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Die neue Welt · 1936-01-21 · Heft 530 (21.1.1936) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 530 (21.1.1936)
Date
1936-01-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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r Seite 4 DIE NEUE WELT * Nr. 530 vom 21. Jänner 1936 Einwanderer tragen; außerdem muß jede einwandernde Familie, bzw. Einzelperson 20 0 amerikanische Dollar erlegen, die zur Deckung der Kosten der rund 15 Tage dauernden Reise bis nach Biro-Bldschan und der Aufenthaltskosten bis zum Arbeitsantritt bestimmt sind. Die Einwanderer bekommen eine Wohnungseinrichtung im Werte von 1000 Rubel für eine Familie und 300 Rubel für eine Einzelperson. In Biro-Bidschan erhalten die Einwanderer aus dem Auslande ebenso wie die Einwanderer aus der Sowjetunion provisorische Wohnungen, und zwar mindestens ein Zimmer für jede Familie. Einzelpersonen erhalten Kollektiv Wohnungen. Die Einwanderer aus dem Auslande genießen dieselben Vorteile wie die aus der Sowjetunion, zum Beispiel das Recht auf Zuteilung von Arbeit, auf Eintritt in die Gewerbekooperativen und Kollektivwirtschaften, sie erhalten Staatskredite für den Bau eines eigenen Hauses und für die Anschaffung einer Kuh, ferner Gartenboden usw. Die Auswahl des Menschenmaterials erfolgt durch die sowjetrussischen Konsulate oder durch eigens bevollmächtigte Organe. AUS PALÄSTINA Verurteilung „Illegaler" in Palästina Aus Jerusalem: Vor dem Richter von Safed fanden mehrere Prozesse gegen illegale Einwanderer statt. Einige Araber standen unter der Beschuldigung der Mithilfe bei der illegalen Ueberschreitung der Grenze gleichfalls vor Gericht. Insgesamt waren 21 jüdische Männer, Frauen und Kinder sowie einige Christen aus Rußland und Araber aus Syrien und dem Libanon angeklagt. Unter den jüdischen Angeklagten befand sich auch eine blinde Frau aus Buchara mit einem kleinen Kind auf dem Arm. Sämtliche Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen von verschiedener. Dauer und zu Landesverweisung verurteilt. Der 18jährige, aus Rußland illegal eingewanderte A*. Urilowskjr ist im Gefängnis an Typhus erkrankt und gestorben. Neues Pressegesetz luv Palästina Aus Jerusalem: Amtlich wird bekanntgegeben, daß der High Commissioner Sir Arthur Wauchope eine Ergänzung zum Pressegesetz erlassen wird, durch die er dio Befugnis erhält, ohne vorherige Verwarnung Zeitungen zu verbieten, wenn sie falsche Nachrichten verbreiten, die geeignet sind, Erregung und Unruhen hervor* zurufen. (J. T. A.) Landwirtschaftliche Schule mit hebräischer Unterrichtssprache Aus Warschau: Die Zweigstelle des Verbandes für hebräisches Schulwesen „Tarbut" in Ludmir (Wolhynien) hat eine Konzession zur Errichtung einer landwirtschaftlichen. Schule mit hebräischer Unterrichts-, spräche erhalten. Aufforstungsaktion der Palästina-Regierung Aus Jerusalem (J. T. A.): Die Palästina-Regierung hat eine Aktion zur Aufforstung von 25.000 Dunam Boden in fünf Jahren beschlossen. Der Oelberg soll noch in diesem Jahre bepflanzt werden. Die palästinensische Presse zur Aenderung der Einwanderungsvorschriften Aus Jerusalem: Die gesamte hebräische Presse Palästinas nimmt in ausführlichen Leitartikeln zu den Absichten der Regierung, die Einwanderungsvorschriften für Kapitalisten zu ändern, Stellung. Gegen diese Pläne, die dahin gehen sollen, daß das erforderliche Mindestkapital für Einwanderer der Kapitalistenkategorie von 1000 auf 2000 Pfund erhöht, die Einwanderung von Angehörigen palästinensischer Bürger eingeschränkt und die von Touristen zu erlegende Kaution von 60 auf 80 Pfund erhöht werden, soll, wird von den Zeitungen schärfster Protest erhoben. Die Blätter zitieren die auf die beabsichtigte Aenderung bezügliche Meldung der Jüdischen