Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 535 (7.2.1936)
- Date
- 1936-02-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite S DIE NEÜB WEL1 Nr. 535 vom 7. Februar 1936 Jtfwrt {jP&tkitkiP ^^^^^WWwWW^^^r^r Meine Beziehungen zu Theodor Herzl Von Ali Nouri Dilmec Die Gestalt Theodor Herzls ist eine der interessantesten, die vor meinen Augen erscheint, wenn ich, das Panorama meiner Erinnerungen an mir vorüberziehen lasse. Ich habe ihn sehr gut gekannt; besser zweifelsohne, al3 die Mehrzahl p.ller jener Juden, die aus allen vier Weltrichtungen zusammenströmten, um in ihm den Retter zu feiern, der, ein neuer Moses, die Sendung auf sich genommen hatte, das Volk Israels nach Kanaan zurückzuführen. Das Werk, dem Theodor Herzl den lebendigen Atem einflößte, hat ihn überlebt. Aber, wie seinem Vorgänger Moses, war es ihm nicht gegönnt, seine eigenen „Hausgötter" in das ver heißene Land zu bringen. Die mächtige Schöpferkraft die diesen Führer auszeichnete, dessen Tat ein ganzes Volk erschütterte, die Hartnäckigkeit, die er in der Verfolgung seiner Zwecke an den Tag legte, die Ge duld, mit der er die Hindernisse überwand, die Ab trünnigen ausschloß und die ihn über die Opposition triumphieren ließ, welche sich in seiner eigenen Partei .gebildet hatte, endlich die Glut seiner Begeisterung um den tausend Jahre alten Traum des ewigen Juden zu erfüllen, waren so bedeutende Eigenschaften, daß sie auch die Bewunderung jener erregen mußten, die der Bewegung fremd blieben. Auch ich gehörte zu seinen Bewunderern. Die Persönlichkeit des großen zionistischen Führers, war mir sehr sympathisch. Ich habe in der Reihe meiner verstorbenen Freunde das Bild Theodor Herzls auf ein so hohes Piedestal gestellt, daß es nicht leicht herabstürzen kann. Meine Beziehungen zum Zionistenführer ent wickelten sich also: Der sechste Zionistenkongreß versammelte sich in*Basel am 23. August 1903. Es waren ungefähr 500 Delegierte gekommen, eine bewegte Menge verschiedenartiger jüdischer Typen. Die Debatte ver sprach,- außerordentlich erregt zu werden. Während der sechs Jahre, die seit dem ersten Kongreß verstrichen waren, der im Jahre 1897 unter Teilnahme von 197 aus aller Welt stammenden Delegierten abgehalten wurde, hatten die Spitzen der Bewegung, besonders Theodor He r z 1 und David Wolf söhn, reichlich Arbeit geleistet, aber ohne ein positives und faßbares Resultat zu erreichen. Die Verhandlungen zwischen Herzl und Abdul Hamid betreffs einer Urkunde (Charter), um den 'Juden die Kolonisation Palästinas zu erlauben, waren an einem toten Punkt angelangt. Das ■ Projekt der Kolonisation des Distrikts El Arisch auf der Halbinsel Sinai, das wenn auch nur eine Zeitlang die zionistischen Ansprüche hätte befriedigen können, mußte wegen des Problems der Zufuhr des Nilwassers fallengelassen werden, und man war gezwungen, ein Anbot Chamberlains (des damaligen Kolonialministers im englischen' Kabinett) in Betracht zu ziehen, wonach Englisch-Ostafrika der jüdischen Kolonisation geöffnet werden sollte, und zwar unter Bedingungen, die die Gründung eines jüdischen Staates unter der Oberhohheit. Englands erlaubt hätten. Ich habedie zionistische Bewegung von ihrem Beginn an aufmerksam verfolgt und oft Gelegenheit gehabt, über das Problem mit meinen politischen Freunden zu sprechen. Wir . kamen zur Ueberzeugung, daß die Ausführung des zionistischen Ideals den Interessen der Türkei nicht schaden könnte unter der Bedingung, daß der zu bewilligende Charter von zureichenden Sicherheiten begrenzt sei. Im Gegenteil könnte das, wenn es möglich wäre, die Interessen und die Zukunft der mächtigen jüdischen Organisation mit denen des ottomanischen Kaiserreiches zu vereinigen, einem Staat, der im Begriffe war, auseinanderzufallen, , nur eine neue Lebensfähigkeit geben. In diesem Ideenzusammenhang veröffentlichte ich in der dänischen Zeitung „S a m f u n d e t", die in Kopenhagen erscheint, wo ich mich