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Die neue Welt · 1936-05-22 · Heft 563 (22.5.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 563 (22.5.1936)
Date
1936-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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rVr. 563 vom 22. Mai 1936 me mtm WELT Ssite 5 Zssstt Tode Nahum Sokolow* Wie wir in der vorigen Nummer meldeten, Ist Nahum Sokolow am Sonntag, den 17. Mal, in seiner Londoner Wohnung an Hersschlag verstorben. Sein Abgeben hat sieh wieein Lauffeuer durch die Londoner jüdische Gesellschaft verbreitet und Uberall liefe. Trauer gnveckt. Obwohl Sokolow kurz vor Vollendung seine« 75. Lebensjahres stand, glaubte, man an seine pn^ftlanh« Zähigkeit und erhofft* noch viel von seiner geistigen Frische und seinem Tätigkeitsdrang für die zionistische Bewegung, das jüdische soziale Hilfswerk und dio hebräische Wissenschaft und Publizistik, Gebiete, auf denen Sokolow arit Jahrzehnten unermüdlich tätig war und Schöpferisches geleistet hat. Entsprechend seinen hohen moralischen, geistigen und Fuhrerqualitäten bekleidete Nahum Sokolow die höchsten Ehrenstellen in der Zionistischen Weltorganisation snw5c im internationalen jüdischen sozialen und politischen Leben. Bereits 1905 war er Generalsekretär der Zionistischen Organisation unter der Präsidentschaft David Wolffsohns, später Präsident einer großen Reihe Zionistischer Kongresse, gleichzeitig Präsident der Zionistischen Wcltexckutivc; die Zionistischen Kongresse in Basel (1931) und Prag (1933) wählten ihn für je zwei Jahre zum Präsident«» der Zionistischen Weltorganisation. Als Mitbegründer des Comlto des Delegat ions Juives, welches das Minderheiten recht für die Juden in mehreren Ländern erkämpfte, fungierte Sokolow mehrere Jahre als Präsident dieses Comite. ALURE U.BMHTE vorrätig und nach Maß RUDOLF GOLDSTEIN, 81, Taborstr. 54 ZIVIL- UND UNIFORMSCHHEIDER Versand nach allen Ländern! Nahum Sokolow wurde 1861 in Wyszogrod bei Plock (Polen) als Kind einer in hohem Ansehen stehenden Familie geboren. Er stammte vom berühmten Gaou Rabbi Nathan Schaplro aus Krakau ab. Mit drei Jahren lernte Sokolow hebräisch lesen und schreiben, mit elf Jahren kannte er den Talmud und die nachtalmudische religiöse Literatur und hatte den Ruf eines „W u nd e r k i n d e s". Sein Vater wollte ihn zum Rabbiner ausbilden, doch setzten es einige jüdische Persönlichkeiten und auch der christliche Gouverneur von Plock, Baron Wränge 1, die zu den Bewunderem des Knaben gehörten, durch, daß er auch eine weltliche Ausbildung erhalte. Mit 18 Jahren heiratete er, widmete sich aber fünf weitere Jahre ausschließlich dem Studium der jüdischen Literatur und der Weltliteratur. Einen Ruf, als Prediger nach Lemberg zu gehen, lehnte er ab. Kurze Zeit bekleidete er den Posten eines Sekretärs beim spanischen Konsulat, später widmete er sich dem Handel und unternahm weite Reisen durch Rußland und das Ausland. Im Jahre 1884 kam er nach Warschau und trat in die Redaktion der von Slouymski begründeten hebräischen Tageszeitung „Hazcfira" ein, deren Leitung er kurz darauf ganz übernahm. Sokolow wurde hier der eigentliche Begründcr ilcr modernen hebräischen Journa- Ii s 11 k. Sokolow wurde zum Erzieher einer neuen hebräischen Schriftsteller- und Journalisten-Generation. Neben seiner Arbeit in „Hazefira" veröffentlichte Sokolow eine unübersehbare Reihe von Abhandlungen und Aufsätzen in hebräischer, jiddischer, russischer, englischer, französischer und deutscher Sprache, arbeitete auch an vielen nichtjüdischen Zeitschriften in fast sämtlichen europäischen Sprachen mit. Der zionistischen Bewegung schloß sich Sokolow nach dem I. Ziouistenkongreß an. Mit Theodor Herzl verband ihn <iefe Freundschaft. Berühmt wurden seine Feuilletons über Herzls