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Die neue Welt · 1935-05-17 · Heft 464 (17.5.1935) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 464 (17.5.1935)
Date
1935-05-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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SUte 8 DIE NEUE WELT Nr. 464 M6t dem Motorboot durch das Tote Meer Von Josef Josefsberg (Jerusalem) Tn der Ben-.Tehuda-Straße in Jerusalem, beim Büro der ,.Kalia", besteigt man den Autobus und fährt in etwa einer Stunde, das Rahel-Grab rechts und Bethlehem links Hegenlassend, durch die Wüste Juda zwischen dem Geoirge Benjamin und dem Gebirge Juda. von der Ferne das Gilead-Gebirge in Transjordanien erblickend, auf einer wunderbaren Serpentine immer tiefer, von 750 m über dem Meeresspiegel bis ungefähr 400 m unter dem Meeresspiegel — durch dicke und warme Luft, dem Toten Meer zu. Bevor die Chaussee nach Jericho abzweigt, wird halt gemacht. Man wandert etwa zwanzig Minuten, um den ..Nachal Krith" zu sehen; dieser Bach, etwa 8 km lang und y: m breit, schlängelt sich durch eine Schlucht. Nach dem Buch „Könige" hat sich der Prophet Eliahu vor den Verfolgungen des Ahab und der Isebel hier verborgen gehalten; hier sollen auch die Essäer gelebt haben. Heute ist an derselben Stelle im Felsengebirge ein Kloster erbaut, das von griechischen Mönchen bewohnt wird. Nach etwa 20 Minuten Fahrt erblickt man zwischen dem Gebirge Moab und dem Gebirge Juda eine blaue Wasserfläche: Man ist am Toten Meer. Es wird im Hotel der „Kalia"-Gesellschaft übernachtet, auf daß man um Vi6 Uhr früh mit dem Motorboot das Tote Meer durchqueren kann. Einer der wunderbarsten Punkte unserer Erde befindet sich hier. Im Süden, in gleicher Entfernung vom Mittelmeer im Westen und von der syrischen Wüste im Osten, liegt ein majestätischer See, wunderbar und einzig in seiner Art. Es ist der „Jam Hamelach", das Tote Meer, schaurig und herrlich zugleich. Dieser See hat verschiedene Namen; man nennt ihn Ostmeer, weil er östlich des Gebirges Juda liegt; Asphaltmeer wegen des Asphalts, das sich in seiner Umgebung vorfindet; Totes Meer, weil dort kein lebendes Wesen vorhanden ist; man nennt den See auch Sodom-Meer, die Araber nennen den See „Bachar Lut", weil Lot sich aus Sodom nach Zoar rettete. Kein Meer, kein See in der Welt enthält so viel Salz xind Mineralien wie das Tote Meer. Im Norden ist der Salzgehalt 28 Prozent, in der Mitte 33 Prozent. Keine Meerespflanze, kein Krebs, kein Fisch lebt dort, der Tod regiert in seinen Gewässern; wüst sind seine Ufer, kein Grün, keine Pflanze ist vorhanden, nur Reste alten Holzes liegen herum, die noch den Eindruck von Wüste und Tod verstärken. Einzig ist das Tote Meer auch in seiner geographischen Lage: es ist der tiefste Punkt in der großen Senkung, welche sich vom Norden Syriens durch das Tal der Bäche Orents und Litani und des Jordan, der Bucht von Akaba, durch das Schilf-(Rotes) Meer nach Südafrika erstreckt. Durch das Tal strömen die Bäche von den Bergen hernieder, sie durchbrechend, wodurch wunderbare Schluchten entstehen. Einzig in seiner Art ist das Klima des Toten Meeres. Eine außergewöhnliche Hitze herrscht dort, der Luftdruck ist so stark, wie an keinem Punkt unserer Erdkugel. Die mittlere Temperatur im Winter erreicht 17 Grad Wärme; im Sommer steigt sie auf 50 Grad Hitze. Während im Lande durchschnittlich 400 bis 800 Millimeter Regen fällt, beträgt der Durchschnitt am Toten Meer 