Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 542 (3.3.1936)
- Date
- 1936-03-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 542 vom 3. März 1934 i N i-! V 1 f t i ■ j*! Ii!' $!' : *! •I < f Ckeiauu >6ei Sc&ifpHuxtm v'i--'^illN vl-jj ' . ' Ä PREISE ERHÖHEN DIE KAUF# titte Mofa häi Pete* Von StUotet* AleeUet* (Geschrieben 1915.) Vor Jahren zu Pessach war es. Nach einer schweren Müdigkeit und Erschlaffung und nach einer langen Kur in den warmen Ländern kam ich nach Warschau. Eine Menge Freunde und guter Freunde erwarteten mich ani Bahnhof, und unter ihnen befanden sich Perez und Dinesohn. Wer Perez kannte, konnte sich ihn ohne Dinesohn nicht vorstellen. Eine rührende Kameradschaft! Ein sonderbar inniges Verhältnis! Und' nicht, seit gestern und vorgestern. Schon vor 28 Jahren, als ich gerade daran ging, mein erstes Jahrbuch ,,Die''jüdisch'e Volksbibliothek" herauszugeben und Perez mir seine Ballade ,',Munisch" zusandte, kam unmittelbar nach Perez' Brief ein Schreiben aus Warschau, von Dinesohn, wo er sich nach dem „aufgehenden Stern" erkundigt.; und als. ich ihm antwortete, daß ich von der "Ballade entzückt sei und mir der Autor als.' großes'Täient erscheine, gab es auf der Welt keinen glücklicheren Menschen als Dinesohn. Dinesohn, nicht Perez, schickte mir nachher einen ganzen Band kleiner Erzählungen von Ji L. Perez, wovon es leicht war, Stücke herauszusuchen und abzudrucken, wie „Der Chelmer Melamed", „Venus und Sulamith" und ähnliche. Von. damals an ging alles, was Perez „auswarf'', (ich werde später sagen, weshalb ich das Wort' „auswerfen" benutze), durch Dinesohns Hand. Daß Dinesohn sein Fmlanzjsekf^tär w;ar — davon braucht nicht gesprochen zu Werden, dehn in Geldsachen war Perez laut Dinesohns Meinung: ärger als ein Kind, ein Kind, das einer Mutter bedarf. Und in Dinesohn hatte Perez eine Mutter gefunden, eine treue, ergebene Mutter, die bereit war, sich für ihn jeden Augenblick zu opfern. Gott. möge euch hüten, etwas Schlechtes über Perez in Dinesohns Anwesenheit zu sagen! Und nicht nur sagen — schlecht .über Perez denken, hieß schon eine Beleidigung, eine Herabsetzung. Die Warschauer rissen Witze über ihn, und da Dinesohn wußte, daß Spaßmacher Witze reißen, machte er sich nichts daraus: „Sie sind ja darum Spaßmacher, um Witze zu reißen." Er machte seine Sache mit heiligem Ernst, ließ kein Stäubchen auf. Perez fallen. Und wenn er bei irgend jemand etwas Schönes fand, und wenn man ihm irgend eine gute Sache erzählte, erinnerte er sich gleich, daß es bei Perez noch viel schöner und besser sei. Es ging so weit, daß, während Perez sich mit etwas Neuem beschäftigte, man dies auf Dinesohns Gesicht lesen korinte, und wenn Perez dies Neue niedergeschrieben hatte, blinkte Dinesohns Gesicht wie die Sonne... Wer Perez persönlich gekannt hat, weiß, daß er weit von Sentiments entfernt war, das getreue Gegenteil von Dinesohn, der eine. Mutter zu allen Schriftstellern, den älteren und den jüngeren, war. Perez war zeitweilig kalt wie Eis, streng wie ein Rabbi und schneidend wie ein Messer. „Stiefel putzen" mit solchen Worten konnte er einen Verseschmied abweisen, der mit einem „Band Poesie" zu ihm gekommen war, so daß. jener nicht wußte, die Türe zu finden. Und andererseits wieder — wenn er herausfand, daß jemand Talent habe, hob er ihn bis zum Himmel und ließ durch Dinesohn die Kuride verbreiten, daß im jüdischen Lager ein neuer Shakespeare, ein neuer Prophet, ein Messias geboren sei! Ich glaube, mich nicht zu irren, daß das erste Werk, das Sctfalom Asch schrieb, an Perez' Augen vorbeiging und: daß Perez der erste war, der auf ' Schalem Asch sagte, er sei — Schalom Asch... Ich kannte Perez schon, vfole Jähre, aber ich habe ihn nie so frisch und blühend und aufgeräumt gesehen wie damals Pessach, während der Woche, die wir zusammen verlebten. Wie wenn ihm sein H$rz gesagt hätte, daß es unser letztes Beisammensein'sei, drängte er sich mit tiefer Wärme an mich, bewies" (besondere Teilnahme an mir und enthüllte vor mir /sein Herz, die heiligsten Winkel seiner Seele, sprach von neuen. Plänen Was mich überraschte, war «die Gleichgültigkeit, mit der er meine Kritik über seine 'mystischen* Poeme der letzten Zeit anhörte. Ich sagte ihm aufrich- Unsere 48 Schaufenster sagen Ihnen, warum Zehntausende nur bei Schiffmannn kaufen! Seiden-Schlager: K.-Seiden-Duchesse mit Damastbordüre, 4 nf* schweres Mantel-Futter, 85 cm . . . 