Telegraphen-Agentur und. fügen hinzu, daß Anzeichen vorhanden seien, die die Richtigkeit dieser Meldung bestätigen. Die Palästina-Regierung hatte am 13. Jänner versprochen, der Jüdischen Telegraphen-Agentur eine Erklärung zu diesem Gegenstand zu übergeben. Bisher hat jedoch die J. T. A. eine solche Erklärung nicht erhalten. Sir Herbert Samuel — Präsident der Palestine Electric Corporation Aus London: An Stelle des verstorbenen Lord Reäding ist Sir Herbert Samuel zum Präsidenten der Palestina Electric Corporation [(Ruthenberg-Elektrlzitätswerke} gewählt .worden. Austritte ans dem Judentum Heller Blanka, geb. 24. Oktober 1921 Wien, ledig, X., Quellenstraße 145. — Fischer Rudolf Simon, Bankbeamter, geb. 27. November 1893 Schwechat, ger. gesch., V., Schönbrunnerstraße 32. — KUrsfeld vel Klarsfeld Elsa geb. Sarkany, geb. 17. November 1887 Nagy-Szombat, verw., V., Laurenzg. 6. — Golz Elsa, Modistin, geb. 4. Juni 1896 Wien, verh., IX., Alserstraße 30. — Kovaee Dr. Ernst, geb. 16. August 1911 Wien, ledig, IV., Mozartgaese 7. —- Natorioas Herbert, geb. 20. April 1913 Wien, ledig, XI., Kaiser-Ebersdorfer-Straße 105. — Sgalitzer Georg Walter, geb. 22. September 1912 Wien, ledig, Xni., Jodlgasse 2. Rösler Martin, Schriftsteller, geb. 29. März 1901 Mitrovica, ledig, I., Hotel Sacher. — Mendl Kurt, Hauptsohüler, geb. 9. April 1921 Wien, ledig, III., Kegelgasse 43. — Brandeis Louise, Beamtin, geb. 20. August 1903 Wien, ledig, XIX., Schegargasse 14 a. — Seheurer auch Scheuer Siegmund, Zahntechniker, geb. 12. Mai 1895 Wien, verh., IX., Wiesengasse 23. jüdische* lüUtuctUeatec Slonimskis „Lopez' Erbschaft" Auf der Suche nach Repertoire ist das „Jüdische Kulturtheater*' auf Anton Slonimskis „Lopes* Erbschaft" gestoßen, eine Art „geistreiche)-" Komödie mit Persiflage- Einschlag ä la Sternheim, den so rasch vergessenen Dichter für Snobs und ähnliches Gelichter. In der Aufführung durch das Ensemble des Kulturtheatcrs} bcziehungsioeise des Regisseurs Jank Hermann gibt sich das Stück als Abfuhr der Assimilation, als Exempel für den Fall alleräußerster Entartung. Dieser Irrmeinung verfällt auch das Knlturthcatcr, indem es sich — mit Betonung volklich-jüdischer fauch sozialer) Werte — vom Helden des Stückes, dem Herrn Lopes Argote, reetc Leib Aronsohn, distanziert und das Happycnd dem Durchbruch der unzerstörbaren jüdischen Seele zuschreibt. Aber Herr Argote, der jüdische Kunsthändler, ist kein Assimilant, sondern ein Snob, daher nicht gerade der entartete jüdische Typ, sondern eine peinliche Figur schlechthin, peinlich wie fast alle Figuren der Slonimski-Komödies Figuren, die teils an die „Budapester", teils an die Werbezirk-Milieus erinnern. Die Mischung der Stile (in den Charakteren der Rollen) macht sich auch in der Aufführung selbst geltend. Impressionistische Manier wediselt mit bürgerlicher Komödie und Jargon-Posse ab. ,Jideln" macht noch keine jüdische Figur, überschreitet höchstens die Grenze des Taktes, des Geschmackes und eines Kulturtheaters. Die flache, zum Teil langweilige (der Autor scheint Sympathie sogar für die unangenehmen Typen zu haben) Komödie hat eine überraschend gute; Darstellung gefunden. Die Aufführung ist sehenswert, schauspielerisch weit über dem Niveau des Wiener Theaters. Harry Flatow, der Träger des Stückes, zeichnet eine E.-T.-A.