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Die neue Welt · 1936-02-21 · Heft 539 (21.2.1936) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 539 (21.2.1936)
Date
1936-02-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite S a . i DDE NBÜE WELT Nf\ 539 vom 21. Februar 1936 V, I J s iL 1 , ' t Stikk aiotdstiscket Qe&dMte '(2. Fortsetzung.), Meine Beziehungen zu Theodor Herzl Von Ali NoüriDilmec Hersh „Das war ganz selbstverständlich, ich j waren auf der ganzen Welt verstreut. Nirgends be i 4o *ila dawart o-örlanVit «« I -i.__j •_______ .. .. . , . . . habe ja nie daran gedacht. Ali Nouri: „Gut. Aber ich stehe unter dem Eindruck, daß Sie auch niemals die Absicht gehabt haben, alle unglücklichen Juden zu sammeln und in Palästina anzuhäufen, das ja viel zu klein ist, um sie aufzunehmen, auch wenn man die ganze arabische Landbevölkerung zu deren Gunsten enteignete." Herzl: „Ich gebe zu, Sie sind im Recht. Aber ich glaube, es handelt sich da um ein Problem, das man erst in einer Zukunft lösen muß, die mir viel zu weit entfernt scheint, als daß wir uns jetzt damit be schäftigen müssen." Ali Nouri: „Einverstanden. Lassen wir das jetzt. Ich habe nur davon gesprochen, weil Sie meine Meinung in bezug auf alle Fragen zu kennen wünsch ten, die sich auf Ihr gigantisches Unternehmen beziehen. Uebrigens droht diese Frage, wenn man sie außer acht läßt, eine Klippe für Ihre Bestrebungen zu werden. Es ist klar, daß Sie momentan nicht eine Lösung dieser Hauptfrage vor Augen haben können, ohne sich unrettbar die Unterstützung, der Massen, die heute hinter Ihnen stehen, zu verscherzen. Ihr eigenes Interesse gebietet Ihnen also, nicht daran zu rühren. Sprechen wir also nicht mehr dayon." Herzl: „Da wir aber schon. dabei sind, sagen Sie mir, ob Sie eine Möglichkeit sehen, aus diesem Dilemma herauszukommen und eine praktische Lösung zu finden, die dem Ideal und den Volksinteressen hinreichend Rechnung trägt?" Ali Nouri: „Solange ein. Auszug nach Palästina das Hauptziel der zionistischen Massen ist, werden Sie Ihrem Werke nie die Sicherheit geben können, Welche die Basis seiner Existenz sein müßte und welche die Bedingung sine qua non seiner Entwicklung sein wird. Ohne eine feste Begrenzung der Einwanderung, die einer strengen Kontrolle unterworfen sein müßte, würde man nur einen Herd für Konflikte und Haß schaffen, die zuerst zwischen den Einwanderer^ »nd den Eingeborenen . ausbrechen und später im temere Zwistigkeiten ausarten würden, die die Juden in erbitterte Kämpfe gegeneinander brächten. Das wäre nur eine traurige Wiederholung ähnlicher historischer Fälle."' Herzl: „Und welches wären die Grenzen der Einschränkung, die Sie für unentbehrlich halten?" Ali Nouri: „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Um sich eine genaue Vorstellung zu machen', müßte man: die" Situation an. Ort und Stelle studieren. Man wird Ihnen einmal, wenn die . Frage diskussionsreif sein wird, die unausweichlichen Einschränkungen vorschreiben und Sie werden sich eben fügen müssen; Es wird Ihnen leicht sein, Ihre Hände in Unschuld zu waschen." ' Meine Ausführungen hatten auf Herzl Eindruck gemacht, aber er erkannte sie als richtig und ehrlich an. Er beklagte sich bitter, daß er ununterbrochen von Persönlichkeiten in Istanbul geködert werde, die sich ihm als Vermittler angeboten hatten, um ihn in Berührung mit Abdul Hamid zu bringen, und die ihm unentwegt die Gewißheit einer nahen günstigen Lösung vorspiegelten — mit dem einzigen Zweck, sich der Geldmittel zu bemächtigen, die Herzl ihnen schon anfing, abzuschlagen. Er zögerte nicht, die Leute beim Namen zu nennen, und ich erfuhr so, daß es sich um einen der ersten Funktionäre des Außenministeriums handelte und einen seiner Spießgesellen, die für ihn seine dunklen Geschäfte durchführten. Herzl sprach offen von den Machenschaften, die sie in Anwendung brachten, um den zionistischen Fonds von einem Teil seiner Eingänge zu erleichtern. Er bat mich aber, die Namen dieser Beziehungshäscher geheim zu halten, und da ich ihm das versprach, kann ich sie jetzt nicht anprangern. In dem Maß, als unsere Verhandlungen fortschritten, kam Herzl schließlich zu dem sicheren Schluß, daß die Hoffnungen der Zionisten trotz der sympathischen Aufnahme im Yildiz Kiosk niemals ausgeführt werden könnten, solange die Regierung Hamids andauerte. Aber das Bedauern, das er über die Ohnmacht seiner Erwartungen aussprach, war unbedeutend, gemessen an der Verzweiflung, die er empfand, da er sich unversehens vor einer neuen Schwierigkeit befand, ohne einen möglichen Ausweg zu finden. Im selben Augenblick, in dem Herzl erkannte, er müsse die Hoffnungen der Juden mit den Zielen 4er wirklich liberalen Juden verbinden, das heißt mit einer neuerstandenen und freien Türkei, begriff der Apostel des Zionismus sofort die Notwendigkeit eines Taktikwechsels, aber er hatte plötzlich die Empfindung, als ob er mitten auf dem Weg nach Kanaan »ein Pulver verschossen hätte. Die Leute mit mehr öde* wnlg«r Autorität die «Ich den streitbaren JungtÜrfcen anschließen konnten, stand eine Gruppe, die hinreichend organisiert war, um über eine politische Transaktion dieser Art zu verhandeln. Andererseits war es sogar für die Menschen, die einen blinden Glauben in die Revolution und den Wiederaufbau hatten, klar, daß die Revolution nicht auf Kommando entfesselt werden könne, sondern von Umständen und Zufällen abhängig sei, die man wohl nicht voraussehen könne, die sich aber jeden Moment ereignen konnten, jetzt oder in zehn Tagen oder in zehn Monaten oder in zehn Jahren. Diese Möglichkeit versetzte Herzl in einen Verzweiflungszustand. Deshalb entschloß ich mich eines Tages, ihm ein Projekt zu unterbreiten, das schon lange bestand und dessen Ausführung es ermöglichte, den Ausbruch der Revolution mit mathematischer Genauigkeit herbeizuführen. Was diesem wunderbaren Projekt fehlte, war das elende #eld, der Nerv jedes Krieges. An diesem Tag fragte ich ihn plötzlich: „Sagen Sie -mir, wäre es Ihnen möglich, falls wir Ihnen in verhältnismäßig kurzer Zeit Ihre Autonomie garantieren können, eine halbe Million Pfund zu opfern, sozusagen als Fonds p'erdu?" Er blickte mich an,. als ob er meine Gedanken lesen wollte, schwieg eine Zeitlang und 'sagte schließlich: „Ja, ich glaube, wir könnten das tun, vorausgesetzt, daß Sie uns. befriedigende Vorschläge machen. Wollen Sie mir erklären,-um was es sich handelt?" „Das ist sehr .einfach. Es handelt sich darum, die Revolution zu finanzieren." * (Schluß folgt.) 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