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Perez haßte die Art eines Mendale: weijin dieser etwas schrieb, zog er sich damit herum, feilte und putzte es vielemal, bevor er es aus der Hand gab, und wenn er es aus der Hand gab, zitterte er darüber! wie über ein teures Kind, beschaute es, suchte Fehler* glättete es noch einmal —. so produzierte der Sejde- Mendale, der Großvater der jiddischen Literatur, urjd so arbeiten einige seiner Enkel ... Aber nicht Perez. Mit ungeheurer Schnelligkeit, wenn ihn der heilige Schaffensgeist überkam, warf er eine Novelle nach der anderen, aus, und zuerst wurden sie selbstverständlich von Jakob.Dinesohn durchgelesen, und Jakob Dinesohn fand, daß so etwas noch nicht dagewesen sei. . Unbeschadet dessen, daß ich mich so unfeierlich, über seinen Liebling, die „Goldene Kette", äußerte,, gestand mir Perez ganz offen, daß er sie für seine beste Arbet halte und daß er, mir und Dinesphn zum Aerger, das Werk noch einmal umarbeiten werde, bis es blitzblank und ohne Fehl sei. Und plötzlich kam-er auf mich und meine Arbeit "mit solcher Wärme und Teilnahme zu sprechen, als wenn er von seinen eigenen Schriften erzählt hätte, und sprach mit solcher Freude über meinen Erfolg, als wenn es sich um seinen eigenen gehandelt hätte ... Hier ein Brief von Perez, aus welchem zu ersehen ist, wie ein Schriftsteller sich für die Werke eines anderen interessiert und wünscht, daß dessen Schriften so schön ausgestattet als möglich erscheinen mögen. (Es handelte sich um eine illustrierte Ausgabe . meiner Schriften.) „Lieber Scholem Alechem, -., . ich habe gehört, daß Sie Ihre Sachen illustriert herausgeben wollen und daß man Ihnen den jungen Kratke für die Arbeit proponiert. Und zulieb dem Umstand, daß ich Ihre Sachen sehr gerne illustriert ' sehen, möchte und an das Talent des jungen Kratke glaube, empfehle und rate ich Ihnen, mit Kratke abzü« schließen. Ihr J. L. Perez." .' Man darf nicht vergessen, daß von Perez . selbst damals zwölf Bände seiner Werke vorlagen, und den-' noch freute es ihn, den Erfolg der Schriften seines Freundes zu sehen, und er wünschte mit ganzem, Herzen, daß der Erfolg noch größer sei, und hat^e keinerlei Angst vor Konkurrenz... „Dein Erfolg-ist unser aller Stolz", sagte er zu mir in einer Minute seelischen Ueberströmens. r ... Soeben erschienen: Erstes Märzheft „pje Natipnf4 (Jüdische Revue). Aus dem Inhalt: Bolschewismus und Nationalsozialismus;. Trumpeidor und wir. Palästinensischer Volkswirt. Bei Kolporteuren und durch die Adm., I., Biberstraße 17, erhältlich. Jüdisch-akademischer Juristenverein.. Dienstag, am 3. März 1936, im Zentralheim der „Judäa'V tSZ.,.' Alserstraße 26, Generalversammlung des Jüdjsch.akademischen Juristenvereines. Beginn y,fi Uhr (pünktlich!). Um %9 Uhr Dr. Karl Ettinger über „Di e Beruf.«wähl des jüdischen Jurist e n". Gäste wiUköinmen! v Austritte aus dem Judentum . •.• Pollak Sigmund,. Hotel angestellter, geb. 7. Mai 1883 in Wien, verheiratet, III., Obere Weißgärberstraße Nr. 16. — Pollak geb. Westfried Gisela, geb. 2. Februar 1889 in Proßnitz, verheiratet, III., Obere Weißgärberstraße 16. — Brandweiner Ruth, geb., 10. AugUflt 1918 Jij ( Wien, ledig, XVI., Klausgasse .23/6. — Ehre. Emilie, geb. 13. Mjirz 1902 in Wien, verheiratet,' XVI., R.pmergasse 8tf<, ~ Holz Olga, geb. 10. April 1899. in Wien,. Steie.rmarK»"\ altkatholisch übergetreten. —, Kaldor Ernö.; (Emst),' geb. 20. Juni 1900 in Wien, röhmisch-Hathplisch üb^*.. „getreten. — Lustig Rita, Modistingehilftn, geb. 28. Jän-»' aer 1918 in Wien, ledig, II., Schüttelstraße 75.: -— Danzlg geb. GÖldarbeiter Erzsebet, geb. 16. März 1894 in Wieng' ger. gesch., II., Pillersdorfgasse 3. —' Wechsler Morizy- Vers.-Direktor, geb. 31. März 1897 in Wien, verheiratet, I., Freyung 1. — Sternllcht Paul, geb. 25. September 1929 in "Wien, XX,, Othmargaese 25. — Klein geb. Heß Ev&d geb. 8. Juni 1904 in Wien, ger. gesch., XIX., Himmel- I straße 7. — Schönberger Walter, Verkäufer, geb. 29. März» ,1912 in Wien, ledig, IX., Georg-Sigl-Gasse 4. — Wintec : Dr. Ignaz Kurt, geb. 19. Juni 1904' in Wien, verheiratet,.. ,XIX., Kreindlgasse 7—9. — Kunz Otto Julius, Phptp* graph, geb.»/ 5. April 1878 in Wien, verheiratet, IX., , - Porzellangasse 38. Sternllcht geb. Sch]anger Elisabeth^ > geb. 29. März 1907 in Wien, XX., Othmargasse. 25- Eigentümer! Verleger, Herausgeber und xeiajita:ocÜi5her. RlOaJsteur: .Oberbaurat Robert Stricker. —. Drufilsj prjyifiker§iv unä Xetlag^Ai-G, Jgnaa Steinmann, bejdft ,W.ieA / IX,, IftiiverflitfttBatraße 6—8* * ., " L- ..---. ...V , , i,.. .. ., j ....';,,.„ i j! 1 1...........' J..... U 1 * i