Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 455 (12.4.1935)
- Date
- 1935-04-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 455 DIE NEUE WELT Seite 3 ] A* CffSfczung ge§di!o§§en Austritt der Revisionisten Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Session des Zionistischen Aktionskomitees in Jerusalem ist in der Nacht zum 8. April mit einer Ansprache Dr. Nahum Goldmanns geschlossen worden. Dr. Goldmann gab der Hoffnung Ausdruck, daß es doch noch gelingen werde, die Einheit des Zionismus zu erhalten. Die Revisionisten hatten die Sitzung verlassen, nachdem Ihr Sprecher eine Erklärung abgab, daß die Revisionisten sich am XIX. Zionistenkongrcß nicht mehr beteiligen werden. Dem Exodus der Revisionisten gingen intensiv geführte Verständlgungsverhandlungen voran. Das A. C. hatte sich eigens vertagt, um dem M i s r a c h I und den Allgemeinen Zionisten Gelegenheit zu geben, sich über die von den Revisionisten abgegebene Erklärung schlüssig zu werden. Die Vertreter der Arbeiterschaft aber erklärten, daß sie sich jedem Versuch widersetzen werden, die vitalen Notwendigkeiten der Zionistischen Organisation zu opfern. Die K r i s i s trat in Erscheinung, als feststand, daß die Versuche der Allgemeinen Zionisten, eine Koalition aller Parteien auf der Basis der Disziplin zu schaffen, fehlgeschlagen sind. Die Revisionisten wollten ihre Zustimmung zu einer Koalition auf der Basis der Disziplin nicht geben. Am späten Abend des 7. April wurde endlich die A.-C.-Tagung wieder eröffnet. Die Revisionisten waren zu Beginn der Sitzung nicht zugegen. Später erschienen sie in der Sitzung, gaben die Erklärung ab, daß sie nach Ablehnung ihres Round- Table-Vorschlages sich am 19. Kongreß nicht beteiligen werden, und verließen die Sitzung. Disziplin/ Organisafion und Finanz Vorher hatte das A. C. mit 36 gegen 13 Stimmen den Beschluß der Exekutive, die Disziplinformel auf dem Schekelformular aufdrucken zu lassen, gutgeheißen. Einige Allgemeine Zionisten aus Ostgalizien enthielten sich der Stimme. Die Organisationskommission des A. C. hat dem Antrag des Haschomer Hazair, als Sonderverband C-icrkannt zu werden, zugestimmt, lehnte aber den Antrag Meer Großmans, auch die Judenstaatspartei als Sonderverband anzuerkennen, ab. In der Nachtsitzung nahm das A. C. eine Reihe von Resolutionen, betreffend Gründung von Banken für Industrie, für Landwirtschaft und für Erteilung ländlicher Hypotheken, an. Das A. C. beschloß, vom Einkommen aus den ländlichen Siedlungen 40 Prozent für neue Kolonisation, 40 Prozent für Häuser in Arbeitersiedlungen Innerhalb der bestehenden Kolonien und 20 Prozent für Anleihen an die bestehenden Kolonien zu verwenden. Das Budget Das A. C. beschloß folgendes Budget: £ 94.000 für »eue Kolonisation, £ 66.000 für endgültige Stabilisierung der bestehenden Kolonien, £' 15.000 für das Kolonisationswerk der Baron Edmond de Rothschild- Gedächtnisstiftung, £ 10.000 für politische Arbeit (davon £ 6250 für Informationsdienst und verschiedene andere Zwecke), £ 5000 für das hebräische Kulturwerk der Bialik-Stiftung, £ 4000 für die Arlosoroff-Gedächtnis-Kolonie, £ 22.000 «ür Schuldenrückzahlung, £ 25.000 für K e r e n- Hajessod-Verwaltung, £ 20.000 für Erziehungsarbeit, £ 1000 für religiöse Arbeit, £ 1000 für Propaganda. Politisches Das A. C. forderte die Regierung in einer Resolution auf, die Arbeiter-Einwanderungsschedule für die nächste Halbjahresperiode entsprechend den akuten Bedürfnissen des JLandes nach neuen Arbeiterhänden zu erhöhen. Ferner wurde die Regierung ersucht, der Zionistischen Exekutive die Regelung der jüdischen Einwanderung nicht dadurch zu erschweren, daß Sonder-Katcgorien und Unter-Kategorien von Einwanderern geschaffen werden. Weiters wurde die Regierungersucht, neuerdings Zertifikate für Handwerker mit £ 250 Eigenkapital und für Kleinkapitalisten mit je £ 500 Eigenkapital außer der Reihe der Arbeiter-Schedule zu gewähren. Den Kleinkapitalisten soll ihr Besitz, den sie laut Pachtverträgen mit dem Jüdischen Nationalfonds