Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 446 (12.3.1935)
- Date
- 1935-03-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712070--4941-2718491- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 10 Groschen Jahrgang 9 Dienstag/ den 12« März 1935 Nr« 446 V. b*M ndczJ DIE NEUE. Zeitung vom Verleger versend „Journal expediö par reditcur'* Tf«. vm iwr*lKtshiblil REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oestetreich monatlich S 1.40. vierteljährig s 4.—, ganzjährig S 16.— : Tolen monaUlcfi Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoelowalcel monatlich Kc G.~, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.~; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. '■Mit B bezeichnete Anzeigen aind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX» Universitäisstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u, Freitag Riiualmordlüge und Hauptmann-Prozeß Aus New-York wird gemeldet: Das Verteidigungskomitee für Bruno Hauptmann, der des Mordes an Lindberghs Kind beschuldigt und zum Tode verurteilt wurde, hat in ganz Amerika eine unerhörte antisemitische Aktion begonnen. Das Komitee verbreitet in Wort und Schrift die Meinung, daß Lindberghs Kind als Opfer jüdischer Hände umgekommen sei. Dieser Kampagne zufolge haben Juden das Kind ermordet, um sein Blut für religiöse Zwecke zu verwenden, und haben später durch den jüdischen Staatsanwalt im Hauptmann-Prozeß die Schuld am Mord auf den Deutschen Hauptmann gewälzt. In den Versammlungen, auf welchen das Bestreben herrscht, diese Blutbeschuldigung populär zu machen, tritt vor allem die Frau des verurteilten Bruno Hauptmann auf. Sowohl diese als auch Hauptmanns Verteidiger versuchen, aus dem Kindesmörder einen deutschen nationalen Märtyrer zu machen. Sie behaupten, daß die „W eisen vonZion" sich Hauptmann zum Opfer in diesem Prozeß auserkoren haben und daß der Prozeß selbst, nach den. Anweisungen der „Weisen von Zion" geführt worden sei. Im Zusammenhang mit dieser Aktion rufen die amerikanischen Hakenkreuzler zum Kampf gegen die Juden auf, welche angeblich ihre Stärke in Amerika gegen die deutsche Bevölkerung der Vereinigten Staaten anwenden. Auf den Versammlungen sieht man die militärischen Organisationen der SA. und der SS. mit ihren braunen Uniformen. Bei den verschiedenen Sammlungen wurde ein Betrag von 15.000 Dollar zur weiteren Verteidigung des wegen Kindesmordes verurteilten Hauptmann aufgebracht. Wahlen zum Judisdien Weifkongreß — 1935 Das Zentralkomitee für den Jüdischen Weltkongreß teilt uns aus Paris mit: „Die Berichte aus allen Ländern lassen erkennen, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Schaffung einer autoritativen, auf demokratischer Grundlage beruhenden Repräsentanz des jüdischen Volkes durch den Weltkongreß immer weiter um sich greift. — So haben sich in Polen alle jüdischen Parteien und Organisationen (mit Ausnahme von „Bund" und „Linke. Poale-Zion") für den Weltkongreß ausgesprochen. Ebenso in fast allen ost- und mitteleuropäischen Ländern. In Frankreich und England stellen sich immer größere Kreise der jüdischen Bevölkerung in den Dienst der Weltkongreß-Bewegung. In Italic n, B u 1 g a r i e n, Griechenland usw. haben sich die Gesamtvertretungen der Judenheiten dieser Länder für den Weltkongreß erklärt. In Palästina hat die anerkannte Repräsentanz des Jischuw, der Wand Leumi, beschlossen, »einen Vorsitzenden als Mitglied des Komitees des Weltkongresses zu delegieren. Die Bewegung für den Kongreß ist in den