gerade befand, einen Artikel, von dem ich im Nachfolgenden einige wichtige Stellen zitiere. Diesen Artikel habe ich im ganzen Umfang in meinem Buch „Unter dem Zepter des Sultans" (Berlin, 1905) veröffentlicht. „Die Kongreßteilnehmer dürfen nicht aus dem Auge verlieren, daß Palästina immer ein unantastbarer Teil des ottomanischen Reiches ist, für mich ein hinreichender Grund, mich vom Standpunkt' meiner Situation in Bezug auf die politischen türkischen Fragen ganz genau für das Problem zu interessieren. Ich habe da Standpunkte gefunden, deren Bedeutung dem jüdischen Volke, entgangen zu sein scheint, und zwar aus Unkenntnis oder aus seinem einseitigen Urteil heraus. i Man muß diese Richtlinien ins'Gedächtnis rufen. Nichts ist natürlicher, als daß nach so vjelen Jahrhunderten systematischer Verfolgung1 die Juden ein zwingendes "Bedürfnis fühlen, eine Heimstätte zu gründen, die ihnen als Vaterland dienen könnte, und es ist vollkommen verständlich, daß ihre Wahl auf Palästina fällt. Aber sie sind ein wenig verdiig. wenn sie dieses begründete Verlangen in ein historisches Recht umwandeln, und wenn sie diesen Anspruch mit der Behauptung verstärken, die Wiege ihrer Rasse habe sich da befunden, sind sie auf einem falschen Weg. Obzwar im täglichen Gebrauch die Benennung Semiten auf die Juden übertragen wurde, als ob es sich ausschließlich um sie handelte, sind sie in Wirklich keit nur eine kleine Minorität in Bezug auf andere arabische Stämme, die diese große ethnographische Familie bilden. Ursprünglich bewohnte der Stamm der Hebräer zusammen mit anderen arabischen Stämmen einen Teil Arabiens, und zwar hauptsächlich einige Land striche am Ufer des Roten Meeres. Schändlich aus ihrer Heimstätte von den anderen arabischen Stämmen verjagt, flüchteten die Hebräer nach Aegypten, von wo ungefähr tausend Jahre später Moses sie nach Palästina führen mußte, da die ande r'en Araber abgelehnt hatten, ihre Landsleute in ihre ursprünglichen Heimstätten wieder zuzulassen. Abgesehen von der langen Dauer der babyloni sehen Gefangenschaft, umspannt der Aufenthalt der Juden in Palästina nur einige Jahrhunderte. Vom juristischen Standpunkt aus sind ihre Forderungen also nicht sehr begründet. Mit dem gleichen Recht, vielleicht mit mehr Recht, könnte eine große Anzahl von Rassen und Völkern, die das Land vorher und nachher besetzt hatten, gleiche Rechte in Anspruch nehmen. Trotzdem wird ihre Niederlassung in Palästina durch die Tatsache begünstigt und gefördert, daß alles, was ihre Geschichte an Größe, an Fortschritt und schließlich an Niedergang umfaßt, sich rund um Jerusalem abspielte. Im Hinblick auf diese vergangenen Dinge sollten die Bemühungen der Juden um das Siedlungsrecht in Palästina auf einer Versöhnung mit den Stämmen aus dem gleichen Geschlecht,, die die große Masse der Araber bildet, gegründet sein. Sonst riskiert der Zio nismus, an derselben Klippe — an der des Separatismus — zu zerschellen, die jedesmal schon die Arche der Juden stranden ließ, wenn sie in dieser Richtung zu fahren suchte. Und es ist zum größten Teil dieser unmäßige "Wille, sich in -einem Separatismus einzuschließen und einen Staat im Staate zu bilden, der ihnen immer und überall das Mißtrauen .der .Regierungen und den Haß der Völker zugezogen hat. Nachdem ich eilends die kolonisatorischen Fähigkeiten der verstreuten jüdischen Elemente vor meinen Augen vorüberziehen ließ und die Möglichkeit untersucht hatte, sie in einer lebensfähigen Verschmelzung zu vereinigen, kam ich zu einer günstigen Lösuijg, allerdings unter der Bedingung, daß . alle Umstuyztendenzen ausgeschlossen sein würden und daß man aus Jerusalem den Mittelpunkt einer hohen jüdischen Kultur mache, die von den lächerlichen Härten der religiösen Vorurteile gereinigt sein werde. Ich untersuchte dann den politischen Ausblick der Frage und kam zu dem Resultat, daß eine günstige Lösung der zionistischen Ansprüche möglich sei. Wenn man