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Die neue Welt · 1935-08-02 · Heft 485 (2.8.1935) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 485 (2.8.1935)
Date
1935-08-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite & •^•^mmm/Kummmmmmmp DIE NEUE .WELT 'ii "" — Nr. 485 liteyrt Muk?4dästma \Jm Oskat Hedi*-i#et (fatalem) Irgendwie muß ich doch eingeschlafen sein und schlief viele Stunden. Es war schon fast Abend, als mich meine Magenkrämpfe weckten. Ich litt wieder furchtbar. Meine Genossen schliefen noch. Langsam ließen die Krämpfe nach und ich versuchte, es* mir bequem zu machen, da die Glieder von den Strapazen der Nacht schmerzten. Da zeigten sich jedoch die Schattenseiten unseres Asyls. Liegen konnte man weder am Rücken noch auf der Seite, da die Unterlage zu hart war. Sitzen konnte man nur wenige Minuten, da man die Füße nicht unterbringen konnte. Aufstehen durfte man nicht, da die Gefahr bestand, von draußen gesehen zu werden. Ich GRABSTEINE) FRIEDLÄNDER & DEUTSCH | Wien, 1. Bez., Seitenstcttengasse 2, II Samstag 1 XL, Zentralfriedhof, neb. d. 7. Tor. | | geschlossen I ^*^*i^^***^'^*^*^'^^^n^aimmtmmmmnm*mmmmaammBaHamiacau hätte nie gedacht, daß einem die eigenen Glieder derart im Wege stehen könnten! Mit einem Schrei fuhr M. aus dem Schlaf, ich erschrak furchtbar und auch die anderen waren mit einem Schlage wach. M. mußte schlecht geträumt haben, sah ganz verstört um sich, wußte sich jedoch an nichts zu erinnern. Wir begannen, da auch die anderen, bis auf den Inder, der sich schön auf seine Beine setzte, keine uichtige Lage für ihren Körper finden konnten, systematisch alle möglichen Stellungen auszuprobieren. Viel Erfolg hatten wir jedoch nicht, darum ließen wir e3 sein und versuchten uns durch Schimpfen die Sache leichter zu machen. Ein vielleicht 15jähriges Mädchen kam zu uns. Es brachte Weintrauben und arabisches Brot. Das sah wie Pappendeckel aus, war ungefähr drei Millimeter dick und braun. Dieses Brot erspart dem Araber eine Gabel, da es zusamgerollt als eine Art Schaufel verwendet wird. Das Mädchen betrachtete uns ohne Scheu, lachte und sagte etwas. Wir verstanden natürlich nicht ein Wort. Es sprach noch etwas, lachte und zeigte seine hübschen Zähne. Das Mädchen würde überhaupt ganz reizend gewesen sein, wäre es nur rein gewaschen gewesen und hätte es nicht so scheußliche Tätowierungea auf Kinn, Stirn und Händen "besessen. Ich versuchte, aus ihr herauszubekommen, wo wir uns befinden. Ich zog die Karte hervor, las mit fragendem Ton die arabischen Ortsnamen, die ich in der Karte fand, dort, wo ich glaubte, daß wir uns befinden müßten, wies auf das vor unseren Augen liegende Dorf und nickte mit dem Kopfe. Sie schien verstanden zu haben, denn sie v/iederholte lachend das Wort, das in ihrem Munde allerdings etwas anders klang, und wie3 mit der Hand ziemlich unbestimmt in irgend eine Richtung. Das Spiel ging eine Weile weiter. Wohl konnte ich feststellen, wo wir nicht waren, doch wie der Ort vor uns hieß, war aus dem Mädchen nicht herauszubekommen. Wir ließen es daher gehen und meine Freunde machten sich über das Essen. Ich traute mich weder an die Trauben, noch an das Brot heran, und trank nur Wasser. Wohl hatten meine Krämpfe nachgelassen, doch fühlte ich, daß ich noch immer nicht in Ordnung sei. Zu unserem Verdruß stellten wir fest, daß unser Zigarettenvorrat ausging. Das war sehr ärgerlich und ich bemühte mich nun, mit dem Mädchen, das uns das Essen gebracht hatte, in Kontakt zu kommen. Ich beugte mich hinaus, während mich meine Freunde festhielten, und rief halblaut zu dem Mädchen hinüber, das vor der Tür des Hauses saß. Es hörte mich, sah sich vorsichtig um, bevor es näher kam und ich reichte ihr einige Piaster, machte mit der Hand eine Rauchbewegung, hob dann vier Finger und sagte „Ahrain" (Name einer Zigarettensorte). Sie schien verstanden zu haben und verschwand. Rasch