Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 483 (26.7.1935)
- Date
- 1935-07-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 483 3) lltetud HOtk Uatästina w WWmf^rW^Xr WW^f^WWW m firV1fVff»*lf I/oh (SsUac UecUntycc (jecutalttn) Noch eine Weile warteten wir, dann konnte M. weitergehen. Mir war noch immer übel und ich fühlte mich sterbenskrank. Mechanisch ging ich weiter. Es ging jetzt etwas besser, da man die Steine und Disteln sah und ausweichen konnte. Dagegen bekamen wir Durst, der immer quälender wurde. In den vergangenen Stunden hatten wir uns unzählige Male zu Boden werfen müssen und lagen, den Kopf an die Steine oder in den Staub gedrückt, bis der Führer vor uns aufsprang und weiterging. Unsere Gesichter waren schwarz und blutig, vom Staub und den Disteln. Der Durst wurde immer größer. Ich versuchte, im Gehen den Speichel im Munde zusammenzuziehen, was mir jedoch nicht gelang. Bis in die Kehle drang der Staub und reizte zum Husten. Plötzlich blieb der Führer stehen, winkte mich an seine Seite, zeigte auf einen Hügel vor uns und sagte: „Falestin!" Wir blieben stehen und sahen hinüber. In der Morgenluft zeigten sich die scharfen Konturen der nackten Berge Galiläas. Kein Baum, kein Strauch war zu sehen. Wir blieben stehen. Nicht deshalb, weil wir irgendwie gerührt waren, nun endlich Palästina zu sehen, sondern weil wir grenzenlos müde waren und dankbar für jede Minute Rast. Ich war krank und durstig. Nur einen Wunsch hatte ich: Ruhe . .. Der Araber trieb uns weiter. Wir gingen etwas besser. Das Ziel vor uns hatte die Wirkung, daß wir etwas frischer wurden. Wir befanden uns nun wieder in gefährlichem Gebiet, hinter der französischen Postenkette, vor oder mitten im englischen Grenzstreifen. Grenzpolizei und arabische Studentenwachan patrouillierten ständig in dieser Gegend auf und ab. Aus diesem Grunde ging es auch besonders vorsichtig weiter. Jeder Stein mußte als Deckung dienen, und kam eine etwas freiere Fläche, mußten wir diese einzeln und im Lauf überqueren. Endlich waren wir über dem Hügel und damit in Erez Israel... III. Irgendwie fühlten wir uns nun sicherer. Wir rauchten und unterhielten uns halblaut, machten einander auf dies oder jenes aufmerksam. Der Führer sagte nichts dazu und wir dachten wirklich, die Hindernisse überwunden zu haben. Auf einmal, wenige Schritte vor uns, erschienen Araber in Scouttracht. Es v/aren ungefähr vierzehn Menschen, die uns, Stöcke in der Hand, wie ich sie dann bei der berittenen Polizei in Palästina sah, die Straße versperrten. Unser Führer war verschwunden. Wir blieben stehen. Wir wußten, daß wir es mit einer der Studentengruppen zu tun hatten, die der Grenzpolizei bei der Ueberwachung der Grenzen behilflich sind. Einige Augenblicke sahen wir einander an. Ein Araber rief etwas zu uns herüber. Wir verstanden nicht und antworteten auch nicht. Da rief er noch einmal etwas, es klang wie „Anglisi", und wies mit der Hand hinter sich. Wir antworteten noch immer nicht. Da begannen zwei der Araber sich zu nähern. M. und der Jugoslawe zogen ihre Revolver und gaben einige Schüsse über die Köpfe der Araber ab. In wilder Flucht wandten sich diese und verschwanden. Wir berieten kurz untereinander und beschlossen, zurückzugehen. Es war uns klar, daß die Studenten englische Grenzwächter zur Verstärkung herbeiholen würden. Wir kehrten daher um und schritten trotz unserer Müdigkeit rasch aus. Unterwegs stieß auch der Führer zu uns, der wortlos die Führung übernahm. Er brachte uns durch die französische Postenkette, und unweit der Stelle, wo die Grenze ein Knie macht, traten wir in ein arabisches Haus ein. Zwei oder drei Familien wohnten in diesem und mit den Männern begann unser Führer eine Diskussion. Er schien etwas zu verlangen, was die Männer ihm anscheinend verweigerten. Der Führer gestikulierte heftig, wies wiederholt auf uns und schien die Araber zu überreden. Sie begannen untereinander zu flüstern, dann wandte sich der