200 Millimeter. In der biblischen Epoche spielt die Umgebung des Toten Meeres eine große Rolle. Wir lesen im Buch „Bereschith" (Genesis): Unser Stammvater Abraham saß im Hause Mamre. Lot trennte sich von ihm „und saß in den flachen Städten und schlug seine Zelte bis Sodom auf", denn dieses Land war „wie der Garten Gottes, wie das Aegypterland, ehe Gott Sodom und Gomorra vernichtete". Hier führten die Könige mit Kaderlaomer nach ihrer Besiegung „der Rephaim in Aschtaroth-Karnajim, die Susim in Horn und die Aimim in Schaweh-Kirjathaim. Von dort sammelten sich die Sieger und gingen zum Volk, welches wohnt „am Berge Seir bis Ail Parais in der Midbar . . . und sie schlugen den Emoriter, welcher saß in Chazzezus- Tamar". Es fielen dort die Könige von Sodom und Gomorrha. Lot war unter den Gefangenen, zu seiner Befreiung eilten Abraham und seine Angehörigen und „gab dem König von Sodom die Menschen und auch das Vermögen, er nahm für sich weder eine Schnur noch ein Schuhband". In der biblischen Epoche waren an den Stätten, die heute eine trostlose Wüste darstellen, blühende Siedlungen, so Ain-Gedi (Chazzezon-Tamarj, Zoar, welche im Tanach erwähnt werden. Im Süden lag das Land Edom, die Handelsstraße zwischen Ezion—Geber (Akaba) am Roten Meer; Erez Israel und Syrien gingen durch Edom entlang des Toten Meeres, ihre Hauptpunkte waren Sela- Edom (Petra), Zoar, und En-Gedi. Der erste Forscher, der mit einem Boot das Tote Meer durchquerte und Untersuchungen der Mineralien und Messungen vornahm, war der Ire Castigän. Im Jahre 1835 ließ er vom Mit.telmeer nach Tiberias ein Boot schaffen. Von dort fuhr er durch den Jordan ans Tote Meer, er durchquerte die ganze Länge und Breite, entdeckte Schwefelquellen an den Ufern und sank nach Beendigung der Reise infolge der großen Strapazen erschöpft zusammen. Von 1839 bis 1907 wurde das Meer von fünf Forschern, u. a. vom deutschen Geologen Blankenborn, durchquert. Im Jahre 1907 entsandte der türkische Sultan Abdul Hamid eine Expedition, die der deutsche Geologe Blankenborn und die Juden Ahronson, Aharoni und Ing. Treidel angehörten; sie sollten feststellen, ob die Mineralien für die Industrie ausgebeutet werden könnten. Das Ergebnis war positiv. Auf der rechten Seite, etwa 40 km von Jericho entfernt, strömt aus den Felsen der Bach Nachaliel; hier lagerten die Israeliten, wie es in dem Buche „Bamidbar" (Die Wüste), Kap. 21, erwähnt wird. Auf derselben Seite, etwa 15 km entfernt, fließt der Bach Arnon. Die Berger werden immer höher, zerklüfteter und wilder, der Bach Arnon bricht wasserfallartig aus dem Felsengebirge hervor. Er bildet ein Delta und mündet in das Tote Meer. Einige Kilometer südlich des Baches Arnon glaubt man im Gebirge eine schwarze Steinschicht zu sehen. Bei näherer Betrachtung stellt es sich heraus, daß es kein Stein, sondern eine schwarze, aus Asphalt bestehende Masse ist. Durch den Asphalt rieselt Petroleum. Die Araber nennen diese Stelle Asphaltgrotte. Die herabrieselnde Masse ist Petroleum, das während des Strömens unter der Sonne verhärtet. Etwa 10 km vom Bache Arnon auf der Seite des Gebirges Moab ist der „Har Sodom" (Berg Sodom). Er besteht aus Salzablagerungen und ist rein wie Bergkristall. Im Berge gibt es einige Höhlen, eine von ihnen ist etwa 300 m lang. Die Beduinen verkaufen dieses Salz in Bethlehem und Hebron. Mit Spannung und Erschütterung nähert man sich dem etwa 5 km entfernt liegenden M a s s a d a. Welche Gedanken