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Die neue Welt · 1935-04-05 · Heft 453 (5.4.1935) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 453 (5.4.1935)
Date
1935-04-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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feite* DIE NEUE WELT Nr. 453 WdistiiP T^iäutMt w^w^ww^www^r m 'WWVw'W Von Dr. I. Z. Kanner Ah% Mo$ det %cMi Ein Jude, der Weib und Kind verläßt, um jahrelang am Hof des Rabbi zu sitzen, heißt Jojschew X Sitzer) oder Puresch (Abgesandter). Die Chassidim-Rabbis werden im Volksmund „gute Juden" genannt. — Misnagdim und Chassidim sind Vertreter entgegengesetzter Richtungen im Judentum, die ersten rationalistisch, die zweiten mystisch. — Die Chassidim-Rabbia werden auch weiße Jarmulkes genannt, weil sie gewöhnlich weiße Käppchen tragen. Der Rabbi führt den Titel eines Amor (Adon, more, raw r= Herr, Lehrer, Raw). Gabbe (Einheber) ist der erste Würdenträger am Hof des Rabbi; er ist Vertrauensmann, Adjutant und Diener. C h n o k ist ein närrischer Chossid, ein Mensch, der nur mit wenigen Leuten spricht, weil er befürchtet, durch ihre Berührung unrein zu werden. Frauen geht er aus dem Weg. Sein Aeußeres ist unschön. Mit zerschlissenen, locker sitzenden Kleidern und mit zerrauftem Haar geht er durch die Welt. Fahrendes Volk Auch wir haben das, was mau gemeiniglich Gesindel nennt. Aber bei uns findet man es nicht in den Massensiedlungen der großen Städte. Unsere ,.Gesellen" leben zerstreut und — wandern. Sie müssen von Ort zu Ort ziehen. Ihr Wanderleben ist erzwungen. So findet man den B a l'd a r s c h e r oder Maggid (Wanderprediger), den Klesmer (K'le 3emer Musikgerät, Wandermusikant) und den Schorr e r, den Schnurren und sonstige Ereignisse erzählenden Wanderberichterstatter. Diese Figuren lassen sich mit dem „fahrenden Volk" nichtjüdischer Länder vergleichen. Als es noch keine Tageszeitungen gaben, vermittelten diese Wanderer die Neuigkeiten von Ort zu Ort, das Schnurren war ihr Beruf. In nichtjüdischen Kreisen wurde der regelmäßig wiederkehrende Hausierer „unser Jud" genannt, er war in den vom Weltverkehr unberührten Dörfern eine beliebte und populäre Person. Als die Zeitung bis in die entlegensten Winkel drang, war es mit ihrer Schnurrentätigkeit zu Ende. Sie wurden Wanderbettler, Schnorrer. Der M es chor er ha'gudel (großer Sänger) war gewöhnlich ein wandernder Sänger, der sich bisweilen an einen Kantor verdingte, bis dieser alle Melodien des Meschorer (dieser hatte sie bei einem andern Kantor genascht!) einlernt* de.s Meschorers nicht mehr bedurfte. Die pädagogische Mission des Meschorers ist nicht mehr zeitgemäß. Heute singt der Meschorer im Chor mit und ist so des Chasen Helfer. Strolche Paroli wird ein Mensch genannt, der mit allen möglichen Kehlern behaftet ist und nichtsdestoweniger so dreist, andere zu beschimpfen und Fehler an ihnen auszusetzen. Par'ch heißt Aussatz; es tat aber möglich, daß das Wort von Pircha, das ist Jüngling (Grünschnabel) kommt. Man wendet, es gegenüber Leuten an, denen man zu verstehen geben will, daß sie es noch feucht hinter den Ohren haben. Do wer ach er (andere Sache) ist eine euphemistische Bezeichnung für einen gemeinen Kerl. Ein „Zweiundfünfziger" ist ein Hundskerl; denn der Buchstabenwert des Wortes Kelew (Hund) beträgt (Kaf 20, Lamed 30, weth 2) 52. Schegez (Ekel) und Schikseh ist die männliche, bzw. weibliche Bezeichnung für einen Menschen mit ausgelassenem, unjüdischem