Aelteste an unseren Führer und sagte ihm etwas. Noch einige Minuten zog sich die Unterhaltung hin, während welcher wir, mehr tot als lebendig, stumm daneben standen. Endlich ging der Mann mit unserem Führer, der uns winkte, mitzukommen. Mir war nicht wohl zu Mute. Wir wußten, daß die Grenzaraber schon wiederholt Juden an die Polizei ausgeliefert hatten, um sich die Kopfprämien zu verdienen, die die englische Regierung für jeden aufgegriffenen Illegalen ausgeschrieben hatte. Ich ging wieder neben M. und sah, wie dieser in seiner Hosentasche den Revolver umspannt hielt. Mir war bereits alles gleichgültig. Ich wollte nicht mehr weiter. Wir waren alle wahnsinnig müde und fielen von einem Fuß auf den anderen. Es ging einen Hügel hinauf, um einige Hütten herum, dann einige hundert Meter zu einem ganz einfachen Hause, das aus Brettern und Weißblech zusammengeschlagen war. Statt einer Tür gab es eine Plache über der Oeffnung. Der Araber trat ein, während wir vollkommen erschöpft zu Boden sanken. Es dauerte einige Minuten, bis er in Begleitung einer Araberin herauskam, die ein Kind an der Hand führte. Wieder ergab sich ein Gespräch, für das wir nicht das kleinste Interesse aufbrachten. Der Führer sagte mir, daß wir hier bleiben könnten und hieß im? aufstehen und ihm folgen. Mühsam erhoben wir uns und folgten ihm und dem Weib zu einem Baum, an dem eine Art grober Leiter lehnte. Diese Leiter stiegen wir hinauf und kamen auf einen Boden aus Weidengeflecht, der in den Aesten befestigt war und auf dem einige Matten lagen. Viele Tonkrüge lagen umher, die von dem Weibe weggetragen wurden. Wir warfen uns zu Boden, entledigten uns unserer Fußbekleidungen und Röcke. Bevor der Führer uns verließ, fragte ich ihn, wie lange wir wohl hier bleiben müßten. Er antwortete, daß es vielleicht drei Tage dauern würde, vielleicht auch länger, bis die Grenzwachen, die zweifellos durch die Schüsse aufmerksam gemacht worden sind, wieder in ihrer Wachsamkeit etwas nachlassen würden. Er warnte uns davor, uns irgendwie bemerkbar zu machen, wenn jemand in der Nähe sei, und wies uns an, nicht aufzustehen, da dies vielleicht gesehen werden könnte, und erklärte, wie gefährlich es sei, den Raum auch nur für einen Augenblick zu verlassen. In der Baumwohnung Wir waren so müde, daß wir versuchten, sofort einzuschlafen. Meinen Genossen gelang dies auch sehr rasch, doch meine Krämpfe hatten sich wieder gemeldet und ich fand keinen Schlaf. Ich versuchte mich abzulenken und sah mich um. Ueber uns, neben uns rauschten die Blätter und wir selbst wurden mit den Matten leise hin- und hergeschaukelt. Der Platz, der uns zur Verfügung stand, war nicht sehr groß, doch konnten wir nebeneinander liegen, ohne aneinander anzustoßen. Die Sonne stand bereits hoch am Himme^und ich hatte eine herrliche Aussicht über das Land, das vor mir lag. Die klare und durchsichtige Luft gestattete bis tief nach Palästina zu schauen. Ich sah winzige Menschen auf winzigen Eseln reiten, einen Hirten eine Schafherde vor sich treiben, sah zwei palästinensische Grenzpolizisten, wie sie langsam die Grenze abritten. Tiefer Frieden herrschte um mich, nur unterbrochen vom leisen Rauschen der Blätter, dem Schnarchen von M. und dem Schwirren der Fliegen. Diese Fliegen waren etwas Furchtbares. Sie waren zahlreich und gaben keine Ruhe. Sie stachen nicht, doch lustwandelten sie über den Körper, juckten und ließen sich nicht vertreiben. Sie waren viel beharrlicher als die europäischen Fliegen. Vertreibt man diese vom Gesicht, setzen sie sich auf die Hand; vertreibt man sie von dort, setzen sie sich auf den Fuß oder irgend wohin; und vertreibt man sie nochmals, dann geben sie es auf und fliegen davon. Diese Fliegen jedoch, mit denen wir dort zu tun hatten, hatten weniger Ehrgefühl. Jetzt verjagte man sie und bevor noch die Hand die Bewegung beendet hat, sitzen sie schon wieder an der gleichen Stelle, von der man sie eben vertrieben hat. Ich sah, wie sie sich