steigen da auf? Auf dem Berge Sebeh war die Festung Massada erbaut; viele Steine liegen herum, und eine kleine Pyramide als Ueberrest der Heldenfestung ist zu sehen. Massada wurde vom Hohepriester Jochanan als Festung angelegt, Herodes baute die Festung aus. Hierher flüchtete das letzte Häuflein der Zeloten aus Jeruachalajim unter ihrem Führer Eleasar ben Chananja. Der römische Feldherr Silva belagerte längere Zeit mit. einem großen Heer diese kleine Festung, die jüdischen Helden machten oft Ausfälle, warfen die Römer zurück, kämpften wie die Löwen. Als jeder weitere Widerstand aussichtslos schien, versammelte der Führer Eleasar die Besatzung (auch Frauen und Kinder) und erklärte, es sei ehrenhafter, zu sterben als in römische Gefangenschaft zu geraten. Die Männer umarmten ihre Frauen und Kinder, töteten sie sodann, schließlich sich selber. Der Letzte stürzte sich in sein Schwert. Als die Römer keinen Widerstand mehr fanden, drangen sie in freudiger Stimmung in Massada ein; sie glaubten den heldenhaften Widerstand gebrochen zu haben, aber was erblickten sie? Zwei Greisinnen und fünf Kinder kamen ihnen entgegen, führten sie zu den Leichen und erzählten ihnen vom Entschluß, zu sterben. Die Helden lagen umschlungen, tot. Die römischen Soldaten waren erschüttert, sie feierten keinen Sieg — sie zogen still ab. Die letzte Etappc ist En-Gedi. Hier lag zur Zeit Abrahams Chazzezan-Tamar, hier ist der einzige Punkt am Westufer, wo eine Siedlung besteht. In dieser Umgebung verbarg sich David vor Saul. Kadorlaomer schlug hier den Emoriter. Hier sammelten sich die Heere von Ammon, Moab und die Bewohner des Berges Seiir zum Kriege gegen Jehosafat, den König von Juda. Heute sitzen in En-Gedi etwa 100 arme, kranke Beduinen. Von En-Gedi geht das Motorboot nach „Kalia" zurück, wo das große Cafe" am Ufer des Toten Meeres von Gästen aus Jerusalem, Hebron und Bethlehem überfüllt ist. Die Tanzmusik, die aus dem Radio-Lautsprecher dringt, führt von der Geschichte zur Gegenwart zurück. Aus den Salzwerken, den Beamten- und Arbeiterhäusern, aus den Hotelzimmern strahlt elektrisches Licht, der Mond bricht hinter dem Moab-Gebirge plötzlich hervor und beleuchtet taghell den See, bergauf geht es dann nach Jerusalem zurück. — Unvergeßliche Eindrücke! Der englische König beim Seder Der englische König, dessen fünfundzwanzigjähriges Regierungsjubiläum mit so ungeheurer Pracht in London gefeiert wird und an dem das ganze britische Imperium teilnimmt, hatte, wie jetzt die englische Presse vermerkt, zahlreiche jüdische Freunde. Er verkehrte als Prinz sehr viel in jüdischen Kreisen, insbesondere zu einer Zeit, da er „Flottenoffizier" war. Man erfährt jetzt Einzelheiten aus der Prinzenzeit König Georgs V. Der Prinz war mit der Familie Rothschild, mit den Sassoons (den aus* Indien stammenden jüdischen Millionären), mit Baron Hirsch sehr gut bekannt. Tiefen Eindruck machte auf ihn ein Sederabend in Jerusalem, welchen er im Haus des damaligen „Chacham Baschi" und jetzigen Oberrabbiners der palästinensischen Sephardim, Raw Jakob Meir, verbrachte. Ueber diesen Sederabend finden sich interessante Aufzeichnungen im Tagebuch des Prinzen. Er war so sehr von der Sederzeremonie begeistert, daß er an sie sein ganzes Leben lang nicht vergessen konnte. Es war im Jahre 1882, als er zusammen mit seinem älteren Bruder, Prinz Albert Viktor, eine Weltreise machte und auf dieser auch die Küste Palästinas berührte. Es war