Krankenlager und Tod. Im Jahre 1S05 Wurde Sokolow Generalsekretär der Zionistischen Organisation mit dem Sitz in Köln und redigierte dort das in deutscher Sprache erscheinende zionistische Zentralorgan „Die Welt" sowie das von ihm begründete hebräische Zentralorgan der Zionistischen Organisation „H a o 1 a m". Während des Weltkrieges übersiedelte Sokolow von Berlin nach London, wo er an der Erlangung der Balfour- Deklaration mitarbeitete. Seit dieser Zeit Ist er an allen politischen Aktionen des Zionismus führend beteiligt gcwesen. Sokolow hat ferner zu wiederholten Malen Verhandlungen mit dem Vatikan geführt und wurde 1917 von Pa^st Benedikt XV. empfangen, dem er die Ziele der lür Gelegenheitskäufe Wien Villi Sladtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 zionistischen Bewegung auseinandersetzte. Auf der Londoner Jahreskonferenz 1920 und auf den ihr folgenden Zionislenkougressen wurde' Sokolow zum Präsidenten der Zionistischen Exekutive, bei der Gründung der erweiterten Jowish Ageney (1929) auch in deren Exekutive gewählt. Von 1921 bis 1931 war Sokolow Präsident aller Zionistenkongresse. Neben seiner polltischen und journalistischen Tätigkeit entfaltete Sokolow auch eine ausgedehnt o literarischwissenschaftliche Tätigkeit. Er schrieb unter anderem: „Sin'at olam leam olam" (eine Geschichte des Antisemitismus), „Ercz chemda" (eine Geographie Palästinas), „Baruch Spinoza usemanno", gab eine Reihe Jahrbücher heraus, veröffentlichte 1918 eine zweibändige „Geschichte dos Zionismus" in englischer und in deutscher Snrache. Bis an sein Lebensende arbeitete Sokolow an einem enzyklopädischen Wörterbuch der hebräischen Sprache, das außerordentlich umfassend werden sollte. Nahum Sokolow genoß wl« nur ganz wenige jüdische Führer die Verehrung der breiten jüdischen VolUsmassen, deren Sprache und Seele er verstand. Jüdischer Weltkongreß und Kommunisten Aus Paris wird der „Neuen Welt" berichtet: Vorige Woche fand in Paria die erste Parteienkonferenz in Angelegenheit des Jüdischen Woltkongres« s e s statt. Alle Gruppen waren vertreten, auch die j ü d isehen Kommunisten hatten Delegierte, entsendet. Bemerkenswert war die Stellungnahme des kommunistischen Sprechers. Er forderte von der Konterenz, beim amerikanisch-jüdischen. Kongreß dahin zu wirken, daß der in Amerika gefaßte Beschluß, die jüdischen Kommunisten nicht zum Weltkongreß zuzulassen, aufgehoben werde. Ferner forderte er, daß auf dem Jüdischen Weltkongreß da« Palästina-Problem nicht behandelt werde. Ihm antwortete Advokat Franc kl, Präsident der französischen Judenstaatspartei. Franckl erklärte, daß man die jüdisöhen Kommunisten nicht zum Jüdischen Weltkongreß zulassen könne, weil sie einer Partei angehören, welche das Bekenntnis zum nationalen und religiösen Judentum verbietet und bestraft und jede freie Meinungsäußerung unterdrückt. Hingegen sei er dafür, daß man jene Juden aus Rußland zulasse, welche wegen ihres Eintretens für den Zionismus, die hebräische Sprache usw. verfolgt werden. Er fragte die Kommunisten, ob sie dafür bürgen könnten, daß in Sowjetrußland demokratische Wahlen zum Jüdischen Weltkongreß möglich seien. Dann trat Franckl der Forderung nach Ausschaltung Palästinas aus den Verhandlungen de3 Kongresses energisch entgegen. Die Galuth und Palästina sind ein untrennbares Ganzes. Die überwiegende Mehrheit der Konferenz pflichtete den Ausführungen Franckls bei. Judenstaatspartei in Frankreich Die Judenstaatspartei veranstaltete in Paris und in vielen Provinzorten Protestversammlungen anläßlich der Ereignisse in Palästina. Als Redner traten auf: Advokat Franckl, Frau Dr. Ginsbourg, Worce 1 u. a. Alle Versammlungen waren sehr gilt besucht, viele Versammlungsteilnehmer traten der Judenstaatspartei bei und in einigen Provinzorten wurden Judenstaatsorgani sationen geschaffen. 