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Die neue Welt · 1935-01-18 · Heft 431 (18.1.1935) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 431 (18.1.1935)
Date
1935-01-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT det Stimm dm (des Bandes UmUe) Von Perez S ino I c n skin Deutsch von Dr. J. L. L a n d a u ..So. das wa^t ihr zu su£en? Schämt ihr euch nicht, orrötol ihr nicht darob? Dieser Schriftstolh'r lobt .seit i'inigor Zeit unter uns und ihr habt ihn nicht einmal In merkt. Habt, nur ihm zu verdanken, daß ihr das jjoworden. was ihr seid! Hätte er nicht euch oder euren > iitern die Anteil geöffnet, ihr säßet alle miteinander in einer .Klaus' oder wäret Handeljuden. Ihr wünscht gehört zu werden, während jeder von euch unsere Ehre mit Füßen 1 ritt. Wäre dieser Mann Schriftsteller einer anderen Nation, sie wüßte seine Verdienste besser zu würdigen, sein Name wäre heute selbst unter euch der Klangvollste." „Wir haben ja keine Ahnung von diesem Herrn", rü'feu mehrere. ..Was verlangst du von uns? Sollen ihn die würdigen, die ihn verstehen." „Auch ich bin ihn zu ehren herzlich bereit", warf Unyar ein, „wenn seine Grundsätze auch nicht nach GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <£ DEUTSCH &ien, I. Bez., Seitenstettengasse 2, I | S a m s i a g XI.. Zenitaliriedhot, neb. d. 1. lor. \ \ geschlossen meinem Geschmack sind. Ich anerkenne seine Verdienste im Kampf für Fortschritt und ehre in ihm einen Mann, der seine Ansichten rücksichtslos vertritt. Das ist heute selten der Fall. Ich bin in der Tat neugierig, zu hören, was du von ihm empfangen hast." „Er meinte, es sei Aufgabe des Lehrers, zunächst zu zeigen, was zu vermeiden ist. Denn zu positiver Stellungnahme werden uns schon die späteren Ereignisse und die wachsenden Bedürfnisse des Lebens führen. Man muß einfach lehren, daß es Schmach und Torheit sei, die Hand zu küssen, die uns weh tut; daß es Schmach und Verbrechen sei, dem Räuber, der uns ausbeutet und uns nur das Allernohvendigste zurückläßt, um weiter für ihn zu arbeiten, hiefür noch Dank und Lob zu sagen; daß es endlich Wahnsinn sei, als treuloser LTeberläufer auch sklavischer Untertan des Feindes zu sein. Ergo, wenn wir wirklichen, ewigen Frieden wünschen, dürfen wir uns nicht mehr Selbsttäuschungen hingeben oder uns Lügen bedienen, wir müssen eher klar und offen erklären, daß wir müde sind, diesen vergeblichen Kampf fortzuführen, d.'iß wir unsere Posten verlassen, um ins feindliche Lager überzugehen, des Feindes ewige Sklaven zu bleiben. Gebraucht aber keine Phrasen mehr, daß ihr, mit Schwert und Pistole ausgerüstet, von ihm, ohne sich zu unterwerfen, Freundschaft und Frieden erhält! Euer Schwert ist euer jüdischer Name, euer Gewehr der jüdische Glaube, gleichviel, ob ihr wirklich glaubt oder nicht. Solango ihr diese Waffen nicht von euch werft, derethalben ihr ja augefeindet werdet, dürft ihr nicht wagen, dem Feinde euch zu nähern und ihn um Frieden anzugehen. Das sind seine Worte und ich bin stolz darauf, ihren Sinn erfaßt zu haben. Ich gelobte mir, danach zu handeln. Das ist es, was mich bewog, diese Versammlung einzuberufen, damit wir in corpore beschließen, jenen aufzusuchen, um von ihm ein lebendig kräftiges Wort zu hören, wie es bis zur Stunde unter Juden nicht ausgesprochen