den vielfachen politischen Interessen der Kirchen, die in Palästina aneinanderstoßen, Rechnung trüge, könnte man den Juden eine ausreichende Autonomie konzedieren. Die Schwierigkeiten, die sich in den Weg stellen, seien nicht unüberbrückbar." Nach dieser Feststellung unterzog mein Artikel die Mittel, die von den Zionisten angewendet wurden, einer gewissen Kritik und endete folgendermaßen: - „Wenn man in den jüdischen Kreisen, die.in der Finanzwelt eine dominierende Rolle spielen, geglaubt hat, bisnün gut daran zu tun, die Gunst Abdul Hamids zu gewinnen, sei es durch Publikationen in einflußreichen Zeitungen, die zu ihrer Verfügung stehen, gei es durch andere Mittel, während dieselben Leute um jeden Preis die russische Finanzpolitik unterstützen, so dürfte diese Handlungsweise nicht die richtige zur Erreichung-des zionistischen Zieles sein. Es ist klar, daß die bankrotte Politik der jetzigen ottomanischen Regierung, die jeden Tag die Balkanhalibinsel dem Feuer und den Flammen aussetzt, nicht die Protektion über die zionistische Bewegung ausüben könnte. Diese Bewegung kann ihre Hoffnung ausschließlich auf eine liberale türkische Politik gründen, die. die Macht und nötige Energie hätte,'von Grimd auf die Struktur des Staates zu reformieren, indem sie auf die verschiedenen Religionen Rücksicht nimmt und das Joch der ausländischen Mächte abschüttelt. Der gesellschaftliche und finanzielle Einfluß der Juden ist von solcher Bedeutung, daß die Führer piner politischen Bewegung es nicht gleichgültig hinnehpien könnten, ob die Juden für oder gegen sie sind. . Ebenso ist es nicht gleichgültig für die Juden. ob sie sich mit einem Sterbenden verbünden oder sich lebensfähigen Mächten anschließen, denen die Zukunft gehört. Was nun die Türkei anlangt, so muß man die lebensfähigen Kräfte bei der liberalen Gruppe suchen, die das Larid Von fremden Einmischung;:! befreien und den Staat nach modernen westlichen Prinzipien leiten wird. In einer freien und konstitutionellen Türkei, die sich hoffentlich wie ein Phönix aus der Asche des Balkans erheben wird, gibt es keinen Platz für einen Zionismus, der sich als eine Art Einwanderungskommission konstituiert, um Europa von seinen überflüssigen Juden zu erleichtern. Aber er könnte ein ungeheuer wichtiger Faktor werden, sowohl hinsichtlich der Kultur als auch der Politik, durch das Plus in Intelligenz und Bildung, das er dem türkischen Volk zutragen kann. Ich zweifle nicht, daß der Idealismus und die angeborene Intelligenz der Juden ihnen schließlich zeigen werden, wo sie ihre natürlichen Verbündeten zu suchen haben, und daß ihre praktische Vernunft sie den Weg erkennen lassen wird, den man einsrWa^n muß, um eine fähige Mitarbeiterschaft zur Förderung dos wahren Zionismus zu erlangen. (Fortsetzung folgt.) Jtest&wmi Bittet Bestrenommierie Küche > REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UNO 2.60 fcCHWECHATER BRAU ll,Hammer-Purgstall-Gasse 3 CnSüist SalitorbrQcke) O Tel. A-41-0-75 Wir machen auf die Palästina-Reise zur Purim und zu Pessach, Wien—Haifa—Wien S 398.— (Bahn, Schiff, Verpflegung) des Wiener Reiseklub-Austrolloyd, I., Weihburggasse 27, aufmerksam. Bei Unwohlsein — besonders bei träger Darmtätigkeit — ist das natürliche „Franz-Josef'-Bitterwasser ein angenehm wirkendes Hausmittel, die Beschwerden erheblich zu verringern, zumal oft schon kleine Mengen sicher nützen. Aerztlich empfohlen! E *^ llt> Von S 2 V/ochenraten erhallen Sie alle Gegenstände in gröBler Auswahl und bester .Qualität bis, 20 Monate Kredit S CH IE S I N GER VII, Burggasse 122-124 Telephon B-32-2-24, B-35-6-55 Versicherungs-A.-G. WIEN I, SCHELLINQC. 1 Telephon R-22-1-10 Invaliditäts- Alfersu. Hinterbliebenen" Renten WOCHENsKALENDER Februar 1936 ÜDV Tain Schebath 5696 Freitag 7 14 Sabbateingang 5.00 Samstag 8 15 Sabbatausgang 5.50 Sonntag 9 16 Montag 10 17 : ■ Dienstag 11 18 Mittwoch 12 19 Donnerstag 13 20 '. ' IX,, IM?«rötätft8tX&ßfi