oder der PIGA oder sonst im Lande haben, in das erforderliche Einwanderungskapital eingerechnet werden. In einer weiteren Resolution appellierte das A. C. an die Regierung, allen Personen, die als Touristen nach Palästina kommen und später Arbeit im Lande finden, dauernde Aufenthaltserlaubnis zu geben. Mit der Absingung der Hatikwah wurde die Session geschlossen. Ein Jahr „Brith Hakanaim" in Oesterreich Von Fritz Richter (Mefaked Galil des Brith Hakanaim) Der erste Geburtstag, den der „Brith Hakanaim" in vielen Ländern feiert, ist nicht nur für diese Jugendorganisation ein bedeutsames Ereignis. Die gesamte Judenstaatspartei nimmt an diesem Gedenktag den regsten Anteil. Innerhalb der Etappen der ersten Arbeit, die die Judenstaatspartei allerorts zu bewältigen hatte, begegnete der „Brith Hakanaim" den größten Widerständen — gerade dieser Organisation gegenüber machte sich, auch in den eigenen Reihen, eine Skepsis bemerkbar, die das Tempo des Hakanaim-Aufbaus zu hemmen drohte. Darum muß es alle Judenstaatsparteiler mit großer Befriedigung erfüllen, daß jene recht behielten, die vom ersten Augenblick auf der Meinung beharrten, daß die Judenstaatspartei nur dann Aussicht auf dauernden Erfolg haben könne, wenn ihr die organisatorische Erfassung JUstautatd Holet Stefanie :.™;;| te«k%i» Ausgiebige Braten-Nenlls S 1.00 »«wi'-i „ oeflügei- „ s a.ao \WJ | Vorzügliche Zubereitung — Schweohater Biere — Naturweine | I IltllHIHHHIIIHIIIIIIIIHUIIIIIlim; der jüdischen Jugend gelingt und die Erziehung dieser Jugend eine Form annimmt, die sich von den anderen jüdischen Jugendorganisationen unterscheidet. Innerhalb der zionistischen Jugendbewegungen zeigt sich fast das gleiche traurige Bild innerer Zerrissenheit, das die gesamte zionistische Bewegung kennzeichnet. Es erübrigt sich hier, die Zustände ausführlich zu schildern, die zur Gründung der Judenstaatspartei führten; hier sei bloß darauf verwiesen, daß der „Brith Hakanaim" aus derselben Erkenntnis wie die Judenstaatspartei geschaffen wurde und konsequenterweise als integrierender Bestandteil der Judenstaatspartei seine Aufgabe erfüllt. Unser großes Ziel und unsere hohe Auffassung von der Bedeutung unserer Jugend machen unsere Aufgabe um so notwendiger, als die Schäden immer deutlicher werden, die eine radikal links oder radikal rechts geführte Jugend der Gesamtbewegung zufügt. Es ist nicht mehr der Begriff des jüdischen „Pioniertums", den die anderen Jugendbewegungen ihrer Mitgliedschaft imputieren, sondern hier die Lehre des „Klassenkampfgedankens", dort die Notwendigkeit der Unterordnung unter den „Führerwillen". In diesen Tendenzen ist nichts mehr davon zu erblicken, was Theodor H e r z 1 vom jüdischen Menschen verlangte. Die Jagd nach dem Zertifikat ist Selbstzweck geworden. IvCfieii den Strich zeigt sich die Qualität. Elastisch, rasch und sicher gleitet die Der „Brith Hakanaim" hat sich ein Maximalprogramm gestellt. Er ist da.von durchdrungen, daß die zionistische Bewegung nur dann auf den richtigen Weg zurückgeführt werden kann, wenn die Jugend wiederum von einem Patriotismus erfüllt sein wird, der den jungen Juden zu einem Faktor des Judenstaatsaufbaues macht. * Im Wort Patriotismus sehen wir alles kristallisiert, was der „Brith Hakanaim" seiner Mitgliedschaft ein- ■NAAenuifi^ucherider^/erfärbung? der/Zähne Jvorbetigen^woHen, dannjjwlft nur^die/egelmäßige, tög- Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 flößen will: Erkenntnis des Wertvollen im jüdischen Volkstum, Bekenntnis zu diesem Volkstum in der Galuth und in Erez Israel und höchste Opferbereitschaft, diesem Ideal alle Kräfte, die geistigen, physischen und sittlichen, zu leihen. Der „Brith Hakanaim" wird seine Aufgabe erfüllen. Denn seine innige Verbundenheit mit der Judcnstaatspartei verweist ihn auf den Weg, den Theodor Herzl vorgezeichnet hat. Daß es dem „Brith Hakanaim" in Oesterreich gelungen ist, in stiller, hartnäckiger Arbeit den Grundstock zu einer Organisation zu schaffen, die jenen Aufgaben gerecht werden kann, werden die kommenden Veranstaltungen beweisen. Sie werden einen Rückblick über den bisher zurückgelegten Weg geben und den Ansporn zu weiterer Pflichterfüllung gegenüber dem jüdischen Volk bilden. 