brach die Nacht herein. Fast ohne Uebergang. Wind erhob sich und begann unseren Baum und uns zu schütteln. Es begann kalt zu werden und wir kleideten uns langsam an, ohne daß uns wärmer geworden wäre. Mittlerweile wurde es ganz dunkel und wir konnten aufstehen und Bewegung machen, ohne befürchten zu müssen, gesehen zu werden. Wir turnten ein wenig und nachher fühlten wir uns erheblich wohler. Etwas später bekamen wir Besuch. Drei Araber kamen mit unserem Führer und setzten sich zu uns. Wir saßen nun wie Rollmöpse aneinandergepreßt und riskierten eine Unterhaltung. Es war aber zu schwierig, trotzdem beiderseits der beste Wille vorhanden war. Unterdessen kam die kleine Araberin, brachte die gewünschten Zigaretten, so daß wir uns auf das Rauchen beschränken konnten. Nach einer Weile kamen die Frauen mit Essen und meine Freunde begannen nach allen Regeln der Kunst zu futtern. Auch ich hatte großen Hunger, wagte aber noch immer nicht zu essen. Unser Gastgeber fragte mich, warum ich nicht esse und ich versuchte ihm zu erklären, daß ich mich nicht wohl fühle, indem ich auf meinen Magen wies, den Kopf schüttelte und das Gesicht schmerzhaft verzog. Er verstand mich auch sofort, hob beruhigend den Finger und verschwand. Als er wiederkam, trug er einen Tonkrug und zeigte mir, daß ich daraus trinken solle. Vor diesen Tonkrügen, aus denen man derart trinkt, daß man den Krug über den Kopf hebt und den Wasserstrahl in den geöffneten Mund dirigiert, hatte ich ungeheuren Respekt. Schon in Bcyrouth hatte ich wiederholt versucht zu trinken mit dem Erfolg, daß ich wohl viel Wasser verschwendete, bis auf die Haut naß wurde, dennoch nur wenig Wasser getrunken hatte und von allen Zuschauern ausgelacht wurde. Ich nahm daher den Krug etwas , ängstlich in die Hand, hob ihn empor, öffnete den Mund und fing den Strahl auf. Im Nu hatte ich jedoch den Krug hingestellt, saß röchelnd mit offenem Munde und aufgerissenen Augen da. Wie Feuer fühlte ich die Flüssigkeit in mir. Ich konnte vorerst ücn Mund nicht schließen und keinen,Ton hervorbringen. Es war sehr scharfes Zeug, das ich da geschluckt hatte. Ich griff nach der WasserdjaiTah, spülte mit Wasser nach und es dauerte eine Weile, bis ich mich etwas beruhigt hatte. Dieses Gesöff tat mir jedoch wohl. Ich weiß zwar bis heute nicht, was das war, doch linderte es für den ganzen Tag meine Schmerzen. Nach und nach wurden wir alle müde und die Araber verabschiedeten sich von uns. Der Führer versprach uns, in der kommenden Nacht mit uns aufzubrechen. Wir versuchten eine mögliche Schlaflage, verwünschten unsere Hände, die uns im Wege standen. Ich schlief als erster ein, denn ich hörte noch im Halbschlaf das Sprechen meiner Genossen. Bald jedoch weckte mich die Kälte. Ich sah auf meine Armbanduhr. Es war a/.i3 Uhr. Auch meine Freunde schliefen nicht mehr und so setzten wir uns nebeneinander auf den Rand unserer Matten, ließen die Beine hinunterbaumeln und sprachen über das Morgen und das Gestern. Als es heller wurde, mußten wir uns wieder in das Innere der Hütte zurückziehen und wußten wieder nicht, was mit unseren Knochen anfangen. Irgendwie brachten wir uns dennoch unter, der Jugoslawe zog Karten hervor und wir spielten, legten Patiencen und schliefen bis zum Abend. Da erhielten wir wieder Essen, der Führer kam zu uns und erklärte, daß ich unmöglich in meiner hellen Hose, die doch von weitem sichtbar sei, gehen könne. Er brachte eine furchtbar schmutzige arabische Samthose, die ich mir anzog. Plötzlich kamen meine Krämpfe wieder. Meine Freunde standen sehr besorgt um mich herum und der. Führer versuchte, mir etwas in seinem Kauderwelsch zu erklären, was ich jedoch nicht verstand. Da nahm er mich kurzerhand über die Schulter, trug mich über die Leiter in die Hütte, wo er mich über den Tisch legte. Dort war die ganze Familie versammelt. Unser Gastgeber, dessen Frau, zwei Mädchen und ein kleiner