Vereinigten Staaten trotz der heftigen Gegnerschaft des American Jewish Committee viel stärker geworden. Aber die technische Vorbereitung von Wahlen, an denen sich Hiuiderttausende von Juden beteiligen sollen, erfordert, besonders in den Ländern jüdischer Massensiedlung, mehr Zeit, als vorher in Aussieht genommen wurde, und die beginnende Wahlbewegung zum Z i onisttschen Kongreß absorbiert naturgemäß die Zeit und Energie eines großen Teiles der führenden Persönlichkeiten der Weltkongreß-Bewegung. Aus diesem Grunde wird es notwendig sein, die Wahltermine, die für Frühjahr und Anfang Sommer dieses Jahres vorgesehen waren, um einige Monate zu verlegen. Doch hält das Komitee daran fest, daß, entsprechend dem Beschluß der vorjährigen Genfer Weltkonferenz, die Wahlen in den Ländern im Laufe diese» Jahres, 1935, durchgeführt werden. Das genaue Datum der Wahlen in den einzelnen Ländern wird in einer Vollsitzung des Komitees, unter Beteiligung der auswärtigen Mitglieder, die im Mai dieses Jahres stattfindet, festgesetzt werden." An die Gegner des Weltkongresses Im Anschluß an vorstehende Kundmachung übermittelt uns das Komitee folgende Erklärung: Das Exekuitiv-Komitee des Delegatione Juives und des Weltkongresses sieht sich gegenüber der Polemik gegen den Weltkongreß seitens verschiedener anti -national jüdisch er Gruppen, besonders in Ameri k a, veranlaßt, mit aller Entschiedenheit die Verdächtigung zurückzuweisen, als ob die Teilnahme am Jüdischen Weltkongreß auch nur im leisesten Widerspruch stehen könnte mit den selbstverständlichen Pflichten der Juden als Bürger ihrer Länder. Unter böswilliger Mißdeutung und Verdrehung von Erklärungen auf den Genfer Weltkonferenzen wurde versucht, besonders in Amerika, den Eindruck zu erwecken, als ob der Jüdische Weltkongreß eine Instanz schaffen soll, die irgendwie Einfluß nehmen würde auf die gesetzlichen Pflichten der Juden gegenüber Äen Regierungen ihrer Länder. j Insbesondere wird die Erklärung des Präsidenten des Komitees, Dr. Goldman«, auf der ersten Genfer Weltkonferenz bezüglich dar „S o u v e r ä n i t ä t" des Weltkongresses in der absurdesten Weise als die Inanspruchnahme staatlicher Funktionen für den Weltkongreß mißdeutet, während diese Erklärung nichts anderes besagen wollte, als daß der Weltkongreß sich das Programm seiner Arbeiten selbst bestimmen werde, gegenüber Forderungen, die eine genaue Festlegung seiner Aufgaben schon damals forderten. Mit diesen böswilligen Argumenten eines mißverstandenen Patriotismus hat man seinerzeit den Zionismus diffamiert und will man jetzt den Versuch des Zusammenschlusses der Juden der Welt zur elementaren Verteidigung ihrer Rechte diffamieren. Demgegenüber erklärt das Exekutiv-Komitee — und die Zustimmungserklärungen zum Gedanken des Jüdischen Weltkongreßes durch führende nichtjüdische Staatsmänner (Barthou, Berenger, Godart, Benesch, Madariaga, Politis usw.) bestätigen es immer wieder —, daß der organisatorische Zusammenschluß der Juden der Welt und die Schaffung von Instanzen, die im Namen des Judentums den Kampf für seine elementarenRechtealsBürg e r und als V o 1 k führen sollen, nicht im mindesten Widerspruch steht und stehen kann zu den selbstverständlichen Gefühlen und Pflichten der Juden als loyale Bürger ihrer Länder. Es bedeutet einen Rückfall in die schlimmste assimilatorische Ideologie einer vermeintlich schon überwundenen Vorkriegsepoche, wenn Wortführer jüdischer Komitees mit solchen absurden und diffamierenden Argumenten gegen den