gerade Osterzeit und er blieb in Jerusalem. Der damalige „Chacham Baschi" liebte es, hochgestellte Nichtjuden an seinem Sedertisch zu sehen, damit diese einen Begriff vom jüdischen Zeremoniell und den jüdischen Sitten bekommen. So gehörte beispielsweise zu seinen Gästen Sir Ronald Störs, der gewesene Gouverneur von Jerusalem, dessen Nachfolger Kaxth-Roach u. a. Einige Jahre vor dem Besuch des Prinzen Georg erschien auch der damalige König Eduard von England als Gast zum Seder beim „Chacham Baschi" in Jerusalem. Außer dem Prinzen Georg, dem heutigen englischen König, nahmen an dem Seder auch einige Offiziere der britischen Flotte teil. Die Nachricht, daß die Söhne des englischen Königs den Sederabend beim Chacham Baschi verbringen werden, verbreitete sich rasch in Jerusalem und bildete das Tagesgespräch. Nach den Sagen der Hagadah gab der „Chacham Baschi" den neugierigen und interessierten Gästen genaue Erklärungen über die Bedeutung dieses oder jenes Details der Sederzeremonie. Besonderes Interesse bewies hier der nachmalige englische König, der unaufhörlich Fragen stellte und von der Tiefe des jüdischen Rituals begeistert war. Der Dolmetsch bei diesem interessanten Gespräch war der damalige Direktor der Alliance- Schule in Jerusalem, der die beiden Prinzen auf ihren Spaziergängen durch Jerusalem begleitete. Beide Prinzen beteiligten sich sozusagen aktiv am Seder. Sie machten alle Einzelheiten des Zeremoniells mit und ließen sich es auch nicht nehmen, Mazzoth und die bitteren Kräuter zu genießen. In seinem Tagebuch beschreibt der heutige englische König die Sedernacht mit allen Details und bemerkt noch hiezu, daß er nachher verträumt durch die stillen Gassen Jerusalems wandelte ... Export nach Palatino. Die offizielle Statistik 1934 zeigt, daß aua Oesterreich 300 Artikel im Werte von rund 9 Millionen Schilling nach Palästina ausgeführt -wurden. Oesterreich steht in der Einfuhrtabelle Palästinas noch immer an v i e rzehnter Stelle. Täglich laufen Anfragen palästinensischer Firmen wegen Anknüpfung von Geschäftabeziehungen mit Oesterreich ein. Sowohl Firmen, welche bereits mit Palästina in Verbindung stehen, als auch andere Interessenten wollen sich zwecks Entgegennahme von Informationen bei der Oester r. - palästinensischen Wirtschafts- und Handelskammer, Wien, IX., Alserplatz 3, melden. Gegenwärtig liegen Anfragen vor wegen: Drahtgeflecht und Drahtgewebe, Schreib- und Packpapier, Möbel- und Baubeschläge, Schuhe, Holzschrauben, Armaturen, gußeiserne Abflußrohre und ähnliches. JUslauml Bittet Bestrenommierie Küche "itO REICHHALTIGE MENOSäS 1.90 UNO 2.60 C H W Ii C H A T Ii k BRAU lltHammcrPiTgstqll-Gcnse 3 (nächst Salitoibiüftt) »TU.H1-C-?3 Hotel-Restaurant Smetana-Luhacovice 50 Zimmer mit kaltem und wannem fließendem Wasser. — Erstklassiges Restaurant und Cafe. — Streng rituelle Küche. — Bethaus im Hause. — Eröffnung 15. Mai. Bis 15. Juni billige Vorsaisonpreise. 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Wochen-Kalender Mai 1935 w n'inn Ijar 5695 Freitag 17 14 Sabbateingang 7.90 Samstag 18 15 Sabbatausgang 8.30 Sonntag 19 16 Montag 20 17 Dienstag 21 18 Iowa Mittwoch 22 19 Donnerstag 23 20 « Eigentümer, Verleger, Herausgeber un<J yerantwortlicUer Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. —. Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G, Ignaz Steinmann, beide WiW» IX.. VniversItätMtraße 8.

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