6|>eifereffe jtnifdjett bett Sutten ftnb oft bie Urfadje übten 9J2unbgerud)ö; biet ärger ift eS, toenu bic ©betferefte in göutntS übersehe«. (2& ottbet fid) bann SRifcpure, bie ben foftßarert ßafjnfämelj jerftött Stamm abends als Letztes bor bem ©(fjlofenge^en bie ©peiferefte au3 ben ßa^nälöija^entäumen butd) grünbtidje Reinigung mit (^torobont-galjnhafie entfernen. Morgens als Erstes bie Söljnc mit (Sfjlorobont-ßafyttpafte pufcett, bereu föfttidjer $fefferintn§gefdjmad; notfj lange nadj bem ©ebraud) ein ®efü!)l ber $rtfdje unb (Sauberfeit im DDZuitbe fjtnterlä&t. (Sfjlorobont, [djfiuntenb ober mdjtfch^umenb,.betbe Dualitäten ftnb gleid) gut. £ube S —.90. Defierreidjifc^eS (S^eugniä. 3 Spritzer Chlorodont-Mundwasser in das Mundspülglas erhöhen die erfrischende Wirkung der regelmäßigen Zahn- und Mundpflege mit Chlorodont. Eine „Würdigung" Siegmund Freiids Wir erhalten folgende Zuschrift: „In der von Herrn Professor Dr. Lugmayer herausgegebenen Zeitschrift „Die Pause" (Kultur,- Kunst, Bildung, Leben) findet sich eine „Wiirdiguug" der Gestalt S i e g m u ti d Freuds aus der Feder des Herrn Universitätsprofessors Dr. Johann Sauter. Der unglaublich gehässige Aufsatz beginnt mit den charakteristischen Worten: ,Die Psychoanalyse ist eine Variation über das Thema, wie man eine Generation an der Nase herumführt.' In welcher Absicht der Aufsatz geschrieben 'wurde, ergibt sich aus folgendem, recht an den Haaren herbeigezogenem Zitat: .Freud erzählt ein Ereignis aus seiner Kindheit, wie angeblich ein Chi'ist seinem Vater die Mütze vom Kopf geschlagen Und dabei gerufen habe: Jud, heruuter vom Trottoir! und wie ferner der Antisemitismus seiner Mitschüler ihm auf die Nerven gegangen, und er daraufhin den Schwur des Hanriibal, an seinen Gegnern Rache zu nehmen, in sich wiederholt habe.' Es scheint demnach Herr Sauter allen Ernstes der Meinung zu sein, daß die Psychoanalyse die Rache der verruchten Juden an den braven bodenständigen Christen darstelle. Man mag zur Psychoanalyse stehen wie man will und manche ihrer Thesen ablehnen, aber unzweifelhaft ist, daß ihr genialer Schöpfer durch seine Leistimg die psychologische. Wissenschaft, und darüber hinaus alle Geisteswissenschaften befruchtet und bereichert hat, wie wenige vor ihm. Es steht dem Herrn Professor Sauter wahrlich nicht zu, in so häßlicher und verständnisloser Art das Lebenswerk und damit die menschliche Wesenheit des großen und vornehmen Mannes zu verunglimpfen, dessen achtzigsten Geburtstag jetzt die Welt wahrer Kultur bewundernd feiert, und der wohl mehr zum Ruhme seines Vaterlandes Oesterreich beigetragen hat als der Forscher Sauter. Daß dieser wörtlich erklärt, die Psychoanalyse sei .doch nur eine wissenschaftlich aufgetakelte Pornographie', kennzeichnet ein menschliches und geistiges Niveau, das bei einem Universitätsprofessor verwunderlich ist. Dr. —r —r. A n m. der Red. Die Sache ist doch nicht gar so verwunderlich. Die Majorität, der deutschen Wissenschaftler Ist eben mit Hitler „gleichgeschaltet" und daher hereit, jedes antisemitische Märchen wissenschaftlich zu erhärten. Also auch das Märchen von der jüdischen Wissenschaft, die nur den Zweck hat, die Nichtjuden zu verseuchen. Aus dem Vollen schöpfen Sie jetzt wenn Sie rasch zu* greifen. Herrliche, Original Schlaggenwalder Service, r. B. 40teilige ab S 45.— kauft man ab heute bei Haas & Czizek, Kärntnerstraße 5 in der Schwemme. Hausfrauen erzählen Wunderdinge von dort. Kommen Siel Eintritt frei! BPRAIDtft'V.Ö.