Weltkongreß zu kämpfen versuchen. In einer Zeit, in der das jüdische Volk der Welt genötigt i&t, den Kampf um seine elementarste Gleichberechtigung, um die ihm durch die Friedensverträge zuerkannten Minoritätenrechte, um die Sicherung seiner. wirtschaftlichen Positionen und um die Möglichkeit seiner physischen Existenz zu führen, ist die Desorganisation des Judentums, wie sie heute besteht, ein Verbrechen an den Existenzrechten der jüdischen Massen. Keine Regierung der Welt und kein objektiv und vorurteilsfrei denkender Nichtjude kann und wird es uns zum Vorwurf machen, wenn wir in of f en e r, würdiger und organisierter Form das tun, was auch die Gegner des Jüdischen Weltkongresses in Konventikeln von Notabein zu tun versuchen, nämlich Wege und Mittel zur Sicherung unserer Existenz und zur Abwehr der maßlosen Anr griffe gegen uns zu finden. Der Kampf für und gegen den Jüdischen Weltkongreß hat nichts zu tun mit Patriotismus und derartigen staatsbürgerlichen Pf lichten^ sondern er ist ein Kampf um Jiidenslaatsparlei Oesterreichs Der Mittwoch-Vortrag im Heime, I, Werdertorgasse 14, entfällt. (VERSAMMLUNG Donnerstag, am 14. März, 7,9 Uhr abends, im Saale des Cafe Goldener Engel, XXI, Am Spitz 2 | Thema: Was geschieht mit den Juden? I Redner: Oberbaurat Robert Stricker, Fritz Richter die Anerkennung der Juden a 1 s V o 1 k, um die Schaffung einer demokratischen Vertretung des Judentums und um die Beseitigung autokra< tischer Tendenzen im jüdischen Leben, denen das nationale Judentum schon vor Jahrzehnten den Kampf angesagt hat. Das Exekutiv-Komitee ist überzeugt, und die Entwicklung der Weltkongreß-Bewegung in allen Ländern beweist es, daß die überwiegende Mehrheit der Juden von der Erkenntnis der Notwendigkeit der Schaffung dieser demokratischen Repräsentanz durchdrungen ist und daß es kein wirsameres Mitt e 1 gibt, um den Kampf des jüdischen Volkes um die Sicherung seiner Rechte zu führen, als die V e r w i r klichung des Weltkongreßgedankens. PaläsiinasEhtwanderung Banner 1935 Aus Jerusalem: Laut amtlichem Berichte sind im Monat Jänner 1935 4886 Personen, unter ihnen 4 3 3 ß Jude n, nach Palästina eingewandert. 359 jüdische Einwanderer der Kategorie A, die ein Kapital von mindestens 1000 Pfund nachweisen mußten. Anfi'jucüiscfie Boykottaufrufc In Palästana Aus Tel-Awiw: In den Straßen Jaffas und Haifas wurden Piakate in englischer und arabischer Sprache mit Hakenkreuzen angebracht, in denen die Araber aufgefordert werden, jüdische Geschäfte und Kaffeehäuser zu boykottieren. Die Zeitung „AI Islamia" meldet, daß die Plakate aus Europa gebrachü wurden. Offenbar handelt es sich um eine Propaganda, der von Alfred Rosenberg protegierten Internationalen Antisemitischen Liga. fttiasairyksfeBei'n in PaSästina Zum 85. Geburtstag des Präsidenten MasaryU fanden in ganz Palästina Feiern statt. In Jerusalem nahm; der tschechoslowakische Konsul Kadlec an dem Festabend teil. In Tel-Awiw teilte Vizebürgermeistct! Rokeach mit. daß Präsident Masaryk zum Ehrenbürger der ersten jüdischen Stadt — nebetf Lord AUenbey und Lord Balfour — ernannt worden sei\ — Die ganze hebräische Presse würdigt Persönlichkeit und Wirken des großen Präsidenten. Die großen, vorzüg'lichenSalonschiffc „GALILEA", „GERUSALEMME". „PALESTINA" der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA des LLOYD TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag. Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß ca. ö. S 258___. Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6