- Hofmann-Figur mit kühnen Strichen, Joachim La atz karikiert subtil, Marcel Lerners Sentimentalität ist woMtuend. Alice Koch gibt ein Musterbeispiel diskreten Jargonismus, Herta Schick und Hans Karl Magnus verkörpern reizend eine frische und kecke Jugend. Separatlob gebührt Frau Jula Benedek, die als Tante Karoline aus Rzeszow Komödie spielt, wie sie jedem Kenner des Theaters als Ideal vorschwebt. o. r. Scala. Oskar Wildes Komödie: „Eine Frau ohne Bedeutung", das schonungslos das oberflächliche und angefaulte der englischen oberen Zehntausend geißelt, heißt jetzt „Zwei Menschen ohne Bedeutung" und gibt Leopoldine Konstantin, „der Frau ohne Bedeutung", Gelegenheit, sich als Schauspielerin ganz besonderer Bedeutung zu zeigen. Eine Wandlung hat sich mit ihr vollzogen — nichts von ihrer messerscharfen Art, Konversation zu führen — aus jedem ihrer Worte tönt warme innerliche Mütterlichkeit, jeder Ton, jede Geste kommt vom Herzen und spricht zum Herzen. Es war ein ganz großer Abend der Künstlerin, der mit starkem Beifall des Publikums bedankt wurde. Die übrige Besetzung mit dem nach Wien zurückgekehrten Karl Günther, Lola C r o ß, Helene L a u t e r b ö c k, Emmy Förster und Susi Witt verdient alles Lob. e. kr. Deutsches Volkstheatcr. Nestroys „Die verhäng* nisvolle Faschingsnacht" war als Parodie auf ein seinerzeit gespieltes Drama von Holtei gedacht. Wenn man auch heute nicht mehr den Zusammhängen nachspüren kann, so i3t man doch unentwegt von Nestroys kaustischem Witz amüsiert. Die Darstellung des Deutschen Volkstheaters wird dem Volksstückhaften gerecht: allen voran Kurt Lessen, dessen Stärke Rollen in Nestroy- Stücken sind, dann Han3 O 1 d c n, Vilma Degischer, Jan Tilden und Paula Pfluger. Der Regisseur des Abends, Heinrich Schnitzler, hat gute Arbeit geleistet, die dem Theater einen ehrlichen Erfolg brachte. „Das Land der Verheißung" Tauscndc warten noch auf das große Erlebnis! Die nächsten Aufführungen des Palästina-Tonfilms der Fox „Das Land der Verheißung", die am Sonntag, den 26. Jänner, vormittags einvicrtel 11 und dreiviertel 12 Uhr, im Imperial-Kino, I., Rotenturmstraße, stattfinden, werden besonders eindrucksvoll sein, da der berühmte Schriftsteller Dr. Max Brod (Prag) sich bereit erklärt hat, an diesem Tag zum Publikum zu sprehen. Im Vorprogramm wird außerdem die hochinteressante Tonfilmreportagc „Der Luzcrncr Zionistcnkongreß" gezeigt. Dä alle bisherigen Aufführungen ausverkauft waren, empfiehlt es sich, Karten im Vorverkauf zu besorgen. Normale Kinopreise! Näheres 3iehc Inserat in dieser Nummer, Franziska Gaal persönlich im Apollo. Donnerstag, den 23. d., findet im Apollo die Uraufführung des neuen Wiener Franziska-Gaal-Films der Universal „Katharina, die Letzte", statt. Der Festpremiere um D Uhr abends wohnen Franziska Gaal sowie das große Wiener Ensemble des Films, und zwar Adrienne Geßner, Dorothy Poole, Hans Holt, Otto Wallburg, Hans Oldeh, Ernst Verebes, Paul Morgan, Fritz Imhoff, ferner der Producer des Films Pasternak, der Regisseur Kostcrlitz, der Autor Joachimson und der Komponist Brodszky persönlich bei. Nikolaus Brodszky spielt einleitend, begleitet von der Kapelle Zeillinger, die Schlager aus dem Film. Vorher auf der Bühne: „Ikarische Spiele" der berühmten sechs Kapris. Restliche Karten im Vorverkauf. Nach Palästina, Syrien und Aegypten. Verlangen^ Sie Auskünfte Uber unsere nächsten Gesellschaftsreisen. Mäßige Preise, bewährte Führung, reservierte Plätze. Die Reisen führen über Triest oder Constantza. Alles Nähere bei Dr. S. Tocker, IX., Liechtensteinstraße 2, Tel. A-14-504. KINOsPROGRAMMB KREUZ-KINO DAS SCHIFF!, Wollzeile 17 Telephon R-24-2-16 Vorstellungen: *t, *A6, VsB, 'A10 Der gewaltigste Sensationsfilm des Jahres SCHXFFER VI, Mariahilferstraße 37 Telephon B-20-203 Beginn: %6, %8, <A10 STAFA, VIS Mariahilferstraße 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: 9, 7, 9 UIu VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: 4, %6, %8, 1A10 Neues Programm mit Clavk Gable und Cäaudelfe Coibevt II'TAB Eigfeutümer, Erleger, Herauegebec und KerjutSO^cfctt R<#aW»uE: Oberbaurat ^rt Statiken Dr.uck; Druckerei, und .Verlags-A.-G, ignt« Steinmaaa, beide WJco, &.i jXtUXfiXSitätSStEAuQ Öw8i ij

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