Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 479 (12.7.1935)
- Date
- 1935-07-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang. 9 Freilag/ den 12* Juli 1935 Nr* 479 V* b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal exn^JG par l'editeur*4 181 . -UM»**-** Xitt. «»l«etS,W REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN; Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit £3 bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u,Verwaltung: lXtUniversitäfsstr.8,Tel.A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u.Freitag Amerakasmdhe Warenhäuser ohne deutsche Waren Die Jüdische Telegraphen-Agentur meldet aus New York: „Frau Mark Harris, Vorsitzende der Frauenabteilung der Unparteiischen Anti-Nazi- Liga, teilt der J. T.-A. mit: Es gibt keine Warenhäuser mehr in New York, die deutsche Waren verkaufen. Delegationen der Frauenabteilung haben die Warenhäuser aufgesucht und auf Grund einer genauen Prüfung ihrer Bücheifestgestellt, da» nirgends mehr deutsche Waren angeboten iverdeK. Die aus der Zeit vor Hitler noch zurückgebliebenen deutschen Waren wurden an die Angestellten zu Schleuderpreisen abgegeben. 35 Frauen-Komitees überwachen in den 35 Stadtbezirken New Yorks die Detailgeschäfte, damit keine deutschen Waren zum Verkauf gelangen. Entzieht sich ein Geschäftsmann der TOebcrwachung, so werden die Hausfrauen des betreffenden Bezirkes auf Versammlungen und durch Post ersucht, das betreffende Geschäft zu meiden. Meist sind die Ladeninhaber peinlich darauf bedacht, nichts mit Set föfm;rl)(ili[(f)cit 9lpioncit ber gltffRJCÖC ftets nur.... fsn deutschen Waren zu tun zu haben. Eine Ausnahme machen lediglich einige Einheitspreisgeschäfte." * Die Anti-Nazi-Liga wird von den Nationalsozialisten als eine „jüdische" Organisation hingestellt. In Wirklichkeit ist die Liga eine Vereinigung der verschiedensten religiösen, sozialen und politischen Verbände. Die im „Jewish Congress" organisierten jüdischen Anhänger des Boykotts bilden nur eine Gruppe der Liga. Die überwiegende Majorität in der Liga bilden die Arbeiter-Organisationen und die von hohen katholischen und protestantischen Geistlichen und Politikern vertretenen konfessionellen Verbände. Da nach der Machtergreifung durch Hitler zuerst die Judenverfolgungen einsetzten, war es nur natürlich, daß die Boykottbewegung unter den Juden einsetzte. Als aber daran die Verfolgung des Protestantismus, Katholizismus und Sozialismus einsetzte, wurden die gesinnungsverwandten nichtjüdischen religiösen und politischen Kreise von der Bewegung ergriffen und es kam zur Bildung der Anti-Nazi-Liga. Es muß erwähnt werden, daß gerade der Kreis reicher Assimilationsjuden um das von Warburg, Morgentau u. a. geführte „Jewish Committee" den Boykott heftig bekämpft und gewisse Warenhäuser in j ü d i s c h e m Besitze die letzten waren, die~"sicK der Boykott-Parole fügten. §toeifc im Haifaer Hafen Aus Haifa wird gemeldet: Im hiesigen Hafen ist ein Streik der Hafenarbeiter wegen eines Zwischenfalls mit den Zollbeamten ausgebrochen, welche einer Gruppe von Arbeitern einen Lohn niedriger Tarifklasse verrechnet haben. Dieser Streik wurde durch aus dem Hau r an eingewanderte arabische Arbeiter gebrochen. Der Lohnstreik in Haifa wäre an sich kein auffallendes 'Ereignis. Bemerkenswert wird er erst durch die Tatsache, daß die;illegal ' nach Palästina gekommenen Araber aus dem Hauran in den anticnglischen Streik eingreifen und ihn wahrscheinlich zum Scheitern bringen. Die Histadruth, die sich um die Organiserung der arabischen Arbeiter bemüht, und die linke Exekutive, die dem Einströmen fremder Arbeitskräfte tatenlos zusieht, sehen jetzt