wurde." Diese Worte Jacobsons hatten diesmal ihren Eindruck nicht verfehlt. Auf allen Gesichtern war es zu lesen, daß sie jedem ins Herz griffen und daß alle bereit waren, dem Ruf zu folgen. Ungar aber gab den Widerstand noch nicht auf. Er erhob sich und ergriff das Wort, wenn auch nicht mehr so siegesgewiß und nicht mehr mit der früheren Kühe: „Wenn wir auch alle zugeben wollten, daß jener Schriftsteller ein Prophet sei und du sein lebendiges Echo, müßtest du doch auch zugeben, daß wir heute auf Prophet und Echo nicht mehr so gläubig achten. Solange er uns nicht tatsächlich Beweise liefert, daß er das drohende Unheil herannahen sieht, oder solange du uns nicht in seinem Namen irgendeinen überzeugenden Beweis gibst, wirst du uns vergebens einzuschüchtern versuchen. Die Zeiten der Feigheit und Zaghaftigkeit sind nun vorüber. Wir fürchten keine bösen und finsteren Tage mehr." Viele erhoben nun rasch ihre Biergläser mit dem Ruf: „Hoch Ungar!" und schauten verächtlich auf Jacobson, als ob er sich von diesem Schlag nicht mehr würde erholen können. Jacobson war peinlich berührt, er faltete seine Stirn, erwägend, ob er darauf welter antworten solle. Als er aber die verächtlichen Mienen um sich bemerkte, konnte er nicht länger an sich halten und sagte ein wenig gereizt: „Das ist es ja, was ich gleich eingangs sagte: dem Bünden helfen keine Beweise mehr. Wer seinen Kopf in den Sand vergräbt, um nicht gesehen zu werden . . . die Tage, die du die bösen nanntest, waren in der Tat bös und bitter. Die heutigen Tage sind aber viel .schlimmer als jene. Damals hatten wir keine Gleichberechtigung, aber wir hatten Kechte. Die Massen wußten, daß das Gesetz uns schützt, und keiner wagte, jenes winzige Recht anzutasten. Heute hingegen attackiert uns jeder nach seiner willkürlichen Rt'chtsdeutun«; in unsor' m Recht. Damals hatten wir nicht soviel Feinde unter den Vornehmen des Volkes, Die FürsliMi und die ersten Beamten des Staat >s versagten uns nie ihre Unterstützung, legten stets ein warmes Wort für uns ein. Sie bemühten sich selbst, »ms das Verständnis für Kunst und Wissenschaft zu erschließen; sie freuten sich über unsere Fortschritte und spendeten unseren Verhältnissen neidlos Lob. um uns zu weiteren Fortschritten zu ermutigen. Heute hassen sie uns alle, und all ihr Sinnen und Trachten geht dahin, uns aus allen Gebieten des Wissens in die frühere Inferiorität hinabzustoßen. Wie jammervoll ist jetzt das Schicksal unseres Volkes! Früher, als wir die Geschmähten und Verachteten waren, fanden sich edel denkende Menschen, die Toleranz predigten und zur Duldung mahnten. Unseren fremden Habitus und manche Anstoß erregende Handlung rechtfertigten sie damit, daß man uns in jene Verhältnisse hineingedrängt hat und prophezeiten eine schönere Zeit, sobald man uns als gleichwertig behandeln werde. Jetzt aber schweigen die Stimmen der Edelgesinnten. Statt Toleranz und Liebe wird Haß und Rache gepredigt. Damals durften wir zumindest hoffen, heute sind wir bitter enttäuscht. Und dennoch sind unter uns unheilbar Blinde, die sich nicht zu behaupten entblöden, daß unsere jetzige Zeit eine ungleich schönere sei. Diese Blinden werden nur dann zur Einsicht gelangen und die Ghettomaliern immer noch vor sich aufgerichtet sehen, wenn sie selbst mit ihrem Kopf an die