Benehmen. Auch Batjer oder Batjarnik (poln. Lausbub) und Leid'k (ledig, Müßiggänger vom slaw. Lump neben Drap) sind gangbare Ausdrücke. J'm a c h ach'moj (vertilgt sein Name) ist ein Schuft. Ein Beutelscbneider heißt Keschenik (von Keschene, hebr. Kis Tasche; eine andere Variante wäre vom englischen Kash). Ein Räuber, der seine Drohungen gar nicht auszuführen gedenkt, heißt „jüdischer gaslen"; denn ein Jude als Räuber ist undenkbar. JüdlscUec ttu+noc Die Mayonnaise Ein Schnorrer kommt zum reichsten Mann der Stadt und klagt, er habe seil zivei Tagen keinen Bissen im Mund gehabt. Der Reiche gibt ihm einen Rubel. Ein paar Stunden später geht der Reiche in ein vornehmes Restaurant, und dort sieht er den Schnorrer behaglich beim Tisch sitzen und eine Mayonnaise verzehren. Wütend geht er auf ihn zu: „Dazu gehen Sie schnorren, damit Sie Mayonnaise essen können?" „Das ist ivirklich stark!" entgegnet der Schnorrer aufgebracht. „Wie ich keinen Rubel in der Tasche halte, konnte ich keine Mayonnaise essen; jetzt, da Gott mir geholfen hat und ich einen Rubel bekommen liabe, darf ich keine Mayonnaise essen; sagen Sie mir doch, to a n n soll ich eigentlich eine Mayonnaise essen?" Vor Stolz gestorben Einem Raw, der durch seine Klugheit bekannt war, wurde einmal erzählt, ein Jude in der Stadt sei Hungers gestorben. „Was heißt Hungers gestorben?" toarf der Raw ein. „Er hat doch zu mir oder zu euch oder zu sonst wem kommen können und hätte zu essen bekommen, sogar ein Goj hätte ihm, mann er darum gebeten hätte, ein Stückchen Brot und Wasser gegeben."" Darauf erwiderte man dem Raw, der Verstorbene sei einst ein ungesehener Bürger gewesen, der später verarmt war, und habe es nicht über sich bringen können, jemanden um etwas zu bitten. „So ist das?" antwortete der Raw. „Dann ist er vor Stolz gestorben, nicht vor Hunger. Vor Hunger stirbt man nicht." Eine alte Krankheit Ein alter Wiener Professor, Spezialist für innere Krankheiten, gibt dem. Freundeskreis folgendes köstliche Erlebnis zum besten: Eines Tages erscheint ein altes, jüdisches Frauchen aus dem Osten. Ich fordere sie auf, Platz zu nehmen, und fragte sie, wo es ihr denn nun fehle: „Herr Professor, mir fehlt*& an die Kischkes." Der Professor, welcher diesen Ausdruck in seinem Leben noch nicht gehört hat, bittet seinen Assistenzarzt aus dem Laboratorium zu sich und sagt zu ihm: „Herr Doktor, Sie verstehen doch den Jargon! Was meint diese Frau, sie hat etwas gesagt mit KiscJikes." „Oh1"', sagt der Assistenzarzt mit einem verstehenden Lächeln, „die Dame meint, sie hätte ein Leiden in den Därmen." Da sagt der Professor: „Vielen Dank, Herr Doktor, Sie können wieder gehen." Nachdem der Doktor sich entfernt hat, ver- ' ■■www suchi der Professor aus der alten Frau herauszubekommen, wie lange sie denn das Leiden schon habe, und diese antwortete ihm: „Seit Tischebom.'' Wieder f steht der Professor ratlos diesen Worten gegenüber, ) und wieder ist er gezwungen, seineu jüdisclien | Assistenzarzt ins Sprechzimmer hereinzurufen, mit der Begründung, die Patientin habe gesagt, sie hätte j das Leiden seit Tischebow. Wie lange das denn j eigentlich schon her sei. Da antwortete der Arzt seinem Lehrer und Meister, und dabei blitzte ihm der Schalk aus den Augen: „Ja, Herr Professor, die Dame liat das Leiden schon seit der Zerstörung des Tempels.'' noD ~)V2 bür die Osterfeiertage erhalten Sie die besten Wurst- und Selchwaren aus der renomm. Fabrik EISEN & HONIGSBER ständig frisch in reicher Auswahl Wien II, Haidgass e 51Ä Prima Weine Postversand Achten Sie genau auf die Adresse! Auch Sonntage von 8 Uhr Irüh bis 10 Uhr abends geöffnet. Deutsches Volkstheater. In sechs Bildern rollt im Deutschen Volkstheater Bus-Feketes Komödie „Der G eburtstag" ab. Das Stück ist für „sehr erwachsene" Lu:te geschrieben — 03 zeigt das Liebesleben eines Fünfzehnjährigen bis in sein Greisenalter. Bus-Fekete zeichnet diesen Weg mit viel Humor und Witz und unterhält das Publikum den ganzen Abend lang. Was in den letzten Premieren des Deutschen Volkstheaters schon auffiel, war: sowohl im letzten Stück „Großpapa" als auch, im „Geburtstag" kommt eine verzerrt-häßliche jüdische Figur vor. Wir glauben nicht, daß dergleichen aufdringliche Gestalten den Erfolg verbürgen oder gar vergrößern können. „Die Blume von Hawai". Paul Abrahams Meisteroperette bewährt jetzt im erfolgreichen ,,Stadttheater" unter der Direktion Spitz von neuem ihre Zugkraft. Bei glänzender Stimmung wurden die neue Sängerin Jelly Staffel sowie der Tenor Gorjan, Mia Kainz und Harry Neufeld viel bejubelt. „Alles für die Firma" — ein neuer Wiener Film. Die gegenwärtige Kinosaison hat gezeigt, daß der Wiener Film großenteils den aus Deutschland stammenden Film verdrängt hat und daß Filme, die ohne Rücksicht auf Deutschland gemacht werden, von dem Kinopublikum besonders bevorzugt werden. Der neueste Wiener Film, der ab Freitag, den 5. April, im Imperial-, Löwen-, Schwarzenbergplatz-, Wienzelle-, Maria - Thereaien-, Flieger-, Schloß- und Theater-Kino zu sehen ist, heißt „Alles für die Firma". Ein hervorragendes Wiener Ensemble wirkt in dem Film „Alles für die Firma" mit: Felix Bressart, Otto Wallburg, Oskar Karlwcls, Alfred Neugebauer, Fritz Imhoff, Friedl Czepa, Gretl Berndt, Annie Rosar und Hermine Sterler. Am bedeutsamsten war hiebel die Entsendung des Warum essen wir „Mazzoth"? Fraglos kennt jeder Jude die Antwort auf diese Frage. Sollte es doch einzelne geben, die es nicht genau wissen, warum wir am Pessach „Mazzoth" essen, dann mögen diese es in der „Hagadah" nachlesen oder es sich vom Jüngsten in ihrer Familie erzählen lassen. Warum essen wir „Strum-Mazzoth"?' Auf diese Frage werden sicherlich viele Tausende erfahrene Hausfrauen die gleiche Antwort geben . . . weil „Strum-Mazzoth" seit Jahren als die besten und bekömmlichsten erkannt und anerkannt wurden. Die rituelle Aufsicht besorgen drei Maschgichim des eiinv. Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde. G. W. JUstoümt Bittet "IttO B e s t r e n n m m i e f i e Küche ^3 REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UNO 2.60 sCHWIitHA'l'ER B H A l ll,HqmmerPiirgstciIIGcme 3 (nidist SalttoibrOAc) t» Tel. Ä-41-0-25 Empfehlen§werfe Firmen Restaurants, Cafes etc. Hoiei-itestnurant „Stephanie", II.. Taborstraße 12. VorzUglicho Wiener Küche. Speisen am Rost. Menü ab 8 1.60. Täglich frische Fische Cnfc-lteNtaiiranl Espresso, 1., Kotenturmstraßo 1. Internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. Caf6 Sciiuttentor, 1., Ring de3 13. November 10, Telephon U-2G-G-90. vis-a-vis der Universität. Cafe-Konditorei Neumann, 11., Üredierstraüe ü (Telephon A-42-3-S1), £11., Lüwengasse 47 (Tel. Ü-10-B-78). Restaurant „Spritzer", früher „Hotel National", jetzt II.» Bamrner-Purgstallgaflse 7. Vorzügliche Wiener und Internationale Küche, Tel. A-<!.r>-r>-42. „Vegetarla", Restaurant. 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