die Früchte ihrer Einstellung. Die Palästinaregierung hingegen kann die bei ihr beschäftigten Arbeiter jederzeit niederhalten, da ihr Ersatz aus dem Hauran zur Verfügung steht. jüdische Wi'rösdiaftsnoi in Osteuropa Aus Warschau: Das polnische Finanzministerium hat beschlossen, die Lizenzen der Wein- und Spiritushändler in Polen nicht zu erneuern. Da ein großer Teil des Wein- und Spiritushandels sich in jüdischen Händen befindet, wird diese Maßnahme für die wirtschaftliche Lage der Juden in Polen von ein. schneidender Bedeutung sein. Ungefähr 2 0.0 0 0 jüdische Familienväter sind gegenwärtig in diesem Wirtschaftszweig tätig. Der Jüdische Kaufmännische Verein hat in dieser Angelegenheit wiederholt beim Ministerium vorgesprochen; bisher haben seine Bemühungen keinen Erfolg gehabt. ei Aus Kaunas: Die litauische Regierung trifft jetzt Arrangements zur Konzentrierung des gesamten Getreidehandels bei den großen Kooperativen; die kleineren Getreidehändler sollen ganz ausgeschaltet werden. Dieser Plan würde Tausendc jüdischer Familien, die ihr Einkommen aus dem Getreidehandel ziehen, brotlos machen. Durch ähnliche Arrangements wurden bereits zahlreiche jüdische Familien aus dem Flachahandel und dem Handel mit Milch- und Fleischprodukten ausgestoßen, feine Konferenz der litauisch-jlldischen Getreidehändler befaßte sich mit der dem jüdischen Getreidehandel krönenden Vernichtung und setzte eine Kommission zur fetefcämpfung dieser Gefahr ein. Viele unterdrückte Völker bedienten sich der Turnerorganisation als wirklichen Mittels für den Auf- ' stieg der Nation. Bei den Deutschen, Tschechen, Ukrainern und vielen anderen waren gerade in den Zeiten des härtesten Kämpfens um die nationale Selbständigkeit Turnbewegung und Freiheitsbewegung identische Begriffe. Es war daher selbstverständlich, daß gleich zu Beginn der Zionistischen Bewegung die jüdische Turnerorganisation „Makkabi" geschaffen und von Theodor Herzl und Max Nor da u mit besonderer Liebe behandelt wurde. Die schönsten nationalen Hoffnungen knüpften an den „Makkabi" an. Hat der „Makkabi" die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt, ist er ein Zentrum der zionistischen Bewegung geworden, hat er in dem politischen und kulturellen Ringen um Anerkennung der jüdischen Nation in der Galuth und um Palästina die Rolle des Vorkämpfers oder auch nur des allezeit bereiten Mitkämpfers gespielt? Die Fragen können bei größtem Wohlwollen für den „Makkabi" nicht bejaht werden. Vom „Makkabi" ist kein nationaler Impuls ausgegangen. Er hat sich bei allen nationalen Kämpfen selbst außer Rechnung gestellt. Nun hat sich die Situation noch verschlechtert. War die Haltung des „Makkabi" bisher in nationaler Hinsicht passiv, so beginnt sie jetzt antinational zu werden. Im „Makkabi", der als nationale Organisation gegründet wurde und sich nach außenhin als solche bezeichnet, macht die Ideologie des Klassenkampfes und der Internationale Fortschritte. Wenn die Dinge sq weitergehen, wird der „Makkabi" in Kürze eine Filiale der Zionistischen Arbeiterpartei, welche der Internationale angeschlossen ist und auf dem Prinzip de3 Klassenkampfes basiert, sein. Wie weit die antinationale Entwicklung im „Makkabi" gediehen ist, kann aus dem Verlauf der Sitzung einer seiner leitenden Institutionen, die vor kurzem in Palästina stattfand, ersehen werden. Die Weit- Weidah des „Makkabi Hazair", das heißt die oberste Leitung der im „Makkabi" organisierten Jugendlichen und Arbeiter, hat sich bei dieser Sitzung mit der Klarlegung des Verhältnisses des „Makkabi" zur „Hista- •vffo Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquis f Die richtige Senkfußeinlage sorgfältigst