*. L Selbstbeherrschung der Juden Aus London: In einer Zuschrift an die „Times" fordert Mrs. Dugdale, die Nichte Lord Balfours, die Regierung auf, ihre Anerkennung für die Selbstbeherrschung der Juden angesichts der Provokationen der Araber zum Ausdruck zu bringen. Mrs. Dugdale führt Beispiele für diese Selbsbeherrschung an, die sie in Palästina während der ersten zwei Wochen der Unruhen beobachten konnte. Sie habe gesehen, wie Juden ihr Bestes taten, um freundnachbarliche Beziehungen mit gutgesinnten Arabern zu fördern. Wenn die Regierung In Palästina und England es verabsäumen sollte, zu zeigen, daß sie diese jüdische Selbstbeherrschung und den Gehorsam gegenüber den Gesetzen zu würdigen weiß, dann könnte dies da'zu führen, daß auch die Juden die Geduld verlieren und gleich den Arabern daa Recht in die eigene Hand nehmen. Das Kreisgericht in Radom verurteilte den 21jährigen Jan Pienjacki zu 12, den 20jährigen Kazymiersz Madeja zu 10 Jahren Kerker; beide hatten am 30. Dezember 1935 einige Mitglieder der jüdischen Familie Florenz im Dorf Wola-Kuraszowa barbarisch abgeschlachtet. Die.38jährige Frau Mirjam Florenz, ihre 12jährige Tochter' Malka und ihr lOjähriger Sohn, Motel erlagen den Wunden, während der 6jährige Israel eine Gehirnerschütterung erlitt und zeitlebens ein Geisteskrüppel bleiben wird. Die Familie Florenz war die einzige jüdische im Dorf. Der Verteidiger der Angeklagten wies darauf hin, daß die Mörder nicht aus habgierigen Motiven handelten, sondern daß sie durch die Atmosphäre des Rassenhasses, die aus Deutschland nach Polen übergreift/ vergiftet waren. * In Wlaclawek wurden Mitglieder des jüdischen „Bund" von Huligans überfallen, sie setzten sich zur Wehr und verletzten einige Huligans. Tags darauf wurden fünf jüdische junge Leute als angeblich an den Geschehnissen beteiligt verhaftet. * Das Lodzer Kreis g er icht hat ein auf je sieben Tage Gefängnis lautendes Urteil gegen vier Nationaldemokraten, die Plakate „Tod den Juden!" an die Wände klebten, annulliert und die Angeklagten freigesprochen, weil die Plakate „keine Gewalttaten im Gefolge hatten". Neue Städtebauordnung Aus Jerusalem: Unter Aufhebung der bisherigen aus den Jahren '1921 bis 1929 stammenden Vorschriften über die Städtebauordnung hat die Palästina- Regierung eine neue Town Flanning Ordinance 1936 erlassen, die die Grundsätze des Städtebauwesens für ganz Palästina regelt! iSSSL Gebfrssklitderhelni Konradssut 13S0 m, AIPEN-MIICN, AIP6N-BUTTSR, erstklassige Verpflegung. Besondere Berücksichtigung schlecht essender Kinder, Heimarzt, Spiel. Sport, Gymnastik, Ferialunterrieht. Französisch. Englisch. Hebräisch. Auskünfte und Pröspekte: SCHULERHEIM STADTPARK, III, Hansalgasse 6. Tel. B-54-9-86, Dr. E. ALDOR. XVII, Goldscheidgasse 6, Telephon B-40-3-63 Verband de* Judensf aatszioiusten Sektion P rat er, II., Eriafstraße 5. Donnerstag, den 28. d., ¥-9 Uhr abends, Sokolow-Gedenkfeier. Gedenkrede: Prof. Dr. Armand Kaminka. Kantorale Funktion: Kantor Josef Feuer. Sektion IX/XVIII, Semper Straße 19. Montag, den 25. d., >£9 Uhr abends, wichtige Vertrauensmännersitzung. Erscheinen Pflicht. Sektion X, Herndlgassc 2 3. Donnerstag, eleu 28. d., H9 Uhr ahends, Vortragsabend. Thema: Die Unruhen in Palästina. — Ihre wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen. Redner: Dr. Sal. Wolf. Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32. Sonntag, den 24. d., 7 Uhr abends, Heimabend. Bs wirken mit: Lilly Halpern, Adolf Schloßbeutel, Karl Schönberg und Max Wachsmann. Judenstaatsjugend. Sonntag, den 24. d-, Wanderung. Treffpunkt: 10 Uhr vorm., Mauer. Hechalüz Haleumi. 16. Sammlung durch Frau Ida Ryfcziz im Altersheim des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft zugunsten des Chaluz Haleumi S 33.—. Allen Spendern herzlichsten Dank. Da« Sekretariat .der Judenstaatszionbten befindet sich während der Ferienmonate in der Werdertorgasse 13 (nicht 14), Tür 4 (Telephon TJ-28-8-S1). Aints$tun4«r n u r in der Zeit von 19 bis?A Uhr. 1

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