Junge, Die Frau zog mir alle Kleider aus und unter großer Assistenz begann sie mich regelrecht zu massieren, Mir wurde wirklich etwas besser. Nachher, mußte ich nochmals dieses scheußlich scharfe Zeug trinken. Meine Genossen wollten nun, mit Rücksicht auf mich, noch eine Nacht warten. Ich ließ das jedoch nicht zu, erklärte mich stark genug und wir brachen auf. . Wir gaben ein anständiges Backschisch, da unsere Wirtsleute keinen Preis nehmen wollten und gingen los, begleitet von der ganzen Familie. Nach etwa einer halben Stunde blieben unsere Wirtsleute stehen, der allgemeine Abschied begann. Nachdem wir die obligaten Wünsche und Segcnssprüche entgegengenommen hatten, durften wir weitergehen, der Grenze zu. (Schluß in der nächsten Freitagnummer.) LuhaCovice/ die Perle Südmährens An der landschaftlich interessantesten Stelle der imährischen Karpathen, inmitten dichter Wälder, in der Nähe des Vlarapasses liegt der schöne Kurort Luhacovice. Schon lange vor dem Krieg war dieses Bad allen Aerzten und Heilungsuchenden des weiten Auslandes bekannt und wurde gerne wegen seiner windgeschützten Lage und der guten Heilerfolge aufgesucht. Von Jahr zu Jahr weist dieser Kurort größere Besuche auf, so daß er in den letzten Jahren die Anzahl von über 40.000 Kurgästen in der Saison erreicht. Es ist staunenswert, in welch raschem Tempo sich Luhacovice in den letzten Jahren entwickelte. Der Zuspruch seitens der Kurgäste ist so groß, daß sich die Badedirektion genötigt fand, ein neues großes, ganz modernes Kurhaus zu bauen, welches bereits seit Ende Mai den Kurgästen zur Verfügung gestellt wurde. Dieses Kurhaus, eine Sehenswürdigkeit an bautechnischer Schönheit und neuzeitlicher Einrichtung, entspricht auch dem verwöhntesten Geschmack. Die Objekte der Kurverwaltung, im Zentrum des Bades gelegen, sowie die vielen neuerbauten Villen bieten den Kurgästen ein bequemes, angenehmes und billiges Wohnen. Einen großen Vorsprung für LuhaCovice bedeutet auch seine gute Lage, denn selbst kurz nach den größten Regengüssen und Stürmen lachen den Kurgästen trockene und sonnige Straßen und rromenadenwege entgegen. Alle, selbst chronische Leiden, wie: Hals-, Nasen-, Rachen- und Bronchialkatarrhe, Asthma, Herz, Leber. Harn, Gicht, Arterienverkalkung, Magen- und Darmkatarrhe werden in LuhaCovice mit dem größten Erfolg behandelt und geheilt. Wegen seiner natürlichen kohlensauren Bäder gebrauchte man schon in früheren Zeiten für Luhacovice die Bezeichnung „Mährisches Nauheim"« Nicht zu vergessen ist, daß dieses Bad das modernste Inhalatorium Europas besitzt, welches, ebenso wie die pneumatischen Kammern, den Asthmaleidenden große Erleichterung und Heilung bringen. Wer einmal nach LuhaCovice gekommen ist, vergißt es nie und kommt gerne wieder. Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Cafes etc. A. Barschak, II., Große Schiffgasse 3. Streng 1C3. Vorzügliche KUchc. Billige Preise. Cafe-Restaurant Espresso, i., Kotenturmstraße 1. Internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. Nagels Selchwarenrestuurant, II, Praterstraße 33. orth. Menü 0 2.-. Täglich Scholct, Selchfleisch mit Ritschet. Pfefferkarpfen etc.; Cafe-Konditorei Neumann, II., GredlerstraUe 2 (Telephon A-42-3-81), III., Löwengasse 47 (Tel. Ü-10-S-78). Cafe" Schottentor, 1., Ring des 12. November 10, Telephon U-26-5-90, vis-a-vis der Universität. Restaurant „SprHzor", früher „Hotel National", Jetzt 12.» Hammer-Purgstallgasse 7. Vorzügliche Wiener und International« Küche, Tel. A-45-5-42. Ilotel-Iiestaurant „Stephanie", II., Taborstraße 12. Vorzügliche Wiener Küche. Speisen am Rost. Menü ab S 1.60. 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Herausgeber und v.er.aatw.QEtUchex; R.edaKteur; .Oberbaiirat Robert Stricker. — Druck: Dryplsersl- und Verlags-A.-G4 Igna.35 Steinmann, beide W&ö, IX., ynixejcsUfitastrafle #

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