit mehr Arbeiter in die" Industrie eingestellt werden und dem Dumping erfolgreich begegnet werden könne. Die Zionistische Organisation erwartet erhöhte Beihilfe für das jüdische Erziehungs- und Gesundheit s w e s e n. Die Beteiligung jüdischer Arbeiter an öffentlichen Arbeiten war-im Berichtsjahr unbedeutend. Unter den Eisenbahnangestellten gibt es nur 8 Prozent Juden; im staatlichen Hafendienst ist der Anteil der jüdischen Arbeiter gleich Null. Es wird vorgeschlagen, die Zahl der jüdischen Angestellten in allen diesen Dienstzweigen auf mindestens ein Drittel der Gesamtheit zu erhöhen. Dasselbe solle bei der Polizei geschehen, bei der die Zahl der jüdischen Beamten zwar in letzter Zeit vermehrt wurde, aber noch immer hinter dem Prozentsatz der Juden an der Gesamtbevölkerung wesentlich zurückbleibt. Regi'erungsäntter für Tel'Avw Im Anschluß an diese Ausführungen wird auf die Zurücksetzung der Stadt Tel-Aviv bei der Beistellung von administrativen Einrichtungen hingewiesen. Die jüdische Bevölkerung von Tel-Aviv und der benachbarten jüdischen Kolonien muß zu jeder Amtshandlung im Dlstriktsbüro, im Kreisgericht, im Kataster, im Steueramt, im Einwanderungsamt, im Lizenzamt usw. nach Jaffa kommen. Es wird darum auf die dringende Notwendigkeit aufmerksam gemacht, solche Aemter in Tel-Aviv zu Reisedienst nach Polen billig und bequem wie immer. Nächste Reisen: 7« u. 27. Juni 1936 FERIEN - RilSEN ab 9. Juli. Besondere IfMabaaa Gelegenheit: am 14. Juni nach RrCfKClII tour-retour, mit Visum, S 5S.— Auskünfte: Dr.S.TOCKER, Reisebüro „In die Welt" (W.M.Renner) IX, UechtenstQinstrane 2 Telephon a»14-S04