bemühten, unserem indischen Genossen über die Lippen in den halbgeöffneten Mund zu kriechen. Einigemale verjagte ich sie, doch da sie immer wiederkehrten, ließ ich ihnen schließlich ihren Willen. (Fortsetzung in der Freitagnummer.) Palästina Nr. 7, Julinummer, der Zeitschrift „Palästina", ,,Fiba"-Verlag, Wien, VI., Gumpendorfersträße 10, ist eben erschienen. Sie enthält, einen Artikel von Dr. Ing. A. Werber über „Das W a s s e r p r o bl e m Palästinas im Lichte geologischer Ansichten". Der Autor polemisiert gegen den Artikel von Doktor Picard, den Geologen der Universität, der in Nr. 3 über diesen Gegenstand geschrieben hat, und hält den Bau von Staudämmen für geeigneter und billiger als das Frbohren von Wasser. Dr. Leo Picard entgegnet darauf und hält, an seinem Standpunkt fest. — Ueber die „ A egyptisch-palästinensischen Handelsbeziehungen" schreibt der bekannte Nationalökonom David Horowitz. Anläßlich der eben geführten Vertragsverhandlungen mit Aegypten zeigt er deren Schwierigkeiten auf. — Mosche Brachmann schreibt über „Zwei Jahre Einwanderung aus Deutschland". Der Autor gibt eine detaillierte Schilderung der Eingliederung der deutschen Einwanderer nach ihren Kategorien, berührt auch die Fragen der gescheiterten Existenzen, der nötigen Vorbereitungsschulung usw. — Dr. Alfred Marcus schreibt über „Anfänge jüdischer Schiffahrt". Er weist auf die Notwendigkeit jüdischer Schiffahrt hin und bespricht deren erste Anfänge. — Ein Auszug aus dem idmesiimmet Wochen-Kalender Juli 1935 non rrsnn Tamus 5695 Freitag 26 25 Sabbateingang 7.40 Samstag 27 26 Sabbatausgang 8.40 Sonntag 28 27 Montag 29 28 Dienstag 30 29 Mittwoch 31 1 2« «nn wto Donnerstag 1 2 separiert, billig zu vermieten Wien m, (frilnemorgasse 19 19 Jahresbericht <.! c s Landwirtschafts-Departements enthält zahlreiche Daten über Ernten und Versuchswesen, neue Kulturen usw. Besonders reichhaltig ist diesmal die Wirtschaftsrundschau. Der Leiter des „Archivs für den Nahen Osten", Dr. Alfred Bonn e, schreib! über ,,D ic Wirtschaftslage seit 19?» 3". Mit eingehender Kritik untersucht er die großen Wandlungen, die in den letzten zwei Jahren stattgefunden nahen. — Dr. Jacques Adler gibt wie immer unter dem Titel „Wirtschaftsbarometer" eine genaue Marktanalyse und eine Uebersicht über die Palästina-Gründungen. -— Bücher- und Zeitschriftenschau schließen das Heft. „P.alä.stina-Levaiito-Cotirier", Redaktion: Wien, I., Schottenring 20. Soeben erschien die Juli-Nummer dieser Zeitschrift, offizielles Organ der Austro-Palästinensiachen Handelskammer. Aus dem Inhalt sei erwähnt: „Palät'tina-Exportf ragen" von Dr. Julius K a i m, Jerusalem, ,,D er Kommissionär in Palästina" von Karl Weiß, Tel-Aviv, weiters ein Artikel über Neueinwanderung in Syrien, vom Staatssekretär der französischen Kolonien M. Candace. Wichtig für Erzeuger, Importeur und Exporteur ist der „Wirtschaftliche Informationsdienst des p. L. C.", enthaltend: Angebot und Nachfrage; Palästina sucht Geschäftaverbindung; Berichte über Industrie, Handel und Landwirtschaft Iraks, Aegyptens, der Türkei, Syriens und Palästinas, ebenso deren Transport, Verkehr, Zoll, Banken, Versicherungswesen, staatliche Ausschreibungen, Neugründungen und Marktberichte. Bestrenommierte Küche yff^ REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UND 2.60 i l II W Ii L H A 1 b IV BRAl il,Hammer-Pur3stcill-Gcisss 3 (nächst Saiiloibtücke)Ol6!.A-41-0-75 Hotel-Restaurant Smetana-Luhacovice 50 Zimmer mit kaltem und warmem fließendem Wasser. — Erstklassiges Restaurant und Cafe. — Streng rituelle Küche. — Bethaus im Hause. — Eröffnung 15. Mai. Bis 15. Juni billige Vorsaisonpreise. Empffehlen§werfte Firmen Restaurants, Cafes etc. A. Bnrschak, II., Große Schiffgasse 3. Streng Vorzügliche Küche. Billige Preise. Cafe-Kestauruiit Espresso, l.. Kotenturmstraiie 1. Internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. Cafe-Konditorei Heitmann, lt.. 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