Wand bloßen." „Und was meinst du jetzt anzufangen?" fragte der Arzt, als er alle herum schweigen sah. Es bildeten sich mehrere Gruppen, die geteilter Meinung waren. Die einen erklärten, sich nicht von einem Menschen belehren zu lassen, der die Jugend dem Fortschritt untreu machen will und ein Unheil verkündet, das wohl nie eintreffen werde — der Geist der Zeit sei nun so hoch, daß er nie mehr von seiner Höhe herabsinken könne, und kein Mann würde jetzt das Rad der Zeit, das immer vorwärts rast, zum HÜlten bringen. Andere dagegen neigten den Ausführungen Jacobsons zu, so daß eine Verständigung zwischen den Gruppen unmöglich schien, als der Arzt die Erklärung abgab, daß es immerhin, welcher Meinung man auch sein mag, Pflicht und Schuldigkeit sei, eine Ehrung für jenen Schriftsteller zu beschließen. Da auch Ungar seine Zustimmung dazu gab, ging man mit dem Beschluß auseinander, diese Ehrung am nächsten Festtag erfolgen zu lassen. II. Ungar taumelte, entsetzt zurück und \Väre schier von seinem Sessel gefallen, als er unwillkürlich in den kleinen Spiegel sah, der auf dem Tisch vor ihm stand. Auch der war ihm nun untreu geworden. Sein Freund und intimer Bundesgenosse war er ihm, seitdem er dieses Zimmer bezogen hatte. Seit jener Stunde hatte der Spiegel ihm stets nur Freude bereitet. Selbst am heutigen Morgen, als er aufstand, sich wusch, ankleidete und seinen Schnurrbart in Ordnung brachte, trat er, wie immer, zuerst vor seinen Spiegel. Sein Gesicht strahlte. Und als er mit noch geröteten Wangen zurückkam und wieder vor den Spiegel trat, weilte er vor ihm recht lange, da ihm ja alles in diesem wenn auch fremden Zimmer, teuer war. Da war vor einer Stunde etwa der Briefträger gekommen, der ihm zwei Briefe Uberbrachte und diese hatten alles zerstört, alle Bilder seiner Phantasie verzerrt, und alles, was er mit Sinnen oder Gedanken wahrnehmen konnte, in Schreckbilder verwandelt. Alles Schöne und Erhabene, ja selbst sein schönes Gesicht, sah er entstellt. Was war geschehen? fFortsetzung folgt.) Kürzlich fsiiul in den Räumen der Allgemeinen Ver- KicluM'iiiigKgeNiillsfhiift l'hönix, Wien, IX., Ottc-Wagner-Platz 5, eine Anstaltsfeier anläßlich des 25jährigen BerufsjubüäumH den leitenden Verwaltungsrates und Generaldirektors, des Herrn Dozenten Dr. Georg S c h 1 e s i n g e r, ■ statt. Nach einer Begrüßung des Vorsitzenden Verwaltungsrates, der Direktionsfunktlonäre und der Vertreter der Beamtensehaft nahmen Vertreter zahlreicher Verbünde und Korporationen den Anlaß wahr, um Herrn Dr. Schlesinger, der weit Uber das VersichcrungBgewerbe hinaus großes Ansehen genießt, v.u beglückwünschen. Auch zahlreiche delegierte Funktionäre ausländische!* Versicherungsgesellschaften haben sich x.u der erhebenden Feier eingefunden, die ein Zeugnis ablegte von der großen Beliebtheit und Wertschätzung des Jubilars. Jetzt.« ist die Gelegenheit da! Das bekannte Schuhhaus „W i 11 y" räumt jetzt anläßlich der Inventur- - um Platz zu schaffen — das große Lager erstklassiger Qualitäts-Schuhe für jede Gelegenheit zu tief reduzierten Preisen. Diese einmal im Jahre gegebene Okkasion, das Schönste und Beste an Schuhen jeder Art spottbillig zu kaufen, darf niemand versäumen. Wer früher kommt, hat die größere Auswahl! 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