10.000e So verschieden die Ansichten und Ueberzeugungen der Wiener Judenheit in allen religiösen und wirtschaftlichen Fragen auch sein mögen, in einem Punkte gibt es bei vielen Zehntausenden nur eine Ueberzeugung 6b slwty tokz fodsdutälUU, ob reich oder arm auf den Pessach-Tisch des Kenners und Feinschmeckers kommen seit mehr als 40 Jahren nur die bei allen beliebten, von allen bevorzugten Besonders delikat ist die Spezialmärkte „N. B." - Mazzoth, Grieß und Farvel, welche Sie in allen besseren Geschäften bekommen. (Erzeugung 1935!) ZENTRALE: N. BRODETZKY II, Leopoldsgasse43,Tel. A-40-0-90, A-60-2-63, A-48-4-48 Achten Sie im eigenen Interesse bei Einkauf von Mazzoth-Grieß besonders auf die Marke „SCHMIDL" Sireidher als Historiker Der Nürnberger „Stürmer" des intimen Hitler- Freundes Julius Streicher versteht nicht nur das Ritualmordmärchengeschäft, er ist auch ein großer Historiker. Es gibt in der Geschichte der Menschheit keine dunkle Stelle, die er nicht ins Licht der Erkenntnis stellen würde. So heißt es in einer der letzten „Stürmer"-Nummern: „Selbst der letzte der alten Könige von Yemen, Du Nowas, war Jude und wurde, weil er die Christen hart verfolgte, von dem König von Habesch bekriegt, besiegt und entthront. Aus Verzweiflung stürzte sich Du Nowas ins Meer. (70 v. Chr.)" Christenverfolgungen 70 Jahre vor Christi Geburt — diese ungeheuerliche Entdeckung zu machen, blieb dem Hakenkreuzführer Streicher, dem Liebling des nationalsozialistischen Deutschland, vorbehalten. Nationaler Feiertag ohne /Linke' Auf einer Pressekonferenz anläßlich der 2. Makkabiah in Tel-Aviv hielt Lord M e 1 c h e 11, der Ehrenpräsident des Makkabi-Weltverbandes, eine Rede, worin er erklärte: Die Makkabiaden werden ein neuer nationaler Feiertag für das ganze Judentum werden. Die erste Makkabiah hat 20.000 Gäste herbeigerufen, die zweite 50.000, die dritte wird mindestens 100.000 anziehen. An ihr werden sich nicht nur die Makkabi-Verbände, sondern auch alle jüdischen Sportorganisationen der Welt beteiligen. Lord Melchetts Optimismus ist zweifellos begrüßenswert. Er rechnet mit der nationalen Solidarität. Der palästinensische Arbeitersportverband hat bisher die Teilnahme an der Makkabiah als einer — bourgeoisen Sportveranstaltung abgelehnt. Sein „proletarisches" Gewissen erlaubt es ihm nicht, mit dem Stolz der jüdischnationalen Jugend in Reih und Glied zu marschieren. Wird es besser werden, solange die linken Herren die Zionistische Organisation beherrschen? MaimonidessFeier der israelitischen Kuitusgenieinde Wien Sonntag, den 14. April 1935, um 7 Uhr abends findet im großen Leopoldstädter Tempel, Wien, II., Tempelgasse 8, die offizielle Maimonides-Feier der israelitischen Kultusgemeinde Wien statt. Nach einer Ansprache des Oberrabbiners Doktor F e u c h t w a n g hält Oberrabbiner Dr. T a g 1 i c h t die Festrede. Kompositionen von Salomon Sulzer, ausgeführt von den vereinigten Tempelchören unter Leitung des Kapellmeisters Kurt Fuchs gelb, bilden die Umrahmung der Feier, bei welcher Oberkantor Margolies die kantoralen Funktionen versieht. x^iIiiiiiiiiiiiIiiitiiiiniiiiiimiiiiiii■■■ ■ hihibii1111iEiiii111ii■ ii i ii iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii i iiiiiiiiiii iiieiiiniiim im im um giniEii i ii i ij-! Brith Hakanaim Oesterreidis fei'er de§ einjährigen | | Samstag, den 13. April 1935 ff| - verbunden mit 1 Festsaal des Hotefl Continental Hjf€$tc)BtCi€$ Festakademie E Redner: Oberbaurat Ing. Robert Stricker und Rabb. Dr. J. Z. Kanner 5 E Karten zu S 1.50 u. S 1.— in allen Bezirkssektionen der Judenstaatspartei, Warenhaus Schiffmann, II, Taborstraße 48, E E „Neue Welt", IX, Universitätsstraße 8 S ^■■llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllfltlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllllllllllll«illlllllllllllllllllllllll