angepaßt, hochelastisch, federleicht, für jeden Schuh, Marke „PEDIFRIT" Alleinverkauf: Fachfirma Gegründet 1904 Hnnrinngn-Mikolasch Wien II, laborstraße 22 JMe#<rt umk Müib" Unter diesem Titel veröffentlichen wir aus der Feder unseres palästinensischen Mitarbeiters Oscar Herlinger einen spannenden Bericht über die Erlebnisse von Juden, die „illegal" nach Palästina gelangen wollten. Unseren Lesern sind die strengen Maßnahmen der Palästina-Regierung gegen die sogenannten „Illegalen" bekannt, nicht minder die Leiden, welche diese in den palästinensischen Gefängnissen zu erdulden haben. Wenn die Gefährlichkeit der Reise und der Grenzüberteritt und schließlich die strengsten Strafen Juden aus allen Ländern nicht abhalten, ohne Zertifikat nach Palästina zu gehen, so kann man daran die ungeheure Judennot ermessen. Frauen und Kinder in Gefängnisse gepreßt, ihrer letzten Mittel betreaubt — das sind die äußeren Zeichen des un-= sinnigen Zertifikatensystems, wie es bisher seitens der Palästina-Regierung geübt wurde. Der Reisebericht „Illegal nach Palästina" voa» Oscar Herlingere liest sich wie ein Absnteurerroman. Er wird zweifellos alle Leser fesseln. Wir beginnen mit der in Fortsetzungen erscheinenden Originalarbeit in der heutigen Nummer. Das Feinsie vom Feineri Der eefatie SCHWERER KASE Aller Komiort. Elegant« Zimmer. Nabe am Meer und Kasino. Idealer Aufenthalt. Koaplerte Pension :fFrcs. 35,— druth", der großen Klassenkampfgewerkschaft in Palästina, und zu den anderen auf nationalem Boden stehenden Gewerkschaften der Judenstaatspartei, der Allgemeinen Zionisten und der Revisionisten beschäftigt. Der Sitzung lag ein Beschluß des „Makkabi Hazair" in der Tschechoslowakei vor, der seine Mitglieder dazu verpflichtet, in der Tschechoslowakei dem unter sozialdemokratischer Führung stehenden „Hechaluz" und in Palästina der „Histadruth" beizutreten. Die Sitzung der Weltleitung stimmte dem Beschluß des tschechoslowakischen „Makkabi Hazair" zu und forderte die im „Makkabi Hazair" organisierten Jugendlichen und Arbeiter auf, in Palästina der Klassenkampf gewerkschaft „Histadruth" beizutreten. Damit hat der „Makkabi" in solenner Weise deklariert, daß er fortab weder eine nationale noch eine überparteiliche Organisation, sondern eino Filiale der Arbeiterpartei ist, welcher er seine Jugend zutreibt. Die Leitung des „Makkabi" hat damit nicht nur diese Organisation des nationalen Charakters entkleidet, sondern ihre Auflösung angebahnt. Der „Makkabi" wird unter solchen Umständen die Konkurrenz mit dem „Hapoel", der unter Leitung der „Histadruth" stehenden Turn- und Sportorganisation, nicht bestehen können. Die in nationaler Hinsicht gar nicht oder nur mangelhalt erzogene „Makkabi"-Jugend wird zum Hapoel, der die blau-weiße Nationalfarbe abgelegt hat, und unter roter Fahne spielt und turnt, abwandern. ■ Daß dieser Prozeß bereits eingesetzt hat, geht aus einem Artikel der Allgemeinen zionistischen Prager „Selbstwehr" hervor, in welchem es heißt: „Die größte Schwierigkeit für die »Makkabi4- Bewegung in Erez Israel bedeutet der ,H a p o c P. Nioht deshalb, weil er vielleicht turnerisch und sportlich gleichwertig oder besser wäre, sondern deshalb, weil er eine politische und wirtschaftliche Macht darstellt. Dadurch, daß der »Hapoel* eine Kulturinstitution der .Histadruth' und diese heute der souveräne Beherrscher des Arbeitsmarktes ist, entsteht eine wirtschaftliche Abhängigkeit unserer Menschen, der insbesondere die labilen Elemente des .Galnth-Makkabi' leicht erliegen. Es ist ein großer Fehler, daß selbst führende Menschen des .Makkabi' den ,Hapoel* nicht so sehen, als er wirklich Ist, nämlich als ein, poll«